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Do, 11:50 Uhr
05.09.2019
Kritik an intensiver Landwirtschaft

Brunnenbesitzer ärgern sich über Nitratbelastung

Der Verein VSR-Gewässerschutz war Mitte August zu Gast in Nordhausen und analysierte Proben aus 165 privaten Brunnen zwischen Nordhausen, Harztor und Heringen. Jeder dritte Brunnenbesitzer musste dabei erfahren, dass der Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter in seinem Brunnen überschritten ist...

Ein Grund für die hohen Belastungen ist die intensive Landwirtschaft. Diese hat sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter ausgebreitet. Die bisherigen Düngeverordnungen ermöglichten der Agrarindustrie zu wachsen und ihre landwirtschaftlichen Flächen auf Kosten der Umwelt zu überdüngen.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Die umweltverträgliche Form der Landwirtschaft, zu der viele bäuerlichen Betriebe zählen, verschwinden dagegen immer mehr. Die Gewässerschutzorganisation rät Bürgern bei ihrem Einkauf bewusst darauf zu achten, dass die Produkte von Landwirten stammen, welche die Nitratbelastungen und die Sorgen der Menschen in der Region ernst nehmen.

Dipl. Phys. Harald Gülzow, Projektleiter im VSR-Gewässerschutz und Milan Toups, Bundesfreiwilliger fanden bei den Untersuchungen 215 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Uthleben. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Hain mit 135 Milligramm pro Liter (mg/l), Werther mit 190 mg/l, in Großwechsungen mit 206 mg/l, in Hesserode mit 167 mg/l, in Roßla mit 156 mg/l und in Hachelbich mit 202 mg Nitrat pro Liter fest. Am Informationsstand und auch bei der telefonischen Beratung zeigten viele Brunnenbesitzer, dass sie über die Nitratbelastungen der Region wütend sind. Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist.

Ärgerlich ist insbesondere, dass das Wasser nicht zum Befüllen von Gartenteichen geeignet ist. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen. Auch beim Gießen des selbst angebauten Gemüses sollte das Brunnenwasser nicht zu einer Nitratanreicherung führen. Der einzelne Brunnenbesitzer kann eine Anreicherung vermeiden, wenn er die Nitratbelastung des Brunnenwassers in die
Düngeberechnung einbezieht.

Milan Toups und Harald Gülzow untersuchen Brunnenwasserprobe (Foto: VSR-Gewässerschutz) Milan Toups und Harald Gülzow untersuchen Brunnenwasserprobe (Foto: VSR-Gewässerschutz)

Hierfür ist es allerdings dringend nötig die Nitratkonzentration im Brunnenwasser zu kennen. Wer den Termin am Labormobil verpasst hat, kann eine Wasserprobe auch mit der Post an die Geschäftsstelle senden. Die gemeinnützige Umweltschutzorganisation hat auf ihrer Homepage https://www.vsr-gewässerschutz.de/ viele Tipps rund um das Thema Brunnenwasser zusammengestellt. Hier findet man auch Informationen wie man den zugeführten Stickstoff durch das Gießwasser ausrechnet.

Die erneut anstehende Novellierung der Düngeverordnung zeigt, dass etwas mächtig schief gelaufen ist. Die Nitratbelastung im Grundwasser blieb aufgrund von zu laschen Düngeverordnungen unverändert hoch. „Die Agrarlobby sorgte über Jahrzehnte dafür, dass so gedüngt werden durfte, dass auf den Feldern die höchst möglichen Erträge erzielt werden können und die Gülleentsorgung der Massentierhaltungen möglichst geringe Kosten verursacht.“ so Susanne Bareiß-Gülzow. So wurden auch im Raum Nordhausen viel zu hohe Düngemengen aufgebracht. Durch die Entwicklung in der Landwirtschaft zu immer größeren Betrieben in denen Investoren die Vorgaben machen, kam ein extremer Preisdruck auf die bäuerliche Landwirtschaft zu.

Teilweise versuchte diese mit den großen Betrieben mitzuhalten und genau so günstig zu produzieren. Leider kam es dadurch ebenfalls zu starken Grundwasserbelastungen. Doch eine regionale Vermarktung stellt nun für diese Betriebe eine gute Chance dar wieder stärker die Lebensmittelqualität und eine umweltverträgliche Landwirtschaft in den Vordergrund zu stellen.

Gerade die vielen Massentierhaltungen und ihre enorme Belastung für das Grundwasser wollen viele Menschen nicht mehr unterstützen und kaufen ihre Produkte bei ihrem heimischen Landwirt mit dem sie im Kontakt stehen. Das sind bäuerliche Betriebe mit weniger Tieren. Das Futter wird selbst oder von anderen Landwirten in der Region angebaut. Viele dieser Höfe haben inzwischen auch auf ökologischen Landbau umgestellt. Der direkte Einkauf beim Landwirt wird immer beliebter - die Menschen fahren zum Hofladen, auf den Markt oder lassen sich Lebensmittel nach Hause liefern.

Die anderen achten beim Einkauf im Discounter darauf, dass die Produkte aus der heimischen bäuerlichen Landwirtschaft stammen. Die Menschen kaufen in den seltensten Fällen bewusst Produkte einer Massentierhaltung. Denn hier werden sie als Kunde mit ihren Wünschen nicht ernst genommen. Diese produzieren für einen anonymen Handel. Hier spielt die Grundwasserqualität der Region, die Gesundheit der Verbraucher und das Tierwohl nur im gesetzlichen Rahmen eine Rolle. Das reicht vielen Verbrauchern nicht mehr aus – sie handeln selbst. Viele kaufen deshalb auch bewusst ökologische Produkte. Hier gelten wesentlich strengere Regeln bezüglich der Tierhaltung und der Düngung auf den Feldern.

Der VSR-Gewässerschutz ruft alle Menschen auf, bewusster einzukaufen und so Einfluss darauf zu nehmen wie unsere Landwirtschaft aussieht. Jeder einzelne kann dazu beitragen.
Dipl.-Phys. Harald Gülzow
Pressesprecher
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Kommentare

05.09.2019, 19.25 Uhr
Richard Z.& Paul | Geiz ist geil
Wer billiges Fleisch haben will, der muss auch leiden können!

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06.09.2019, 10.00 Uhr
Andreas H. | und es ist sooooo einfach...
das zu erfahren was hier geraten wird ??

"""Die Gewässerschutzorganisation rät Bürgern bei ihrem Einkauf bewusst darauf zu achten, dass die Produkte von Landwirten stammen, welche die Nitratbelastungen und die Sorgen der Menschen in der Region ernst nehmen."""

ah ja .... ich bitte also darum dass sich diese landwirte hier mal zu wort melden und mir (uns) sagen können, in welchem markt nordhausens ihre produkte verkauft werden.
nur allein bio reicht schon nicht mehr ...
happy day

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06.09.2019, 10.48 Uhr
Fönix | @ Andreas H.
die Welt verändert sich tatsächlich. Nicht nur im TV, PC oder Smartphone, sondern auch um uns herum ...

Es ist nicht von Nachteil, wenn man diese Tatsache auch für sich selber realisiert!

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