Do, 08:00 Uhr
22.12.2005
nnz-Interview: Nach der Wanderschaft
Nordhausen (nnz). Seit Mitte dieses Jahre lenkt und leiten zwei Männer die Geschicke eines Unternehmens, das in den zurückliegenden Jahren über die Grenzen des Landkreises hinaus expandierte und weiter expandiert. Die nnz sprach mit Andreas und Helmut Peter über Wanderjahre, neue Ideen, das Internet und über ihr Verhältnis zu einander.
nnz-Interview: Nach der Wanderschaft (Foto: nnz)
nnz: Andreas Peter, seit Juni agieren Sie mit an der Spitze einer Firma mit über 400 Mitarbeitern. Was haben die Jahre der Ausbildung gebracht, wie sind die Erfahrungen der letzten Monate?
A. Peter: Trotz meiner Wanderjahre quer durch Deutschland habe ich natürlich immer intensiv beobachtet, wie sich unser Familienunternehmen weiter entwickelte, das war schon – auch von außen betrachtet – eine interessante, spannende und erfolgreiche Zeit in der Nordthüringer Region, wie übrigens die Jahre meiner Lehre und Ausbildung auch. In den acht Jahren habe ich Erfahrungen unter anderem in Stuttgart, Berlin und Wiesbaden gesammelt, die ich nicht missen möchte und die ich natürlich jetzt einbringen werde.
nnz: Gab es Unterschiede?
A. Peter Der gravierendste Unterschiede lag wohl in der Struktur der Regionen. An den großen Standorten wie Wiesbaden oder Berlin gab es ein völlig anderes Umfeld als hier in dieser ländlich geprägten Region. Das betrifft nicht nur das Verhalten der Kunden, sondern das gesamte Umfeld. Doch ich glaube, ich habe mich mittlerweile recht gut auf diese Bedingungen eingestellt und gelernt, mit den Menschen und den Produkten umzugehen.
nnz: Was hat sich aus Ihrer Sicht in den zurückliegenden Jahren verändert?
A. Peter: Was wir jetzt vorfinden – ob in Wiesbaden oder in Nordhausen – das sind gesättigte Märkte, es gibt eine neue Aggressivität im Wettbewerb und es gibt das Internet...
nnz: Das Internet?
A. Peter: Als ich mit meiner Ausbildung 1997 begonnen hatte, da lernte auch das Internet gerade das Laufen, bis heute hat es die Wirtschaft mindestens einmal umgekrempelt. Der Kunde hat mittlerweile die Möglichkeit überall in Deutschland, ja sogar in Europa Autos zu kaufen. Er kann sich umfassend über Preis-Leistungsverhältnisse und über das Marktumfeld informieren. Aber auch die Unternehmen wie die Autohaus-Peter-Gruppe haben sich den neuen Herausforderungen angepasst. Derzeit realisieren wir rund ein Drittel unseres Umsatzes mittels des Internets.
nnz: Von der virtuellen zur realen Welt. Wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?
A. Peter: Wir müssen in unserem Unternehmen auf die Veränderungen in der Anspruchswelt reagieren, wir müssen unsere Dienstleistungen rund um die Uhr anbieten und für unsere Kunden immer erreichbar sein. Wir müssen uns von den Mitbewerbern abheben, auch durch einen Rundum-Service wie Finanzierung, Leasing oder Versicherung. Und dann muß diese Dienstleistung im Unternehmen vorgelebt werden, von der Leitung bis hin zum Azubi.
nnz: Wie gestaltet sich das Verhältnis zu Ihrem Vater?
A. Peter: Ich habe meinen Vater schon vor meiner Ausbildung bewundert, vor allem seine Zielstrebigkeit und Ausdauer, die aber immer mit einer großen Portion Bodenständigkeit verbunden war und ist. Klar, gibt es jetzt auch mal Meinungsverschiedenheiten, die dann aber in einen konstruktiven Streit übergehen. An dessen Ende muß dann immer ein Kompromiss im Sinne des Unternehmens stehen. Doch wir streiten nicht nur, wir sind in vielen Dingen einer Meinung. Das liegt vielleicht auch an den Genen. Und das liegt daran, dass wir gemeinsam neue Strukturen geschaffen haben. Mein Vater verantwortet natürlich ob seiner Erfahrung die große Unternehmenspolitik und den gesamten Servicebereich, ich bin für den kompletten Vertrieb innerhalb der Gruppe zuständig, darüber hinaus für Marketing und Controlling.
nnz:Und wie kommt der Senior damit zurecht?
H. Peter: Es ist für mich nicht einfach, die neuen Ideen und Überlegungen, die mein Sohn in das Unternehmen mit einbringt und die er sich in den neun Jahren seiner Wanderschaft erworben hat, aufzunehmen. Wir beide unterscheiden uns zum Beispiel in der Individualität des Führungsstils.
nnz: Mit 26 Lebensjahren hat man doch sicher Visionen?
A. Peter: Vor allem unter den neuen Bedingungen der Gruppenfreistellungsverordnung darf man als Unternehmer das Gespür für den Menschen nicht verlieren. Das gilt übrigens nach innen ebenso wie für die Außenwirkung. Ich versuche aus Leidenschaft zu handeln, gepaart mit einer gewissen Portion Lust auf Wettbewerb. Wenn das alle Mitarbeiter erreicht, dann haben wir zusammen viel erreicht. Letztlich haben alle im Unternehmen ein Ziel – Leistung für unsere Kunden zu erbringen und Verantwortung für das Ganze zu übernehmen. Mein Vater und ich tragen immerhin die Verantwortung für mehr als 400 Mitarbeiter und deren Familien.
nnz: Gibt es in den nächsten Jahren einen Führungswechel?
H. Peter: Ende 2007 werde ich meinen 50. Geburtstag feiern, das ist dann auch das 17. Jahr meiner Selbständigkeit. Nicht nur für unser Unternehmen, auch für mich persönlich soll dann eine neue Ära beginnen. Ich werde mich schrittweise aus dem operativen Geschäft herausnehmen. Dann will ich auch nicht mehr 14 Stunden pro Tag, sondern die normalen Arbeitszeiten eines Geschäftsführers genießen. Und: Ich hoffe, dass ich dann endlich mal drei Wochen Urlaub am Stück machen kann.
nnz: Vielen Dank für das Gespräch
Die Unternehmensdaten
Die Autohaus-Peter-Gruppe vertreibt zehn Marken von sechs Herstellern, an 15 Standorten, in drei Bundesländern, in sieben Landkreisen. Derzeit sind 420 Mitarbeiter beschäftigt. In diesem Jahr wird ein Umsatz von 130 Millionen Euro erwirtschaftet, dahinter steht unter anderem ein Verkauf von rund 4.000 Fahrzeugen.
Autor: nnz
nnz-Interview: Nach der Wanderschaft (Foto: nnz)
nnz: Andreas Peter, seit Juni agieren Sie mit an der Spitze einer Firma mit über 400 Mitarbeitern. Was haben die Jahre der Ausbildung gebracht, wie sind die Erfahrungen der letzten Monate?
A. Peter: Trotz meiner Wanderjahre quer durch Deutschland habe ich natürlich immer intensiv beobachtet, wie sich unser Familienunternehmen weiter entwickelte, das war schon – auch von außen betrachtet – eine interessante, spannende und erfolgreiche Zeit in der Nordthüringer Region, wie übrigens die Jahre meiner Lehre und Ausbildung auch. In den acht Jahren habe ich Erfahrungen unter anderem in Stuttgart, Berlin und Wiesbaden gesammelt, die ich nicht missen möchte und die ich natürlich jetzt einbringen werde.
nnz: Gab es Unterschiede?
A. Peter Der gravierendste Unterschiede lag wohl in der Struktur der Regionen. An den großen Standorten wie Wiesbaden oder Berlin gab es ein völlig anderes Umfeld als hier in dieser ländlich geprägten Region. Das betrifft nicht nur das Verhalten der Kunden, sondern das gesamte Umfeld. Doch ich glaube, ich habe mich mittlerweile recht gut auf diese Bedingungen eingestellt und gelernt, mit den Menschen und den Produkten umzugehen.
nnz: Was hat sich aus Ihrer Sicht in den zurückliegenden Jahren verändert?
A. Peter: Was wir jetzt vorfinden – ob in Wiesbaden oder in Nordhausen – das sind gesättigte Märkte, es gibt eine neue Aggressivität im Wettbewerb und es gibt das Internet...
nnz: Das Internet?
A. Peter: Als ich mit meiner Ausbildung 1997 begonnen hatte, da lernte auch das Internet gerade das Laufen, bis heute hat es die Wirtschaft mindestens einmal umgekrempelt. Der Kunde hat mittlerweile die Möglichkeit überall in Deutschland, ja sogar in Europa Autos zu kaufen. Er kann sich umfassend über Preis-Leistungsverhältnisse und über das Marktumfeld informieren. Aber auch die Unternehmen wie die Autohaus-Peter-Gruppe haben sich den neuen Herausforderungen angepasst. Derzeit realisieren wir rund ein Drittel unseres Umsatzes mittels des Internets.
nnz: Von der virtuellen zur realen Welt. Wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?
A. Peter: Wir müssen in unserem Unternehmen auf die Veränderungen in der Anspruchswelt reagieren, wir müssen unsere Dienstleistungen rund um die Uhr anbieten und für unsere Kunden immer erreichbar sein. Wir müssen uns von den Mitbewerbern abheben, auch durch einen Rundum-Service wie Finanzierung, Leasing oder Versicherung. Und dann muß diese Dienstleistung im Unternehmen vorgelebt werden, von der Leitung bis hin zum Azubi.
nnz: Wie gestaltet sich das Verhältnis zu Ihrem Vater?
A. Peter: Ich habe meinen Vater schon vor meiner Ausbildung bewundert, vor allem seine Zielstrebigkeit und Ausdauer, die aber immer mit einer großen Portion Bodenständigkeit verbunden war und ist. Klar, gibt es jetzt auch mal Meinungsverschiedenheiten, die dann aber in einen konstruktiven Streit übergehen. An dessen Ende muß dann immer ein Kompromiss im Sinne des Unternehmens stehen. Doch wir streiten nicht nur, wir sind in vielen Dingen einer Meinung. Das liegt vielleicht auch an den Genen. Und das liegt daran, dass wir gemeinsam neue Strukturen geschaffen haben. Mein Vater verantwortet natürlich ob seiner Erfahrung die große Unternehmenspolitik und den gesamten Servicebereich, ich bin für den kompletten Vertrieb innerhalb der Gruppe zuständig, darüber hinaus für Marketing und Controlling.
nnz:Und wie kommt der Senior damit zurecht?
H. Peter: Es ist für mich nicht einfach, die neuen Ideen und Überlegungen, die mein Sohn in das Unternehmen mit einbringt und die er sich in den neun Jahren seiner Wanderschaft erworben hat, aufzunehmen. Wir beide unterscheiden uns zum Beispiel in der Individualität des Führungsstils.
nnz: Mit 26 Lebensjahren hat man doch sicher Visionen?
A. Peter: Vor allem unter den neuen Bedingungen der Gruppenfreistellungsverordnung darf man als Unternehmer das Gespür für den Menschen nicht verlieren. Das gilt übrigens nach innen ebenso wie für die Außenwirkung. Ich versuche aus Leidenschaft zu handeln, gepaart mit einer gewissen Portion Lust auf Wettbewerb. Wenn das alle Mitarbeiter erreicht, dann haben wir zusammen viel erreicht. Letztlich haben alle im Unternehmen ein Ziel – Leistung für unsere Kunden zu erbringen und Verantwortung für das Ganze zu übernehmen. Mein Vater und ich tragen immerhin die Verantwortung für mehr als 400 Mitarbeiter und deren Familien.
nnz: Gibt es in den nächsten Jahren einen Führungswechel?
H. Peter: Ende 2007 werde ich meinen 50. Geburtstag feiern, das ist dann auch das 17. Jahr meiner Selbständigkeit. Nicht nur für unser Unternehmen, auch für mich persönlich soll dann eine neue Ära beginnen. Ich werde mich schrittweise aus dem operativen Geschäft herausnehmen. Dann will ich auch nicht mehr 14 Stunden pro Tag, sondern die normalen Arbeitszeiten eines Geschäftsführers genießen. Und: Ich hoffe, dass ich dann endlich mal drei Wochen Urlaub am Stück machen kann.
nnz: Vielen Dank für das Gespräch
Die Unternehmensdaten
Die Autohaus-Peter-Gruppe vertreibt zehn Marken von sechs Herstellern, an 15 Standorten, in drei Bundesländern, in sieben Landkreisen. Derzeit sind 420 Mitarbeiter beschäftigt. In diesem Jahr wird ein Umsatz von 130 Millionen Euro erwirtschaftet, dahinter steht unter anderem ein Verkauf von rund 4.000 Fahrzeugen.

