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18.03.2022
nnz-Forum
Neue Fehler der Forstwirtschaft?
Deutschland hat innerhalb weniger Jahre rund fünf Prozent seiner Waldfläche infolge der extremen Dürreereignisse ab 2018 verloren, auch der Harz gehört dazu. Bodo Schwarzberg fragt sich, ob die Reaktion der Forstwirtschaft neue Fehler produziert...
So wanderten wir beim letztjährigen Harz-Hunderter Extrem von Seesen nach Eisleben über knapp 150 Kilometer nonstop zwischen Königshütte und Stiege rund 25 Kilometer weit über Kahlschlagsflächen. Noch 2019 hatten wir dort inmitten immenser Hitze den kühlenden Effekt der damals schon sterbenden Fichtenforste genießen können.
Die einst nach rein wirtschaftlichen Erwägungen angelegten Fichten-Monokulturen hatten den ersten zaghaften Auswirkungen des Klimawandels in Form einer Masseneintwicklung des Borkenkäfers nichts entgegenzusetzen.
Dass man aber seitens der Forstwirtschaft nun auch noch die nach Tausenden zählenden abgestorbenen Bäume von den riesigen Flächen holt, ist ökologisch unverständlich und widerspricht neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch deren Beteuerungen, umzusteuern und einen Waldumbau hin zu naturnahen Wäldern zu beginnen.
Denn auch tote Bäume sorgen in Grenzen für Schatten und damit für eine Temperaturabsenkung während Hitzeperioden. Sie speichern das klimawandelbedingt immer knapper werdende Wasser und geben es als Totholz langsam wieder ab, was sich positiv auf das Mikroklima und damit auf sich im Umfeld entwickelnde Pflanzen, auch junge Bäume, auswirkt. Ihre irgendwann umstürzenden Stämme können Substrat für zahlreiche Tier und Pflanzenarten und eine Wiege eines neuen, naturnäheren Waldes sein, sie verhindern die Eintönigkeit und Strukturarmut eines Kahlschlags.
Entgegen ökologischer Erfahrungen und ökonomischer Vernunft? Ein Kahlschlag zwischen Königshütte und Trautenstein (2021) (Foto: Bodo Schwarzberg)
Und sie schränken den Aufwuchs lichtliebender, konkurrenzstarker Störzeiger, wie zum Beispiel Brombeeren ein, die in Kahlschägen über dem Boden eine solch dichte Pflanzendecke bilden können, dass die natürliche Entwicklung junger Bäume oder gar eine Aufforstung erschwert wird bzw. nur mit großem finanziellen und logistischem Aufwand zu stemmen ist.
Angesichts dieses längst bekannten Wissens und der allgemeinen Erfahrung, die man zum Beispiel im Niedersächsischen Hochharz und auch im Nationalpark Harz berücksichtigt, erscheint es unverständlich, dass auch im Landkreis Nordhausen neue Kahlschläge angelegt werden.
Im Nationalpark ist gut zu sehen, wie innerhalb weniger Jahre bevorzugt inmitten der abgestorbenen Fichtenbestände junge Bäume aufwachsen: Fichten, Buchen und Ebereschen zum Beispiel.
Im Landkreis Nordhausen konzentrieren sich einige Kahlschläge im Großraum Ilfeld-Netzkater. Man hätte einigen Gemeinden möglicherweise so manche Beeinträchtigung durch hunderte Holzlaster und dem Klima einige CO2-Emmissionen durch LKW ersparen können, wenn man die abgestorbenen, einst vom Borkenkäfer befallenen Bäume einfach stehengelassen hätte.
Auch renommierte Forstwissenschaftler schütteln angesichts der Ignoranz gegenüber ökologischen Erfahrungen bzw. zum Vorgehen von Teilen der Forstwirtschaft in Zeiten des Klimawandels den Kopf: "Das macht so ein bisschen fassungslos" sagt z.B. der Biologe Prof. Dr. Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde im DLF-Interview.
https://www.deutschlandfunk.de/klimafolge-waldbrandgefahr-steigt-in-deutschland-dlf-5b847b37-100.html
Bodo Schwarzberg
Autor: redSo wanderten wir beim letztjährigen Harz-Hunderter Extrem von Seesen nach Eisleben über knapp 150 Kilometer nonstop zwischen Königshütte und Stiege rund 25 Kilometer weit über Kahlschlagsflächen. Noch 2019 hatten wir dort inmitten immenser Hitze den kühlenden Effekt der damals schon sterbenden Fichtenforste genießen können.
Die einst nach rein wirtschaftlichen Erwägungen angelegten Fichten-Monokulturen hatten den ersten zaghaften Auswirkungen des Klimawandels in Form einer Masseneintwicklung des Borkenkäfers nichts entgegenzusetzen.
Dass man aber seitens der Forstwirtschaft nun auch noch die nach Tausenden zählenden abgestorbenen Bäume von den riesigen Flächen holt, ist ökologisch unverständlich und widerspricht neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch deren Beteuerungen, umzusteuern und einen Waldumbau hin zu naturnahen Wäldern zu beginnen.
Denn auch tote Bäume sorgen in Grenzen für Schatten und damit für eine Temperaturabsenkung während Hitzeperioden. Sie speichern das klimawandelbedingt immer knapper werdende Wasser und geben es als Totholz langsam wieder ab, was sich positiv auf das Mikroklima und damit auf sich im Umfeld entwickelnde Pflanzen, auch junge Bäume, auswirkt. Ihre irgendwann umstürzenden Stämme können Substrat für zahlreiche Tier und Pflanzenarten und eine Wiege eines neuen, naturnäheren Waldes sein, sie verhindern die Eintönigkeit und Strukturarmut eines Kahlschlags.
Entgegen ökologischer Erfahrungen und ökonomischer Vernunft? Ein Kahlschlag zwischen Königshütte und Trautenstein (2021) (Foto: Bodo Schwarzberg)
Und sie schränken den Aufwuchs lichtliebender, konkurrenzstarker Störzeiger, wie zum Beispiel Brombeeren ein, die in Kahlschägen über dem Boden eine solch dichte Pflanzendecke bilden können, dass die natürliche Entwicklung junger Bäume oder gar eine Aufforstung erschwert wird bzw. nur mit großem finanziellen und logistischem Aufwand zu stemmen ist.
Angesichts dieses längst bekannten Wissens und der allgemeinen Erfahrung, die man zum Beispiel im Niedersächsischen Hochharz und auch im Nationalpark Harz berücksichtigt, erscheint es unverständlich, dass auch im Landkreis Nordhausen neue Kahlschläge angelegt werden.
Im Nationalpark ist gut zu sehen, wie innerhalb weniger Jahre bevorzugt inmitten der abgestorbenen Fichtenbestände junge Bäume aufwachsen: Fichten, Buchen und Ebereschen zum Beispiel.
Im Landkreis Nordhausen konzentrieren sich einige Kahlschläge im Großraum Ilfeld-Netzkater. Man hätte einigen Gemeinden möglicherweise so manche Beeinträchtigung durch hunderte Holzlaster und dem Klima einige CO2-Emmissionen durch LKW ersparen können, wenn man die abgestorbenen, einst vom Borkenkäfer befallenen Bäume einfach stehengelassen hätte.
Auch renommierte Forstwissenschaftler schütteln angesichts der Ignoranz gegenüber ökologischen Erfahrungen bzw. zum Vorgehen von Teilen der Forstwirtschaft in Zeiten des Klimawandels den Kopf: "Das macht so ein bisschen fassungslos" sagt z.B. der Biologe Prof. Dr. Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde im DLF-Interview.
https://www.deutschlandfunk.de/klimafolge-waldbrandgefahr-steigt-in-deutschland-dlf-5b847b37-100.html
Bodo Schwarzberg
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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