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Di, 17:00 Uhr
22.03.2022
Nach 50 Jahren gibt es wieder Schlaraffen in Nordhausen

Willkommen zurück im Reych Nordhusis-Zorgensis

Bereits vor 155 Jahren gründete sich ein Männerbund in der Rolandstadt, der als „Reych Nordhusia“ bis in die Nazizeit florierte. Jetzt wollen frohgelaunte Enthusiasten die alte Tradition des witzigen Rollenspiels wieder aufleben lassen…

Die Nordhäuser Schlaraffen des Jahres 1917 (Foto: privat) Die Nordhäuser Schlaraffen des Jahres 1917 (Foto: privat)

Weil eine elitäre literarisch-poetische Gesellschaft Mitte des 19. Jahrhunderts in Prag einen Sänger mit der Begründung: „Wir nehmen keine Proletarier auf!“ ablehnte, gründete sich das erste überlieferte Schlaraffenreich. Aus Solidarität mit dem Verschmähten wurde von Prager Schauspielern ein „Proletarierclub“ ins Leben gerufen, der die Grundlage für Schlaraffen-Reyche auf vier Kontinenten bildete.

Um sich vor Nachstellungen von Polizei und Geheimdiensten zu schützen, erfanden die Gründerväter eine Reihe kurioser Titel und Gebräuche und schrieben als ihren Vereinszweck „sich durch Heiterkeit und harmlose Scherze nicht nur zu unterhalten, sondern hauptsächlich durch Zusammenkunft mit ihren Kollegen, anderen Künstlern und Kunstfreunden ihre Erfahrungen auszutauschen“. Schnell verbreitete sich die Idee der Schlaraffen im deutschsprachigen Raum und schon bald konnte jedermann Mitglied werden, wenn er Gefallen fand am lustigen Rollenspiel, das ernste Politik veralberte und den Akteuren Stunden ungetrübter Freude bescherte.

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So auch in Nordhausen, wo der Verein 1877 gegründet wurde und 1917 als „Reych Nordhusia“ seine größte Blüte und Zahl an Mitgliedern erreichte. 1937 erzwangen die Nationalsozialisten eine „freiwillige“ Auflösung des etablierten „Reyches“. Auch von 1946 bis 1971 trafen sich ehemalige Nordhäuser Schlaraffen weiter im Brahmsweg. Weil die Männer aber nicht dem Kulturbund der DDR beitreten wollten, lösten sie ihre Verbindung letztlich auf.

Seit einigen Wochen wird nun über fünfzig Jahre danach in Nordhausen ein neuer Uhu-Stammtisch aufgebaut, denn der Männerbund der alten Schlaraffen soll in der Rolandstadt wiederbelebt werden. Der Uhu als Symbol der Weisheit ist eines der wichtigsten Zeichen der Herren, die sich in Knappen, Junker und Ritter unterteilen und diese Hierarchie in strengen Riten auch einhalten. Ihre Gemeinschaft heißt „Sippung“ und wird irgendwann zu einem eigenständigen „Reych“, wenn genug Schlaraffen zusammen sind, die einen Ritter in ihren Reihen haben.

Während der Treffen, die Stammtisch genannt werden, haben die Themen Politik, Kirche oder Arbeit Pause und werden nicht gestreift. Der Stammtisch ist ein Spiel der Worte, bezogen auf das Mittelalter, das sich auch in der Bekleidung der Schlaraffen widerspiegelt. Ob in Hamburg oder München, in Buenos Aires oder in Stockholm; überall treffen sich Deutschsprachige Freunde zu einem lustigen Abend. Wichtig ist festzuhalten, dass es sich bei den Schlaraffen weder um Spinner noch um eine Karnevalsveranstaltung und vor allem nicht um einen Geheimbund handelt.

Wiederbelebung einer alten Tradition im Nordhäuser Ratskeller (Foto: privat) Wiederbelebung einer alten Tradition im Nordhäuser Ratskeller (Foto: privat)

Nächstes Treffen des UHU-Stammtisches ist am 7. Ostermond a.U. 163, 6 Glock am Abend im Ratskeller der Stadt Nordhausen. Dann wollen die neuen Schlaraffen auch gern Bürger begrüßen, die sich informieren wollen und denen sie die Begriffe und das Anliegen ihres Vereins näher bringen könne. Das Motto des Treffens lautet „Zu Freude der Kunst“ und soll Humor und Freundschaft verbinden.
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Wer Lust hat, sich die Schlaraffen einmal anzusehen oder gar selbst einer zu werden, der kann sich bis zum 4. April über schreibstube@stammtisch-nordhausen.de oder 0170 - 145 21 66 anmelden.

Und für alle, die der schlaraffischen Sprache noch nicht mächtig sind sei verraten: der nächste UHU-Stammtisch findet am Donnerstag, dem 7. April um 18 Uhr im Wappenzimmer des Ratskellers statt. Immer am ersten Donnerstag des Monats um diese Uhrzeit wollen sie jetzt zusammenkommen, die Knappen, aus denen vielleicht einmal Junker oder gar Ritter werden. Doch bis dahin soll noch viel Wasser die Zorge hinunterrauschen und noch viele gemütliche Abende in geselliger Runde vergangen sein.
Autor: osch

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Kommentare
Warren
23.03.2022, 10:48 Uhr
Wenn das kein Angriff ist,
auf die Selbstgerechtigkeit der Mitbürger....
Ich bin auf die Reaktionen gespannt
Hans Dittmar
23.03.2022, 11:34 Uhr
Endlich wieder feucht fröhliche Männerrunden ...
... ohne Politik und Kirche. Es ist wie ein Traum und ich glaube gerade in der heutigen Zeit längst überfällig. Um den politischen Wahnsinn zu entkommen gab es bisher nur den Weg in die Phsychatrie, weil einem eingeredet wurde, der einzig Dumme zu sein. Nun kann man sich mit Geselligkeit und Spaß an der Geschichte ordentlich vergnügen.
Ich glaube das Projekt hat Zukunft. Und mal ehrlich, wer wollte nicht schon immer mal nach Schlaraffenland. Viel Erfolg.
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