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Fr, 11:46 Uhr
12.02.2021
ThüringenForst zur Weißtanne

Hoffnungsbaum im Klimawandel

Frisch geerntete Reiser, die als nächsten unter Gewächshausbedingungen gepfropft werden. (Foto: Christian Rösner) Frisch geerntete Reiser, die als nächsten unter Gewächshausbedingungen gepfropft werden. (Foto: Christian Rösner)
Während die Fichte als einer der großen Verlierer des Klimawandels gilt, gerät die Weiß-Tanne bei den Waldexperten der Landesforstanstalt immer mehr in den Fokus. Standörtlich auf 55 % der Waldfläche Thüringens anbaumöglich, überzeugt die heimische Mischbaumart durch eine gewisse Trockenresistenz, Stabilität und ökologische Verträglichkeit...

Aktuell baut ThüringenForst mit Fördermitteln des Landes eine zweite Weiß-Tannen-Samenplantage in Westthüringen auf. Diese erhöht in Zukunft nicht nur die Saatgutverfügbarkeit, sondern sorgt auch für eine hohe genetische Variabilität. Mit rund 90.000 Alt-Exemplaren in den Wäldern des Freistaats vertreten, steht die Weiß-Tanne jetzt im Aufwind.

90.000 alte Weiß-Tannen in Thüringen
„Die Weiß-Tanne gilt nicht nur in Thüringen als Hoffnungsbaumart beim Waldumbau hin zu klimaresilienten Wäldern. Deshalb verstärken wir nochmal mehr unsere bisherigen Bemühungen, um den Weiß-Tannenanteil im Staatswald von derzeit 1 % auf 5 % zu erhöhen“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Dabei legen Thüringens Grünröcke nicht nur auf Quantität, sondern auch Qualität Wert. Dazu soll langfristig die zweite Weißtannen-Samenplantage „Maienluft“ dienen, die derzeit im Thüringer Forstamt Kaltennordheim entsteht.

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Auf der ersten Weiß-Tannen-Samenplantage „Vitzeroda“ im Thüringer Forstamt Bad Salzungen wurden hierfür an 70 fruktifizierenden Mutterbäumen, sämtlich biochemisch-genetisch untersucht, sog. Reiser (Neutriebe) entnommen. Diese werden aktuell im Forstlichen Genressourcenzentrum Rheinland-Pfalz unter Gewächshausbedingungen auf Unterlagen gepfropft. Die sich daraus entwickelnden jungen Bäumchen werden sodann auf die neue Weiß-Tannen-Samenplantage gepflanzt. Gepfropfte Pflanzen tragen frühzeitiger Samen, als sich natürlich aus einem Sämling entwickelnde Bäume. Mit 70 Mutterbäumen als Ausgangslage ist eine große genetische Vielfalt sichergestellt.

In Thüringen gibt es 38 Weiß-Tannen-Saatgutbestände
ThüringenForst unterhält insgesamt 38 anerkannte Weiß-Tannen-Saatgutbestände. Diese Saatgutbestände umfassen besonders vitale Exemplare dieser Baumart. Sie dienen in erster Linie der Saatgutgewinnung für die ThüringenForst-eigene Baumschule und werden i. d. R. jährlich beerntet. Allerdings ist deren genetischer Austausch massiv beschränkt. Samenplantagen beherbergen hingegen vegetativ erzeugte Abkömmlinge (Klone), deren genetischer Austausch durch kontrollierte Fortpflanzungsgemeinschaften verstärkt wird.

Mit dem von der neuen Weiß-Tannen-Samenplantage gewonnenen Saatgut sollen verstärkt Weiß-Tannen für den Waldumbau angezogen werden. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Erhöhung der Widerstandskraft unserer Wälder und für das natürliche Anpassungsvermögen der heimischen Weiß-Tanne geleistet.
Autor: red

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
12.02.2021, 12:59 Uhr
Weiß-Tannen-ein guter Weg
Durch die Schwefeldioxidfahnen der mitteleuropäischen Kohleverbrennung waren die Bestände der gegen Rauchgase sehr empfindlichen Weiß-Tanne in den 70er und 80er Jahren fast zusammengebrochen. Zudem wurde sie durch die Intensivbewirtschaftung (Kahlschläge) und durch den massiven Anbau der Fichte verdrängt. Jetzt besinnt man sich endlich auf diesen schönen Baum zurück und versucht, die Fehler der Vergangenheit, motiviert durch den Klimawandel, zu korrigieren.

Es ist gut, dass in Thüringen auf diese heimische Baumart gesetzt wird und hoffentlich nicht auf diverse Exoten, zumal sie deutlich trockenheits- und wärmebeständiger ist, als die Fichte..
Kritiker2010
12.02.2021, 13:10 Uhr
Kommt so die nächste Monokultur?
Die Förster, die ich belang kennen gelernt habe, würde ich (soweit ich mir ein Urteil erlauben darf) als intelligente und weitsichtige Leute bezeichnen, die - anders als Politiker - den Begriff "Nachhaltigkeit" auch verstehen. Bestimmt haben sie alle möglichen Ideen und Folgen für den Wald der Zukunft durchdacht.

Doch entsteht in mir der Eindruck, dass, durch die zunehmende Konzentration auf eine Baumart, eine neue gefährliche Monokultur entstehen könnte, die dann wiederum klimatischen Veränderungen zum Opfer fallen könnte.

Ich plädiere daher für die Nachzucht verschiedener standortgeeigneter Baumarten, auch solcher Arten, die aktuell als anfälliger gelten.

Denn die klimatische Entwicklung lässt sich mittelfristig nicht sicher vorhersagen, weder von Weltuntergangspropheten, noch von Freitagshüpfern.
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