Do, 09:37 Uhr
11.10.2001
nnz-Rückspiegel: 11. Oktober 2000
Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war? Die nnz hat im Archiv gesucht und folgende Meldungen gefunden.
SPD: Landrat verschweigt Jahresverlust in Millionenhöhe von 1999
Möglicherweise ist die finanzielle Situation des Landkreises Nordhausen weit schwieriger als bisher angenommen. So ist weiter das Verfahren zur Kreisumlage vor dem Verwaltungsgericht in der Schwebe, wobei sich die Stadt Nordhausen gute Chancen auf eine Rückzahlung in Millionenhöhe verspricht. Zudem kommt jetzt noch die Kritik der SPD-Kreistagsfraktion, wonach der Landkreis im letzten Jahr weit über seinen Verhältnissen gewirtschaftet habe.
"Wir haben inoffizielle Informationen, daß im letzten Jahr ein Fehlbetrag von rund 5 Millionen DM entstanden sein muß, doch genaue Zahlen werden uns seit einem halben Jahr nicht vorgelegt", sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Dagmar Becker. Da bisher von der Verwaltung zu diesem Thema keine Stellungnahme abgegeben sei, wollen die Sozialdemokraten im Finanzausschuß (12.10.) von Landrat Claus (CDU) selbst die genauen Zahlen erfahren.
"Mittlerweile soll die Liquidität des Kreises nur noch durch die Inanspruchnahme von fremden Verwahrgeldern möglich sein, denn die sonst übliche Rücklage ist längst aufgebraucht", erklärte Becker. Eigentlich hätte die Kreisverwaltung den Bericht zur Jahresrechnung 1999 schon bis Ende April vorlegen müssen, so sei zumindest die Gesetzeslage nach der Thüringer Kommunalordnung auf die sich hier die Kreistagsmitglieder stützen können.
Auch von seiten des Gemeinde- und Städtebundes wurde die schleppende Haushaltsplanung des Landkreises bemängelt, denn seit Jahren legt die Kreisverwaltung keinen pünktlichen Haushaltsentwurf vor. Da bleibt die Frage, warum der Landrat hier einen neuen Streit mit seinem Kreistag provozieren will?
Nordthüringen präsentiert sich im europäischen Parlament
Nach deftiger Hausmannskost und frischem Bier aus Thüringen duftete es gestern Abend im Europäischen Parlament in Brüssel. Sponsoren aus Nordthüringen hatten reichlich aufgetafelt und so die Aufmerksamkeit der Parlamentarier auf sich gezogen.
Anlass für die Verkostung berühmter Thüringer Spezialitäten war die Eröffnung der Ausstellung "Eichsfeld / Nordthüringen - Regionalentwicklung am Beispiel einer wiedervereinigten Region mitten in Europa". Auf zahlreichen Schautafeln werden noch bis Freitag touristische, strukturelle und infrastrukturelle Entwicklungen in Nordthüringen dargestellt.
So präsentiert die Fachhochschule Nordhausen ausführlich ihr Studienangebot. Breiten Raum nimmt auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region ein. Mit dem Hinweis auf die günstige Lage im Zentrum Deutschlands und die verbesserte infrastrukturelle Anbindung, etwa durch die Autobahn A38, wird um Investoren geworben. Interessenten können sich über mehrsprachige Broschüren und an einem Internetterminal mit weiteren Details versorgen. Breiten Raum nimmt in der Ausstellung auch das touristische Angebot in Nordthüringen ein. So werden die Burgruine Hohenstein, die Harzquerbahn und das Theater Nordhausen vorgestellt.
An der Ausstellungseröffnung nahmen der Nordhäuser Beigeordnete Dietrich Beyse und der Geschäftsführer der Handwerkskammer Nordhausen, Linke, teil.
Vom Tropfen zur Flutwelle Huschke im Wasserwerk
Viel mehr Zuhörer hätten nicht kommen dürfen am gestrigen Abend im Alten Wasserwerk zu Nordhausen. Knapp 200 Musikinteressierte und Neugierige waren der Einladung des Nordhäuser Jazzclubs gefolgt, um den Cellisten Wolfram Huschke live zu erleben. Und das an einem Dienstag, an dem sonst traditionell die Nordhäuser Bürgersteige frühzeitig hochgeklappt werden. Lag der Besucher-Run nun an der geheimnisvollen Spielstätte oder an der inzwischen auch in Nordhausen bekannten Klasse des Cello-Magiers?
Der hatte seine neue CD Grenzbereiche im Gepäck und eröffnete einen neuen Veranstaltungsort in Nordhausen und seine Herbsttournee, die ihn bis Ende Dezember zu mehr als 60 Konzerten führen wird. Spielerisch und souverän ging der Musiker und Entertainer auf den außergewöhnlichen Spielort ein, selbst auf einer improvisierten Bühne über einem der Wasseraufbereitungsbecken sitzend. Mit lockerer Conference verstand es Huschke schnell, das von Raum und Klang begeisterte Publikum zu diversen Mitmachaktionen zu animieren.
Dominierten im ersten Teil vor allem die klassischen Passagen auf dem zweihundertjährigen Prachtinstrument, so brachen im zweiten Teil dann alle Dämme, als der Ausnahmemusiker mit seinem elektronischen Cello den Sound einer kompletten Rockband erzeugte und vorführte, wie sich die verschiedensten Arten von Kopfschmerzen auf dem Cello anhören. Das Auditorium dankte ihm mit lang anhaltendem Beifall und erarbeitete sich mehrere Zugaben, die der sympathische Musiker nicht ohne das Versprechen abgab, bald wieder zu kommen.
Einfach geil hier. Das war wohl nicht nur Huschkes Fazit zum Veranstaltungsort und dem interessierten und aufgeschlossenen Publikum, sondern auch die vorherrschende Meinung der Gäste zu einem Superkonzert, vorgetragen von einem der weltbesten Virtuosen auf seinem Instrument. Ein denkwürdiger Abend in der Puschkinstraße, der für das nun erst richtig startende 17. Nordhäuser Jazzfest eine perfekte Eröffnung war.
IFA-Industriepark: Motorenstraße zum Jahresende befahrbar
Gegenwärtig laufen die Arbeiten zum grundhaften Ausbau der Motorenstraße auf dem ehemaligen IFA-Gelände auf Hochtouren. Schwerpunkte dabei sind der Kanalbau, das Einbringen neuer Wasserleitungen sowie die Installation einer neuen Straßenbeleuchtung und die Sanierung der Straße selbst.
Bei den Arbeiten traten viele Schwierigkeiten auf, die in dem Wirrwarr der vielen Leitungen begründet sind, die einst in diesem Bereich in die Erde gebracht wurden. Über die vielen Ver- und Entsorgungsleitungen, die zum teil mit Beton ummantelt waren, lagen keine Unterlagen oder Bestandspläne vor. Die Firma Fleischhammer, die für dieses Vorhaben den Zuschlag erhielt, hat sich zum Ziel gestellt, bis Ende dieses Jahres die Sanierung zu beenden. Die abschließenden Arbeiten an der Straßenoberfläche sind jedoch wetterabhängig. Auf jeden Fall wird zum Jahresende eine Befahrbarkeit der Motorenstraße gewährleistet.
Im Bereich der Hallen 41/42 werden in den kommenden Wochen die Abbrucharbeiten fortgesetzt. Nach dem Kopfbau der Hallen wird die Schachtbau Nordhausen GmbH dann mit dem vollständigen Abriß der großen Hallen beginnen. Dadurch werden auf dem Gelände des IFA-Industrieparks zusätzliche Flächen für eine Gewerbeansiedlung frei, die durch die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) vermarktet werden. Die Gesamtmaßnahmen in diesem Areal werden durch das Land Thüringen mit rund 80 Prozent gefördert.
Straßenbau in der Blumensiedlung wird bald abgeschlossen
Die Anwohner der Blumenstraße und des Amselweges können noch in diesem Jahr aufatmen. Dann soll die Sanierung der beiden Straßen abgeschlossen sein. Bevor die letzte Deckschicht aufgetragen wird, wurden Wasserleitungen, und im Amselweg zusätzlich noch Abwasserkanäle und Gasleitungen verlegt. Mit dem Abschluß der Arbeiten in diesen beiden Straßen ist damit das gesamte Straßensystem der Blumensiedlung saniert worden.
In der Freiheitsstraße gibt es gegenwärtig einen Verzug der Arbeiten von zwei Wochen. Für ausführenden Firmen zeigten sich vor allem bei der Durchpressung unter der Zorge und dem Mühlgraben mit nicht vorhersehbaren Problemen konfrontiert, die mittlerweile aber behoben sind, erläutert der städtische Bauamtsleiter Jens Kohlhause. Auch hier wird eine Fertigstellung und Befahrbarkeit der Freiheitsstraße für Ende 2000 als realistisch eingeschätzt.
Im Bereich der Domstraße und der Kranichstraße sind die Kanalbauarbeiten weit fortgeschritten, Trinkwasserleitungen wurden bereits komplett verlegt. Damit kann in den kommenden Tagen mit dem Straßenbau im Bereich zwischen Gumpertstraße und Loge begonnen werden. Zugesichert wurde seitens der am Bau beteiligten Firmen, diesen Bereich bis zu Weihnachten befahrbar zu gestalten. Die Straße wird eine Oberfläche aus Grauwacke erhalten, für die Gehwege ist Mosaikpflaster vorgesehen.
Noch im Oktober soll die sanierte Johannistreppe freigegeben werden, Mitte November soll die Kutteltreppe folgen.
Bewegung im Tourismus: Nordhausen tritt aus, keine GmbH im Südharz
Die Stadt Nordhausen hat ihre Mitgliedschaft im Tourismusverband Region Nordhausen e.V. gekündigt. Damit geht dem Verband der mit Abstand größte Geldgeber verloren. Jährlich flossen rund 20.000 Mark städtische Mittel in die Vereinskassen.
Aus Sicht der Stadt Nordhausen sei die Wirksamkeit des Verbandes nicht mehr gegeben. Der Effekt, der für die Vermarktung der Stadt erreicht wurde, entsprach in keinem Fall mehr dem eingezahlten Betrag. Mit diesem Austritt ist jedoch nicht die Existenz der Tourist-Informationen am Bahnhof gefährdet, betonte Dr. Gerd Fischer von der Stadtverwaltung. Dafür seien andere Träger verantwortlich. Die Stadt werde diesen Anlaufpunkt für Touristen auch weiterhin unterstützen. Die Stadt Nordhausen setzt nach Aussagen von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke auch weiterhin auf Tourismus. Derzeit wird in der Stadtverwaltung eine interne Ausschreibung für eine Stelle im Kulturamt vorbereitet. Deren Aufgabeninhalt ist zu rund zwei Drittel auf die Aufgaben im Zusammenhang mit Tourismus fixiert.
Heute soll ein Gespräch seitens der Stadt Nordhausen mit dem Vorsitzenden des Tourismusverbandes, Bernd Meyer, stattfinden. Wie nnz erfuhr, würde sich mit dem Austritt der Stadt Nordhausen eine Auflösung der Verbandes ergeben. Dadurch müsse über die Zukunft der touristischen Arbeit im Landkreis generell diskutiert werden. Derzeit arbeiten im Landkreis Nordhausen auf touristischem Gebiet mehrere Regionalverbände, so zum Beispiel in der Goldenen Aue, in der Hainleite und im Südharz.
Das Tourismusmarketing im Südharz ist unter dem Dach des Vereins Südharz Touristik angesiedelt. Doch Vereinsvorsitzender Bernd Meyer sieht in dieser Form nicht mehr die effiziente Form, um den gegenwärtigen und zukünftigen Ansprüchen gerecht zu werden. Ein Gutachten, das vom Land Thüringen gefördert wurde, gibt die Empfehlung ab, den Verein in eine GmbH umzuwandeln. Als Gesellschaft kämen hierfür die Gemeinden Neustadt und Ilfeld sowie die Einheitsgemeinde Ellrich in Frage. Doch für diese große Variante gibt es nicht überall Zustimmung, vor allem nicht in Ellrich. Wie nnz erfuhr, soll nun die kleine Variante mit Ilfeld und Neustadt favorisiert werden. Nach Aussage von Bernd Meyer in der vergangenen Woche gebe es dazu im Südharzrevier überwiegend Zustimmung zwischen den Kommunen aber auch zwischen den Parteien.
Die Meinung des Ilfelder Gemeinderates soll da aber eine gänzlich andere sein. In nicht öffentlicher Sitzung informierte Bernd Meyer die Räte über seine Vorstellungen, die bislang mit den Bürgermeistern der Kommunen diskutiert wurden. Die Mehrheit im Gemeinderat soll sich nach nnz-Informationen gegen die Bildung einer GmbH zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgesprochen haben. Vor allem wird dies aus finanzieller Sicht begründet. Eine solche Investition gebe der Haushalt nicht her, so ein Gemeinderatsmitglied zur nnz. Ebenso wurde die Erhebung einer Kurabgabe abgelehnt.
Heino Kohlhase erhält Thüringer Tierschutzpreis
Heino Kohlhause aus Nordhausen wird am Wochenende mit dem Thüringer Tierschutzpreis ausgezeichnet. Damit würdigt der Freistaat das Engagement von Heino Kohlhase für den Schutz von Tieren. In der Begründung heißt es: Heino Kohlhase wurde am 2. April 1906 als eines von 15 Kindern in Kehmstedt geboren. Er hat sich sein ganzes Leben lang ehrenamtlich und uneigennützig für den Tierschutz eingesetzt. So hat er bislang bereits 1955 Fundtiere aus der Stadt Nordhausen bei sich aufgenommen. Nach der Wende hat Herr Kohlhase den Verein Tierschutz Nordhausen e.V. mit gegründet und ist seit 1999 Gründungs- und Ehrenmitglied des Tierschutzvereins Tiere in Not e.V.
In diesem Jahr wurden 26 Vorschläge für den Tierschutzpreis eingereicht, unter denen der Thüringer Tierschutzbeirat als Jury fünf Preisträger ausgewählt hat. Die Preise werden im Rahmen einer Festveranstaltung zum Auftakt der 4. Thüringer Tierschutzwoche durch Thüringens Sozialminister Frank-Michael Pietsch in Erfurt überreicht.
Sexualstraftäter konnte gefaßt werden 13jähriger nicht schuldfähig
Die beiden Sexualstraftaten, über die nnz gestern bereits berichtete, sind aufgeklärt. Beamte der Kriminalpolizei konnten bereits gestern einen 13 Jahre alten Jungen als Täter ermitteln. Aufgrund seines Alters ist der Junge nicht schuldfähig, durfte aus diesem Grund auch nicht verhört, sondern lediglich befragt werden. Nach nnz-Informationen stammt er aus ordentlichen Familienverhältnissen. Ein Sprachfehler soll die Beamten auf seine Spur geführt haben. Zum Motiv der beiden Taten befragt, konnte er keine Aussage machen.
Am Montag sind in Nordhausen zwei Mädchen im Alter von neun und zehn Jahren sexuell belästigt worden (siehe nnz vom 10.10.00).
Autor: nnzSPD: Landrat verschweigt Jahresverlust in Millionenhöhe von 1999
Möglicherweise ist die finanzielle Situation des Landkreises Nordhausen weit schwieriger als bisher angenommen. So ist weiter das Verfahren zur Kreisumlage vor dem Verwaltungsgericht in der Schwebe, wobei sich die Stadt Nordhausen gute Chancen auf eine Rückzahlung in Millionenhöhe verspricht. Zudem kommt jetzt noch die Kritik der SPD-Kreistagsfraktion, wonach der Landkreis im letzten Jahr weit über seinen Verhältnissen gewirtschaftet habe.
"Wir haben inoffizielle Informationen, daß im letzten Jahr ein Fehlbetrag von rund 5 Millionen DM entstanden sein muß, doch genaue Zahlen werden uns seit einem halben Jahr nicht vorgelegt", sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Dagmar Becker. Da bisher von der Verwaltung zu diesem Thema keine Stellungnahme abgegeben sei, wollen die Sozialdemokraten im Finanzausschuß (12.10.) von Landrat Claus (CDU) selbst die genauen Zahlen erfahren.
"Mittlerweile soll die Liquidität des Kreises nur noch durch die Inanspruchnahme von fremden Verwahrgeldern möglich sein, denn die sonst übliche Rücklage ist längst aufgebraucht", erklärte Becker. Eigentlich hätte die Kreisverwaltung den Bericht zur Jahresrechnung 1999 schon bis Ende April vorlegen müssen, so sei zumindest die Gesetzeslage nach der Thüringer Kommunalordnung auf die sich hier die Kreistagsmitglieder stützen können.
Auch von seiten des Gemeinde- und Städtebundes wurde die schleppende Haushaltsplanung des Landkreises bemängelt, denn seit Jahren legt die Kreisverwaltung keinen pünktlichen Haushaltsentwurf vor. Da bleibt die Frage, warum der Landrat hier einen neuen Streit mit seinem Kreistag provozieren will?
Nordthüringen präsentiert sich im europäischen Parlament
Nach deftiger Hausmannskost und frischem Bier aus Thüringen duftete es gestern Abend im Europäischen Parlament in Brüssel. Sponsoren aus Nordthüringen hatten reichlich aufgetafelt und so die Aufmerksamkeit der Parlamentarier auf sich gezogen.
Anlass für die Verkostung berühmter Thüringer Spezialitäten war die Eröffnung der Ausstellung "Eichsfeld / Nordthüringen - Regionalentwicklung am Beispiel einer wiedervereinigten Region mitten in Europa". Auf zahlreichen Schautafeln werden noch bis Freitag touristische, strukturelle und infrastrukturelle Entwicklungen in Nordthüringen dargestellt.
So präsentiert die Fachhochschule Nordhausen ausführlich ihr Studienangebot. Breiten Raum nimmt auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region ein. Mit dem Hinweis auf die günstige Lage im Zentrum Deutschlands und die verbesserte infrastrukturelle Anbindung, etwa durch die Autobahn A38, wird um Investoren geworben. Interessenten können sich über mehrsprachige Broschüren und an einem Internetterminal mit weiteren Details versorgen. Breiten Raum nimmt in der Ausstellung auch das touristische Angebot in Nordthüringen ein. So werden die Burgruine Hohenstein, die Harzquerbahn und das Theater Nordhausen vorgestellt.
An der Ausstellungseröffnung nahmen der Nordhäuser Beigeordnete Dietrich Beyse und der Geschäftsführer der Handwerkskammer Nordhausen, Linke, teil.
Vom Tropfen zur Flutwelle Huschke im Wasserwerk
Viel mehr Zuhörer hätten nicht kommen dürfen am gestrigen Abend im Alten Wasserwerk zu Nordhausen. Knapp 200 Musikinteressierte und Neugierige waren der Einladung des Nordhäuser Jazzclubs gefolgt, um den Cellisten Wolfram Huschke live zu erleben. Und das an einem Dienstag, an dem sonst traditionell die Nordhäuser Bürgersteige frühzeitig hochgeklappt werden. Lag der Besucher-Run nun an der geheimnisvollen Spielstätte oder an der inzwischen auch in Nordhausen bekannten Klasse des Cello-Magiers?
Der hatte seine neue CD Grenzbereiche im Gepäck und eröffnete einen neuen Veranstaltungsort in Nordhausen und seine Herbsttournee, die ihn bis Ende Dezember zu mehr als 60 Konzerten führen wird. Spielerisch und souverän ging der Musiker und Entertainer auf den außergewöhnlichen Spielort ein, selbst auf einer improvisierten Bühne über einem der Wasseraufbereitungsbecken sitzend. Mit lockerer Conference verstand es Huschke schnell, das von Raum und Klang begeisterte Publikum zu diversen Mitmachaktionen zu animieren.
Dominierten im ersten Teil vor allem die klassischen Passagen auf dem zweihundertjährigen Prachtinstrument, so brachen im zweiten Teil dann alle Dämme, als der Ausnahmemusiker mit seinem elektronischen Cello den Sound einer kompletten Rockband erzeugte und vorführte, wie sich die verschiedensten Arten von Kopfschmerzen auf dem Cello anhören. Das Auditorium dankte ihm mit lang anhaltendem Beifall und erarbeitete sich mehrere Zugaben, die der sympathische Musiker nicht ohne das Versprechen abgab, bald wieder zu kommen.
Einfach geil hier. Das war wohl nicht nur Huschkes Fazit zum Veranstaltungsort und dem interessierten und aufgeschlossenen Publikum, sondern auch die vorherrschende Meinung der Gäste zu einem Superkonzert, vorgetragen von einem der weltbesten Virtuosen auf seinem Instrument. Ein denkwürdiger Abend in der Puschkinstraße, der für das nun erst richtig startende 17. Nordhäuser Jazzfest eine perfekte Eröffnung war.
IFA-Industriepark: Motorenstraße zum Jahresende befahrbar
Gegenwärtig laufen die Arbeiten zum grundhaften Ausbau der Motorenstraße auf dem ehemaligen IFA-Gelände auf Hochtouren. Schwerpunkte dabei sind der Kanalbau, das Einbringen neuer Wasserleitungen sowie die Installation einer neuen Straßenbeleuchtung und die Sanierung der Straße selbst.
Bei den Arbeiten traten viele Schwierigkeiten auf, die in dem Wirrwarr der vielen Leitungen begründet sind, die einst in diesem Bereich in die Erde gebracht wurden. Über die vielen Ver- und Entsorgungsleitungen, die zum teil mit Beton ummantelt waren, lagen keine Unterlagen oder Bestandspläne vor. Die Firma Fleischhammer, die für dieses Vorhaben den Zuschlag erhielt, hat sich zum Ziel gestellt, bis Ende dieses Jahres die Sanierung zu beenden. Die abschließenden Arbeiten an der Straßenoberfläche sind jedoch wetterabhängig. Auf jeden Fall wird zum Jahresende eine Befahrbarkeit der Motorenstraße gewährleistet.
Im Bereich der Hallen 41/42 werden in den kommenden Wochen die Abbrucharbeiten fortgesetzt. Nach dem Kopfbau der Hallen wird die Schachtbau Nordhausen GmbH dann mit dem vollständigen Abriß der großen Hallen beginnen. Dadurch werden auf dem Gelände des IFA-Industrieparks zusätzliche Flächen für eine Gewerbeansiedlung frei, die durch die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) vermarktet werden. Die Gesamtmaßnahmen in diesem Areal werden durch das Land Thüringen mit rund 80 Prozent gefördert.
Straßenbau in der Blumensiedlung wird bald abgeschlossen
Die Anwohner der Blumenstraße und des Amselweges können noch in diesem Jahr aufatmen. Dann soll die Sanierung der beiden Straßen abgeschlossen sein. Bevor die letzte Deckschicht aufgetragen wird, wurden Wasserleitungen, und im Amselweg zusätzlich noch Abwasserkanäle und Gasleitungen verlegt. Mit dem Abschluß der Arbeiten in diesen beiden Straßen ist damit das gesamte Straßensystem der Blumensiedlung saniert worden.
In der Freiheitsstraße gibt es gegenwärtig einen Verzug der Arbeiten von zwei Wochen. Für ausführenden Firmen zeigten sich vor allem bei der Durchpressung unter der Zorge und dem Mühlgraben mit nicht vorhersehbaren Problemen konfrontiert, die mittlerweile aber behoben sind, erläutert der städtische Bauamtsleiter Jens Kohlhause. Auch hier wird eine Fertigstellung und Befahrbarkeit der Freiheitsstraße für Ende 2000 als realistisch eingeschätzt.
Im Bereich der Domstraße und der Kranichstraße sind die Kanalbauarbeiten weit fortgeschritten, Trinkwasserleitungen wurden bereits komplett verlegt. Damit kann in den kommenden Tagen mit dem Straßenbau im Bereich zwischen Gumpertstraße und Loge begonnen werden. Zugesichert wurde seitens der am Bau beteiligten Firmen, diesen Bereich bis zu Weihnachten befahrbar zu gestalten. Die Straße wird eine Oberfläche aus Grauwacke erhalten, für die Gehwege ist Mosaikpflaster vorgesehen.
Noch im Oktober soll die sanierte Johannistreppe freigegeben werden, Mitte November soll die Kutteltreppe folgen.
Bewegung im Tourismus: Nordhausen tritt aus, keine GmbH im Südharz
Die Stadt Nordhausen hat ihre Mitgliedschaft im Tourismusverband Region Nordhausen e.V. gekündigt. Damit geht dem Verband der mit Abstand größte Geldgeber verloren. Jährlich flossen rund 20.000 Mark städtische Mittel in die Vereinskassen.
Aus Sicht der Stadt Nordhausen sei die Wirksamkeit des Verbandes nicht mehr gegeben. Der Effekt, der für die Vermarktung der Stadt erreicht wurde, entsprach in keinem Fall mehr dem eingezahlten Betrag. Mit diesem Austritt ist jedoch nicht die Existenz der Tourist-Informationen am Bahnhof gefährdet, betonte Dr. Gerd Fischer von der Stadtverwaltung. Dafür seien andere Träger verantwortlich. Die Stadt werde diesen Anlaufpunkt für Touristen auch weiterhin unterstützen. Die Stadt Nordhausen setzt nach Aussagen von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke auch weiterhin auf Tourismus. Derzeit wird in der Stadtverwaltung eine interne Ausschreibung für eine Stelle im Kulturamt vorbereitet. Deren Aufgabeninhalt ist zu rund zwei Drittel auf die Aufgaben im Zusammenhang mit Tourismus fixiert.
Heute soll ein Gespräch seitens der Stadt Nordhausen mit dem Vorsitzenden des Tourismusverbandes, Bernd Meyer, stattfinden. Wie nnz erfuhr, würde sich mit dem Austritt der Stadt Nordhausen eine Auflösung der Verbandes ergeben. Dadurch müsse über die Zukunft der touristischen Arbeit im Landkreis generell diskutiert werden. Derzeit arbeiten im Landkreis Nordhausen auf touristischem Gebiet mehrere Regionalverbände, so zum Beispiel in der Goldenen Aue, in der Hainleite und im Südharz.
Das Tourismusmarketing im Südharz ist unter dem Dach des Vereins Südharz Touristik angesiedelt. Doch Vereinsvorsitzender Bernd Meyer sieht in dieser Form nicht mehr die effiziente Form, um den gegenwärtigen und zukünftigen Ansprüchen gerecht zu werden. Ein Gutachten, das vom Land Thüringen gefördert wurde, gibt die Empfehlung ab, den Verein in eine GmbH umzuwandeln. Als Gesellschaft kämen hierfür die Gemeinden Neustadt und Ilfeld sowie die Einheitsgemeinde Ellrich in Frage. Doch für diese große Variante gibt es nicht überall Zustimmung, vor allem nicht in Ellrich. Wie nnz erfuhr, soll nun die kleine Variante mit Ilfeld und Neustadt favorisiert werden. Nach Aussage von Bernd Meyer in der vergangenen Woche gebe es dazu im Südharzrevier überwiegend Zustimmung zwischen den Kommunen aber auch zwischen den Parteien.
Die Meinung des Ilfelder Gemeinderates soll da aber eine gänzlich andere sein. In nicht öffentlicher Sitzung informierte Bernd Meyer die Räte über seine Vorstellungen, die bislang mit den Bürgermeistern der Kommunen diskutiert wurden. Die Mehrheit im Gemeinderat soll sich nach nnz-Informationen gegen die Bildung einer GmbH zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgesprochen haben. Vor allem wird dies aus finanzieller Sicht begründet. Eine solche Investition gebe der Haushalt nicht her, so ein Gemeinderatsmitglied zur nnz. Ebenso wurde die Erhebung einer Kurabgabe abgelehnt.
Heino Kohlhase erhält Thüringer Tierschutzpreis
Heino Kohlhause aus Nordhausen wird am Wochenende mit dem Thüringer Tierschutzpreis ausgezeichnet. Damit würdigt der Freistaat das Engagement von Heino Kohlhase für den Schutz von Tieren. In der Begründung heißt es: Heino Kohlhase wurde am 2. April 1906 als eines von 15 Kindern in Kehmstedt geboren. Er hat sich sein ganzes Leben lang ehrenamtlich und uneigennützig für den Tierschutz eingesetzt. So hat er bislang bereits 1955 Fundtiere aus der Stadt Nordhausen bei sich aufgenommen. Nach der Wende hat Herr Kohlhase den Verein Tierschutz Nordhausen e.V. mit gegründet und ist seit 1999 Gründungs- und Ehrenmitglied des Tierschutzvereins Tiere in Not e.V.
In diesem Jahr wurden 26 Vorschläge für den Tierschutzpreis eingereicht, unter denen der Thüringer Tierschutzbeirat als Jury fünf Preisträger ausgewählt hat. Die Preise werden im Rahmen einer Festveranstaltung zum Auftakt der 4. Thüringer Tierschutzwoche durch Thüringens Sozialminister Frank-Michael Pietsch in Erfurt überreicht.
Sexualstraftäter konnte gefaßt werden 13jähriger nicht schuldfähig
Die beiden Sexualstraftaten, über die nnz gestern bereits berichtete, sind aufgeklärt. Beamte der Kriminalpolizei konnten bereits gestern einen 13 Jahre alten Jungen als Täter ermitteln. Aufgrund seines Alters ist der Junge nicht schuldfähig, durfte aus diesem Grund auch nicht verhört, sondern lediglich befragt werden. Nach nnz-Informationen stammt er aus ordentlichen Familienverhältnissen. Ein Sprachfehler soll die Beamten auf seine Spur geführt haben. Zum Motiv der beiden Taten befragt, konnte er keine Aussage machen.
Am Montag sind in Nordhausen zwei Mädchen im Alter von neun und zehn Jahren sexuell belästigt worden (siehe nnz vom 10.10.00).

