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Di, 19:56 Uhr
17.12.2019
Landespolitiker äußern sich

„TikTok“

Hier klopft nicht der Weihnachtsmann! Um was es geht, erläutert Dr. Lutz Hasse, Thüringer Landesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit...

Sie zählt in den App-Stores zu einer der beliebtesten Apps in den Kategorien Social Media und Entertainment - doch vielen Erwachsenen und Eltern ist die App „TikTok“ unbekannt. Kinder und Jugendliche jedoch lieben sie, macht doch das Erstellen und Verteilen kurzer, teils lustiger Video Schnipsel viel Spaß und Geld lässt sich damit für Influencer auch verdienen.

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Liest man sich die Datenschutzerklärung der App jedoch durch und schaut man sich an, welche Berechtigungen die App auf dem Smartphone gerne hätte, so entsteht noch ein anderes Bild. Ganz nebenbei erfasst die App nicht nur die Kontaktdaten des Nutzers, sondern auch, welche Apps sonst noch laufen, was dem Nutzer gefällt, was er gekauft hat und welche anderen Kontakte er auf dem Smartphone hat. Alles personenbezogene Daten, die geeignet sind, Profile zu erstellen. Verknüpft man die App zudem mit anderen Sozialen Medien wie Facebook, erhält TikTok auch Zugriff auf die öffentlichen Profilinformationen und die Freundesliste.

Aber es geht ja noch mehr: mit dem Einsatz von Tracking-Tools wie Google Analytics und Facebook-Pixel werden unter dem Deckmantel der Verbesserung und Optimierung des Dienstes weitere Daten erhoben und geteilt. Und geht noch mehr? Aber ja: TikTok erklärt in der Datenschutzerklärung, dass auch von kommerziellen Anbietern und aus öffentlichen Registern Profildaten erworben werden. Man gibt sich also alle Mühe, die Teilnehmer des Dienstes möglichst umfänglich zu erfassen.

Doch was passiert mit all den gesammelten Daten und den erstellten Profilen? An wen gibt TikTok Daten weiter? Hier hält man sich bedeckt. So werden die Daten intern zur „Datenanalyse“, um die eigenen „Algorithmen zu informieren“ und zu Werbezwecken genutzt. Weiterhin wird mitgeteilt, dass die gesammelten Daten auch an Geschäftspartner oder Unternehmen der eigenen Unternehmensgruppe gehen. Genaue Informationen erhält man nicht.

Die Daten selber gehen in die USA zur „Alibaba Cloud“ – einem Produkt der Alibaba Corporation, einem Unternehmen aus China. Und in China läuft gerade das Experiment, Menschen digital zu durchleuchten und ihr Verhalten zu bewerten und ggf. auch zu bestrafen. Mit Datenschutz nach europäischem Vorbild hat dies natürlich nichts zu tun. Daher der Rat des Landesbeauftragten: „Reden Sie über Weihnachten mit Ihren Kindern doch mal über TikTok und ob Ihre Kinder wirklich wollen, dass ein fremdes Unternehmen aus China weitreichende Profile über sie anlegt, die auch in China heute schon nicht nur zu Werbezwecken genutzt werden. Zeit zum Nachdenken wäre ja.“
Autor: khh

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Kommentare
tuco
18.12.2019, 07:49 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Externe links sind nicht zulässig
tuco
18.12.2019, 07:57 Uhr
Haltet...
...den Dieb!
Mit dem Finger auf andere zeigen...
Wir erinnern uns u.a. : "Ausspionieren unter Freunden geht gar nicht..."
Aktuell: Gesetzentwurf vom 12.12.2019. Darin sollen weit über das NetzDG hinaus alle Telemediendienste (vom sozialen Netzwerk bis zur Plattform für Kochrezepte) Strafverfolgern und Geheimdiensten „sämtliche unternehmensinternen Datenquellen“ der Nutzer ausgeliefert werden. (heisst es auf einer bekannten Datenschutzseite)
Weiter heisst es: "es ist auch nicht eindeutig von Passwörtern die Rede, sondern von „sämtlichen unternehmensinternen Datenquellen“, was erheblichen Interpretationsspielraum lässt. Passwörter werden aber explizit in der Begründung des Gesetzentwurfes genannt..."
Wer bei dem schwammig formulierten Gesetzestext ein Dejavú hat... - wer bzw. was definiert noch mal in Bayern, wer ein Gefährder ist?

Na, das ist doch Demokratie vom Feinsten, die beste, die man sich für Geld kaufen kann...
geloescht.20250302
18.12.2019, 08:15 Uhr
Erinnert immer mehr...
...an Orwell ("Farm der Tiere", "1984"), Huxley ("Schöne neue Welt") und Bradbury ("Fahrenheit 451").

So halten sich Regime an der Macht. Hätten SED, Nationale Front und Stasi über die heutigen technischen Möglichkeiten verfügt, stünde die Mauer wohl immer noch.

Einige der heutigen Experten für innere Sicherheit und Kämpfer gegen Volkes ungefilterte Meinung waren damals im Politagitpropunterricht scheinbar sehr gute Schüler.
A-H-S
18.12.2019, 11:46 Uhr
@ Tannhäuser: Genau diese vier Bücher
habe ich gerade gelesen.

Nach der Lektüre sollte jeder wissen, wohin es geht. Mein Lieblingssatz diesbezüglich: "Ich mache nichts Illigales. Ich habe nichts zu verbergen."
Aber der Bürger scheint Überwachung zu mögen. Er igelt sich in seinem "mir geht es doch gut" ein und sitzt wie das Kaninchen vor der Schlange.

Man sollte auch die Herabsetzung des Limits beim anonymen Goldkauf und die Abschaffung von großen Euro-Scheinen mit in Betracht ziehen.

Wir laufen auf eine schicke Diktatur zu, aber wie gesagt, der Bürger scheint es zu mögen.
Herr Taft
18.12.2019, 12:18 Uhr
... @Tannhäuser, @Müller13... Dann lesen Sie weiter..
Eschbach "NSA - Nationales Sicherheitsamt" und Weiss "Das tausendjährige Reich Artam"...

Da werden die technologischen Überwachungsmöglichkeiten mit den nationalistischen Strömungen, die derzeit grassieren verbunden.. Ein Alptraum, wenn die Nazis über die heutige Technologie verfügt hätten! Ist ein bisschen aktueller, als die DREI angeführten Bücher.

Schöne Restwoche
memento mori
18.12.2019, 15:28 Uhr
Verstehendes Lesen
Hallo Spätzlevernichter,

"Ist ein bisschen aktueller, als die DREI angeführten Bücher."

--> richtig lesen und verstehen:

"...an Orwell ("Farm der Tiere", "1984"), Huxley ("Schöne neue Welt") und Bradbury ("Fahrenheit 451")"

Das sind 4 Bücher, 1984 ist nicht etwa das Erscheinungsdatum, sondern ein eigenes Buch. Ihnen dies erklären zu müssen, macht viele Ihrer Beiträge verständlicher. denn entweder fehlt Ihnen allgemeines Hintergrundwissen, weshalb Sie gewisse Zusammenhänge oft nicht sehen oder verstehen können oder sie lesen Kommentare meistens so oberflächlich wie hier, und können auf Grund dessen nicht angemessen darauf reagieren.

Aber zum Thema:
Ich finde es ebenfalls frech, wie die Chinesen und Russen immer in den Mittelpunkt gerückt werden, wenn es um Spionage, Datenmissbrauch oder ähnliches geht. Hier sind alle Länder, auch die westlichen Demokratien in einem Wettbewerb, wer sammelt am meisten, wer wertet am meisten aus!
In China macht man es, um einen Social Score zu vergeben. Das kann zu sehr drastischen Maßnahmen führen, den Grundgedanken finde ich jedoch nicht verkehrt. Und es würde unserer entsolidarisierten Gesellschaft in meinen Augen sehr gut tun, wenn der Staat oder die Gesellschaft für positives Verhalten und bürgerliches Engagement etwas zurück gibt.
In Amerika verweigern sie einem eine Einreise zu Arbeitszwecken oder Urlauben, wenn sie in ihrer riesigen Datenbank etwas negatives finden. In Deutschland ist man von nahezu allen Dingen abgeschnitten (Mietwohnung, Handyvertrag, KFZ-Finanzierung), wenn man einen negativen Schufa-Score hat.

Aber wie es schon andere schrieben, der Bürger liebt es, sich so gläsern zu machen und wehren kann man sich eh nicht wirklich dagegen. Es ist zu allumfassend! Einfach pervers!
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