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Mo, 20:05 Uhr
20.06.2005

Architektonische Geschichte

Nordhausen (nnz). Architektonisch gilt der Museumsneubau der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora mehr als gelungen. Davon können sich Interessenten am kommenden Wochenende selbst überzeugen. Da ist der Tag der Architektur – bundesweit wird der begangen.

Architektonische Geschichte (Foto: nnz) Architektonische Geschichte (Foto: nnz)

Im Rahmen des bundesweiten Tages der Architektur besteht am Samstag, dem 25. Juni und am Sonntag, dem 26. Juni jeweils zwischen 12 und 17 Uhr für alle Interessierten die Gelegenheit, an einer Führung durch das Museum Mittelbau-Dora teilzunehmen. Führen werden die Architekten Axel Pohl und Bert Härtl vom Architekturbüro Kleineberg und Pohl aus Braunschweig, das im Mai bei der Verleihung des „Architektourpreises 2005“ mit einer Anerkennung prämiert wurde. Die Architekturführungen werden vor und nach den historischen Führungen (11, 13, 15 und 16 Uhr) stattfinden. Die Teilnahme an den Führungen ist ebenso wie der Besuch der Ausstellungen kostenfrei.

Der Tag der Architektur ist die publikums- und medienwirksamste Architekturveranstaltung in Deutschland. Jedes Jahr laden die Architektenkammern der Länder am letzten Juniwochenende alle Interessierten ein, zeitgenössische Architektur in ihrer unmittelbaren Umgebung zu besichtigen und vor Ort mit Architekten und Bauherren ins Gespräch zu kommen. In den letzten beiden Jahren haben jeweils über 100 000 Besucher die Gelegenheit genutzt, sich zeitgenössische Architektur in ihrer unmittelbaren Umgebung anzuschauen.

Das diesjährige Motto „Raum erleben“ unterstreicht, dass die gebaute Umwelt einen enormen Einfluss auf das alltägliche Leben der Menschen hat – ob auf öffentlichen Plätzen, in Wohnungen oder bei der Arbeit. In diesem Sinne hat die Architektenkammer Thüringen den Neubau des Museums Mittelbau-Dora durch die Architekten Kleineberg und Pohl als ein beispielhaftes Architekturprojekt des Landes gewürdigt.

Der Museumsneubau ist Bestandteil einer zusammen mit Professor Hinnerk Wehberg (WES & Partner, Hamburg) entwickelten Gesamtkonzeption zur Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Ziel des Freiraumkonzeptes ist die Sicherung und Kennzeichnung der überwachsenen historischen Spuren im Gelände und damit die „Entidyllisierung“ des (landschaftlich reizvoll gelegenen) ehemaligen Konzentrationslagers.

Der Baukörper liegt auf einem leicht ansteigenden Hang und ist vom Gelände durch ein schmales Lichtband abgelöst. Er stellt sich als leichte technische Hülle, als Container dar und ist Behälter für Erinnerungen und Informationen. Er dient der Bewahrung von Relikten und Quellen, öffnet sich aber auch dem Besucher als Versammlungs- und Lernort. Die einfache Form und zurückhaltende Gestaltung nimmt Rücksicht auf die besondere Situation und Bedeutung des Ortes.

Der Material- und Farbkanon beschränkt sich – ebenso wie die Detailgestaltung – auf wenige klar definierte Elemente: Großformatige Fassadentafeln aus Furnierschichtholz oder Faserzement, hellgrau durchgefärbt, Stahlprofile anthrazit für die Fassadenverglasungen, Sichtbeton für tragende Wandscheiben und Stützen; naturfarbener Zementestrich für die Böden, eingespannte Ganzglasgeländer an Treppen und Galerien sowie helles Holzfurnier für die geschwungene Bücherwand der Bibliothek, die Infotheke und die Trennwände der Seminarräume.

Die großzügigen Fassadenöffnungen erlauben – wie gerahmte Bilder – Ausblicke in die Landschaft und zur Stadt Nordhausen oder fokussieren im Kontrast dazu den Blick auf das Lagergelände, den ehemaligen Bahnhof und die Stolleneingänge der ehemaligen Produktionsanlagen. Durch die wechselseitigen Blickbezüge wird die Funktion des Gebäudes als Klammer zwischen Häftlingslager und Industriebereich unterstrichen sowie auf die – nicht nur räumlich enge – Verbindung zwischen der Stadt Nordhausen und dem Lager hingewiesen.

Kern des Museumsgebäudes ist der ca. 430 qm große Ausstellungsbereich im Erdgeschoss. Weiter befinden sich im Erdgeschoss das Foyer sowie ein Kino- und Veranstaltungssaal für 100 Personen, der bei Bedarf über flexible Trennwände mit dem Foyer zusammengeschaltet werden kann. Das Obergeschoss teilt sich in einen öffentlichen Bereich mit Museumscafé und Seminarräumen und einen internen Bereich mit Mitarbeiterbüros und Besprechungsräumen auf. An der Schnittstelle der beiden Bereiche befinden sich Bibliothek und Archiv mit den Besucherarbeitsplätzen.
Autor: nnz

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