Do, 15:32 Uhr
07.04.2005
Besuch nach 60 Jahren
Nordhausen (nnz). Vor 60 Jahren hatten die NS-Schreckensherrschaft im Konzentrationslager Dora ein Ende. Noch leben einige Zeitzeugen. Vielleicht zum letzten Mal kommen sie nach Nordhausen. Alle Termine zu diesem Tag der Befreiung gibt´s hier.
Besuch nach 60 Jahren (Foto: nnz)
Eigentlich war der 11. April kein wirklicher Tag der Befreiung, sagt Gedenkstättenleiter Dr. Jens-Christian Wagner. An jenem Tag wurden nur rund 500 Kranke und im Sterben liegende Menschen im KZ und in der Boelcke-Kaserne befreit, die anderen waren längst auf die Todesmärsche geschickt worden. Für sie endete der Leidensweg erst am 08. Mai. Trotzdem wird die Befreiung Doras und der rund 40 Außenlager am 11. April gefeiert.
In Zusammenarbeit mit der Stadt Nordhausen entstand ein zweitägiges Programm für die rund 1000 Gäste aus ganz Europa, den USA, Australien und Israel. Auch alle Nordhäuser sind zur Teilnahme an den kostenlosen Veranstaltungen aufgerufen.
Das neue Museumsgebäude der Gedenkstätte wird am 11. April und 11.00 Uhr übergeben. Eine Ansprache hält unter anderem der Vorsitzende des Häftlingsbeirates, Albert van Hoey, den viele Besucher sicher von den vergangenen Jahren kennen. Anschließend wird das Geländemodell des Konzentrationslagers enthüllt. Die Amerikaner Bruce und Amy Epstein ermöglichten den Bau mit einer Spende. Um 13.00 Uhr gibt es die Möglichkeit Kränze vor dem Krematorium niederzulegen. Sechs ehemalige Häftlinge werden ihrer getöteten Landsleute mit Worten gedenken. Ab 14.00 Uhr öffnet das Museum seine Türen. Die Bibliothek, der Keller und das Archiv sind für Besucher geöffnet. Im Kinosaal laufen historische Filme, welche von Amerikanern bei der Befreiung des Lagers aufgenommen wurden. Am Abend lädt ein Gedenkkonzert mit dem Loh-Orchester und der Blasii Kantorei ins Theater ein. Das Oratorium In terra pax wird aufgeführt, im Anschluß daran tragen sich alle der etwa 100 Häftlinge ins Goldene Buch der Stadt ein.
Dienstag findet die Gedenkveranstaltung für die Außenlager statt. Zum ersten Mal wird es in Sachsen-Anhalt sein. In der Höhle Heimkehle bei Uftrungen mußten Gefangene aus Lagern in Rottleberode und Stempeda arbeiten. Ab 1944 wurde hier für die Flugzeugproduktion der Junkers-Werke geschuftet. Eine Ansprache hält der frühere französische Diplomat Stephane Hessel, der in Dora und Buchenwald inhaftiert war. Am Abend findet im Theater die Aufführung des französischsprachigen Stücks De lènfer a la lune (Von der Hölle zum Mond) statt. Deutsche Untertitel werden auf einem Leuchtband angezeigt. Das Stück soll besonders Jugendliche ansprechen.
Der vermutlich älteste Überlebende des Konzentrationslagers Karl Schwerdtfeger, 91 Jahre, will aus Sömmerda kommen. Er wurde politisch verfolgt und kam als einer der ersten 108 Gefangenen nach Dora. Ihm und allen anderen Zeitzeugen ist es wichtig ihre Erlebnisse jüngeren Menschen zu übermitteln. Schüler sind häufig sehr interessiert am Schicksal der KZ-Häftlinge. Seit 10 Jahren besteht schon eine gute Zusammenarbeit mit dem Verein Jugend für Dora. Auch in diesem Jahr werden sich die Mitglieder um die internationalen Gäste kümmern.
Zum letzten Mal werden wir so viele Zeitzeugen zu Gast haben sagt Dr. Jens-Christian Wagner. Jetzt müssen wir das Konzept und das Gelände umgestalten und das Erinnern in eine neue Phase treten lassen, eine Phase ohne Zeitzeugen. Der vom Land Thüringen geförderte Neubau der Gedenkstätte gehört mit dazu.
Einen besonderen Dank richtet Dr. Wagner an alle Bürger, die als Gastfamilien ehemalige Häftlinge aufnahmen, aber auch an zahlreiche Spender, welche die große Zahl an Besuchern, vor allem aus Osteuropa, erst möglich machten. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke lädt alle Nordhäuser zu den Veranstaltungen ein.
Autor: nnz
Besuch nach 60 Jahren (Foto: nnz)
Eigentlich war der 11. April kein wirklicher Tag der Befreiung, sagt Gedenkstättenleiter Dr. Jens-Christian Wagner. An jenem Tag wurden nur rund 500 Kranke und im Sterben liegende Menschen im KZ und in der Boelcke-Kaserne befreit, die anderen waren längst auf die Todesmärsche geschickt worden. Für sie endete der Leidensweg erst am 08. Mai. Trotzdem wird die Befreiung Doras und der rund 40 Außenlager am 11. April gefeiert.
In Zusammenarbeit mit der Stadt Nordhausen entstand ein zweitägiges Programm für die rund 1000 Gäste aus ganz Europa, den USA, Australien und Israel. Auch alle Nordhäuser sind zur Teilnahme an den kostenlosen Veranstaltungen aufgerufen.
Das neue Museumsgebäude der Gedenkstätte wird am 11. April und 11.00 Uhr übergeben. Eine Ansprache hält unter anderem der Vorsitzende des Häftlingsbeirates, Albert van Hoey, den viele Besucher sicher von den vergangenen Jahren kennen. Anschließend wird das Geländemodell des Konzentrationslagers enthüllt. Die Amerikaner Bruce und Amy Epstein ermöglichten den Bau mit einer Spende. Um 13.00 Uhr gibt es die Möglichkeit Kränze vor dem Krematorium niederzulegen. Sechs ehemalige Häftlinge werden ihrer getöteten Landsleute mit Worten gedenken. Ab 14.00 Uhr öffnet das Museum seine Türen. Die Bibliothek, der Keller und das Archiv sind für Besucher geöffnet. Im Kinosaal laufen historische Filme, welche von Amerikanern bei der Befreiung des Lagers aufgenommen wurden. Am Abend lädt ein Gedenkkonzert mit dem Loh-Orchester und der Blasii Kantorei ins Theater ein. Das Oratorium In terra pax wird aufgeführt, im Anschluß daran tragen sich alle der etwa 100 Häftlinge ins Goldene Buch der Stadt ein.
Dienstag findet die Gedenkveranstaltung für die Außenlager statt. Zum ersten Mal wird es in Sachsen-Anhalt sein. In der Höhle Heimkehle bei Uftrungen mußten Gefangene aus Lagern in Rottleberode und Stempeda arbeiten. Ab 1944 wurde hier für die Flugzeugproduktion der Junkers-Werke geschuftet. Eine Ansprache hält der frühere französische Diplomat Stephane Hessel, der in Dora und Buchenwald inhaftiert war. Am Abend findet im Theater die Aufführung des französischsprachigen Stücks De lènfer a la lune (Von der Hölle zum Mond) statt. Deutsche Untertitel werden auf einem Leuchtband angezeigt. Das Stück soll besonders Jugendliche ansprechen.
Der vermutlich älteste Überlebende des Konzentrationslagers Karl Schwerdtfeger, 91 Jahre, will aus Sömmerda kommen. Er wurde politisch verfolgt und kam als einer der ersten 108 Gefangenen nach Dora. Ihm und allen anderen Zeitzeugen ist es wichtig ihre Erlebnisse jüngeren Menschen zu übermitteln. Schüler sind häufig sehr interessiert am Schicksal der KZ-Häftlinge. Seit 10 Jahren besteht schon eine gute Zusammenarbeit mit dem Verein Jugend für Dora. Auch in diesem Jahr werden sich die Mitglieder um die internationalen Gäste kümmern.
Zum letzten Mal werden wir so viele Zeitzeugen zu Gast haben sagt Dr. Jens-Christian Wagner. Jetzt müssen wir das Konzept und das Gelände umgestalten und das Erinnern in eine neue Phase treten lassen, eine Phase ohne Zeitzeugen. Der vom Land Thüringen geförderte Neubau der Gedenkstätte gehört mit dazu.
Einen besonderen Dank richtet Dr. Wagner an alle Bürger, die als Gastfamilien ehemalige Häftlinge aufnahmen, aber auch an zahlreiche Spender, welche die große Zahl an Besuchern, vor allem aus Osteuropa, erst möglich machten. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke lädt alle Nordhäuser zu den Veranstaltungen ein.

