eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Mi, 14:30 Uhr
23.12.2020
Die Corona-Strategie für das neue Jahr

Die Bundeswehr wird aushelfen

Matthias Jendricke rief heute noch einmal ins Landratsamt, um die aktuelle Corona-Situation und die Strategie für das kommende Jahr darzulegen. Neben einem "Testbus" will man auch die Bundeswehr im Kampf gegen die Pandemie einspannen...

v.l.: Oberstleutnant der Reserve, Markus Zech und Landrat Matthias Jendricke heute Mittag im Plenarsaal des Landratsamtes (Foto: agl) v.l.: Oberstleutnant der Reserve, Markus Zech und Landrat Matthias Jendricke heute Mittag im Plenarsaal des Landratsamtes (Foto: agl)

Hintergrund für die jetzt angekündigten Maßnahmen sei die sich verschärfende Corona-Situation, erläuterte Jendricke am Mittag. Zwar sei die Lage noch nicht so problematisch wie in weiten Teilen des Freistaates, sie könne es aber werden, wenn man die weitere Entwicklung aus den Geschehen in den Nachbarkreisen ableite.

Anzeige symplr (1)
Im Moment liegt der Kreis Nordhausen mit einem Inzidenzwert von 147 im Vergleich noch recht gut da, doch dieser Schein könnte trügerisch sein. Als man zuletzt ähnliche Werte erreicht hatte, war der Anstieg vor allem auf zwei kurz aufeinander folgende Infektionscluster zurückzuführen, die für viele Neuinfektionen sorgten. Aktuell gibt es mit einem Ausbruch in einem Bleicheröder Pflegeheim nur eine vergleichbare Situation, die zur Zeit für 25 Neuinfektionen gesorgt hat. Anders als zuletzt, geht das weitere Infektionsgeschehen auf Einzelfälle und Folgeinfektionen zurück und ist schwerer einzugrenzen. „Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die Landkreise etwa ab einem Inzidenzwert von 200 und darüber hinaus nicht mehr in der Lage waren, das Geschehen einzudämmen. In diese Lage wollen wir nicht kommen“, erklärte Jendricke.

Man habe sicher auch ein wenig Glück gehabt und konnte zudem auf ein gewisses Bewusstsein in der Bevölkerung verlassen, das man schon im Frühjahr, etwa durch die frühzeitige Konzentration auf die Pflicht zum Tragen von Masken, aufbauen konnte. Das Gesundheitsamt habe entschlossen jeden Fall nachverfolgt und arbeite weiter bis in die Abendstunden hinein. Insgesamt 20 zusätzliche Mitarbeiter wurden zur Verstärkung der Bemühungen angeworben und im Keller des Herder-Gymnasiums ein abgetrennter Trakt nur für diesen Zweck eingerichtet. Dadurch sei es gelungen, die Entwicklung immer wieder einzufangen und die Infektionsketten zu unterbrechen.

Bundeswehr wird Gesundheitsamt verstärken
Inzwischen habe man nun aber einen Punkt erreicht, an dem die zivile Organisation an ihre Grenzen komme. Gestern fiel deswegen die Entscheidung, die Bundeswehr um Amtshilfe zu bitten. „Aus den Feiertagsbegegnungen wird sich die Notwendigkeit weiterer Tests ergeben, damit ist zu rechnen. Wir wollen nicht abwarten, wie der Index im neuen Jahr aussieht und dann reagieren, sondern die Sache jetzt in Angriff nehmen um zum Jahresanfang vorbereitet zu sein“, so der Landrat weiter.

Fünf Soldaten werden für die Kontaktnachverfolgung an Telefon und Rechner abgestellt, zwei weitere werden das mobile Abstrichteam unterstützen. Den Einsatz eines eigens eingerichteten Busses als „schnelle Eingreiftruppe“ hatte Jendricke bereits am Montag bekanntgegeben. An der Spitze des Teams wird Hans-Jörg Arndt stehen, der ehemalige Leiter des Rettungsdienstes, der dem Kreis schon im Frühjahr bei internen Prozessen ausgeholfen hatte. Dahinter brauche es aber auch „manpower“. Der Bus soll unter anderem Pflege- und Heimeinrichtungen anfahren und hier Schnelltests durchführen.

Der "Testbus" soll deutlich zu erkennen sein (Foto: Pressestelle Landratsamt Nordhausen) Der "Testbus" soll deutlich zu erkennen sein (Foto: Pressestelle Landratsamt Nordhausen)

Fallen diese positiv aus, folgt ein PCR-Test und der Fall geht in den gewohnten und erprobten Ablauf. Der Bus stammt aus dem Fuhrpark der Verkehrsbetriebe und wurde der Aufgabe entsprechend ausgestattet. Schnelltests sollen auch für Privatpersonen möglich sein. Dabei werden jeweils zwei Tests durchgeführt, um die Fehlerquote niedrig zu halten und Leichtsinn auf Seiten der Getesteten möglichst zu minimieren. „Diese Tests müssen ordentlich durchgeführt werden. Ich rate dringend davon ab, das selber zu machen. Besser ist es, die Tests durch eine medizinische Fachkraft durchführen zu lassen“, sagte Jendricke. Eine begrüßenswerte Möglichkeit wäre es, Apotheken dieses Recht einzuräumen, was aber bisher nicht getan wurde.

Der erste Ferientag in Uniform
Die Organisation des Bundeswehr-Einsatzes übernimmt Markus Zech, Oberstleutnant der Reserve und eigentlich Berufsschullehrer im Kyffhäuserkreis. Ihm zur Seite steht Oberstleutnant Marko Rossmann, im zivilen Leben Nordhäuser Gastronom. „Der Anruf kam gestern, heute habe ich am ersten Ferientag gleich die Uniform rausgeholt“, erzählt Zech. Als Reservisten komme man bei Notfällen und Amtshilfegesuchen zum Einsatz. Zech und Rossmann reichen die Anfragen in der Befehlskette nach oben, erst nach Erfurt dann nach Berlin. Hier wird entschieden, wer zur Unterstützung nach Nordhausen ausrückt. „Die Entscheidungen fallen in Berlin. Wir haben ähnliche Personalprobleme wie der zivile Bereich, gerade über die Feiertage. Es kann gut sein, dass die Unterstützung nicht aus Sondershausen oder Erfurt, sondern von weiter her kommt.“

Untergebracht werden die Soldaten in einem kreiseigenen Objekt in der Zorgestraße, welches auch als Lagestützpunkt für das mobile Team dienen soll. Landrat Jendricke bedankte sich für die zu erwartende Unterstützung, „sollte sich die Lage zuspitzen, haben wir Hilfe und sollte sie sich wieder entspannen, kann die Maßnahme auch wieder ausgesetzt werden“.

Alte Kaserne wird Quarantäne-Zentrum
Die alte Kaserne bei Rothesütte wird im neuen Jahr als Quarantäneeinrichtung zur Verfügung stehen. Wer sich in die häusliche Isolation begeben muss und in den eigenen vier Wänden nicht die Möglichkeit hat, auch die Familie vor Ansteckung zu schützen, den könne man hier auf freiwilliger Basis unterbringen. Die Versorgung würde dann der Landkreis übernehmen. Die Internetanbindung sei für ländliche Verhältnisse ausgesprochen gut, sodass man auch elektronisch den Kontakt zu Angehörigen halten könne.

Nehmen Sie die Lage ernst
Im Unterschied zum Frühjahr sei die zweite Welle nicht mit Reiserückkehrern über das Land gekommen, sondern sich in der weiteren Region von Sachsen aus aufgebaut und verbreitet, führte der Landrat aus. „Am Egoismus Einzelner, die denken sie müssten aus der Reihe tanzen, leidet die ganze Gesellschaft“, sagte Jendricke und appellierte noch einmal an die Bevölkerung, die Lage wirklich ernst zu nehmen..
Nur auf den Kreis Nordhausen zu schauen reiche nicht und könne nicht der Beruhigung dienen, man müsse den gesamten Raum betrachten.

In den Kliniken des Landkreises würden inzwischen auch vermehrt Corona-Patienten aus anderen Bundesländern behandelt, weil die Ressourcen an anderer Stelle ihre Grenzen erreicht hätten. „Ich begrüße das ausdrücklich, wenn wir freie Plätze haben müssen wir helfen. Äußerungen wie wir sie im Frühjahr mit Blick auf die französischen Patienten teilweise erleben mussten, sind schlicht unethisch“. Der Landkreis werde alle Kraftanstrengungen unternehmen, die nötig seien. „Am Geld und am Aufwand soll es nicht scheitern“, meinte Landrat Jendricke.
Angelo Glashagel
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Leser X
23.12.2020, 15:49 Uhr
Gut zu wissen...
... dass hier vorsorglich gehandelt wird und nicht erst auf eine weitere Zuspitzung gewartet wird. Danke an alle Helfer, für die zu helfen wichtiger ist als der Weihnachtsbraten.
Micha123
23.12.2020, 18:13 Uhr
Vorbildlich
Das ist sehr vorbildlich und vorausschauend.
Andere Kreise sollten sich daran ein Beispiel nehmen.
Kitty Kat
23.12.2020, 18:38 Uhr
Super
So sieht es aus das Zusammenstehen der Menschen in schwierigen Zeiten! Wenn sich möglichst viele mitdenkend und weitsichtig verhalten, wird das auch Erfolg zeigen. Persönliche Befindlichkeiten einfach mal zurückstellen und Vernunft leben.
Kritiker2010
24.12.2020, 14:42 Uhr
Bundeswehr im Kampf gegen den unsichtbaren Feind
Prinzipiell will ich den Schulterschluss zwischen ziviler Verwaltung und Bundeswehr schon deshalb gutheißen, weil die Damen und Herren in den Kasernen dann weniger an Depressionen und Alkoholismus aus Langeweile erkranken.

Wenig glaubwürdig und schon gar nicht hilfreich finde ich aber, dass auch unser König, ähm ich meine unser Landrat, noch immer das Narrativ der einzelnen unvernünftigen bemüht, welche die alleinige Schuld tragen sollen. Naja, man muss es wohl selbst glauben, damit man beim Aufsagen keinen Lachkrampf bekommt.

Mir ist nicht bekannt, dass in letzter Zeit irgendwelche feiernden Ignoranten in relevanter Anzahl oder Häufigkeit aufgefallen wären. Selbst das Schreckgespenst der Querdenker und Demo-Besucher scheint zum Infektionsgeschehen keinen konkret belegbaren Beitrag zu leisten.

Wenn das Virus also nicht (wie andere Viren auch) seinen Weg von selbst bis zu den ganz Braven findet, dann treiben hier doch bestimmt unsichtbare Superspreader ihr Unwesen. Ich hoffe die Bundeswehr hat da eine Art PKE-Messgerät am Start. Oder sollten wir lieber direkt die Ghostbusters anrufen?

... und wenn es klopft:
Lassen sie den Weihnachtsmann ruhig rein, der ist laut WHO immun.
Frohe Weihnachten.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)