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Mo, 15:55 Uhr
09.03.2020
Nachgefragt:

Kranke Verwaltung

Kranke Mitarbeiter sind nicht unbedingt das, was Arbeitgeber hierzulande positiv stimmt. Das ist nicht nur im privatwirtschaftlichen Sektor so, sondern auch in den kommunalen Verwaltungen. Zum Beispiel im Nordhäuser Rathaus...

Bild von Steve Buissinne auf Pixabay

Anfragen von Fraktionen und einzelnen Stadträten sind aktuell nicht sonderlich beliebt in der Stadtverwaltung. Erst beim jüngsten Stadtrat zeigte sich die "Hausspitze", also das Führungsduo Buchmann/Krauth nicht amüsiert über die Fülle der Fragen, die da die gewählten Frauen und Männer hatten.

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Anfang vorigen Monats hatte dann noch die CDU-Fraktion im Rathaus nachgefragt, wie sich denn der Krankenstand der Stadtverwaltung entwickelt habe. Vorausgeschickt sei, dass der Krankenstand in kommunalen Verwaltungen in Thüringen und darüber hinaus traditionell sehr hoch ist. Einer der Gründe sei, dass die Beschäftigten im öffentlichen Dienst keine negativen Folgen hinsichtlich ihres Krankenstandes zu befolgen haben.

Und so waren laut einer Antwort der Stadtverwaltung, die rund vier Wochen nach der Anfrage bei der Fraktion eintraf, im vergangenen Jahr 15.411 Kalendertage schlicht und ergreifend Krankentage. Das ist zwar im Vergleich zum Vorjahr (2018) ein kleiner Rückgang von 120 Krankentagen, aber dennoch immer relativ hoch. Vor allem kommt das Ausbrechen der Kurve nach oben im Vergleich zum Jahr 2017, als Ende jenes Jahres der jetzige Oberbürgermeister seinen Dienst antrat. In den Jahren 2016 und 2017 bewegten sich die Krankentage zwischen 12.900 und 13.800, danach erfolgte erst der signifikante Anstieg. Und das bei einem kontinuierlichen Abbau der Stellen laut Stellenplan der Verwaltung.

Es sei das miese Klima in dieser Verwaltung, wird hinter vorgehaltener Hand gesagt. Offen dazu möchte sich niemand positionieren. Konstruktives Denken und Handeln sei längst "eingeschlafen", statt dessen gebe es Dienst nach Vorschrift. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Und so bleibe man eben - selbst wegen "Kleinigkeiten" - lieber mal einen Tag länger im Krankenstand, sagen Mitarbeiter der Verwaltung der nnz.

Diese Frustriertheit nahm aus Sicht der CDU-Fraktion vor allem im vergangenen Jahr massiv zu. "In diesem Rathaus ist meiner Ansicht nach die Stimmung tief im Keller, es fehle mittlerweile an einer Grundmotivation bei vielen Mitarbeitern. Allerdings können wir als Stadträte kaum handeln, da bei allen Gesprächen um Vertraulichkeit gebeten werde, aus Angst vor Repressalien aus der Leitungsebene", so Steffen Iffland auf Anfrage der nnz.

Ähnliches hört man aus den Reihen der sozialdemokratischen Fraktion. Da ist die Rede von einer bedrückenden, zum Teil auch vergifteten Atmosphäre. Auch hätten die Mitarbeiter keinen vertrauensvollen Ansprechpartner, nicht einmal im Personalrat. Das mache die jetzt schon heikle Situation im Nordhäuser Rathaus nur noch schlimmer, so die Fraktion der SPD im Stadtrat.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
Paulinchen
09.03.2020, 18:27 Uhr
Dann wird es...
... wohl an der Zeit sein, dass man, unter was für einer Bezeichnung auch immer, die Ärzteberatungskommission wieder einführt. Nur so kann man die notorisch Kranken an den Arbeitsplatz zurück führen.

Ja, es war eben nicht alles schlecht, in der DDR. :-)
Leser X
09.03.2020, 18:58 Uhr
Wo gibt's denn sowas?
Der Krankenstand ist hoch weil die Stimmung schlecht ist? Gibt es für sowas eigentlich schon einen Diagnoseschlüssel?

Mal im Ernst: wenn schlechte Stimmung ein AU-Grund sein sollte, wäre ja halb Deutschland krank. Und alle Kassen längst pleite...
geloescht.20250302
09.03.2020, 20:12 Uhr
Schuld sind die Bürger...
...dauernd rennen sie auf die Ämter und nerven mit irgendwelchen Fragen, Problemen und Anliegen...
Kritiker86
09.03.2020, 22:54 Uhr
Wundert..
Mich garnicht. In diesen verrückten Land ist doch schon lange nix mehr normal. Vergiftet ist das Klima da aufjedenfall...Deswegen läuft im Rathaus ja auch nix mehr. Alle rausschmeißen und den Praktikern die Zügel überlassen... Es gibt da draußen so gute ausgebildete, sehr menschliche Leute die so einiges draufhaben. Und die werden demontiert und ausgelacht. Die ganze Stimmung im Land ist doch vergiftet. Vorallem im Osten und grad in Thüringen. An der Ostseeküste wo wir jedes Jahr Urlaub machen herrscht ne ganz andere Stimmung als hier.
DDR-Facharbeiter
09.03.2020, 23:04 Uhr
Angst vor der Leitungsebene treibt den Krankenstand ?
Aus der Praxis: Eine langjährige Sekretärin sagte zum Chef bei der Verabschiedung:
"In den Jahren bei Dir hatte ich die wenigsten Krankheitstage
Du warst stets gleichmütig.
Du hast nie Druck gemacht."
Weiss nicht, ob man das verallgemeinern kann.
Ich weiss aber:
In der freien Marktwirtschaft zeigt bei schlechtem Betriebsklima und/oder schlechten Leistungszahlen ganz schnell der Daumen
für die verantwortlichen Leiter nach unten.
Bekannte Floskeln:
"Man trennt man sich im gegenseitigen Einvernehmen" oder
" Herr/Frau X wollen sich einer neuen beruflichen Herausforderung stellen".
In der öffentlichen Verwaltung muss wohl die Wählervertretung oder die Mehrheit der Wähler den Daumen senken.
Luftikus
10.03.2020, 23:01 Uhr
Schlechtes Klima in der Stadtverwaltung
Ganz so witzig oder ironisch wie manche Kommentare geschrieben sind ist die Situation anscheinend nicht. Wenn man Stellen abbaut und den verbliebenen Mitarbeitern die Arbeit aufbrummt und immer mehr verlangt, endet das im Burnout, psychischen Problemen oder gar Suizid.
Schaut man allein in den Kulturbereich, wo es einst mal ein funktionierendes Kulturamt gab, gibt es jetzt nur noch einen Trümmerhaufen. Die ehemalige Leiterin wurde geschasst, sollte gekündigt und wird wohl nun früh zeitig das Haus verlassen. Einige Mitarbeiter kündigten und wechselten zum Landratsamt. Als Außenstehender ließt man ja nur was in der Zeitung steht. Und da gab es ja viele Themen. Streitereien zwischen Feuerwehr und Verwaltung. Kulturamt streit mit dem Altstadtfest, mit dem Rolandsfest, Leiter der Feuerwehr beurlaubt. Wie ist da eigentlich der Stand liebe NNZ?

Grüße der Gerd
SeniorRepente
11.03.2020, 08:24 Uhr
Situation in der Stadtverwaltung, Berufsgenossenschaft
Das Geschriebene deckt sich mit dem was man von Mitarbeitern hört. Viele der dort Arbeitenden waren ja euphorisch mit Blick auf Kai Buchmann, doch waren schnell ernüchtert. Selbst die Zeit unter dem OB Zeh sei besser gewesen. Jetzt gäbe es Ziel und Führungslosigkeit, die Leitung verhielte sich mürrisch und oft auch desinteressiert, das von oben verbreitete Klima wäre eher negativ und willkürlich. Auch die Suzide und die vielen Krankschreibung en diskutierte man. Das Arbeitspensum an sich dürfte nicht das Problem sein. Auch Stadträte sagen daß der Ton ihnen gegenüber mürrisch und abweisend wäre und das man das Gefühl hätte es gebe pflichtgemäßes Interesse beim Leitungsteam an den Nordhäuser Geschicken, man wollte wohl nur verwalten ohne gestört zu werden.
Den Mitarbeitern kann man nur raten die Berufsgenossenschaft einzuschalten oder einen Betriebsarzt oder die Gewerkschaft. Gut anhören tun sich die 15tausend Krankentage nicht. Wenn das sogar an Stadträte herangetragen wird scheint das Problem ernst zu sein.
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