Di, 13:32 Uhr
03.01.2006
Isländisch und irisch
Nordhausen/Limlingerode (nnz). Am kommenden Sonntag (8.1.) werden in der Dichterstätte Sarah Kirsch zwei Atlantikinseln Nordeuropas dichterisch vorgestellt: Irland und Island. Die Hintergründe zu dieser außergewöhnlichen Reise erläutert Heidlore Kneffel.
Aus Anlaß der Heinrich - Böll - Tage vom 6. - 21. Januar 2006 in Nordhausen werden in Limlingerode ab 14 Uhr Passagen aus den Prosawerken Islandhoch von Sarah Kirsch und Irisches Tagebuch von Heinrich Böll von Mitgliedern des Fördervereins vorgetragen. Die Dichterin kannte Böll nicht persönlich, hatte aber mehrere anregende Telefongespräche mit ihm. Sie schätzte sein humanes Engagement, seine Geradlinigkeit.
Das erste Mal brach Heinrich Böll am 23.9.1954 nach Irland auf und blieb bis zum 21. 10. in Dublin. Von dort führten Exkursionen in die nähere und weitere Umgebung, z.B. nach Limerick. Seine Familie erfuhr am 7. 10. in einem Brief: Es ist so schön hier, daß ich sehr traurig bin, Euch nicht hier zu haben; Seen, Berge, Wolken und jene unbeschreiblichen, stets wechselnden Lichter, die ich noch nie gesehen habe. Ich bin sehr froh, nach Irland gefahren zu sein. Diese Faszination von Land und Leuten dauerte an, denn bereits am 30. 5. 1955 trifft er wieder in Irland ein, dieses Mal mit seiner Familie und einer Bekannten. Man bleibt bis zum 30. September, jetzt in Keel auf Achill Island. Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit reist er mit Frau und Söhnen am 1.6. 1956 nach Keel, und dieser Aufenthalt erstreckt sich bis zum 29. 9. 1956.
Schon seine erste Reise hatte Böll in fünf Irland - Impressionen publiziert. Der Erfolg in den Printmedien weckte das Interesse des Rundfunks. Der zweite Aufenthalt findet in vier literarischen Texten seinen Niederschlag, wiederum in Zeitungen erstveröffentlicht. Bereits jetzt wurden Gespräche geführt, aus den Eindrücken von Irland eine Buchpublikation zu gestalten.
In einem Brief vom 31.7. 1956, also vom dritten Aufenthalt, schreibt Böll: Wir machen ab Ende nächster Woche [...] eine kleine Rundreise durch Irland, da ich ja auch meiner Berichte ( und des Buches ) wegen ein wenig mehr sehen muß [...] Ich will [...] meine Eindrücke etwas auffrischen und konzentriere mich dann ganz auf die Irischen Impressionen, die im Frühjahr als Buch erscheinen sollen [...]
Die Buchkonzeption begann Ende 1956, der Titel lautete dann: Irisches Tagebuch, es erschien im Mai 1957. Bis heute besitzt es eine hohe Popularität. Der Autor blieb Irland auch nach der Buchpublikation engstens verbunden. Die Familie kaufte sich sogar eine Cottage an der Nordküste der Insel.
Sarah Kirsch, die seit 1983 im Norden Deutschlands in einem ehemaligen Schulhaus an der Eider zuhause ist, zieht es von dort noch weiter nordwärts, immer aufs Neue. So besuchte sie mehrmals Island, die Insel, auf der Halldor Laxness, der große alte Mann der isländischen Literatur lebte, den sie verehrt, dem sie persönlich begegnet ist.
Im August 2002 erschien Islandhoch, diese Tagebruchstücke, die ihre Fahrt nach Island schildern, angetreten mit der Bruarfoss am 29. Junius 92, dem Tag mit dem schönen Spiegeldatum. Mit von der Partie sind Max, der Sohn, der Verleger Steidl aus Göttingen, der Meister, und die Lehrerin, Margarita bezeichnet.
Karin Kisker, Mitglied des Fördervereins, schrieb in einer Rezension: Zwischen den Buchdeckeln tobt eine Gischt wie Feuerwerk, wie, wenn der Aquarellkasten explodiert und die merkwürdigsten Bruchstücke des Tages ans Licht schleudert. Traumschöne Aquarelle sausen atemberaubend glutreich durchs Geschriebene wie Geistesblitze, in denen das Bruchstückhafte des Erlebnisfilms zum Kunststück gerät. Alles liegt darin und dazwischen: Tiere und Pflanzen, Landschaften und Menschen, Himmel und Erde, alles vom Wind sacht gerührt, nicht geschüttelt – Islandhoch.
Zu den tagebuchartigen Texten gesellt sich also eine grandiose Farbigkeit der Aquarelle, denn Sarah Kirsch entwirft solche seit 1988. Sechsundneunzig Tagebuchnotizen ermöglichen es dem Leser, sich Orte vorzustellen, in Situationen einzutauchen oder Gefühle zu erinnern. Beim Vortragen der Texte von Heinrich Böll und Sarah Kirsch wird offenkundig, wie unverwechselbar das sich in Sprache Ausdrücken bei beiden Autoren ist – ein einprägsames Erleben am 8. 1. 2006 in der Dichterstätte in Limlingerode ab 14.00 Uhr.
Heidelore Kneffel
Autor: nnzAus Anlaß der Heinrich - Böll - Tage vom 6. - 21. Januar 2006 in Nordhausen werden in Limlingerode ab 14 Uhr Passagen aus den Prosawerken Islandhoch von Sarah Kirsch und Irisches Tagebuch von Heinrich Böll von Mitgliedern des Fördervereins vorgetragen. Die Dichterin kannte Böll nicht persönlich, hatte aber mehrere anregende Telefongespräche mit ihm. Sie schätzte sein humanes Engagement, seine Geradlinigkeit.
Das erste Mal brach Heinrich Böll am 23.9.1954 nach Irland auf und blieb bis zum 21. 10. in Dublin. Von dort führten Exkursionen in die nähere und weitere Umgebung, z.B. nach Limerick. Seine Familie erfuhr am 7. 10. in einem Brief: Es ist so schön hier, daß ich sehr traurig bin, Euch nicht hier zu haben; Seen, Berge, Wolken und jene unbeschreiblichen, stets wechselnden Lichter, die ich noch nie gesehen habe. Ich bin sehr froh, nach Irland gefahren zu sein. Diese Faszination von Land und Leuten dauerte an, denn bereits am 30. 5. 1955 trifft er wieder in Irland ein, dieses Mal mit seiner Familie und einer Bekannten. Man bleibt bis zum 30. September, jetzt in Keel auf Achill Island. Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit reist er mit Frau und Söhnen am 1.6. 1956 nach Keel, und dieser Aufenthalt erstreckt sich bis zum 29. 9. 1956.
Schon seine erste Reise hatte Böll in fünf Irland - Impressionen publiziert. Der Erfolg in den Printmedien weckte das Interesse des Rundfunks. Der zweite Aufenthalt findet in vier literarischen Texten seinen Niederschlag, wiederum in Zeitungen erstveröffentlicht. Bereits jetzt wurden Gespräche geführt, aus den Eindrücken von Irland eine Buchpublikation zu gestalten.
In einem Brief vom 31.7. 1956, also vom dritten Aufenthalt, schreibt Böll: Wir machen ab Ende nächster Woche [...] eine kleine Rundreise durch Irland, da ich ja auch meiner Berichte ( und des Buches ) wegen ein wenig mehr sehen muß [...] Ich will [...] meine Eindrücke etwas auffrischen und konzentriere mich dann ganz auf die Irischen Impressionen, die im Frühjahr als Buch erscheinen sollen [...]
Die Buchkonzeption begann Ende 1956, der Titel lautete dann: Irisches Tagebuch, es erschien im Mai 1957. Bis heute besitzt es eine hohe Popularität. Der Autor blieb Irland auch nach der Buchpublikation engstens verbunden. Die Familie kaufte sich sogar eine Cottage an der Nordküste der Insel.
Sarah Kirsch, die seit 1983 im Norden Deutschlands in einem ehemaligen Schulhaus an der Eider zuhause ist, zieht es von dort noch weiter nordwärts, immer aufs Neue. So besuchte sie mehrmals Island, die Insel, auf der Halldor Laxness, der große alte Mann der isländischen Literatur lebte, den sie verehrt, dem sie persönlich begegnet ist.
Im August 2002 erschien Islandhoch, diese Tagebruchstücke, die ihre Fahrt nach Island schildern, angetreten mit der Bruarfoss am 29. Junius 92, dem Tag mit dem schönen Spiegeldatum. Mit von der Partie sind Max, der Sohn, der Verleger Steidl aus Göttingen, der Meister, und die Lehrerin, Margarita bezeichnet.
Karin Kisker, Mitglied des Fördervereins, schrieb in einer Rezension: Zwischen den Buchdeckeln tobt eine Gischt wie Feuerwerk, wie, wenn der Aquarellkasten explodiert und die merkwürdigsten Bruchstücke des Tages ans Licht schleudert. Traumschöne Aquarelle sausen atemberaubend glutreich durchs Geschriebene wie Geistesblitze, in denen das Bruchstückhafte des Erlebnisfilms zum Kunststück gerät. Alles liegt darin und dazwischen: Tiere und Pflanzen, Landschaften und Menschen, Himmel und Erde, alles vom Wind sacht gerührt, nicht geschüttelt – Islandhoch.
Zu den tagebuchartigen Texten gesellt sich also eine grandiose Farbigkeit der Aquarelle, denn Sarah Kirsch entwirft solche seit 1988. Sechsundneunzig Tagebuchnotizen ermöglichen es dem Leser, sich Orte vorzustellen, in Situationen einzutauchen oder Gefühle zu erinnern. Beim Vortragen der Texte von Heinrich Böll und Sarah Kirsch wird offenkundig, wie unverwechselbar das sich in Sprache Ausdrücken bei beiden Autoren ist – ein einprägsames Erleben am 8. 1. 2006 in der Dichterstätte in Limlingerode ab 14.00 Uhr.
Heidelore Kneffel

