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Mi, 16:23 Uhr
15.06.2005

Gras drüber ?

Nordhausen (nnz). Da gibt es Leute, die würden am liebsten Gras drüber wachsen lassen, über unerfreuliche Ereignisse oder unrühmliche Geschichte. Nordhausen gehört nicht dazu. Heute nutzte man wieder einmal die Möglichkeit, sich zur eigenen Historie zu bekennen.


Gras drüber ? (Foto: nnz) Gras drüber ? (Foto: nnz)

Da in Thüringen nur noch 636 Juden leben (als Mitglieder der jüdischen Landesgemeinde), kennt zwar jeder den wenig rühmlichen Teil der Geschichte Deutschlands, zumindest aus der Schule, aber kaum jemand einen Juden persönlich. Damit werden Vorurteile geschürt und angeregt, „über diese ollen Geschichten doch endlich mal Gras wachsen zu lassen.“ Nordhausen wollte da nie mitmachen, das auf dem jüdischen Friedhof gewachsenen Gras wurde Anfang der 1990er wieder beseitigt. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke und ihr Amtsvorgänger Manfred Schröter engagierten sich von Anfang an für den Erhalt der Reste jüdischen Lebens.

Neben dem Gedenkstein für die Synagoge verfügt die Stadt über einen jüdischen Friedhof. Er wurde 1822 von der damals 100 Mitglieder umfassenden jüdischen Gemeinde angelegt, 1854 vergrößert und 1867 um eine Trauerhalle bereichert. Aktuell sind 38 Sandsteine ohne Sockel und Grashügel und 21 Kindergräber zu sehen. Die letzte Beerdigung ist gar nicht so lange her. 1980 wurde die Urne der Jenny Goldschmidt beigesetzt, eine nach Amerika emigrierte Jüdin, die sich mit der Beisetzung in der Heimat einen letzten Wunsch erfüllte.

Heute wurde eine weitere sanierte Gedenkstätte eingeweiht, das thüringenweit einzige Kriegerdenkmal für im Ersten Weltkrieg gefallene jüdische Soldaten. Es wurde im April 1945 bei einem Bombeneinschlag stark beschädigt und verschüttet, und 2004 bis 2005 saniert. Den Anlaß der heutigen Übergabe nutzte Wolfgang Nossen, der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde, um einige Worte an die Bürger zu richten. Er sei froh, daß sich die Stadt zu ihrer eigenen Geschichte bekennt, die vom einvernehmlichen Zusammenleben der Bürger aller Religionen geprägt war, bis die Nazis diese Symbiose vernichteten und letztlich Nordhausen in Schutt und Asche versenkt wurde. Wolfgang Nossen wies auch eindringlich auf die Gefahr hin, die von Neonazis für ganz Deutschland ausgeht. Besonders freute er sich über die Anwesenheit der Bundeswehr, die damit ihren toten Kameraden die letzte Ehre erwiesen.

Im Anschluß an die Reden sprach Wolfgang Nossen ein Trauergebet in Hebräisch. Die Anwesenden hatten dann die Möglichkeit Blumen niederzulegen und natürlich Steine, wie es im jüdischen Glauben üblich ist.
Autor: wf

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