Mo, 09:43 Uhr
28.11.2005
Sehr schöne Helena
Nordhausen (nnz). Es mag ja sein, dass Jacques Offenbach mit seinen heiteren Opern den dekadenten Hofstaat seines Landesherrn Napoleon III. parodieren wollte, aber gilt das auch für Die schöne Helena? Und was macht das Nordhäuser Theater aus dieser Steilvorlage für leichteste Unterhaltung?
Sehr schöne Helena (Foto: nnz)
Die Inszenierung bedient sich in der Eröffnungsszene eines uralten Tricks, der unvermeidbar den Erfolg sichert. Ein Hündchen läuft über die Bühne, in ein süßes kleines Mäntelchen gehüllt. Das Premierenpublikum grunzt glücklich – alles wird gut.
Freunde der spannenden Unterhaltung muss ich gleich an dieser Stelle enttäuschen: die Handlung dieser Opera buffo ist so trivial, dass man getrost eine Fernseh-Soap daraus machen könnte. Der Inszenierung von Kay Link hätten ein oder zwei forsche Striche über mehrere Libretto-Seiten gut getan, auch wenn die Premierenbesucher dann weniger Noten gehört hätten. Die Bühnenausstatterin Olga von Wahl ließ sich von einem der besprochenen griechischen Orte inspirieren und gestaltete das Bühnenbild spartanisch. Zwei Wände, eine links eine rechts. Immerhin wurden sie in einigen Szenen auch mal ein Stück hochgezogen. Diesen wenig opulenten Eindruck machten die Kostüme von Rüdiger Reichelt wieder wett. Die nämlich waren sehr witzig und offenbarten einen respektlosen Umgang mit dem literarischen Stoff. Den Großaugur Kalchas als Moosi - die Götter haben ihn selig -darzustellen gefiel dem Publikum ebenso wie die Verkleidungen der großen Helden als gewollte Sportskanonen mit Hindernissen. Die Helena war natürlich dem Werktitel getreu bekleidet: schön!
Und überhaupt, die Helena. Das Nordhäuser Publikum liebt und bewundert Brigitte Roth schon seit Jahren, weil sie immer mit ganzer Kraft singt und spielt. Am Freitag spielte sie aber nicht nur ihre Rolle, sondern sie spielte mit der Rolle und dem ganzen Ensemble, dass es eine wahre Freude war. Was die Dichter früher mit zur Seite sprechen verlangten (ein kurzer erklärenden Kontakt mit dem Publikum), dass schafft die Roth über die ganze Inszenierung. Sie kommentiert ihre Rolle, illustriert ihre Kollegen und lässt uns mitunter erahnen, was sie von der rasanten Handlung hält. Großartig auch Robert Mc Loud. Der verwandlungsfähige Amerikaner brilliert als Kalchas und könnte sich als Doppelgänger des armen Mooshammer etwas dazu verdienen, wenn der noch leben würde. Aber auch alle anderen Solisten können ihrem Affen Zucker geben. Am schwersten hat es da noch Rob Pitcher, der nur der Liebhaber und Prinz Paris ist. Der sympathische Sänger entledigt sich dieser Aufgabe jedoch mit viel Spielfreude und gesanglich bestens aufgelegt absolut souverän. Anja Daniela Wagner in ihrer Hosenrolle als Orest oder die Chordamen Darja Bornemann-Panteleit und Monica Becar als Freudenmädchen sowie Andra Fischer-Poerschke als Zofe: die Damen überzeugen.
Da haben die Herren Matthias Heubusch (Achilles), Christian Schossig (Ajax I), Daniel Shay (Ajax II) und auch Serge Novique (Agamemnon) weniger Möglichkeiten sich auszuzeichen, lassen jedoch nichts unversucht, zur Erheiterung des Publikums beizutragen.
Einer schießt wieder den sprichwörtlichen Vogel ab, dass die Federn nur so stieben. Jürgen Dietmar Kühn als gehörnter Ehemann und König von Sparta ist ein Erlebnis für sich. Nicht dass seine Sangeskünste überragend wären, nein, es ist die Art und Weise, wie Kühn den Menelaos als begriffsstutzigen Trottel anlegt, der ständig so tut, als wüsste er, wovon gerade die Rede ist.
Insofern ist es für die handelnden Figuren nicht wirklich kompliziert, ihn am Ende zu überlisten. Die Regie der Nordhäuser Inszenierung setzt darauf, dass wir im Zuschauerraum ohnehin unseren Homer gelesen haben und wissen, wer mit wem und warum der Trojanische Krieg stattfand.
Joseph R. Olefirowicz hat sein Loh-Orchester bestens im Griff. Schmissig und präzise verschaffen die Musiker Offenbach Geltung. Ein Extralob hat sich erneut der sehr spiel- und sangesfreudige Chor verdient (die Choreografien steuerte Ballettmeisterin Jutta Wörne bei), kritisch anmerken muss ich wieder die Beleuchtung. Jungs, da ist mehr machbar.
Olaf Schulze
Autor: osch
Sehr schöne Helena (Foto: nnz)
Die Inszenierung bedient sich in der Eröffnungsszene eines uralten Tricks, der unvermeidbar den Erfolg sichert. Ein Hündchen läuft über die Bühne, in ein süßes kleines Mäntelchen gehüllt. Das Premierenpublikum grunzt glücklich – alles wird gut.
Freunde der spannenden Unterhaltung muss ich gleich an dieser Stelle enttäuschen: die Handlung dieser Opera buffo ist so trivial, dass man getrost eine Fernseh-Soap daraus machen könnte. Der Inszenierung von Kay Link hätten ein oder zwei forsche Striche über mehrere Libretto-Seiten gut getan, auch wenn die Premierenbesucher dann weniger Noten gehört hätten. Die Bühnenausstatterin Olga von Wahl ließ sich von einem der besprochenen griechischen Orte inspirieren und gestaltete das Bühnenbild spartanisch. Zwei Wände, eine links eine rechts. Immerhin wurden sie in einigen Szenen auch mal ein Stück hochgezogen. Diesen wenig opulenten Eindruck machten die Kostüme von Rüdiger Reichelt wieder wett. Die nämlich waren sehr witzig und offenbarten einen respektlosen Umgang mit dem literarischen Stoff. Den Großaugur Kalchas als Moosi - die Götter haben ihn selig -darzustellen gefiel dem Publikum ebenso wie die Verkleidungen der großen Helden als gewollte Sportskanonen mit Hindernissen. Die Helena war natürlich dem Werktitel getreu bekleidet: schön!
Und überhaupt, die Helena. Das Nordhäuser Publikum liebt und bewundert Brigitte Roth schon seit Jahren, weil sie immer mit ganzer Kraft singt und spielt. Am Freitag spielte sie aber nicht nur ihre Rolle, sondern sie spielte mit der Rolle und dem ganzen Ensemble, dass es eine wahre Freude war. Was die Dichter früher mit zur Seite sprechen verlangten (ein kurzer erklärenden Kontakt mit dem Publikum), dass schafft die Roth über die ganze Inszenierung. Sie kommentiert ihre Rolle, illustriert ihre Kollegen und lässt uns mitunter erahnen, was sie von der rasanten Handlung hält. Großartig auch Robert Mc Loud. Der verwandlungsfähige Amerikaner brilliert als Kalchas und könnte sich als Doppelgänger des armen Mooshammer etwas dazu verdienen, wenn der noch leben würde. Aber auch alle anderen Solisten können ihrem Affen Zucker geben. Am schwersten hat es da noch Rob Pitcher, der nur der Liebhaber und Prinz Paris ist. Der sympathische Sänger entledigt sich dieser Aufgabe jedoch mit viel Spielfreude und gesanglich bestens aufgelegt absolut souverän. Anja Daniela Wagner in ihrer Hosenrolle als Orest oder die Chordamen Darja Bornemann-Panteleit und Monica Becar als Freudenmädchen sowie Andra Fischer-Poerschke als Zofe: die Damen überzeugen.
Da haben die Herren Matthias Heubusch (Achilles), Christian Schossig (Ajax I), Daniel Shay (Ajax II) und auch Serge Novique (Agamemnon) weniger Möglichkeiten sich auszuzeichen, lassen jedoch nichts unversucht, zur Erheiterung des Publikums beizutragen.
Einer schießt wieder den sprichwörtlichen Vogel ab, dass die Federn nur so stieben. Jürgen Dietmar Kühn als gehörnter Ehemann und König von Sparta ist ein Erlebnis für sich. Nicht dass seine Sangeskünste überragend wären, nein, es ist die Art und Weise, wie Kühn den Menelaos als begriffsstutzigen Trottel anlegt, der ständig so tut, als wüsste er, wovon gerade die Rede ist.
Insofern ist es für die handelnden Figuren nicht wirklich kompliziert, ihn am Ende zu überlisten. Die Regie der Nordhäuser Inszenierung setzt darauf, dass wir im Zuschauerraum ohnehin unseren Homer gelesen haben und wissen, wer mit wem und warum der Trojanische Krieg stattfand.
Joseph R. Olefirowicz hat sein Loh-Orchester bestens im Griff. Schmissig und präzise verschaffen die Musiker Offenbach Geltung. Ein Extralob hat sich erneut der sehr spiel- und sangesfreudige Chor verdient (die Choreografien steuerte Ballettmeisterin Jutta Wörne bei), kritisch anmerken muss ich wieder die Beleuchtung. Jungs, da ist mehr machbar.
Olaf Schulze


