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Do, 15:14 Uhr
19.03.2020
Am Dienstag sollen die Volksvertreter tagen

Ärger mit dem Kreistag

Am nächsten Dienstag soll in der Nordhäuser Wiedigsburghalle eine Kreistagssitzung abgehalten werden. In Zeiten, da Versammlungs- und Veranstaltungsverbote per Erlass verfügt werden, mutet dieses Treffen skurril an. Und es regt sich Widerstand …

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Dr. Wolf-Detlev Höpker ist FDP-Stadtrat und Vertreter des städtischen Seniorenbeirats. Er ist schlicht entsetzt über das Vorhaben, eine solche Versammlung und er angespannten Lage durchzuführen. „Es ist unverantwortlich, dass sich 50 Abgeordnete dort versammeln sollen, während wenige Schritte entfernt in der Wiedigsburgklause das Abstrichzentrum für Corona-Tests seiner Arbeit nachgeht“, schimpft der Mediziner, der selbst als pensionierter Arzt dort schon Dienste absolviert hat.

„Wir können doch nicht von der Bevölkerung absolute Disziplin verlangen und selbst die Bestimmungen dann nicht einhalten.“ Einen geplanten Abstand von 2 Metern zwischen den einzelnen Volksvertretern hält er für unrealistisch. „Man begegnet sich doch im Gang oder der Garderobe“, sagt der Gynäkologe. „Das ist doch dummes Zeug!“ Dr. Höpker will der Sitzung fern bleiben, zumal er auch die Tagesordnung für nicht so wichtig hält, dass sie eine Gefährdung der Abgeordneten rechtfertigen würde. Im öffentlichen Teil sind unter anderem die Errichtung und das Betreiben einer Sammelstelle für Altgeräte vorgesehen oder die Nachbesetzung des Integrationsbeirates für die aktuelle Legislaturperiode.

Lediglich ein Punkt könnte für Zündstoff sorgen: die Debatte über die Zuständigkeit des Kreisausschusses im Pandemiefall.

Landrat Matthias Jendricke versteht die Sorgen des Seniorenbeirats, für den Dr. Höpker spricht, stellt aber im nnz-Gespäch auch die Schwierigkeiten des momentanen Agierens dar. „Unsere Verfügung vom Dienstag müsste von Rechts wegen in der Tageszeitung in einer Annonce als amtliche Bekanntmachung erscheinen. Erst dann tritt sie offiziell in Kraft“, erläutert der Landrat. Mit seinen Kollegen aus ganz Thüringen hatte er sich in einer Videokonferenz an die Landesregierung gewandt, den Handlungsmodus auf „Notbekanntmachungsereignisse“ umzustellen, die ein schnelleres Agieren auf regionaler Ebene erlauben würde. Aber die Landesregierung hat dem bisher nicht zugestimmt. Auch dass der personell wesentlich kleinere Kreisausschuss im aktuelle Krisenfall die Handlungsbefugnis für den Kreistag übernehmen könnte, wird kontrovers diskutiert. „Die einen befürchten, dass ich damit die Demokratie aushebeln und nun allein entscheiden wolle, die anderen fordern online-Sitzungen“, sagte Jendricke. „Tatsache ist aber, dass ich nicht befugt bin, mich über Entscheidungen des Landes zustellen. Und dort heißt es, Sitzungen seien bis auf Widerruf durchzuführen.“

Erst wenn er ein Eilentscheidungsrecht genehmigt bekommt, kann er selbst eine Sitzung absagen. Alternativ wird Matthias Jendricke jetzt alle Fraktionen befragen, wer von ihren Abgeordneten am Dienstag erscheinen kann. Wären das so wenige, dass die verbleibenden Sitzungsteilnehmer nicht mehr repräsentativ seien und Abstimmungen nicht durchgeführt werden könnten, dann dürfte der Landrat den Kreistagstreff aus diesem Grunde absagen. Es wäre in seinem Sinne, sagte der Nordhäuser Verwaltungschef und gibt gleich noch eine Warnung an alle Landkreisbewohner mit auf den Weg: „Wenn das sorglose und unbedachte Verhalten einiger Bewohner in der Öffentlichkeit sich nicht ändert, das in den letzten Tagen zu beobachten war, dann ist eine kommende Ausgangssperre unvermeidlich!“
Olaf Schulze
Autor: osch

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Kommentare
Fischkopp66
19.03.2020, 15:30 Uhr
Sprachlos
Muss ja alles seine Ordnung haben in Thüringen, aber Hauptsache am Ende wurde nochmal eine Drohung ausgesprochen. Gilt diese Ausgangssperre dann auch erst als offiziell wenn die gedruckt in einer Zeitung steht. Verstehe die da oben wer will.
Und bevor sich jemand aufregt ich bin für weitere Einschnitte des öffentlichen Lebens wenn diese wegen einigen idioten nicht anders zu handhaben sind, gruß an die Jugendlichen dort draußen.
Eins noch, es wäre schön wenn das ordnungsamt mehr auf diese Gruppen achten würde als nur Falschparker zu belangen, auch wenn es zu ihren Aufgaben gehört, aber bitte mit Augenmaß in diesen Zeiten.
Trine08
19.03.2020, 16:53 Uhr
@Fischkopp66
Egal, ob jung oder alt - ALLE (!) sollten mal einen Moment innehalten und eigenes Handeln reflektieren. Auch Sie, Fischkopp66 (m/w/d), statt den Behörden vermeintliche Handlungsanweisungen zu erteilen.
Und ich finde, ganz persönlich unter uns, Beleidigungen sind deplatziert - mehr denn je. Oder ist das Ihr friesischer Humor?!

Alles Gute für Sie!
Fischkopp66
19.03.2020, 17:12 Uhr
@trine08
Worauf ich hinauswollte war lediglich hinzuweisen das dieses Kompetenzgerangel aufhört. Beschließen, ausführen, fertig. Zur Not auch mit sofortigen Bußgeldern für alle die sich nicht an diese Anordnungen halten. Jugendliche die meinen auf dem Petersberg oder wo auch immer Partys feiern zu müssen sofort den Erziehungsberechtigten zu übergeben mit entsprechenden Bußgeld bescheid.
Und ja ich bin eine frohe Natur und werde mir meinen "Humor" trotz oder gerade wegen dem Virus nicht nehmen lassen geschweige denn meine Meinung der Oberen verbieten lassen. Ich halte mich an die vorgegebenen Regeln, aber meinen Mund lasse ich mir auch weiterhin nicht verbieten. In dem Sinne Moin moin
mussmalsagen
20.03.2020, 01:41 Uhr
, dass es für solche Fälle doch Skype und anderes gibt.
Ich verstehe den Dr. Höpker. Schließlich gehört er zur gefährdeten Gruppe. In Zeiten von Telefon- und Videokonferenzen eigentlich kein technisches Problem.

Zur Unvernunft der Leute möchte ich nur mal erinnern, dass diese systematisch im Land gefördert wurde. Fehlende Bildung, TV mit entsprechendem Dialogniveau usw. führen genau zu diesem Verhalten von Ignoranz gegenüber dringlichen Verhaltensempfehlungen und abartigem Auftreten in Supermärkten und Apotheken. Wie will man diesen Mob noch bekehren?
Ich persönlich habe keine Angst vor dem Virus, aber vor dieser Masse Menschen und ihren Panikattacken.
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