Mo, 07:30 Uhr
29.08.2005
nnz-jukebox: Saite vs. Plektrum
Nordhausen (nnz). Die Herstellung neuer Musik-CDs reißt einfach nicht ab. Jetzt kommt schon wieder eine Neuproduktion in die Rundfunk- und Fernsehgeschäfte. Olaf Schulze hat sich den Tonträger für die nnz angehört.
Plektronite
plektroniitit tuloo – enter the plektronites!
(skycap/rough trades)
Es gibt nichts, was es in Finnland nicht gibt. Deshalb verwundert es nicht, dass die Söhne Suomis sich ernsthaft mit der Mandolinenmusik beschäftigen. Und es sage keiner, dass wäre ein untypisches Instrument im Land der vielen Bäume. Allein zwischen 1920 und 1930 wurden in Helsinki mehr als 50 Mandolinenorchester gezählt.
Plektronite knüpft - oder besser - zupft dort an, wo das bauchige sechssaitige Gerät aus bisher ungeklärten Gründen irgendwann abgelegt worden ist. Dank der pädagogischen Bemühungen zweier Professoren an der Sibelius-Akademie, Helsinkis musikalischer Eliteschmiede, fanden sich drei mandolinenbegeisterte junge Männer, deren musikalische Vergangenheit nicht unterschiedlicher sein könnte. Einer frönt der Klassik, einer ist ein Folkie und der dritte hat seine Wurzeln im Heavy Metal. Die Melange ihrer Erfahrungen fließt nun in ihr gemeinsames Spiel. Dabei erklingen Melodien & Rhythmen, die uns als Mitteleuropäer so gar nicht an unsere meist traditionellen und festgelegten Mandolinenorchestern erinnern. Voller folkloristischer Frische, filigranster Anschlagtechnik und hörbarer Begeisterung servieren Plektronite Polkas, Mazurkas, Walzer, Schottisches und Menuette. Mitunter klingen Irish Folk, Country und Bluegrass durch, der eine oder andere gewagte Schlenker lockert die festgeschriebenen Vorgaben auf. In 13 Titeln hören wir einen bunten Mix und Stücke wie der Marsch Enter the Plektronites haben schon regelrechten Hitcharakter.
Überhaupt wird das Album nach hinten heraus immer besser, so als wären die Traditionals, die von Plektronite neu arrangiert wurden nur ein Vorspiel zu den furiosen Eigenkompositionen. Eine Art Friday night in San Francisco, obwohl es hier eher heißen sollte Sunday afternoon in Helsinki.
Keine Ahnung, was die Burschen jährlich an Plektren verschleißen, aber unerheblich wird es nicht sein, wenn sie schon im Bandnamen ein Sponsoring durch die plektrumproduzierende Industrie provozieren.
Olaf Schulze
Autor: oschPlektronite
plektroniitit tuloo – enter the plektronites!
(skycap/rough trades)
Es gibt nichts, was es in Finnland nicht gibt. Deshalb verwundert es nicht, dass die Söhne Suomis sich ernsthaft mit der Mandolinenmusik beschäftigen. Und es sage keiner, dass wäre ein untypisches Instrument im Land der vielen Bäume. Allein zwischen 1920 und 1930 wurden in Helsinki mehr als 50 Mandolinenorchester gezählt.
Plektronite knüpft - oder besser - zupft dort an, wo das bauchige sechssaitige Gerät aus bisher ungeklärten Gründen irgendwann abgelegt worden ist. Dank der pädagogischen Bemühungen zweier Professoren an der Sibelius-Akademie, Helsinkis musikalischer Eliteschmiede, fanden sich drei mandolinenbegeisterte junge Männer, deren musikalische Vergangenheit nicht unterschiedlicher sein könnte. Einer frönt der Klassik, einer ist ein Folkie und der dritte hat seine Wurzeln im Heavy Metal. Die Melange ihrer Erfahrungen fließt nun in ihr gemeinsames Spiel. Dabei erklingen Melodien & Rhythmen, die uns als Mitteleuropäer so gar nicht an unsere meist traditionellen und festgelegten Mandolinenorchestern erinnern. Voller folkloristischer Frische, filigranster Anschlagtechnik und hörbarer Begeisterung servieren Plektronite Polkas, Mazurkas, Walzer, Schottisches und Menuette. Mitunter klingen Irish Folk, Country und Bluegrass durch, der eine oder andere gewagte Schlenker lockert die festgeschriebenen Vorgaben auf. In 13 Titeln hören wir einen bunten Mix und Stücke wie der Marsch Enter the Plektronites haben schon regelrechten Hitcharakter.
Überhaupt wird das Album nach hinten heraus immer besser, so als wären die Traditionals, die von Plektronite neu arrangiert wurden nur ein Vorspiel zu den furiosen Eigenkompositionen. Eine Art Friday night in San Francisco, obwohl es hier eher heißen sollte Sunday afternoon in Helsinki.
Keine Ahnung, was die Burschen jährlich an Plektren verschleißen, aber unerheblich wird es nicht sein, wenn sie schon im Bandnamen ein Sponsoring durch die plektrumproduzierende Industrie provozieren.
Olaf Schulze


