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Fr, 14:55 Uhr
13.01.2006

Konjunktur zieht an

Nordhausen (nnz). Der Konjunkturmotor kommt langsam auf Touren. Bei den Thüringer Firmenchefs wächst die Zuversicht auf eine spürbare Erholung. Die Anzeichen für eine wirtschaftliche Belebung, die über eine reine Stimmungsverbesserung hinausgehen, mehren sich. Was die Unternehmer noch so sicher macht, das hat jetzt die nnz erfahren.


Steigende Auftragseingänge und eine zunehmende Kapazitätsauslastung haben die Ertragslage der Unternehmen weiter verbessert und Investitionen angeschoben. Das ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt unter rund 1.000 Betrieben Nord- und Mittelthüringens. Der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle wirtschaftliche Lage der Unternehmen als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, steigt um 9 Punkte zur vorhergehenden Analyse und erreicht 106 von 200 möglichen Prozentpunkten – das beste Ergebnis seit fünf Jahren.

„84 Prozent der Befragten berichten von einer guten bis befriedigenden Geschäftslage“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Zwar herrsche in den Chefetagen keineswegs Euphorie, aber die pessimistischen Stimmen hätten weiter abgenommen.

„Die Investitionsbremse löst sich. Immerhin beabsichtigen rund zwei Drittel der Unternehmer ihr Budget aufzustocken oder konstant zu halten“, so Grusser. Nur jeder Fünfte wolle seine Ausgaben kürzen.

Dagegen bewege sich die Jobmaschine derzeit noch im Leerlauf. Nur 8 Prozent der Befragten wollten neue Leute einstellen. „Der Abwärtstrend scheint indes gestoppt“, verweist Grusser darauf, dass immerhin knapp drei Viertel der Firmenchefs mit einem unveränderten Personalbestand planen.

Schlüsselgröße für den Aufschwung bleibe die Industrie. Das Stimmungsbarometer in der Branche zeige deutlich nach oben. „Der Rekordumsatz in der Thüringer Industrie von rund 25 Milliarden Euro im vergangenen Jahr hat die Geschäftslage der Unternehmen weiter stabilisiert“, berichtet der IHK-Hauptgeschäftsführer. 34 Prozent der Manager würden ihre Situation mit „gut“ bezeichnen, nur jeder Siebente urteile noch mit „schlecht“. Die Kapazitäten seien inzwischen wieder bei mehr als einem Drittel der Befragten zu über 90 Prozent ausgelastet. Noch im Herbst 2005 wäre dies nur bei rund einem Viertel der Fall gewesen.

„Steigende Auftragseingänge, zunehmend auch aus dem Inland, führten dazu, dass knapp die Hälfte der Betriebe wieder mit Gewinn arbeitet. Dies stimmt optimistisch für die nächsten Monate“, so Grusser. So rechne jeder vierte Unternehmer mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung. Zuversichtlich zeigten sich die Firmenchefs auch bei der Entwicklung der Exporte.

Für 2006 erwarten die meisten sogar steigende Ausfuhren und eine Fortsetzung des positiven Trends, der den Thüringer Exportbetrieben im vergangenen Jahr mit ca. 7,5 Milliarden Euro einen Spitzenplatz unter den Neuen Bundesländern mit einer Exportquote von fast 30 Prozent bescherte.

„Das Baugewerbe hat seine Talsohle augenscheinlich durchschritten“, stellt Grusser im Ergebnis der Umfrage fest. Bei 15 Prozent der Befragten liefen die Geschäfte inzwischen wieder gut, knapp jeder Zweite zeige sich zufrieden. Die Anzahl der Firmen, die rote Zahlen schreiben, habe sich seit der letzten Umfrage von 22 auf 9 Prozent reduziert. Allerdings sei das Auftragspolster bei knapp der Hälfte der Betriebe noch zu dünn. Personaleinstellungen wären daher nicht zu erwarten; drei Viertel der Bauunternehmen wollten die Aufträge mit den vorhandenen Mitarbeitern bewältigen.

Im Einzelhandel herrsche nach wie vor Katerstimmung. „Das Weihnachtsgeschäft konnte den hochgesteckten Erwartungen nur zum Teil gerecht werden und die Umsatzeinbußen der vorangegangenen Monate nicht ausgleichen“, berichtet Grusser. So würden bei 29 Prozent der Befragten die Geschäfte schlecht laufen; mehr als die Hälfte hätte Ertragseinbußen verkraften müssen und auch die Aussichten auf die kommenden Monate seien eher verhalten. Positive Effekte aus der für 2007 angekündigten Mehrwertsteuererhöhung erwarten die wenigsten. Laut Ansicht der Händler beschränke sich dies weitgehend auf den Kauf hochpreisiger Konsumgüter.

Fazit: Nach der Durststrecke im vergangenen Jahr hat sich die Konjunktur wieder erholt. Die Stimmung in der Wirtschaft zeigt sich deutlich aufgehellt. „Das positive Votum der Unternehmer ist auch als Vertrauensvorschuss für die große Koalition zu werten“, erklärt Grusser. Nun komme es entscheidend darauf an, dass die Wirtschaftspolitik über kurzfristige Konjunkturspritzen hinaus die dringend benötigten Reformen in den Bereichen Sozialversicherung und Steuern auf den Weg bringt. Sollte sie den Glaubwürdigkeitstest nicht bestehen, werde der beginnende Aufschwung schon in den Startlöchern wieder ausgebremst.
Autor: nnz

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