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Fr, 14:44 Uhr
03.05.2019
Stausee Kelbra:

Verbesserter Hochwasserschutz, mehr Vogelschutz

Heute haben sich der Umweltstaatssekretär des Landes Sachsen-Anhalt, Klaus Rehda, und sein Amtskollege aus Thüringen, Olaf Möller, am Stausee Kelbra zu einem Kooperationsgespräch getroffen. Es wurde beraten, wie die einheitliche Bewirtschaftung der Talsperre Kelbra mit einem nachhaltigen Hochwasserschutz unter Berücksichtigung des Vogelschutzes in einem gemeinsamen abgestimmten Vorgehen organisiert und ausgestaltet werden kann...


Sachsen-Anhalts Umweltstaatsekretär Rheda sagte dazu: „Die Talsperre ist ein Bauwerk zum Schutz vor Hochwasser. Das hat absolute Priorität. Dann steht der Schutz des Stausees als EU-Vogelschutzgebiet im Vordergrund. Unser Ziel ist es, alle anderen Nutzungen damit in Übereinstimmung zu bringen. Das gemeinsame Vorgehen mit Thüringen wird den Hochwasserschutz und gleichzeitig den Schutz der Vögel verbessern. Beide Länder werden damit ihrer Verantwortung für das Vogelschutzgebiet von überregionaler Bedeutung gerecht. Für Naturinteressierte und die Menschen vor Ort wollen wir ein modernes Besucherzentrum aufbauen, das das auch den Tourismus in der Region stärkt.“

Thüringens Umweltstaatsekretär Möller ergänzte: „Wir wollen einen guten Ausgleich zwischen den verschiedenen Nutzerinteressen hier an der Talsperre. Dafür ist diese länderübergreifende Kooperation wichtig. Wir sind uns einig, dass sich Hochwasserschutz sehr wohl mit Artenschutz und touristischer Nutzung verbinden lässt, wenn wir es gut planen und abstimmen. Gerade das neue Besucherzentrum wird für alle die beeindruckende Natur des Stausees erfahrbar machen“

Beide Staatssekretäre vereinbarten folgende Punkte einer gemeinsamen Zusammenarbeit:
  • Der künftige Betriebsplan der Talsperre wird gemeinsam abgestimmt. Derzeit wird er evaluiert. Es wird eine länderübergreifende Arbeitsgruppe eingerichtet, um eine gemeinsame Ländervereinbarung zu erarbeiten.
  • Gemeinsames Ziel ist die Ausgestaltung des Wasserrechts, die Festlegung der gemeinsamen zuständigen Behörde sowie die gesamtheitliche Bewirtschaftung der Talsperre Kelbra mit dem Ziel eines nachhaltigen Hochwasserschutzes und unter Berücksichtigung der Nutzungsanforderungen, insbesondere des Vogelschutzes, sein.
  • Es wurde eine länderübergreifende Zusammenarbeit bei der Information und Besucherlenkung zum Kranich und zur Vogelrast vereinbart. Hierfür plant Sachsen-Anhalt in enger Abstimmung mit Thüringer Akteuren den Aufbau eines modernen Besucherzentrums. Zudem werden ab Herbst dieses Jahres auch in Sachsen-Anhalt zwei Ranger zum Schutz der Vögel sowie zur Betreuung von Touristen und Naturinteressierten eingestellt. Im Freistaat Thüringen sind bereits seit Jahren Ranger tätig.
Hintergrund
Die Talsperre Kelbra liegt mit dem überwiegend grünen Becken auf dem Gebiet des Freistaates Thüringen und dem großen Anteil an Dauerstauflächen auf dem Gebiet des Landes Sachsen-Anhalt. Sie wird vom Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt betrieben.

Die Talsperre ist neben dem Hochwasserschutz für Brutvögel (Schwarzhalstaucher, Rallen und Entenvögel sowie für brütende Arten des Röhrichts wie z. B. Rohrweihe, Tüpfelsumpfhuhn und Blaukehlchen) und Rastvögel (Kranich und Limikolen wie z. B. Goldregenpfeifer, Pfuhlschnepfe, Bruchwasserläufer, Kampfläufer, Kiebitzregenpfeifer, Kiebitz, Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Bekassine, Grünschenkel, Zwergstrandläufer und Alpenstrandläufer) von besonderer Bedeutung, sie ist ein sehr wichtiges Rastgebiet für den Kranich in Mitteleuropa.

Es handelt sich zugleich um ein länderübergreifendes Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung. Dem Schutz dieses Feuchtgebietes kommt eine besondere Bedeutung zu. Die Länder sind verpflichtet unter Berücksichtigung der Schutzerfordernisse entsprechende Maßnahmen für die Rastvögel insbesondere den Kranich zu ergreifen.
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Kommentare

03.05.2019, 18.25 Uhr
Fönix | Ein Paradebeispiel für einseitige, ideologisch getriebene Umweltpolitik !
Alle hier aufgeführten ökologischen Zielstellungen beziehen sich ausschließlich auf die Vogelwelt, alle anderen Tierarten bleiben außen vor. Offensichtlich haben weder Wirbellose oder Insekten, noch Fische, Lurche, Kriechtiere und Säugetiere für die politischen Akteure irgendeine Bedeutung. Dabei stehen viele der im Stauseegebiet vorkommenden aquatischen und amphibischen Arten auf der Roten Liste. Das spielt aber alles keine Rolle. Allenfalls als Nahrungsgrundlage für die Vögel sind sie willkommen, deshalb ringt man hartnäckig um das Stauregime, damit zum Zeitpunkt der Kranichrast möglichst weitläufige Schlammflächen frei liegen und den Vögeln einen überreichlich gedeckten Tisch bieten. Dabei sind die Populationen dieser Vögel längst wieder stabil, von den meisten der geächteten "Randtierarten" kann man das nicht behaupten.

Botanische Aspekte fehlen ebenso gänzlich. Hier wird letztendlich eine Tiergruppe einseitig bevorzugt, zielgerichtete Arbeit zur Erhaltung und Entwicklung der Lebensräume ausgewogen für alle relevanten Arten im Stauseegebiet ist kein Thema. Und warum? Ganz einfach, die Antwort klingt ja indirekt auch im Artikel an: die meisten Vogelarten sind durch Ihre ausgeprägte Mobilität vergleichsweise einfach zu beobachten. Somit kann der Erfolg der betreffenden Schutzmaßnahmen auch für den normalen Spaziergänger mit vergleichsweise geringem Aufwand vermittelt und somit natürlich auch politisch vermarktet werden. Wie viel mehr Aufwand ist erforderlich, um mal eine Ringelnatter beim Sonnenbad oder gar bei der Jagd zu beobachten. Auch das Paarungsverhalten der Schleien im Flachwasser oder die Bautätigkeit der Wasserspinne ist vergleichsweise spektakulär, die Beobachtung ist nur Wenigen vergönnt.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich begrüße ich grundsätzlich alle Maßnahmen ,die die Erhaltung und Entwicklung wertvoller Naturräume vorantreiben. Die von den Ökoideologen einseitig auf Vogelschutz getrimmte Umweltpolitik geht aber nicht nur hier in die völlig falsche Richtung. Die eigentlichen Missstände wie der übermäßige Nährstoffeintrag werden auf die lange Bank geschoben, denn daraus lässt sich kaum politisches Kapital schlagen. Vielmehr gibt es gravierende Probleme zu lösen und entsprechende Konflikte sind vorprogrammiert. Im Ergebnis dieser ignoranten fehlgeleiteten sogenannten Umweltpolitik, die ich zutiefst verachte, haben wir in diesem Fall eine übermäßige Eutrophierung der Gewässer, die, begleitet von ausgedehnten nitrophilen Brennesselsäumen weit davon entfernt sind, den von der europäischen Wasserrahmenrichtlinie verbindlich geforderten möglichst naturnahen Zustand auch nur ansatzweise zu erreichen.

Das interessiert aber die verantwortlichen Umweltpolitiker der beiden hier betroffenen Bundesländer offenkundig keinen Deut. Viel lieber instrumentalisiert man monströse, realitätsferne Regelwerke wie die natura2000-Verordnung, um engagierten, verantwortungsbewussten Nutzern den Zugang zu den Gewässern zu erschweren oder diesen wo möglich am besten gleich ganz zu unterbinden. Diese Nutzer stehen seit vielen Jahren für die ausgewogene Pflege und Unterhaltung der Gewässer, gehört werden sie trotz aller Bemühungen aber nicht. Frau Dalbert steht für diese fragwürdige Interpretation des Naturschutzgedankens wie kaum eine zweite, dunkelgrüner kann Umweltpolitik wohl nicht gestaltet werden. Ob Frau Siegesmund an dieser Stelle offener ist für eine ausgewogene Umsetzung des gesetzlichen Rahmens wage ich zu bezweifeln. Ihr Umweltstaatsekretär hat nach dem Wortlaut dieses Artikels jedenfalls nichts dergleichen verlauten lassen. Sie blasen alle in das gleiche umweltpolitische Horn, egal wie schräg die Töne sind, die sie dabei produzieren.

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03.05.2019, 23.11 Uhr
Andreas Dittmar | Erstmal vorweg guter Kommentar @Fönix
So sind die Prioritäten laut Rheda gesetzt

1.) Talsperre als Stausee zum Hochwasserschutz
2.) EU Vogelschutzgebiet

dazu kommt das Naherholungsgebiet und der Tourismus

Inwiefern eignet sich eigentlich ein künstlich angelegter Stausee wirklich als Vogelschutzgebiet ? Vögel, welche in Ufernähe brüten, haben keine Chanche wenn der Wasserspiegel plötzlich ansteigt. Auch Kraniche würden ausweichen, wenn der Stausee voll ist. Die sieht man dann in der Nähe der Urbacher LPG auf den Feldern.

Hier geht es um Fördermittel und nicht um nachhaltigen Naturschutz.
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04.05.2019, 09.42 Uhr
Fönix | Erst mal vorweg, Herr Dittmar,
über dieses Thema ließen sich ganze Bücher schreiben, aber zum Wahlkampf taugt es eher nicht. Mir geht es um die Sache, die gravierenden politischen Defizite (nicht nur) in diesem Bereich gehören für mich zu den sekundären Rahmenbedingungen.

Deshalb in aller Kürze noch ein paar wichtige Hinweise zum besseren Verständnis: Natürlich ist der Stausee, an dessen Errichtung mein Großvater als Bauleiter übrigens maßgeblich beteiligt war (genauso wie an der Rappbodetalsperre) ein künstlich angelegtes Gewässer, dass in erster Linie dem Hochwasserschutz dient. Das dafür erforderliche Stauregime hat die höchste Priorität, aber für dessen Umsetzung gibt es Spielräume. Auf die damit verbundenen Aspekte bin ich in meinem letzten Kommentar schon eingegangen. Ökomorphologisch ist dieses Gewässer eher defizitär ausgestattet (es ist letztendlich eine überdimensionale Pfütze, die auch noch alles aufnimmt und sedimentiert, was im oberen Einzugsgebiet vom Wasser mitgenommen wird, und das sind längst nicht nur leckere Sachen. Wer früher einmal beim alljährlichen Abfischen dabei war, weiß was ich meine. Auf diese Karpfen hatte ich nie Appetit, und ich esse sehr gern Fisch. Mit der Umstellung auf die aktuelle Bewirtschaftung ohne Fischmästung und das damit verbundene komplette Ablassen sind die Bedingungen geringfügig besser geworden, ein wirklich naturnahes Gewässer wird er aber nie werden können.

Und trotzdem: In unserer ausgeräumten Kulturlandschaft sind natürliche Gewässer selten geworden, sie fielen der Entwässerung der Sumpfgebiete, der Gewinnung weiterer Ackerflächen und dem Hochwasserschutz zum Opfer. Deshalb ist jedes Biotop wertvoll, in dem aquatische und amphibische Arten Lebensräume vorfinden, in denen sie leben, jagen und sich fortpflanzen können. Das ist aber nicht nur für Vögel, sondern auch für alle anderen Arten wichtig. Im Gegenteil, Vögel sind ausgesprochen mobil und können dadurch viel unkomplizierter Ersatzlebensräume erreichen, wenn es im angestammten Revier zu unerwarteten Veränderungen kommt. Viele andere Tierarten können das nur in sehr eingeschränkten Umfang oder gar nicht. So fallen dann oft ganze Populationen verantwortungslosen Eingriffen zum Opfer.

Und genau diese Gefahr besteht auch in verstärktem Maß am Stausee Kelbra. Ein Bewirtschaftungsregime, dass in naturschutzfachlicher Sicht einseitig auf die Förderung des Vogelbestandes ausgerichtet ist, berücksichtigt naturgemäß nicht die Ansprüche aller anderen Tiergruppen. Hier wäre eine ganzheitliche Betrachtung angesagt, aber von den derzeit agierenden Ökoideologen dürfen wir leider keine ausgewogene Prioritätensetzung erwarten. Die Potentiale dieses großflächigen Biotops in unserer Heimat sind trotz aller Einschränkungen gewaltig, mit der derzeitigen Schieflage in der kleinen und großen Umweltpolitik werden aber nur Bruchteile davon wirklich genutzt. Es ist eher zu befürchten, dass die Biodiversität zukünftig eher abnimmt, solange in der Politik Ideologie gegenüber dem Sachverstand dominiert. Beim Wolfsmonitoring ist diese Tendenz in der Umweltpolitik sehr gut abgebildet, Frau Dalbert ist auch dafür ein Paradebeispiel. Welch kärgliche Substanz der politische Umweltschutz aktuell tatsächlich aufweist, sehen wir sehr gut am Verlauf und am Stand der Entwicklung des Biosphärenreservates Südharz-Kyffhäuser. Ein lauer Gegenwind reicht aus und man zieht sich in das Erfurter Schneckenhaus zurück. Armselig und bezeichnend zugleich !!!

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04.05.2019, 09.52 Uhr
Segelclub Kyffhäuser | Wann wird man endlich klug ?
Den Ausführungen von Fönix ist nichts hinzuzufügen.
Es geht doch gar nicht um Naturschutz , es geht um Macht in der Fläche und um wenige aber geförderte Arbeitsplätze für die s.g. Umweltverbände.
Wir als Sportgemeinschaft, seit 50 Jahren am Stausee ansässig, haben auch nichts gegen ein Kranichzentrum.
Leider gehen solche Maßnamen immer mit weiteren Einschränkungen für die Wirtschaft, den Sport und den Tourismus einher.
Wäre es nicht auch mal an der Zeit eine sinnvolle wirtschaftliche Entwicklung in der Region voran zu treiben und die Ressourcen unserer Natur als Standortvorteil zu nutzen. Moderne Technologien zerstören doch keine Natur, sie schaffen die Mittel um den Naturschutz zu ermöglichen.
Darüber einmal nachzudenken und eine offene Diskussion mit wirklich allen Beteiligten zu führen wäre der richtige Weg. Leider haben sich beide Umweltministerinnen schon der Diskussion zur Natura 2000 Verordnung entzogen. Warum ? Wäre doch Demokratie, oder?

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