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Di, 08:50 Uhr
11.10.2005

„Sture“ Kleingärtner

Nordhausen (nnz). An Northüringens Autobahnnetz ist viel Bewegung. Viele Strecken sind schon fertig, an einigen Stellen wird gebaut und andere Trassen befinden sich in der Vorbereitung. Was passiert aber, wenn die geplante Streckenführung über Land in Privatbesitz geht? Die nnz ist genau dieser Frage nachgegangen.


„Hier setzt unsere Arbeit an“, berichtet Ivonne Thämer vom Arbeitsstützpunkt Sondershausen der Thüringer Landgesellschaft mbH (ThLG), welche als Koordinator für den DEGES-Bereich (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) zuständig ist. Recherche der Eigentümer, Pächter oder Bewirtschafter, Abstimmungen mit den zuständigen Katasterämtern und die Erarbeitung eines Preisrahmens umfassen die vorbereitenden Aufgaben, bevor es an konkrete Verhandlungen mit den Eigentümern geht.

Dass diese Arbeit nicht unbedeutend ist, zeigen einige Zahlen. Allein für den Bau der A38 von Halle nach Göttingen waren in Thüringen von den Landesgrenzen Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt auf einer Strecke von 76,8 km 6.271 Flurstücke betroffen. Derzeit sei der letzte noch offene Abschnitt zwischen Breitenworbis und Bleicherode in Bearbeitung. „Wir haben unsere Recherchen abgeschlossen und die Eigentümer ermittelt. Derzeit führen wir Grunderwerbsgespräche vor Ort durch, um von allen die Bereitschaft zum Verkauf zu erhalten, damit der Weiterbau der A38 ohne Verzögerungen vonstatten geht,“ so Ivonne Thämer.

Das sei nicht immer einfach, wie die Koordinatorin am Beispiel einer Kleingartenanlage in Sollstedt erläuterte. „Die Besitzer hängen an ihren Gärten und haben sich anfangs massiv gewehrt. In einer Vielzahl von Gesprächen haben wir nach Kompromissen gesucht und konnten letztendlich alle davon überzeugen, zu verkaufen“, ist Ivonne Thämer stolz auf ihre Vermittlungsarbeit. Ersatzgrundstücke gäbe es dabei für Privatpersonen leider nicht. Laut Baugesetzbuch sei dies nur bei Landwirten und Agrarunternehmen möglich, die von ihren Flächen Einnahmen erzielen. Eine weitere Besonderheit im Ort sei auch das Gewerbegebiet im Friedetal. Dort ist eine große Brücke geplant (495 m lang), die das Tal überspannen soll. Die betroffenen Grundstückseigentümer brauchen hier nicht zu verkaufen, sondern erhalten eine Nutzungsentschädigung (Dienstbarkeit) mit Auflagen.

So dürfen keine weiteren Bauten errichtet werden und eine freie Zufahrt zu den Brückenpfeilern für Kontrollen muss gewährleistet sein. „Unsere Arbeit ist in diesem Bereich sehr aufwändig, da die Trassenführung aufgrund der geologischen Verhältnisse durch den Kaliabbau und durch Bürgereinwände mehrmals geändert werden musste“, so die Koordinatorin. Jetzt seien alle Unterlagen zur Planfeststellung beim Thüringer Ministerium für Bau und Verkehr eingereicht. Zum Jahresende rechne man von dort mit einem positiven Beschluss.

Ähnlich sei die Lage an der künftigen A71, welche von der Landesgrenze Sachsen-Anhalts bis Sömmerda im Zuständigkeitsbereich der ThLG, Arbeitsstützpunkt Sondershausen, liegt. 1275 Flurstücke befinden sich allein in den Abschnitten Artern und Heldrungen auf einer Streckenlänge von 12,1 km, welche derzeit in Bearbeitung sind. Der weitere Trassenverlauf der fehlenden zwei Abschnitte sei noch unklar. „Da kommt mit Sicherheit noch Einiges auf uns zu“, weiß Ivonne Thämer. Aber sie ist sich sicher: Mit ihren Partnern wie Katasterämtern, Amtsgerichte, Gemeinde- und Stadtverwaltungen, Ingenieurbüros und Agrarbetrieben wird sie auch diese Aufgaben lösen können.
Autor: nnz

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