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Do, 10:55 Uhr
13.08.2020
nnz-Forum

Nicht gewusst oder nicht gewollt?

Am IFA-Museum Nordhausen bot man dieser Tage einen Einblick in das Wirken und Nachwirken der Treuhand. Zur Abschlussveranstaltung hatte man Christa Luft geladen, die letzte Wirtschaftsministerin der scheidenden DDR. Auch Tim Schäfer nahm an der emotionalen Veranstaltung teil, und findet das einige Dinge nicht zu Sprache kamen...

Die THA Treuhandanstalt steht vielfältig in der Kritik, man mag auch seine eigenen Erfahrungen gemacht haben. Die Aufgabe für solch eine Anstalt war bemerkenswert und folgte den Gesetzen der Zeit und den politischen Vorgaben. Wenn es heute harsche Kritik gibt, sollte man dies berücksichtigen und in einen Kontext stellen. Die DDR- Volkskammer hatte selbst die Treuhand beschlossen. Warum hatte man nicht mit dem Vertrag zur Herstellung der Deutschen Einheit Regelungen fixiert, die die DDR- Wirtschaft besser schützen konnte. Ja richtig, man hat es nicht besser gewusst. Das macht es aber nicht besser. Ein Versäumnis der damaligen DDR-Elite, die sich heute noch durchweg beschissen fühlt (Zitat). Oder hat man es gar nicht gewollt?

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Die DDR hatte nach dem Mauerfall auch das Problem, dass die Westware begehrter war als die der ehem. DDR. Die „Wir sind das Volk“ -Bewegung forderte und wollte die D-Mark und es war eine Konsequenz aus dem Fall der Berliner Mauer, dass die DDR nicht weiter überleben konnte und sollte.

Bezüglich der Währungsunion, insbesondere aber der neuen Bilanzierungsrichtlinien war zu einem gewichtigen Teil das Ende der ostdeutschen Wirtschaft besiegelt, aus den sogenannten Altschulden fiktiv wurde harte Darlehen, die nun gegenüber den Geschäftsbanken zu bedienen sein sollten.

Die DDR -Betriebe waren breit aufgestellt, bis hin zu Tischlerei, Autowerkstatt und Kindergarten. Material und Ersatzteile, Ausrüstungen wurden in teils exorbitantem Maße gehortet, wirtschaftlich letztendlich unsinnig. Aber dem Mangel allgemein geschuldet. Was auch ein Punkt war, aus den Betrieben wurde mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war. Von der sogenannten bewussten Arbeiterklasse, die mit Ihrer Partei, der SED, die führende Rolle hatte und alles für das Wohl des Volkes tun wollte. Welch Ironie. Die gesamte DDR fußte auf der Klassenfrage, wie gesagt, eine Fiktion. Denn das hat es so objektiv gar nicht gegeben.

Die DDR -Betriebe waren auch verwaltungsseitig und technisch überfordert, denn bspw. über den Außenhandel und die Devisenverwaltung in der ehem. DDR, steuerte Alex viele Kerninvestitionen. Die Einbindung in ein sozialistisches Wirtschaftssystem RGW brachte für die DDR auch etliche Nachteile. Auch die DDR hatte Obliegenheiten in dem RGW Kontext nicht mehr erfüllt.

In der Gesamtsicht der Dinge, vor diesem Hintergrund, die DDR-Betriebe oder viele davon, hätten eine Zukunft haben können. Wenn. Ja wenn man im Westen die Einsicht, den politischen Willen gehabt hätte, eine etwas modifiziertere Marktwirtschaft, ja ein wenig mehr Marx (was sich nicht auf die zentralistische Planwirtschaft bezieht), zu ermöglichen. Mit Blick auf die Märkte im Osten.
Das Nordhäuser IFA Motorenwerk. Gab es da nicht mehrere Dinge, die vorgesehen waren und zum Scheitern kamen oder gebracht worden sind. Beispielsweise der Einstieg von Mercedes-Benz? Was waren die Gründe für die Ablehnung aus Nordhausen nochmal?

All das und bestimmt noch viel mehr, bspw. die enorme Anhäufung von Waffen in der ehem. DDR bis in die Betriebe hinein, bedeutet doch, es hätte andere Wege geben können, nur wo waren diejenigen, die heute so thematisieren denn damals?
Tim Schäfer
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare

14.08.2020, 22.44 Uhr
Fönix | Oje, schlimmste, einseitige Hetze wie es
Karl-Eduard von Schnitzler nicht besser hätte schreiben können. Da spielt es überhaupt keine Rolle, welchem "Lager" man nun angehört. Wer seine eigene Sichtweise so in den Vordergrund stellt, ohne auf die grundsätzliche Thematik der Veranstaltung einzugehen, kann oder will Geschichte und ihre Aufarbeitung nicht als gesamtheitliche Betrachtung begreifen. Kein Wort darüber, dass die Treuhand (ganz im Sinne von K&S, Volkswagen, MAN, Liebherr und Co.) einen wirtschaftspolitischen Auftrag umzusetzen hatte und das auch mit aller Konsequenz durchgezogen hat. Kein Wort darüber, dass Grund und Boden Ostdeutschlands in Größenordnungen für kleinste Beträge in westdeutsche Hände überführt wurde (ein Prozess, der noch heute anhält!), kein Wort darüber, dass gerade im Südharz, dessen Potentiale nach der Bombardierung des wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Zentrums 1945 mit der Wende 1990 ein zweites Mal "auf Null" gesetzt wurden und vor allen Dingen auch kein Wort darüber, dass das Vertrauen der Menschen, die hier 1990 die Wende aus eigener Kraft herbeigeführt haben, von Kohl und Konsorten vorsätzlich auf das Schändlichste missbraucht wurde.

Ich habe wirklich überlegt, ob ich zu diesem Erguss des Herrn Schäfer überhaupt etwas schreibe oder ob ich diesen üblen, im schlimmsten Revanchistenjargon formulierten Verriss wie alle anderen auch einfach ignoriere.

Der Respekt vor der Lebensleistung vieler Südharzer, die in mehreren Generationen diese Region mit viel Herzblut und allen Rückschlägen zum Trotz immer wieder aufgebaut und zu ihrem Lebensmittelpunkt auserkoren haben, hat mich letztendlich animiert, diesen Stuss nicht unkommentiert stehen zu lassen.

Es wäre hilfreich, wenn auch Politik und Verwaltung ihrer Verantwortung endlich gerecht werden und sich zukünftig in erster Linie als Dienstleister für den Bürger verstehen statt ausschließlich in Legislaturperioden und Besoldungsklassen zu denken. Dienstleister für den Bürger in dieser Region bedeutet auch, für die erlittenen Benachteiligungen Ausgleich einzufordern. In den Kohleregionen funktioniert das ja auch. Dabei geht es nicht um Almosen, sondern nur um zielgerichtete Unterstützung z.B. für die Wiederaufnahme der Kaliproduktion.

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15.08.2020, 08.50 Uhr
Leser X | Kolonialisierung
Dass die Wende keine Wende sondern eine Kolonialisierung war, müsste doch eigentlich jeder wissen, der dabei war. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die zu kolonialisierenden selbst laut nach ihren Kolonisatoren geplärrt haben.

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