Sa, 15:48 Uhr
12.11.2005
Sport frei für die Zukunft
Nordhausen (nnz). Sport tut Deutschland gut, so steht’s auf den Werbetafeln. Doch was wird für das Sporttreiben getan? Was muß in Zukunft erledigt werden, damit Sport noch attraktiv ist? Eine spannende Diskussion dazu fand im Herdergymnasium statt.
Sport frei für die Zukunft (Foto: nnz)
Sport macht Spaß, aber nur an der Playstation oder in der Glotze. Das ist Realität, eine bittere für Sportvereine. Immer weniger Kinder haben Lust selbst Sport zu treiben. Sie konsumieren lieber Videospiele und dazu Schokolade. Das tut weder Deutschland noch den Krankenkassen gut. Die stöhnen über die Kosten, welche dicke Kinder und Erwachsene mit Haltungsschäden verursachen. 60 % aller Erwachsenen leiden unter Rückenschmerzen und 30 % der Grundschüler haben bereits Probleme mit dem Stütz- und Bewegungsapparat, keine positiven Zahlen. Werner Hütcher, Schulsportkoordinator, rechnet vor, daß ein in den Sport investierter Euro drei im Gesundheitswesen einspart. Auch als Gewaltprävention habe der Sport seinen festen Platz, da junge Menschen ein einer Mannschaft Regeln lernen und die Achtung voreinander.
Im Landkreis wurde schon einiges in Sportstätten investiert. In Bleicherode und Heringen entstanden neue Hallen. Auf dem Petersberg gibt es gleich zwei Turnhallen und einige weitere Sportanlagen für Hobbysportler. Die Wiedigsburghalle, 1997 eröffnet, lobt Hütcher als die sinnvollste Investition, da die Halle nicht nur Schülern und Vereinen offensteht, sondern für zahlreiche Veranstaltungen genutzt werden kann. Andere Sportanlagen sind in erbärmlichem Zustand. Die Außenanlagen an der Käthe Kollwitz Schule und der Albert Kuntz Schule zum Beispiel bräuchten dringend eine Kur. Die Spendekirchhofhalle des Humboldtgymnasiums müßte ebenfalls saniert werden. Doch Unterhaltung und Sanierung von Sportstätten kostet Geld. Wo soll das in Zeiten knapper Kassen herkommen?
Gunter Brand vom Schulverwaltungsamt erklärt, daß die Kommunen verpflichtet sind, den Sport zu fördern, allerdings nach Haushaltslage. In seinem Vortrag geht er auf die Bedeutung der Vereine für die Gesellschaft ein, mahnt aber gleichzeitig eine Reaktion auf die Veränderung der Gesellschaft an. Immer mehr immer ältere Menschen werden im Landkreis leben und auch Sport treiben wollen. Sie könnten dafür zur Kasse gebeten werden. Daß die Kinder- und Jugendarbeit der Sportvereine nichts für die Nutzung öffentlicher Sportstätten zahlen soll, darin sind sich alle einig. Erwachsene Sportler könnten sich jedoch an den Betriebskosten für die genutzten Objekte beteiligen. Sie könnten auch am Erhalt und der Verschönerung mitwirken. Dafür hat Werthers Bürgermeister Klaus Hummitzsch gleich einige gute Beispiele parat. Er will die gemeindeeigenen Hallen und Plätze weiterhin kostenlos zur Verfügung stellen, da viele Sportler ehrenamtlich dafür sorgen.
Ehrenamt war ein weiteres Stichwort der Diskussion. Besonders Siegfried Janiszewski, der Präsident des Kreissportbundes, ging auf die Wichtigkeit der ehrenamtlichen Trainer ein. Die haben inzwischen einen Problem, sie werden immer älter und zahlenmäßig immer weniger. Der Altersdurchschnitt der Übungsleiter liegt bei etwa 50 Jahren. Generationskonflikte mit jugendlichen Sportlern sind da vorprogrammiert. Die Bereitschaft zur Übernahme einer Funktion im Verein läge bei den meisten Bürgern sehr niedrig, so Janiszewski. Lieber würden sie am Spielfeldrand stehen und sich beleidigend über die Schiedsrichter äußern.
Was meint der Kreissportbund, müsse in der nächsten Zeit getan werden? Einmal wurde eine offensivere Öffentlichkeitsarbeit genannt. Dadurch sollen mehr Bürger für die Vereinsarbeit gewonnen werden. Ein Organisationsgrad von 17 % wird angestrebt. In Westdeutschland liegt der bei 30 %. Erreicht werden soll das durch spezielle Angebote für Senioren, der vermehrten Ausbildung von Übungsleitern und durch Gesundheitsangebote. Ab Januar 2006 will der Kreissportbund eine Internetpräsenz aller Vereine aufbauen.
Die Zukunft des Sports im Landkreis sieht sicher nicht rosig aus. Aber es wird einiges unternommen, um die Vereine und den Sport im Allgemeinen attraktiv zu machen. Weiterhin soll es große Veranstaltungen mit überregionalem Renommee geben. Dafür sorgen Sponsoren wie die EVN mit dem Kugelstoß Indoor. Sportstätten sollen erhalten und saniert werden. Für die Außenanlagen der Käthe Kollwitz Schule wurde Geld bewilligt. Vorreiter in Sachen Sportförderung ist der Landkreis sowieso. Er ist der einzige Kreis, der so eine Veranstaltung organisierte und den Betroffenen ermöglichte über die Sportkonzeption zu diskutieren.
Autor: wf
Sport frei für die Zukunft (Foto: nnz)
Sport macht Spaß, aber nur an der Playstation oder in der Glotze. Das ist Realität, eine bittere für Sportvereine. Immer weniger Kinder haben Lust selbst Sport zu treiben. Sie konsumieren lieber Videospiele und dazu Schokolade. Das tut weder Deutschland noch den Krankenkassen gut. Die stöhnen über die Kosten, welche dicke Kinder und Erwachsene mit Haltungsschäden verursachen. 60 % aller Erwachsenen leiden unter Rückenschmerzen und 30 % der Grundschüler haben bereits Probleme mit dem Stütz- und Bewegungsapparat, keine positiven Zahlen. Werner Hütcher, Schulsportkoordinator, rechnet vor, daß ein in den Sport investierter Euro drei im Gesundheitswesen einspart. Auch als Gewaltprävention habe der Sport seinen festen Platz, da junge Menschen ein einer Mannschaft Regeln lernen und die Achtung voreinander.
Im Landkreis wurde schon einiges in Sportstätten investiert. In Bleicherode und Heringen entstanden neue Hallen. Auf dem Petersberg gibt es gleich zwei Turnhallen und einige weitere Sportanlagen für Hobbysportler. Die Wiedigsburghalle, 1997 eröffnet, lobt Hütcher als die sinnvollste Investition, da die Halle nicht nur Schülern und Vereinen offensteht, sondern für zahlreiche Veranstaltungen genutzt werden kann. Andere Sportanlagen sind in erbärmlichem Zustand. Die Außenanlagen an der Käthe Kollwitz Schule und der Albert Kuntz Schule zum Beispiel bräuchten dringend eine Kur. Die Spendekirchhofhalle des Humboldtgymnasiums müßte ebenfalls saniert werden. Doch Unterhaltung und Sanierung von Sportstätten kostet Geld. Wo soll das in Zeiten knapper Kassen herkommen?
Gunter Brand vom Schulverwaltungsamt erklärt, daß die Kommunen verpflichtet sind, den Sport zu fördern, allerdings nach Haushaltslage. In seinem Vortrag geht er auf die Bedeutung der Vereine für die Gesellschaft ein, mahnt aber gleichzeitig eine Reaktion auf die Veränderung der Gesellschaft an. Immer mehr immer ältere Menschen werden im Landkreis leben und auch Sport treiben wollen. Sie könnten dafür zur Kasse gebeten werden. Daß die Kinder- und Jugendarbeit der Sportvereine nichts für die Nutzung öffentlicher Sportstätten zahlen soll, darin sind sich alle einig. Erwachsene Sportler könnten sich jedoch an den Betriebskosten für die genutzten Objekte beteiligen. Sie könnten auch am Erhalt und der Verschönerung mitwirken. Dafür hat Werthers Bürgermeister Klaus Hummitzsch gleich einige gute Beispiele parat. Er will die gemeindeeigenen Hallen und Plätze weiterhin kostenlos zur Verfügung stellen, da viele Sportler ehrenamtlich dafür sorgen.
Ehrenamt war ein weiteres Stichwort der Diskussion. Besonders Siegfried Janiszewski, der Präsident des Kreissportbundes, ging auf die Wichtigkeit der ehrenamtlichen Trainer ein. Die haben inzwischen einen Problem, sie werden immer älter und zahlenmäßig immer weniger. Der Altersdurchschnitt der Übungsleiter liegt bei etwa 50 Jahren. Generationskonflikte mit jugendlichen Sportlern sind da vorprogrammiert. Die Bereitschaft zur Übernahme einer Funktion im Verein läge bei den meisten Bürgern sehr niedrig, so Janiszewski. Lieber würden sie am Spielfeldrand stehen und sich beleidigend über die Schiedsrichter äußern.
Was meint der Kreissportbund, müsse in der nächsten Zeit getan werden? Einmal wurde eine offensivere Öffentlichkeitsarbeit genannt. Dadurch sollen mehr Bürger für die Vereinsarbeit gewonnen werden. Ein Organisationsgrad von 17 % wird angestrebt. In Westdeutschland liegt der bei 30 %. Erreicht werden soll das durch spezielle Angebote für Senioren, der vermehrten Ausbildung von Übungsleitern und durch Gesundheitsangebote. Ab Januar 2006 will der Kreissportbund eine Internetpräsenz aller Vereine aufbauen.
Die Zukunft des Sports im Landkreis sieht sicher nicht rosig aus. Aber es wird einiges unternommen, um die Vereine und den Sport im Allgemeinen attraktiv zu machen. Weiterhin soll es große Veranstaltungen mit überregionalem Renommee geben. Dafür sorgen Sponsoren wie die EVN mit dem Kugelstoß Indoor. Sportstätten sollen erhalten und saniert werden. Für die Außenanlagen der Käthe Kollwitz Schule wurde Geld bewilligt. Vorreiter in Sachen Sportförderung ist der Landkreis sowieso. Er ist der einzige Kreis, der so eine Veranstaltung organisierte und den Betroffenen ermöglichte über die Sportkonzeption zu diskutieren.


