Di, 10:07 Uhr
19.07.2005
Spenden-Marathon
Nordhausen (nnz). Bereits seit einigen Jahren wird in Nordhausen die Idee der Gründung eines Kinderhospiz verfolgt. Seit dem vergangenen Jahr wird das Projekt professionell angegangen, nicht immer aber trifft das auf eine positive Resonanz. Die nnz mit einer sensiblen wertfreien Situationsbeschreibung.
Spenden-Marathon (Foto: nnz)
Das Kinderheim Frohe Zukunft in Nordhausen ist vielen Nordhäusern ein Begriff für Hilfsbereitschaft, Fürsorge und Hinwendung. Nach dem zweiten Weltkrieg war das Waisenhaus Frohe Zukunft gegründet worden, fast 60 Jahre danach wird der gleichnamige Verein Mitglied des Bundesverbandes Kinderhospiz e.V.. Im Jahr 2003 packt es schließlich der Frohe-Zukunft-Vorstand an und beschließt die Erstellung einer Konzeption für ein Kinderhospiz (siehe dazu auch im nnz-Archiv). Eine bauliche Hülle haben die Vordenker auch gefunden, die im Jahr 2002 geschlossene Grundschule in Krimderode.
Die einstige Schule im Grünen wird nicht mehr gebraucht, die Schülerzahlen rechtfertigten eine Erhaltung seitens des Schulträgers nicht mehr. Schulträger ist die Stadt und deren damaliger Bürgermeister Klaus Wahlbuhl (SPD) ist samt Stadtrat froh, dass er eine Vereinbarung abschließen kann. Einerseits kann der Verein so über Räume verfügen, die sich unmittelbar im Objekt der Begierde befinden, andererseits hat die Stadtverwaltung mehrere Sorgen weniger. Der Verein verpflichtet sich, die Reinigungsarbeiten, Säuberung des Außenbereiches, das Mähen der Rasenflächen oder das Räumen von Schnee und das Streuen zu übernehmen. Im Gegenzug werden Räume über der Turnhalle kostenlos überlassen, für die Nebenkosten wird eine monatlich Pauschale von 44,08 Euro netto angesetzt.
Wer aber - wie die nnz – einen Blick auf das Gelände der ehemaligen grünen Grundschule riskiert, dem wird schnell klar, dass der Verein der Frohen Zukunft seinen Pflichten der Vereinbarung nicht so ganz genau nachkommt. Da ist zum Beispiel das Gelände der Schule nicht verschlossen, ebenso ungesichert ist der Zugang zu einem Teich. Hier befürchten Eltern in dem Ortsteil eine Gefahr für spielende Kinder. Von einer Pflege der Rasenflächen kann überhaupt keine Rede sein, auch wuchert das Unkraut mehr als kniehoch, wie die nnz-Aufnahme belegt. Was fehlt, das sind erste eingeschlagene Fenster.
Unmut macht sich seit einigen Wochen in Vereinen und sozialen Projekten in und um Nordhausen bemerkbar. Der Grund: Es gibt kaum noch Spenden, auch kleine Summen von einst zuverlässigen Sponsoren, versiegen. Oft hören die Sammler das Argument: Wir haben schon für das Hospiz gespendet. In Richtung des Vereins soll es auch schon einen bitterbösen Brief eines Mitglieds der Liga der Wohlfahrtspflege gegeben haben. Das Versiegen der Quellen hat einen realen Hintergrund, der in Berlin zu finden ist. Sein Name hatte auch im Landkreis Nordhausen einst einen Ruf: neue ebenen. Macher des Vereins sind umgezogen und in Berlin wurde die Idee der Corporate Citizenship geboren. neue ebenen sind wiederum im neuen Verein Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V. integriert, der im Januar dieses Jahres gegründet worden war.
In einem der rund 30.000 gedruckten Prospekte wird beschrieben, wie die Sammlung von Spenden erfolgen soll. Es wird ein Spendenmarathon ins Leben gerufen. Der Wettkampf bindet Partner aus Industrie, Handel und Dienstleistung mit ein. Unternehmer akquirieren ihre Partner und Lieferanten – am Ende steht eine gemeinsame Geldsumme aus der jeweiligen Berufsgruppe als Spendenziel, ist in dem Prospekt zu lesen. Am Ende des Marathons sollen 4,8 Millionen Euro stehen, die dafür benötigt werden, um im Jahr 2008 das Hospiz in Nordhausen eröffnen zu können.
Hinzu zu den fast fünf Millionen Euro kommen bis zu 25 Prozent Provision für Akquisiteure und kommen nochmals Sachkosten, die bereits jetzt schon anfallen. Zu letzteren Positionen soll Frohe-Zukunft-Chef Klaus-Dieter Heber im zuständigen Ausschuss des Stadtrates von bis zu 20 Prozent gesprochen haben. Schlecht hochgerechnet könnten es so zusammen von fast jedem gespendeten Euro rund 30 Cent sein, die nicht dem eigentlichen Zweck zugute kommen sollen. Oder anders ausgedrückt, für das Projekt müssten mehr als sechs Millionen Euro herbeigeschafft werden. Eine Summe, die Experten der sozialen Szene in und um Nordhausen für nicht machbar halten.
Spricht man in Nordhausen das Thema Kinderhospiz an, dann wird meist dicht gemacht. Trotz bestehender Vorbehalte gegen die aggressive Spendenwerbung will kaum jemand zitiert werden. Es geht bei dem Projekt ja schließlich nicht nur um Kinder, sondern um todkranke Kinder und da wolle man öffentlich nichts gegen sagen. Hinter der Hand werden aber viele Vorbehalte laut. Auch im Sozialausschuss des Nordhäuser Stadtrates. Da hatten dessen Mitglieder nach der Vorstellung des Projektes nicht nur mehr Fragen als zuvor, sondern auch Bauchschmerzen. Zwar sei das Projekt an sich ja nicht schlecht, aber das Handling problematisch, war zu hören. Vorbehalte gibt es unter anderem gegen die Art und Weise des Spendenwerbens und gegen die Satzung. Doch dazu später.
Ein weiteres Argument aus dem Stadtrat sei, dass die Etablierung dieses Projekts eine Nummer zu groß wäre, man hatte den Eindruck, dass hier Gigantomanie betrieben werde. Im Hinblick auf die Erfahrungen eines Nordhäuser Krankenhauses würden die angebotenen Hospiz-Plätze weit die eventuelle Nachfrage übersteigen. Zudem gebe es in den spezialisierten Krankenhäusern mittlerweile exzellente Pflege- und Betreuungsbedingungen für Kinder, die an einer nichtheilbaren Krankheit leiden. Vielmehr sollten die Hospizangebote für Erwachsene ausgebaut werden, sagt ein Insider der nnz und meint hier sowohl die ambulanten als auch die stationären. Ein solches Vorhaben soll derzeit im Neustädter Krankenhaus geplant werden.
In all den Gesprächen, die die nnz führte, ist lediglich die Stadtverwaltung positiv ausgerichtet. Hier begrüßt man das Entstehen des Hospiz und das Engagement des Vereins, weil eine wichtige überregionale Einrichtung entstehen könnte. Im Gegenteil zur derzeitigen Atmosphäre hoffe das Rathaus, dass eine positive Grundstimmung vor Ort entstehen würde. Dafür wolle die Verwaltung ihren Beitrag leisten.
Interessant scheint dann zum Schluß noch ein Blick in die Satzung des Fördervereins Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland. Dort ist im Paragraph 8 Auflösung des Vereins unter Ziffer 3 zu lesen: Bei Auflösung des Vereins oder Wegfall seines bisherigen Zweckes fällt das Vereinsvermögen, nach Abzug aller Verbindlichkeiten, je zur Hälfte an den Bundesverband Kinderhospizarbeit, .... sowie an den Frohe Zukunft e.V. mit der Auflage dieses ausschließlich zur Förderung sozialpädagogischer Familienhilfen zu verwenden. Das, so hört man aus den Reihen der Sozialausschuss-Mitglieder, sei zwar rechtlich korrekt, moralisch allerdings sehr zweifelhaft.
Autor: nnz
Spenden-Marathon (Foto: nnz)
Das Kinderheim Frohe Zukunft in Nordhausen ist vielen Nordhäusern ein Begriff für Hilfsbereitschaft, Fürsorge und Hinwendung. Nach dem zweiten Weltkrieg war das Waisenhaus Frohe Zukunft gegründet worden, fast 60 Jahre danach wird der gleichnamige Verein Mitglied des Bundesverbandes Kinderhospiz e.V.. Im Jahr 2003 packt es schließlich der Frohe-Zukunft-Vorstand an und beschließt die Erstellung einer Konzeption für ein Kinderhospiz (siehe dazu auch im nnz-Archiv). Eine bauliche Hülle haben die Vordenker auch gefunden, die im Jahr 2002 geschlossene Grundschule in Krimderode.
Die einstige Schule im Grünen wird nicht mehr gebraucht, die Schülerzahlen rechtfertigten eine Erhaltung seitens des Schulträgers nicht mehr. Schulträger ist die Stadt und deren damaliger Bürgermeister Klaus Wahlbuhl (SPD) ist samt Stadtrat froh, dass er eine Vereinbarung abschließen kann. Einerseits kann der Verein so über Räume verfügen, die sich unmittelbar im Objekt der Begierde befinden, andererseits hat die Stadtverwaltung mehrere Sorgen weniger. Der Verein verpflichtet sich, die Reinigungsarbeiten, Säuberung des Außenbereiches, das Mähen der Rasenflächen oder das Räumen von Schnee und das Streuen zu übernehmen. Im Gegenzug werden Räume über der Turnhalle kostenlos überlassen, für die Nebenkosten wird eine monatlich Pauschale von 44,08 Euro netto angesetzt.
Wer aber - wie die nnz – einen Blick auf das Gelände der ehemaligen grünen Grundschule riskiert, dem wird schnell klar, dass der Verein der Frohen Zukunft seinen Pflichten der Vereinbarung nicht so ganz genau nachkommt. Da ist zum Beispiel das Gelände der Schule nicht verschlossen, ebenso ungesichert ist der Zugang zu einem Teich. Hier befürchten Eltern in dem Ortsteil eine Gefahr für spielende Kinder. Von einer Pflege der Rasenflächen kann überhaupt keine Rede sein, auch wuchert das Unkraut mehr als kniehoch, wie die nnz-Aufnahme belegt. Was fehlt, das sind erste eingeschlagene Fenster.
Unmut macht sich seit einigen Wochen in Vereinen und sozialen Projekten in und um Nordhausen bemerkbar. Der Grund: Es gibt kaum noch Spenden, auch kleine Summen von einst zuverlässigen Sponsoren, versiegen. Oft hören die Sammler das Argument: Wir haben schon für das Hospiz gespendet. In Richtung des Vereins soll es auch schon einen bitterbösen Brief eines Mitglieds der Liga der Wohlfahrtspflege gegeben haben. Das Versiegen der Quellen hat einen realen Hintergrund, der in Berlin zu finden ist. Sein Name hatte auch im Landkreis Nordhausen einst einen Ruf: neue ebenen. Macher des Vereins sind umgezogen und in Berlin wurde die Idee der Corporate Citizenship geboren. neue ebenen sind wiederum im neuen Verein Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V. integriert, der im Januar dieses Jahres gegründet worden war.
In einem der rund 30.000 gedruckten Prospekte wird beschrieben, wie die Sammlung von Spenden erfolgen soll. Es wird ein Spendenmarathon ins Leben gerufen. Der Wettkampf bindet Partner aus Industrie, Handel und Dienstleistung mit ein. Unternehmer akquirieren ihre Partner und Lieferanten – am Ende steht eine gemeinsame Geldsumme aus der jeweiligen Berufsgruppe als Spendenziel, ist in dem Prospekt zu lesen. Am Ende des Marathons sollen 4,8 Millionen Euro stehen, die dafür benötigt werden, um im Jahr 2008 das Hospiz in Nordhausen eröffnen zu können.
Hinzu zu den fast fünf Millionen Euro kommen bis zu 25 Prozent Provision für Akquisiteure und kommen nochmals Sachkosten, die bereits jetzt schon anfallen. Zu letzteren Positionen soll Frohe-Zukunft-Chef Klaus-Dieter Heber im zuständigen Ausschuss des Stadtrates von bis zu 20 Prozent gesprochen haben. Schlecht hochgerechnet könnten es so zusammen von fast jedem gespendeten Euro rund 30 Cent sein, die nicht dem eigentlichen Zweck zugute kommen sollen. Oder anders ausgedrückt, für das Projekt müssten mehr als sechs Millionen Euro herbeigeschafft werden. Eine Summe, die Experten der sozialen Szene in und um Nordhausen für nicht machbar halten.
Spricht man in Nordhausen das Thema Kinderhospiz an, dann wird meist dicht gemacht. Trotz bestehender Vorbehalte gegen die aggressive Spendenwerbung will kaum jemand zitiert werden. Es geht bei dem Projekt ja schließlich nicht nur um Kinder, sondern um todkranke Kinder und da wolle man öffentlich nichts gegen sagen. Hinter der Hand werden aber viele Vorbehalte laut. Auch im Sozialausschuss des Nordhäuser Stadtrates. Da hatten dessen Mitglieder nach der Vorstellung des Projektes nicht nur mehr Fragen als zuvor, sondern auch Bauchschmerzen. Zwar sei das Projekt an sich ja nicht schlecht, aber das Handling problematisch, war zu hören. Vorbehalte gibt es unter anderem gegen die Art und Weise des Spendenwerbens und gegen die Satzung. Doch dazu später.
Ein weiteres Argument aus dem Stadtrat sei, dass die Etablierung dieses Projekts eine Nummer zu groß wäre, man hatte den Eindruck, dass hier Gigantomanie betrieben werde. Im Hinblick auf die Erfahrungen eines Nordhäuser Krankenhauses würden die angebotenen Hospiz-Plätze weit die eventuelle Nachfrage übersteigen. Zudem gebe es in den spezialisierten Krankenhäusern mittlerweile exzellente Pflege- und Betreuungsbedingungen für Kinder, die an einer nichtheilbaren Krankheit leiden. Vielmehr sollten die Hospizangebote für Erwachsene ausgebaut werden, sagt ein Insider der nnz und meint hier sowohl die ambulanten als auch die stationären. Ein solches Vorhaben soll derzeit im Neustädter Krankenhaus geplant werden.
In all den Gesprächen, die die nnz führte, ist lediglich die Stadtverwaltung positiv ausgerichtet. Hier begrüßt man das Entstehen des Hospiz und das Engagement des Vereins, weil eine wichtige überregionale Einrichtung entstehen könnte. Im Gegenteil zur derzeitigen Atmosphäre hoffe das Rathaus, dass eine positive Grundstimmung vor Ort entstehen würde. Dafür wolle die Verwaltung ihren Beitrag leisten.
Interessant scheint dann zum Schluß noch ein Blick in die Satzung des Fördervereins Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland. Dort ist im Paragraph 8 Auflösung des Vereins unter Ziffer 3 zu lesen: Bei Auflösung des Vereins oder Wegfall seines bisherigen Zweckes fällt das Vereinsvermögen, nach Abzug aller Verbindlichkeiten, je zur Hälfte an den Bundesverband Kinderhospizarbeit, .... sowie an den Frohe Zukunft e.V. mit der Auflage dieses ausschließlich zur Förderung sozialpädagogischer Familienhilfen zu verwenden. Das, so hört man aus den Reihen der Sozialausschuss-Mitglieder, sei zwar rechtlich korrekt, moralisch allerdings sehr zweifelhaft.

