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Fr, 14:00 Uhr
07.06.2019
Fernwärmenetz wird ausgebaut

Grüne Wärme für Nordhausen

Mit der Übergabe europäischer Fördergelder können demnächst gleich zwei "grüne" Projekte in Nordhausen an den Start gehen. Das Fernwärmenetz soll in Richtung Ammerberg und Hochschule ausgebaut werden und auch die Stadtwerke wollen ihren Hauptsitz mit Biowärme versorgen...


Die energetische Zukunft müffelt ein wenig an diesem Freitagmorgen - Stadt, Kreis, Energieversorgung und Stadtwerke posierten zur feierlichen Übergabe zweier Fördermittelbescheide heute mit Infrastrukturminsiterin Birgit Keller (Linke) vor gut sieben Tonnen Grünabfall, der auf dem Hof der Stadtwerke tagtäglich abgeladen wird.

Vor nicht allzu langer Zeit wäre der Grünschnitt an den Brenntagen im Landkreis buchstäblich in Rauch aufgegangen, heute sollen die holzigen Überreste aus Hof und Garten zur Wärmegewinnung genutzt werden. Über das Jahr sammele man rund 6.000 Tonnen Grünabfall, erklärte Thomas Mund, Geschäfstführer der Stadtwerke Nordhausen. Das Grün wird im Abfallwirtschaftszentrum Nentzelsrode jeweils sechs Wochen gelagert um verrotten zu können. Übrig bleibt holziges Material, das geschreddert und zu Hackschnitzel verarbeitet werden kann.

Die sollen in Zukunft dazu genutzt werden den Betriebshof der Stadtwerke sowie zwei angrenzende Wohnblöcke mit Wärme zu versorgen. Hierzu wird man im Herbst mit dem Bau eines eigenen Heizhauses beginnen, das eine Leistung von rund 1,4 Millionen kW/h pro Jahr erreichen soll. Kostenpunkt: rund zwei Millionen Euro. Gut die Hälfte der Finanzierung wird über die EU-Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sichergestellt, der Restbetrag wird aus Eigenmitteln sowie durch Stadt und Landkreis finanziert werden.

Momentan heize man noch mit Erdgas und Erdöl, erklärt Mund, durch den Einsatz des Grünschnitts werde man eine signifikante Menge an fossilem CO2 einsparen können. Das im Grünabfall gebundene Kohlendioxid, das bei dem Verbrennungsprozess im Heizhaus produziert wird, würde auch beim natürlichen Zerfallsprozess der Pflanzen frei, trägt also nicht zur Erhöhung der CO2-Belastung bei.

Projekt Nummer zwei zieht weitere Kreise: die Energieversorgung Nordhausen will ihr Fernwärmenetz in Richtung Hochschule und Ammerberg ausbauen. Das Projekt liege der EVN schon seit 20 Jahren am Herzen, erklärte der technische Geschäftsführer des Nordhäuser Energieversorgers, Rolf Göppel. Mit den Fördermitteln könne man die Wirtschaftlichkeitslücke nun überbrücken. Rund 1,5 Mio. Euro wird man aus dem "EFRE" erhalten, die Gesamtkosten für die Realisierung der drei Bauabschnitte betragen etwa 3,6 Mio. Euro. Der Startschuss für den Ausbau vom Taschenberg in Richtung Hochschule soll bereits in zwei Wochen fallen, bis 2021 sollen auch die Anwohner am Weinberg und am Ammerberg an das Fernwärmenetz angeschlossen sein.

Beide Projekte blicken auf eine mehrjährige Vorlaufzeit zurück, bereits 2015 hatte sich Nordhausen als eine von 48 Kommunen beim "EFRE"-Wettbewerb für die Förderung beworben und am Ende Platz zwei belegt. Es habe ein paar Anstrengungen gebraucht, die Fördermittel zu "organisieren", erklärte Ministerin Keller, man habe besonders in den vergangenen zwei Jahren in engem Kontakt gestanden. Die energetischen Projekte würden auch "den Zeitgeist tragen", sagte Keller, "die Bürger haben erkannt welche Bedeutung der Einsatz erneuerbarer Energien für die Zukunft hat. Wir werden in Nordhausen pro Jahr etwa 388 Tonnen CO2 einsparen können, ein Ergebnis das sich sehen lassen kann."

Man befinde sich auf dem richtigen Weg, habe aber in Sachen Energiewende noch viel zu tun, so die Ministerin weiter, so werde der Kohleausstieg Probleme in der Versorgung mit REA-Gips mit sich bringen. Probleme die auch in Nordhausen gelöst werden könnten. Die Forschung an der Hochschule könne einen erheblichen Beitrag zur Ablösung des Rohstoffes leisten, stecke aber noch in den Kinderschuhen.
Angelo Glashagel
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Kommentare

07.06.2019, 14.23 Uhr
alterNeunordhäuser | Grünabfallkarte kostenlos
Wenn aus meinem Grünabfall, den ich bei den Stadtwerken abgebe, Wärme für Wohn - und Gewerbezwecke produziert wird, müsste doch ich dafür Geld bekommen, und nicht noch diese Karte bezahlen.
Genauso wird einem weiss gemacht, das Papier abholen, ist schließlich kostenlos, was für Gelder werden damit verdient?
Aber das ist wohl schon wieder Nordhäuser Politik, die Stadtwerke machen Profit, womit das Stadtsäckel gefüllt wird und der Otto Normal Bürger darf blechen.
Da wird nichts unternommen in Sachen gelber Tonne(wer sich genauer mit dem System beschäftigt, - auch nur Volksverdummung), Winterdienst wird auch immer spärlicher, aber man will die Grundsteuer "anpassen".

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07.06.2019, 18.38 Uhr
N. Baxter | ökologisches Recycling
kippen Sie doch ihr Grünzeug einfach in die Natur so wie ich. Falls jemand fragt, der Weg mit PKW zum Recyclinghof erzeugt viel zu viel CO2...

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08.06.2019, 09.00 Uhr
Fönix | @N.Baxter
Bald werden auch Sie ein E-Mobil fahren... (Ironie off)

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08.06.2019, 10.59 Uhr
harzwj | Alternative Wärme...
wäre wohl der treffendere Begriff. Was uns "Grüne Wärme" und die damit verbundenen Ideen der "Grünen" zu den Themen erneuerbare Energie für Deutschland für Überraschungen bringen wird, sollte sich zeigen, wenn wir mal wieder einen strengen Winter mit >10° C Minus!!! über mehrere Wochen haben. Das wird kommen und man wird sich dann die berechtigte Frage stellen müssen, warum sind so viele Menschen dem "Rattenfänger aus Hameln" hinterher gelaufen? Warum wurden hochmoderne und sichere Atomkraftwerke und umweltfreundliche Kohlekraftwerke abgeschaltet, oder der Neubau von Wasserkraftwerken verhindert?
Wer antwortet dann auf diese Fragen?
W. Jörgens

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10.06.2019, 10.49 Uhr
wyski | In Bielen
steht doch eine Biogasanlage , oder ??

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