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Do, 15:50 Uhr
12.01.2006

Feininger in Nordhausen

Nordhausen (nnz). Am 13. Januar 1956, vor 50 Jahren, starb der amerikanisch-deutsche Künstler Lionel Feininger in New York. Feininger weilte auch in Nordhausen. Was weiß man darüber?, Der Stadt Nordhausen wurde 1992 ein Aquarell des Künstlers durch einen Hamburger Kunsthändler angeboten...


Es zeigt die zwei ungleichen Türme von "St. Blasii", gesehen durch zwei Häuserfluchten. Das Bild trägt den Titel: "Nordhausen". Bereits 1972 war im Kirchlichen Mitteilungsblatt ein St.-Blasii-Aquarell Feiningers auf dem Titelblatt abgebildet. "Auf Seite 1 unseres Kirchenblattes finden Sie heute die Wiedergabe eines Gemäldes von der St.-Blasii-Kirche, gemalt von dem deutsch-amerikanischen Maler und Graphiker Lyonel Feininger. Feininger, geboren am 17.7.1871 und gestorben am 13.1.1956 in New York, lebte seit 1887 in Deutschland. Er war Mitglied des "Blauen Reiters" und seit 1919 am Bauhaus in Weimar tätig. Von den Nazis verfemt, ging er 1937 in die USA."

Natürlich wurde nun in Nordhausen geforscht, wann das aquarellierte Blatt entstand. Herausgefunden wurde, dass Feininger am 1. April 1932 in Nordhausen war und mehrere Skizzen rund um die Blasii-Kirche schuf. Vier dieser "Naturnotizen" befinden sich in Cambridge, USA, im Busch-Reisinger-Museum. In Auseinandersetzung mit diesen Skizzen schuf der Künstler mindestens drei Aquarelle. Damals, 1992/93, kam ein Ankauf des Aquarelles nicht zustande. Die Stadt sah sich finanziell überfordert. So kam Feininger nicht noch einmal nach Nordhausen.

Aber im Jahr 2002 änderte sich das durch die Kunststifterin Ilsetraut Glock. In Gesprächen mit ihr hatten wir auch die Feininger-Story erzählt. Während einer Kunstauktion wurde ein Feiningerblatt angeboten. Die neue Besitzerin hieß Ilsetraut Glock. Jetzt gehört das Blatt dem Kunsthaus Meyenburg.

Was für ein Feiningerbild ist das? Es handelt sich um eine Zinkätzung mit dem Titel: „Lagebesprechung bei Tisch“. Die Graphik entstand 1916 und ist 26 cm x 24 cm groß. Sie wurde in der Platte signiert. Fünf uniformierte Herren - der 1. Weltkrieg beherrscht die Menschen - gruppieren sich um einen gedeckten Tisch, in dessen Mitte ein Blumengebinde prankt. Man trinkt Wein, ein Trinkgefäß ist umgefallen, Rotes fließt herab. Im Bild herrscht das Rote sowieso vor, Blau, Grün und Schwarz gesellen sich hinzu. Jeder der Herren ist mit sich beschäftigt. Ihr Alter ist nicht genau zu bestimmen. Wurde die Lage schon besprochen oder gibt es 1916 nichts mehr zu besprechen?

Feininger hat in den ersten Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit häufig Karikaturen geschaffen, sie machten seinen Namen bekannt und wurden in Zeitungen und Zeitschriften gedruckt. Die figurreichen Kompositionen dieser frühen Jahre zeigen die Agierenden in überlanger Form, so ist es auch auf dem jetzt Nordhausen gehörenden Bild.

Als Feininger das zur Kunststiftung gehörende Blatt 1916 schuf, besaß er ein Atelier in Weimar. Gegen Ende des ersten Weltkrieges zog er sich mit seiner Familie nach Braunlage im Harz zurück. Dort beginnt er 1918 mit seinen Holzschnitten. 1919 geht er an das von Gropius in Weimar gegründete Bauhaus. Ein neuer Abschnitt seines künstlerischen Schaffens beginnt, der, der ihn weltberühmt machen sollte.

1932, als die Skizzen zu den eingangs erwähnten St.-Blasii-Aquarellen in Nordhausen entstehen, wurde das nach Dessau umgesiedelte Bauhaus am 30. September geschlossen. Also kam Feininger im April aus Dessau, wo er in einem der Künstlerhäuser wohnte, die jetzt wieder rekonstruiert worden sind, nach Nordhausen.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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