Di, 09:23 Uhr
16.10.2001
JS-Special: Pleiten in Deutschland
Nordhausen (nnz). Wer am Montag die regionalen Zeitungen durchblätterte, fand diesmal nahezu eine ganze Seite mit gerichtlichen Meldungen zu Zahlungsunfähigkeiten. Ein deprimierendes, aber auch bezeichnendes Bild. Und das nur im Gerichtsbezirk Mühlhausen.
Nun genügt es nicht, sich in einer Zeit weltweit zunehmender Unsicherheit in der Wirtschaft lediglich in der Region umzusehen. Gerade am vergangenen Wochenende waren die Wirtschaftsblätter der großen Tageszeitungen voll von Berichten über die überschwappende deutsche Pleitewelle, nachdem tags zuvor das Statistische Bundesamt die Bilanz des ersten Halbjahres 2001 veröffentlicht hatte. Eine trübe Bilanz, nach der es ein Fünftel mehr Firmeninsolvenzen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres gab. In konkreten Zahlen ausgedrückt waren es im ersten Halbjahr 24 800 Insolvenzfälle, darunter 16 200 von Unternehmen. Die Gesamtzahl der Insolvenzen lag damit um 26 Prozent und die der Unternehmensinsolvenzen um 19 Prozent höher als vor Jahresfrist. In den neuen Ländern mussten fast 5700 Unternehmen Insolvenz anmelden (plus 25 Prozent), davon 702 (plus 17,4 Prozent) in Thüringen. Bundesweit wurden rund 11 500, in den neuen Bundesländern rund 3000 Verfahren mangels Masse abgewiesen.
Bei den Unternehmen, die einen Insolvenzantrag stellten, waren mindestens 100 000 Arbeitnehmer beschäftigt. Tatsächlich dürfte die Zahl noch höher liegen, meinen die Statistiker, denn bei knapp einem Viertel aller Anträge wurden keine Angaben über Beschäftigte gemacht. Für alle Insolvenzfälle ermittelten die Gerichte laut Bundesamt offene Forderungen von mindestens 28,5 Milliarden Mark. Eine neue deutsche Pleitewelle also?
Nun lässt sich ja mit Statistiken nahezu alles belegen, wie dieses gerade veröffentlichte Ergebnis zeigt. Ein deutliches Zeichen für die dramatische Lage der deutschen Wirtschaft, den abflauenden Gründerboom und die Krise der kleinen neuen Internetunternehmen, wie es scheint. Je mehr man sich allerdings mit den Details in den Tabellen beschäftigt, desto nachdenklicher wird man. Das liegt einmal an der hohen Zahl privater Haushalte, die in der Gesamtzahl enthalten sind, die auch kaum offene Forderungen auszuweisen, sich ganz einfach übernommen haben. Denen aber das unlängst in Kraft getretene neue Insolvenzrecht die Möglichkeit einräumt, in Konkurs zu gehen, einen Strich unter seine jeweilige finanzielle Vergangenheit zu machen um falls er guten willens ist danach einen neuen Anfang zu machen.
Gedanken drängen sich aber auch auf zur Baubranche, den Pleite-Primus der jüngsten Zeit. Gerade für diese Unternehmen ist es bitter, das Handtuch werfen zu müssen. Ihre Situation aber ist zumindest in den neuen Bundesländern politisch verursacht. In den ersten Jahren nach der Wende wurde hier subventioniert, wurden Unternehmen mit Steuervorteilen bedacht und Existenzgründer ermutigt. Nun muss diese Branche ausgerechnet in einer Phase wirtschaftlicher Stagnation auf ein Normalmaß zurückfinden, soll Kredite zurückzahlen, während die erhofften Bauaufträge immer weniger werden. Und das wiederum sollte Anlass sein, über Sinn oder Unsinn staatlicher Förderaktionen nachzudenken, die oft genug gerade zur Unzeit auslaufen.
Autor: nnzNun genügt es nicht, sich in einer Zeit weltweit zunehmender Unsicherheit in der Wirtschaft lediglich in der Region umzusehen. Gerade am vergangenen Wochenende waren die Wirtschaftsblätter der großen Tageszeitungen voll von Berichten über die überschwappende deutsche Pleitewelle, nachdem tags zuvor das Statistische Bundesamt die Bilanz des ersten Halbjahres 2001 veröffentlicht hatte. Eine trübe Bilanz, nach der es ein Fünftel mehr Firmeninsolvenzen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres gab. In konkreten Zahlen ausgedrückt waren es im ersten Halbjahr 24 800 Insolvenzfälle, darunter 16 200 von Unternehmen. Die Gesamtzahl der Insolvenzen lag damit um 26 Prozent und die der Unternehmensinsolvenzen um 19 Prozent höher als vor Jahresfrist. In den neuen Ländern mussten fast 5700 Unternehmen Insolvenz anmelden (plus 25 Prozent), davon 702 (plus 17,4 Prozent) in Thüringen. Bundesweit wurden rund 11 500, in den neuen Bundesländern rund 3000 Verfahren mangels Masse abgewiesen.
Bei den Unternehmen, die einen Insolvenzantrag stellten, waren mindestens 100 000 Arbeitnehmer beschäftigt. Tatsächlich dürfte die Zahl noch höher liegen, meinen die Statistiker, denn bei knapp einem Viertel aller Anträge wurden keine Angaben über Beschäftigte gemacht. Für alle Insolvenzfälle ermittelten die Gerichte laut Bundesamt offene Forderungen von mindestens 28,5 Milliarden Mark. Eine neue deutsche Pleitewelle also?
Nun lässt sich ja mit Statistiken nahezu alles belegen, wie dieses gerade veröffentlichte Ergebnis zeigt. Ein deutliches Zeichen für die dramatische Lage der deutschen Wirtschaft, den abflauenden Gründerboom und die Krise der kleinen neuen Internetunternehmen, wie es scheint. Je mehr man sich allerdings mit den Details in den Tabellen beschäftigt, desto nachdenklicher wird man. Das liegt einmal an der hohen Zahl privater Haushalte, die in der Gesamtzahl enthalten sind, die auch kaum offene Forderungen auszuweisen, sich ganz einfach übernommen haben. Denen aber das unlängst in Kraft getretene neue Insolvenzrecht die Möglichkeit einräumt, in Konkurs zu gehen, einen Strich unter seine jeweilige finanzielle Vergangenheit zu machen um falls er guten willens ist danach einen neuen Anfang zu machen.
Gedanken drängen sich aber auch auf zur Baubranche, den Pleite-Primus der jüngsten Zeit. Gerade für diese Unternehmen ist es bitter, das Handtuch werfen zu müssen. Ihre Situation aber ist zumindest in den neuen Bundesländern politisch verursacht. In den ersten Jahren nach der Wende wurde hier subventioniert, wurden Unternehmen mit Steuervorteilen bedacht und Existenzgründer ermutigt. Nun muss diese Branche ausgerechnet in einer Phase wirtschaftlicher Stagnation auf ein Normalmaß zurückfinden, soll Kredite zurückzahlen, während die erhofften Bauaufträge immer weniger werden. Und das wiederum sollte Anlass sein, über Sinn oder Unsinn staatlicher Förderaktionen nachzudenken, die oft genug gerade zur Unzeit auslaufen.

