Di, 08:46 Uhr
30.08.2005
Hoffnung weitet Horizont
Nordhausen (nnz). Seit einigen Jahren wird anlässlich des alljährlich stattfindenden Koloniefestes im Festzelt ein Gottesdienst abgehalten. In diesem Jahr gab es kein Fest (nnz berichtete), aber einen Gottesdienst.
In diesem Jahr konnte für die Predigt der Ehrenbürger der Gemeinde Sollstedt und ehemalige Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde, Gottfried Hoefert, gewonnen werden. Das Koloniefest wurde wegen des tragischen Unfalls, der sich an dem unweit des Kolonieplatzes gelegenen Bahnübergang ereignete, abgesagt, weil hier zwei junge Frauen aus Sollstedt ihr Leben verloren und eine dritte lebensgefährlich verletzt wurde – zum Feiern war unter diesen Umständen niemandem zu Mute – wohl aber zum Trauern und so waren sich die Organisatoren des Koloniefestes mit Pfarrer a.D. Hoefert sehr bald einig, dass der vorgesehene Gottesdienst wie geplant stattfinden sollte. Damit trafen sie eine Entscheidung, die von vielen Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen wurde.
Etwa 250 Trauergäste - Angehörige der Opfer, Freunde, Nachbarn, Bekannte, Mitschüler und wohl auch einige Unbeteiligte fanden sich in den Zelten auf dem Kolonieplatz zusammen und wurden von den Worten, die Pfarrer Hoefert sprach, sichtlich ergriffen. Im gemeinsamen Gebet waren die Trauernden einander Halt und Stütze. Pfarrer Hoefert hat seine Predigt aufbauend auf dem Psalmwort 42,6 gehalten, das da lautet: Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! Denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Pfarrer Hoefert verwendete das Bild aus einer alten Bibelhandschrift, in der die Seele in Menschengestalt zu sehen ist, die traurig und einsam auf einem Berg sitzt, die in bunten Farben leuchtende Heimat hinter sich und die blühenden Blumen zu ihren Füßen nicht sehend, sondern nur betrübt in die Ferne blickend. Am Fuße des Berges möchte ein Psalmbeter mit Harfe die Seele trösten, ahnt aber schon, wie schwer das sein wird, und über und unter diesem Bild der Spruch: Was betrübst du dich meine Seele. Harre auf Gott!
Und noch eine Botschaft gab Hoefert den Trauernden mit auf den Weg: Unsere Klagen und Zweifel behalten nicht das letzte Wort, die Hoffnung weitet den Horizont. Der Weg der Behütung führt ins Weite. Und so wird es für die Angehörigen und Freunde noch ein weiter Weg der Trauer, der aber nicht ins Vergessen führt, wenn auch die Tränen irgendwann versiegen.
Autor: nnzIn diesem Jahr konnte für die Predigt der Ehrenbürger der Gemeinde Sollstedt und ehemalige Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde, Gottfried Hoefert, gewonnen werden. Das Koloniefest wurde wegen des tragischen Unfalls, der sich an dem unweit des Kolonieplatzes gelegenen Bahnübergang ereignete, abgesagt, weil hier zwei junge Frauen aus Sollstedt ihr Leben verloren und eine dritte lebensgefährlich verletzt wurde – zum Feiern war unter diesen Umständen niemandem zu Mute – wohl aber zum Trauern und so waren sich die Organisatoren des Koloniefestes mit Pfarrer a.D. Hoefert sehr bald einig, dass der vorgesehene Gottesdienst wie geplant stattfinden sollte. Damit trafen sie eine Entscheidung, die von vielen Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen wurde.
Etwa 250 Trauergäste - Angehörige der Opfer, Freunde, Nachbarn, Bekannte, Mitschüler und wohl auch einige Unbeteiligte fanden sich in den Zelten auf dem Kolonieplatz zusammen und wurden von den Worten, die Pfarrer Hoefert sprach, sichtlich ergriffen. Im gemeinsamen Gebet waren die Trauernden einander Halt und Stütze. Pfarrer Hoefert hat seine Predigt aufbauend auf dem Psalmwort 42,6 gehalten, das da lautet: Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! Denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Pfarrer Hoefert verwendete das Bild aus einer alten Bibelhandschrift, in der die Seele in Menschengestalt zu sehen ist, die traurig und einsam auf einem Berg sitzt, die in bunten Farben leuchtende Heimat hinter sich und die blühenden Blumen zu ihren Füßen nicht sehend, sondern nur betrübt in die Ferne blickend. Am Fuße des Berges möchte ein Psalmbeter mit Harfe die Seele trösten, ahnt aber schon, wie schwer das sein wird, und über und unter diesem Bild der Spruch: Was betrübst du dich meine Seele. Harre auf Gott!
Und noch eine Botschaft gab Hoefert den Trauernden mit auf den Weg: Unsere Klagen und Zweifel behalten nicht das letzte Wort, die Hoffnung weitet den Horizont. Der Weg der Behütung führt ins Weite. Und so wird es für die Angehörigen und Freunde noch ein weiter Weg der Trauer, der aber nicht ins Vergessen führt, wenn auch die Tränen irgendwann versiegen.

