eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Sa, 18:24 Uhr
17.09.2005

Krimi erster Güte

Nordhausen (nnz). Acht Tore, drei Elfmeter – was kann ein Derby der Fußballgemeinde noch besseres bieten? Wie sich die Tore in der Begegnung zwischen der Eintracht aus Sondershausen und Wacker Nordhausen allerdings nach 90 Minuten verteilten, das erlebte die nnz und war am Schluß ganz schön „fertig“.

Krimi erster Güte (Foto: nnz) Krimi erster Güte (Foto: nnz)

Zwar eine Floskel, doch das „Wechselbad der Gefühle“ trifft auf den heutigen Nachmittag im Albert-Kuntz-Sportpark voll und ganz zu. Am Ende stand ein 5:3 für Wacker Nordhausen auf der Anzeigetafel und damit ist die Fußball-Rangordnung in Nordthüringen vorerst wieder hergestellt. Doch der Reihe nach.

Im Wacker-Aufgebot erstmals mit dabei Adam Diarra, der Bruder des Freiburger Profis. Er sollte mit seiner Größe die Abwehr verstärken, doch dort herrschte in den ersten Minuten viel an Aufregung, bis zur 11. Minute hätte es für die Gäste mindestens schon 1:0 stehen müssen. Stand es aber nicht, denn Baumann im Nordhäuser Tor war auf der Hut. Das erste Achtungszeichen in der 17. Minute durch Pohl, doch hier entschied der Unparteiische auf Abseits. In der 21. Minute der erste Kracher. Der 25-Meter-Schuß von Jens Ludwig zischte am Eintracht-Tor knapp vorbei.

Dann die 26. Minute, der erste Elfmeterpfiff des Spiels. Hartmann war gefoult worden und nach dem Pistorius in Jena vom Punkt versagt hatte, nahm sich Hartmann das Leder und – verschießt. Doch Wacker war jetzt am Drücker, in der 31. Minute scheitert Braun. Aschenschwandtner war erfolgreicher: In der 37. Minute geht „Piste“ rechts durch, flankt in den Strafraum, Weißhaupt nimmt das Leder direkt an und hebt die Kugel sanft auf Aschenschwandtner, der unhaltbar zum ersten Tor für Wacker einschießt.

Nur zwei Minuten später wieder ein Elfer. Diesmal hatten die Sondershäuser Abwehrrecken den kleinen Daniel Braun von den Beinen geholt. Doch wer soll schießen? Diarra, der Neue, holt sich den Ball und haut ihn links oben ins Eck. Wacker führt 2:0 – zu recht, denn ab der 30. Minute waren die Sondershäuser in allen Mannschaftsteilen völlig von der Rolle, und Braun sowie Pohl hätten auf Tor Nummer 3 und 4 erhöhen können. Erhöhen müssen.

Was dann in der Halbzeitpause in der Wacker-Kabine los war, das wird sich der interessierten Öffentlichkeit nur schwer erschließen. An Trainer Uwe Etzrodt kann es kaum gelegen haben, der hatte seinen Jungs die Schwachstellen in der Abwehr erläutert. Kaum war der Anpfiff zur zweiten Halbzeit aus der Schiri-Pfeiffe raus, da haute der Sondershäuser Klodt den Ball aus 23 Meter aufs Nordhäuser Tor.

Baumann stand vermutlich etwas zu weit vor seinem Gehäuse und sah ziemlich unglücklich aus (47.). Sicher, der Fehler eines Tormanns wird hart bestraft, doch Baumann hatte aus den vorherigen Spielen eine „Bank“ mitgebracht und sollte im Verlaufe dieses Spiels diesen Fehler gut machen.

Jedenfalls: Der Anschlusstreffer war da, Sondershausen obenauf, Wacker tief in der Krise, die sich in den folgenden Minuten so darstellte: 49. Minute das 2:2 durch Duft. 51. Minute 2:3 wieder Duft. Das Spiel schien gänzlich zu kippen, die Zuschauer konsterniert, Uwe Etzrodt fast verzweifelt, die Wacker-Abwehr ein Hühnerhaufen. Doch Baumann verhinderte weitere Tore, obwohl die nicht unverdient gewesen wären.

Wer aber dachte, dass das Sondershäuser Schützenfest weiterging, der täuschte sich. Die Zuschauer rissen die Nordhäuser Spieler mit, die kamen aus dem Psycho-Keller raus und - wieder ein Elfmeter. In der 67. Minute wurde Marco Weißhaupt im Strafraum brutal von den Beinen geholt. Aber: Wer sollte den Elfer schießen? Sekundenlange Ratlosigkeit, dann nahm sich Daniel Braun das Leder, lief an, schoß und traf. Ausgleich 3:3. Und viele ahnten: Da geht noch was... Die Frage nur – auf welcher Seite?

Beantwortet wurde sie in der 73. Minute. Ein „Butterpaß“ von Weißhaupt auf Pistorius, der weiter auf Pohl und Wacker hatte das Spiel gedreht. Das letzte Tor war Torsten Klaus vorbehalten. Der wurde kurz vor Spielende (87.) eingewechselt, absolvierte sein erstes Spiel für Wacker und tunnelte seinen Ex-Kumpel im Sondershäuser Tor. Eine Minute zuvor noch die Heldentat von Baumann im Nordhäuser Tor. Aus drei Meter stürzte er sich einem Sonderhäuser in Beine und Ball, wurde verletzt, spielte aber durch. Dann Abpfiff, grenzenloser Jubel bei Wacker, grenzenlose Enttäuschung bei Sondershausen.

„Letztlich ist der Sieg für uns in Ordnung gegangen“, analysiert Uwe Etzrodt für nnz, der solch eine Aufregung wohl nicht jeden Spieltag erleben will. Völlig fertig, dennoch glücklich lobte er seine Mannen. „Die Jungs haben nicht aufgegeben, haben sich zurückgekämpft und verdient gewonnen“, so „Etze“. Wohlwissend, dass es noch einiges zu „reparieren“ gibt. Dazu wird in der kommenden Woche Zeit sein, heute wird erst einmal gefeiert.

Die Erfolgsserie der Wackeren geht in Nordhausen weiter und mehr als 1.200 Zuschauer erlebten einen spannenden Krimi, der einen riesigen Bock auf MEHR macht. Und: Das Derby war auch ein willkommener Einstand für das neue Wacker-Präsidium, deren Mitglieder nach dem 90-Minuten-Krimi ebenfalls völlig „fertig“ waren.
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)