Di, 07:23 Uhr
13.09.2005
Gut – Besser – Thüringen
Nordhausen (nnz). Am vergangenen Samstag lief in der ARD der 5. PISA-Ländertest. Mit dabei war auch ein Nordhäuser, nämlich Manuel Thume (nnz berichtete). Für die Leser der nnz hat der Nordhäuser seine Eindrücke und Erlebnisse eines ungewöhnlichen Tages aufgeschrieben.
Gut – Besser – Thüringen (Foto: nnz)
Am Samstag früh, um genau zu sein um 8:40 Uhr begann die Reise in Richtung Köln-Bocklemünd (von wo aus die Sendung ausgestrahlt wurde) vom Nordhäuser Bahnhof. Und gleich an dieser Stelle muss ich Kritik loswerden in Richtung Deutsche Bahn. Der erste Zug war in einem desaströsen Zustand. Es war zwar nur der Regionalexpress nach Kassel, aber es sollte dennoch darauf geachtet werden, dass er sauber ist und wenigstens den Grundanforderungen Genüge leistet. Mal abgesehen davon, dass ich bis Kassel keinen Sitzplatz hatte, fand ich es sehr traurig, dass ein im Zug vorhandener Getränkeautomat nicht in Betrieb war. Es mag daran gelegen haben, dass die Deutsche Bahn es noch immer nicht geschafft hat, diesen Automaten auf die Währung Euro umzustellen. Eine Cola z. B. kostete dort immer noch 1,50 DM. Wenn man ständig die Preise erhöht, sollte man auch darauf achten, dass der Kunde zufrieden ist. Ansonsten muss man sich nicht wundern, dass niemand mit der Bahn fährt. Aber genug der Kritik.
Nachdem ich nun in Kassel und dann noch einmal in Hagen umgestiegen war, kam ich gegen 13:30 Uhr endlich am Kölner Hauptbahnhof an. Dort wurde ich neben den anderen Kandidaten aus allen Bundesländern von der Produktionsfirma in Empfang genommen. Nun ging die Reise mit dem Bus zum WDR-Studio weiter. Dort angekommen, hatte man die Gelegenheit sich umzuziehen und sein Gepäck zu verstauen. Anschließend kam man zu der Tischreihe seines Bundeslandes. Die meisten Kollegen aus Thüringen waren schon da. Man knüpfte erste Kontakte und machte sich bekannt. Nach einer kurzen Zeit kam der für uns zugeteilte Betreuer der Produktionsfirma und erläuterte uns die wichtigsten Dinge. Dies waren z. B. Verpflegung, Unterbringung, Verhaltensregeln im Studio usw. Jeder Kandidat erhielt eine Nummer, damit er wusste auf welchem Platz er sitzen soll. Ich bekam die Nummer 304. Nach einem kurzen Blick auf den Sitzplan war klar: Oh Gott, ich sitze in der ersten Reihe. Innerhalb des Thüringer Blocks wurden die ersten Strategiebesprechungen abgehalten. Immerhin hatten wir nur noch zu gewinnen, schlimmer als das letzte Mal konnte es nicht werden (man erinnere sich – Thüringen war auf Platz 16 und damit Letzter). Und wir wollten den Deutschen beweisen, dass wir besser sind. Eines war gleich klar – wir arbeiten im Team und sprechen uns ab.
So gegen 16:30 Uhr wurde ein großes Buffet für die angereisten Kandidaten aufgebaut. Man nahm eine kleine Stärkung zu sich und machte sich bereit zur Probe. Zwischendurch bekamen wir dann noch die Aufforderung uns für Thüringen noch einen Schlachtruf einfallen zu lassen. Das war ja gar nicht so einfach. Der erste Vorschlag Jetzt geht’s um die Wurst! wurde gleich wieder gestrichen – das hatte keinen Biss. Der zweite Spruch Die Bratwurst hat uns stark gemacht, jetzt werden die andren platt gemacht! war schon besser, aber leider zu lang. Nach kurzem Überlegen kam jemandem die zündende Idee: Gut – Besser – Thüringen. Das war er – der Kampfruf des Freistaats. Wir verabredeten, dass der Stimmgewaltigste unserer Gruppe, der auch in der Mitte saß, uns mit Gut – Besser den Takt vorgab und alle anderen dann riefen Thüringen. Wir hatten keine Ahnung, wie nah wir mit diesem Spruch an das Ergebnis kommen würden.
Nun war es schon 17:30 Uhr und wir mussten ins Studio zur Probe. Dort wurden noch ein paar Kleinigkeiten erklärt und ein Testlauf der Abstimmungsgeräte gemacht. Auch die Promis mussten zur Sitz- und Tonprobe antreten. Aber unser Thüringer Promi war noch nicht da. Es war Franziska Schenk, die MDR-Moderation und ehemalige Eissprinterin aus Erfurt. Nun ja, dachten wir, die wird schon noch kommen. Nach der Probe noch schnell ein wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, den Nikotinspiegel hoch treiben und den menschlichen Bedürfnissen nachgehen.
Um 19:30 Uhr war der große Moment gekommen – wir mussten ins Studio. Ein kurzes Hallo von Jörg Pilawa und dann kam auch unsere Franziska Schenk. Sie begrüßte uns alle und sprach noch ein paar Details mit uns ab. Wir schworen uns alle noch mal gegenseitig ein. Die Schmach der letzten Sendung mit dem 16. Platz werden wir nicht noch einmal zulassen.
20:15 Uhr. Es war soweit. Die Sendung begann. Nach Vorstellung der Besten vom letzten Mal (Baden-Württemberg, Saarland, Berlin und Bayern) natürlich auch die Vorstellung der Schlechtesten – Thüringen. Das ging einem mit Zeit dann doch ganz schön auf die Nerven. Aber nun gut, wir ließen uns nicht unterkriegen und dachten nur: Wartet es nur ab!
Es gab drei Kategorien: Sehen, Hören und Verstehen, dann noch Mathematik und Naturwissenschaften und zuletzt Problemlösen. Die erste Kategorie lief ganz passabel. Zumindest waren wir nicht die Schlechtesten. Aber es war ja noch alles offen. Vor der zweiten Kategorie hatten fast Alle die größte Angst. Aber danach war uns allen klar, diesmal sind wir definitiv nicht die letzten. Und dann kam die letzte Runde. Danach die große Auswertung. Nachdem wir mit Freude zur Kenntnis nahmen, dass wir nicht die Schlechtesten waren (das war Brandenburg) und Bayern auch nur Platz 12 hat, wurde es spannend.
Nun gut wir waren unter den ersten 8. Aber nicht auf der sieben, sechs oder fünf. Wir dachten dann, na ja, Platz 4 ist doch gut. Das entspricht ja dem wirklichen PISA-Test. Aber wir waren nicht auf 4. Unter den ersten 3 ist ja noch besser. Doch Platz 3 war von Sachsen-Anhalt belegt. Jetzt war uns klar, dass wir vielleicht das geschafft haben, womit niemand wirklich gerechnet hatte. Und Tatsache, es ist so – Thüringen ist der Sieger des 5. PISA-Ländertests. Jubel und Geschrei brachen aus in unserem Block. Wir schmetterten den anderen unseren Kampfruf entgegen. Die Freude war riesengroß und kaum fassbar. Wir haben Thüringen die PISA-Würde zurückgeholt. Das war eine Leistung des gesamten Teams. Die Kandidaten inklusive dem Promi haben ausgezeichnet zusammengearbeitet. Man hat sich gegenseitig unterstützt und geholfen, aber nicht um sich selbst willen, sondern für Thüringen. Jetzt dürfte auch dem Letzten klar geworden sein, dass das Bildungssystem in Thüringen ziemlich gut sein muss.
Nach der Sendung ging es mit dem Bus der Kölner Haie ins Hotel nach Wuppertal, wo der Thüringer Block in der Hotel-Bar zusammen saß und den Sieg feierte. Und zur Ehrenrettung der Bayern gab es Hefeweizen.
Am nächsten Tag ging es zurück in die Heimat, wo man von Familie und Freunden mit freudigen und stolzen Gesichtern empfangen wurde. Und für mich persönlich wartet auch wieder die Arbeit, denn nächste Woche ist Bundestagswahl und als Kreisvorsitzender der Jungen Union habe ich bis dahin noch einiges zu tun. Aber die Sendung war einfach toll und ich kann jedem nur raten dort einmal mitzumachen. Für uns war es dieses Mail ein hartes Stück, aber wir haben es geschafft – für unseren Freistaat Thüringen. Denn seit Samstag steht eines fest: Gut – Besser – Thüringen!
Manuel Thume, Nordhausen
Autor: nnz
Gut – Besser – Thüringen (Foto: nnz)
Am Samstag früh, um genau zu sein um 8:40 Uhr begann die Reise in Richtung Köln-Bocklemünd (von wo aus die Sendung ausgestrahlt wurde) vom Nordhäuser Bahnhof. Und gleich an dieser Stelle muss ich Kritik loswerden in Richtung Deutsche Bahn. Der erste Zug war in einem desaströsen Zustand. Es war zwar nur der Regionalexpress nach Kassel, aber es sollte dennoch darauf geachtet werden, dass er sauber ist und wenigstens den Grundanforderungen Genüge leistet. Mal abgesehen davon, dass ich bis Kassel keinen Sitzplatz hatte, fand ich es sehr traurig, dass ein im Zug vorhandener Getränkeautomat nicht in Betrieb war. Es mag daran gelegen haben, dass die Deutsche Bahn es noch immer nicht geschafft hat, diesen Automaten auf die Währung Euro umzustellen. Eine Cola z. B. kostete dort immer noch 1,50 DM. Wenn man ständig die Preise erhöht, sollte man auch darauf achten, dass der Kunde zufrieden ist. Ansonsten muss man sich nicht wundern, dass niemand mit der Bahn fährt. Aber genug der Kritik.
Nachdem ich nun in Kassel und dann noch einmal in Hagen umgestiegen war, kam ich gegen 13:30 Uhr endlich am Kölner Hauptbahnhof an. Dort wurde ich neben den anderen Kandidaten aus allen Bundesländern von der Produktionsfirma in Empfang genommen. Nun ging die Reise mit dem Bus zum WDR-Studio weiter. Dort angekommen, hatte man die Gelegenheit sich umzuziehen und sein Gepäck zu verstauen. Anschließend kam man zu der Tischreihe seines Bundeslandes. Die meisten Kollegen aus Thüringen waren schon da. Man knüpfte erste Kontakte und machte sich bekannt. Nach einer kurzen Zeit kam der für uns zugeteilte Betreuer der Produktionsfirma und erläuterte uns die wichtigsten Dinge. Dies waren z. B. Verpflegung, Unterbringung, Verhaltensregeln im Studio usw. Jeder Kandidat erhielt eine Nummer, damit er wusste auf welchem Platz er sitzen soll. Ich bekam die Nummer 304. Nach einem kurzen Blick auf den Sitzplan war klar: Oh Gott, ich sitze in der ersten Reihe. Innerhalb des Thüringer Blocks wurden die ersten Strategiebesprechungen abgehalten. Immerhin hatten wir nur noch zu gewinnen, schlimmer als das letzte Mal konnte es nicht werden (man erinnere sich – Thüringen war auf Platz 16 und damit Letzter). Und wir wollten den Deutschen beweisen, dass wir besser sind. Eines war gleich klar – wir arbeiten im Team und sprechen uns ab.
So gegen 16:30 Uhr wurde ein großes Buffet für die angereisten Kandidaten aufgebaut. Man nahm eine kleine Stärkung zu sich und machte sich bereit zur Probe. Zwischendurch bekamen wir dann noch die Aufforderung uns für Thüringen noch einen Schlachtruf einfallen zu lassen. Das war ja gar nicht so einfach. Der erste Vorschlag Jetzt geht’s um die Wurst! wurde gleich wieder gestrichen – das hatte keinen Biss. Der zweite Spruch Die Bratwurst hat uns stark gemacht, jetzt werden die andren platt gemacht! war schon besser, aber leider zu lang. Nach kurzem Überlegen kam jemandem die zündende Idee: Gut – Besser – Thüringen. Das war er – der Kampfruf des Freistaats. Wir verabredeten, dass der Stimmgewaltigste unserer Gruppe, der auch in der Mitte saß, uns mit Gut – Besser den Takt vorgab und alle anderen dann riefen Thüringen. Wir hatten keine Ahnung, wie nah wir mit diesem Spruch an das Ergebnis kommen würden.
Nun war es schon 17:30 Uhr und wir mussten ins Studio zur Probe. Dort wurden noch ein paar Kleinigkeiten erklärt und ein Testlauf der Abstimmungsgeräte gemacht. Auch die Promis mussten zur Sitz- und Tonprobe antreten. Aber unser Thüringer Promi war noch nicht da. Es war Franziska Schenk, die MDR-Moderation und ehemalige Eissprinterin aus Erfurt. Nun ja, dachten wir, die wird schon noch kommen. Nach der Probe noch schnell ein wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, den Nikotinspiegel hoch treiben und den menschlichen Bedürfnissen nachgehen.
Um 19:30 Uhr war der große Moment gekommen – wir mussten ins Studio. Ein kurzes Hallo von Jörg Pilawa und dann kam auch unsere Franziska Schenk. Sie begrüßte uns alle und sprach noch ein paar Details mit uns ab. Wir schworen uns alle noch mal gegenseitig ein. Die Schmach der letzten Sendung mit dem 16. Platz werden wir nicht noch einmal zulassen.
20:15 Uhr. Es war soweit. Die Sendung begann. Nach Vorstellung der Besten vom letzten Mal (Baden-Württemberg, Saarland, Berlin und Bayern) natürlich auch die Vorstellung der Schlechtesten – Thüringen. Das ging einem mit Zeit dann doch ganz schön auf die Nerven. Aber nun gut, wir ließen uns nicht unterkriegen und dachten nur: Wartet es nur ab!
Es gab drei Kategorien: Sehen, Hören und Verstehen, dann noch Mathematik und Naturwissenschaften und zuletzt Problemlösen. Die erste Kategorie lief ganz passabel. Zumindest waren wir nicht die Schlechtesten. Aber es war ja noch alles offen. Vor der zweiten Kategorie hatten fast Alle die größte Angst. Aber danach war uns allen klar, diesmal sind wir definitiv nicht die letzten. Und dann kam die letzte Runde. Danach die große Auswertung. Nachdem wir mit Freude zur Kenntnis nahmen, dass wir nicht die Schlechtesten waren (das war Brandenburg) und Bayern auch nur Platz 12 hat, wurde es spannend.
Nun gut wir waren unter den ersten 8. Aber nicht auf der sieben, sechs oder fünf. Wir dachten dann, na ja, Platz 4 ist doch gut. Das entspricht ja dem wirklichen PISA-Test. Aber wir waren nicht auf 4. Unter den ersten 3 ist ja noch besser. Doch Platz 3 war von Sachsen-Anhalt belegt. Jetzt war uns klar, dass wir vielleicht das geschafft haben, womit niemand wirklich gerechnet hatte. Und Tatsache, es ist so – Thüringen ist der Sieger des 5. PISA-Ländertests. Jubel und Geschrei brachen aus in unserem Block. Wir schmetterten den anderen unseren Kampfruf entgegen. Die Freude war riesengroß und kaum fassbar. Wir haben Thüringen die PISA-Würde zurückgeholt. Das war eine Leistung des gesamten Teams. Die Kandidaten inklusive dem Promi haben ausgezeichnet zusammengearbeitet. Man hat sich gegenseitig unterstützt und geholfen, aber nicht um sich selbst willen, sondern für Thüringen. Jetzt dürfte auch dem Letzten klar geworden sein, dass das Bildungssystem in Thüringen ziemlich gut sein muss.
Nach der Sendung ging es mit dem Bus der Kölner Haie ins Hotel nach Wuppertal, wo der Thüringer Block in der Hotel-Bar zusammen saß und den Sieg feierte. Und zur Ehrenrettung der Bayern gab es Hefeweizen.
Am nächsten Tag ging es zurück in die Heimat, wo man von Familie und Freunden mit freudigen und stolzen Gesichtern empfangen wurde. Und für mich persönlich wartet auch wieder die Arbeit, denn nächste Woche ist Bundestagswahl und als Kreisvorsitzender der Jungen Union habe ich bis dahin noch einiges zu tun. Aber die Sendung war einfach toll und ich kann jedem nur raten dort einmal mitzumachen. Für uns war es dieses Mail ein hartes Stück, aber wir haben es geschafft – für unseren Freistaat Thüringen. Denn seit Samstag steht eines fest: Gut – Besser – Thüringen!
Manuel Thume, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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