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Mo, 08:00 Uhr
29.04.2019
nnz-Betrachtung

Allein Stellungs Merkmale

In den zurückliegenden Wochen wurde lokal und überregional zur Zukunft der Museen diskutiert. In Nordhausen braucht man dazu eine Konzeption, so wie für fast alles andere auch. Dabei ist es ganz einfach - oder eben auch nicht. Ein Versuch...

Im August vergangenen Jahres besuchte ein ehemaliger GI die Gedenkstätte Mittelbau-Dora und wurde von einem Filmteam aus den USA begleitet.

Auf den Seiten des Thüringer Museumsverbandes sind die aktuellen Besucherzahlen der Museen derzeit nur "sehr schwer" zu finden. Der Grund, warum die entsprechende Seite nicht erreichbar ist, wird nicht erläutert.

Museen, so sehen es die Handlungsempfehlungen der Landesregierung vor, seien ein unabdingbarer Bestandteil des Tourismus und der kommt nicht so recht aus den Pötten, vor allem im Südharz. Die nnz hatte das immer mal wieder an Hand von statistischen Angaben thematisiert.

Da bemüht sich zwar ein Qualitätsmanager, finanziert von der Thüringer Aufbaubank, den Anbietern nahe zu legen, dass Qualität und Besucher- oder Gästezahlen in einem Zusammenhang zu sehen sind, doch am eigentlichen Problem geht es vorbei. Meiner bescheidenen Meinung nach, eher der Erfahrung und dem Resultat über Jahre hinweg geführter Gespräche geschuldet, sind es die Alleinstellungsmerkmale einer Region, die sie für Gäste aus "aller Welt" interessant machen.

Und diese Alleinstellungsmerkmale sind nicht die mitunter schlecht ausgeschilderten Rad- und Wanderwege oder das nicht mehr zu beobachtende Rotwild, das sind vielleicht der Roland oder die Traditionsbrennerei. Die aber reichen nicht und haben nicht die Strahlkraft, um Menschen aus aller Herren Länder nach Nordhausen zu locken. Selbst nicht aus Flensburg oder München.

Für mich Exil-Mansfelder gibt es nach 27 Jahren im Südharz zwei Alleinstellungsmerkmale - die Harzer Schmalspurbahnen als "Größte unter den Kleinen" und die Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Womit ich auch schon beim Knackpunkt bin. Sicher, die Gedenkstätte gehört mit zu den am meisten besuchten Einrichtungen in der Region, doch das, was immer noch im Kohnstein verborgen ist, das hat auch immer noch Potenzial.

In den zurückliegenden Wochen gab es erste öffentliche Versuche von Menschen, das Thema Industrie, Luft- und Raumfahrt in die Öffentlichkeit zu bringen. Sie trauen sich, eine Debatte darüber anzufangen. Sie mischen sich ein. Und - das will ich hier gleich unterstreichen - sie sind wahrlich keine Nazis.

Ich stelle mir vor, man könne, intensiver als bisher, die technischen Komponenten dessen, was in der Nordhäuser Region in den Jahren 1943 bis weit in die 1950er Jahre von statten ging, historisch und wissenschaftlich aufarbeiten. Wie viele verrückte Amis, Chinesen oder Japaner würden gern die Wiege dessen "beschnuppern", was letztlich zu Sputnik 1, zum Mond oder zur Internationalen Raumstation ISS führte.

Vielleicht bietet sich der Kohnstein dazu mit den beiden Fahrstollen an. Einer für die technische Seite dieses Geschichtsabschnittes, der andere für die Unmenschlichkeit eines totalitären Systems, für die Vernichtung Zehntausender Menschen durch Arbeit, durch Folter und Krankheit. Beides gehört in Dora zusammen und muss auch so dargestellt und immer wieder verknüpft werden. So wird es eventuell auch möglich sein, all denen zu zeigen, die da meinen, die V2 sei allein das Ergebnis intelligenter Arbeit, deutscher Ingenieurskunst und humaner Arbeitsbedingungen. Wie vielen Gästen aus dem internationalen Ausland könnte das Ausmaß der Vernichtung der Humanität, historisch aufbereitet, nahegebracht werden.

Ich bin mir sicher, ein großer Teil dieser Besucher wird die Nordhäuser Region wesentlich nachdenklicher verlassen, als das bei der Ankunft der Fall war.

Ich bin mir aber auch sicher, dass diese Zeilen nur ein kleiner Anstoß sein können, dessen Ursprung eben in den vielen Gesprächen mit Menschen aus der Kultur, der Wirtschaft und der Politik zu sehen ist, die darüber eher in kleinen Zirkeln reden. Das ist nicht der richtige Weg, eine Diskussion muss möglich sein und sie muss auch mal wehtun. Für wen auch immer. Und am Ende der Diskussion muss ein Ergebnis stehen, dass von der Mehrheit aller getragen und vertreten werden kann. Nicht nur von Wissenschaftlern, nicht nur von Historikern und nicht nur von Technikern.
Peter-Stefan Greiner
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Kommentare

29.04.2019, 10.37 Uhr
BGE- Pirat | warum nicht ?
Die Mondlandung begann in Nordhausen.
mfg heiko

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29.04.2019, 11.31 Uhr
Latimer Rex | Kohnstein / Wo alles begann
Bildlich gesprochen liegt Nordhausen "hinter dem Mond" -
im Tourismus, bei der Industrieansiedlung. Ein Raumfahrt-
Museum könnte ein völlig neues Universum auftun Make
Nordhusia big again!°

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29.04.2019, 12.44 Uhr
Fönix | Wo Alles begann ?
Also wenn es um die Entwicklung und den Bau von Raketen geht, sollte Peenemünde fairerweise nicht unerwähnt bleiben, sonst ist man von Anfang an unglaubwürdig. Wenn es um die wesentlichen Weiterentwicklungen geht, ist man im Landkreis Nordhausen schon richtig. Wohlgemerkt im Landkreis, denn neben der Stadt Nordhausen sind auch Niedersachswerfen, Kleinbodungen und Bleicherode zu nennen. Gerade dort haben mit den Herren von Braun und Gröttrup die maßgeblichen Ingenieure gewirkt. Wer da noch Informationen sucht, kann gerne "Institut RABE Bleicherode" googlen, er/sie/es wird mit Sicherheit pfündig.

Material und Substanz für ein qualifiziertes Museum mit überregionaler, ggf. sogar internationaler Strahlkraft ist mit Sicherheit vorhanden. Wenn ein solches Museum nicht nur technisch-euphorisch ausgerichtet ist, sondern auch eine ausreichend mahnende Komponente enthält, ist das aus meiner Sicht völlig in Ordnung. Vielleicht liegt der Schlüssel zum Erfolg sogar in einer direkten räumlichen und inhaltlichen Verbindung mit dem Lager Dora. Totschweigen hat noch nie etwas gebracht, im Gegenteil.

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29.04.2019, 12.51 Uhr
murmeltier | Anfang
Zumindest hat der Greiner Recht in dem, dass darüber mal diskutiert werden sollte. Auch in meinem Bekanntenkreis, der aus normalen Menschen besteht, ist man der Meinung, dass es für diese sogenannte technische Komponente eine große Affinität im In - vor allem aber im Ausland gibt.

Allerdings glaube ich, dass dies politisch nicht durcstzbar ist, denn da sitzen in diversen Stiftungen nicht nur die Hardliner, sondern auch die, die monatlich abhängig sind. Wenn das Gehalt gezahlt wird.

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29.04.2019, 12.51 Uhr
Siegfried Werner | Herr Greiner,
Sie glauben doch nicht, dass die heutigen politischen Eliten zugeben würden, dass die Geschichte der Mondfahrt in Nordhausen ihren Anfang genommen hat? Man würde sich eher die Zunge abbeißen, bevor man so eine Tatsache zugibt.

Im Gegenteil, Sie laufen Gefahr in die RECHTE Ecke geschoben zu werden.

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29.04.2019, 15.05 Uhr
Franz Tabak | Geschichtsstunde
Vieles bisher geschriebene ist doch so nicht richtig.

Wenn man die Geschichte der Raumfahrt und der Rakete erläutern möchte, sollte man China nicht vergessen, denn dort wurde im 13. Jahrhundert mit einer Art der ballistischen Rakete erstmals ein Krieg geführt. Dieses kann man alles schnell und glaubwürdig im Internet finden, beispielsweise wenn man eine Suchmaschine oder Wikipedia bemüht.

Leider muss man auch hier wieder angehende Politiker, wie dem Piraten Heiko darauf hinweisen. Die Raumfahrt sowie die moderne Rakete hat relativ wenig mit Nordhausen zu tun, dieser Umstand ist einzig und allein der allierten Bombardierung Peenemündes zu verdanken. Auch diesen Sachverhalt kann man nachlesen, beispielsweise in den Büchern von Rainer Eisfeld oder Michael J. Neufeld. Außerdem, werter Pirat Heiko: Wie kommen Sie darauf, dass die Mondlandung in Nordhausen begann? Wohl im Geschichtsunterricht nicht richtig aufgepasst oder sehen Sie alles noch durch ihre rosa Brille oder haben Sie auf beiden Augen eine Piratenaugenklappe oder flüstert Ihnen sowas der (imaginäre) Papagei auf Ihrer Schulter so einen Blödsinn zu?

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29.04.2019, 15.25 Uhr
Fönix | Sehr geehrter Herr Tabak,
gerade wenn ich wie von Ihnen vorgeschlagen Wikipedia bemühe, kann ich Ihrer Kritik eher nicht folgen:

Zitat Wikipedia:
"1942 hob in Peenemünde die vom deutschen Raketenpionier Wernher von Braun entwickelte Aggregat 4 als erste gesteuerte und flugstabilisierte Großrakete ab …"

Nach meinem Verständnis haben die von Ihnen erwähnten historischen Vorläufer mit der komplexen Technik moderner Raketen wenig zu tun.

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29.04.2019, 15.36 Uhr
Franz Tabak | LiebeR Fönix,
Da Sie mich diirekt ansprechen, muss Ich Ihnen ja antworten, auch wenn ich weiß, dass dies hier kein Chat ist.

Lesen Sie doch nur einmal richtig, in den Artikeln "Rakete" sowie "Rakentenpionier". Dort steht als erstes der Krieg der Chinesen gegen die Mongolen drin, in dem zum nachweislich ersten mal (ballistische) Raketen verwendet wurden.

Weiterhin empfehle Ich Ihnen, wie in meinem ersten Beitrag geschrieben Bücher und nicht nur das Internet! Siehe oben und auch weitere, fortführende Bücher oder auch das eine oder andere Physikbuch. Eine gut sortierte Buchhandlung kann Ihnen dort mit Sicherheit weiterhelfen!

Es ging mir ja nicht um die von Ihen erwähnte komplexe Technik, sondern hier erstmal um die Grundlagen. Das ist so eine Henne-Ei-Geschichte, nur dass man hier augenscheinlich weiß, was zuerst da war, nämlich die physikalischen Grundlagen. Denn ohne diese Grundlagen, egal ob nun der Chinese, Mongole oder Siebenbürge das erste mal eine Rakete steigen lies, wäre keine "moderne" Rakete zum Mond geflogen. Haben Sie es jetzt verstanden?

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29.04.2019, 16.13 Uhr
Crimderöder | Technik paßt nicht in die Geschichtspolitik
Vor vielen Jahren wurde bereits der Vorschlag eingebracht, in der Gedenkstätte die technische Geschichte hinter Mittelbau mehr zu beleuchten. - Ohne freilich das menschliche Leid im gleichen Atemzug zu nennen. Tausende starben durch die Arbeitsbedingungen und tausende durch die Explosionen der Raketen.
Dennoch darf die Überlegung eingebracht werden, ob nicht ähnlich wie in Peenemünde auch Modelle und Funktionsweisen der "V1" und "V2" ausgestellt werden. Natürlich ist Peenemünde ein Museum und Mittelbau-Dora eine Gedenkstätte, dennoch sollte dieser Vorschlag von der Buchenwald-Leitung aufgegriffen werden. Doch ich befürchte, dies widerspricht der Geschichtspolitik von Wagner, Hördler usw.

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29.04.2019, 16.38 Uhr
Spätzlevernichter | Also...
Tatsächlich hatte die Raketen-Technologie ihre Ursprünge in der Beherrschung des Feuers irgendwann in der Steinzeit....

Richtig ist, dass das Aggregat 4 die Grundlage für die V2 war, die letzten Endes in Dora gefertigt wurde. Im Übrigen kamen bei der Herstellung der V2 mehr Menschen ums Leben (Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Nicht-Arier, Widerstände) als bei deren Einsatz. Ein echter Grund für NDH auf die V2-Fertigung stolz zu sein... Sozusagen war die V2 ein "Echter Nordhäuser"...

Wir sollten in Gedenken an die in Dora verheizten Armen Seelen vielleicht etwas demütig sein und nicht darüber diskutieren, ob die großen Leistungen der Menschheit damit ihren Ursprung nahmen. Schämt euch!

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29.04.2019, 17.43 Uhr
Fönix | Lieber Herr Tabak,
von den von Ihnen empfohlenen Büchern habe ich mehr als genug zu Hause und natürlich auch gelesen. Vielleicht wird es besser, wenn wir uns im hier diskutierten Thema auf "Rakete" als Raumfahrzeug (bzw. "Fernrakete" wie der 17-jährige Wernher von Braun!) und nicht als Waffe verständigen. Im Übrigen negiert ja auch niemand die Bedeutung der Erfindung des Rades und trotzdem ist das Technik Museum in Speyer ein Riesenerfolg, obwohl dort nicht vorrangig Handkarren und Pferdekutschen stehen …

Natürlich gebe ich Ihnen Recht, dass entsprechende Hinweise auf die Vorläufertechnologien Bestandteil eines "Raketenmuseums" sein können, wenn man wirklich einem ganzheitlichen Anspruch gerecht werden will.

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29.04.2019, 18.06 Uhr
Fönix | Sehr geehrter Spätzlevernichter !
Zitat Spätzlevernichter:
"Wir sollten in Gedenken an die in Dora verheizten Armen Seelen vielleicht etwas demütig sein"

UNBEDINGT !!!

Zitat Spätzlevernichter:
" … und nicht darüber diskutieren, ob die großen Leistungen der Menschheit damit ihren Ursprung nahmen. Schämt euch!"

Mmmmh, das sehe ich etwas differenzierter. Erstens sind es nicht die großen Leistungen der Menschheit, sondern wenn überhaupt nur Eine. Zweitens wird z.B. Alfred Nobel, obwohl er das Dynamit und andere Sprengmittel erfunden hat, auch nicht geächtet, im Gegenteil. Man hat mit Dynamit Millionen Menschen getötet, aber auch bahnbrechende technische Entwicklungen vorangetrieben. Mit den Raketen ist es ähnlich. Ohne Sie wären wir bis heute kaum in den Weltraum gelangt.

Das ein solches Projekt wie die hier angestoßene Idee ganz grundsätzlich und gerade in unserer Region nur mit allergrößter Sensibilität vorangetrieben werden kann, versteht sich von selbst. Das war für mich auch die Veranlassung, in meinem ersten Kommentar die Zusammenführung beider geschichtlichen Themen anzuregen.

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29.04.2019, 18.52 Uhr
Mueller13
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29.04.2019, 20.11 Uhr
DDR-Facharbeiter | Mitschuld der Nordhaeuser am Tod der KZ-Haeftlinge?
In einem Nordhaeuser Technikmuseum sollte auch der Tausende von Nordhaeuser Buergern gedacht werden, die im Feuersturm des 4.Aprils 1945 umkamen. Der damalige Leiter der Gedenkstaette Dr.Wagner gab in meinem Beisein “den Nordhausern Mitschuld am Tode der KZ- Haeftlinge”. Beide anwesende Nordhaeuser widersprachen. Als zehnjaehrige Schueler haben wir- wie auch andere schulkameraden- unsere Schulbrot den “Zebras”- so wurden die Haeftlinge wg. ihrer gestreiften Jacken genannt-gegeben, wurden aber auch immer wieder von den Bewachern vertrieben.unsere Eltern-egal ob Parteigenossen oder nicht- haben uns das nie verboten. Sind die Nordhauser auch schuld an der Bombardierung? Warum sind die Ursachen der finalen Zerstoerung trotz mancher Stadtratsbeschluesse bis heute nicht geklaert? Das sind wir unsern verbrannten und verschuetteten Mitbuergern schuldig. In einem Technikmuseun der Nordthueringer sollte Platz sein fuer die Wahrheit ueber den Tod unserer Freunde und Verwandten.

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29.04.2019, 20.35 Uhr
Liane Enzinger | Herr Greiner hat mit Dora recht!
Keine Technikschau ohne die Dokumentation des Häftlingsleids. Dora ist in erster Linie ein großer Friedhof, in 2. Linie ein Ort der Raketenproduktion. In dieser Reihenfolge. Wenn das immer so deutlich bleibt, dann kann man Dora auch für Besucher weiter entwickeln.

P.S. In Dora haben auch Nordhäuser Zivilfirmen Aufträge bekommen und Häftlinge beschäftigt, oft auch unmenschlich. Das ist historische Wahrheit, wie es auch Wahrheit ist, dass nicht alle Nordhäuser am Tod der Häflinge Schuld sind.

Liane Enzinger, M.A.

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29.04.2019, 21.00 Uhr
Andreas Dittmar | Ich habe da leider keine Antwort
Der Mittelbaukomplex war eine Rüstungsschmiede, wo Menschen unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit verrichteten. Vernichtung durch Arbeit. Für die Häftlinge, die in die Stollen getrieben wurden, um die Waffen zu montierten, welche die Ingenieure um W. von Braun auf ihren Reißbrettern entwarfen war eine Rückkehr nicht vorgesehen. Nicht nur die V2, sondern auch Zubehör für Flugzeuge wurden im Lagerkomplex montiert. Ich persönlich hab auch oft darüber nachgedacht: Wie könnte man auch den technischen Part in den Focus rücken ? Gibt es überhaupt zwei geschichtliche Themen bzw. kann man hier überhaupt eine Trennlinie ziehen ? Läuft man eher Gefahr den Falschen an den Orten der Unmenschlichkeit ein Denkmal zu setzen ? Wenn die Frage wirklich gestellt wird, sollte sie auch an die ehemaligen Häftlinge gerichtet werden. Es sind nur noch wenige, welche überhaupt aus der Zeit berichten können. Wenn diese wenigen Zeitzeugen kein Interresse haben ihre ehemaligen Arbeitsplätze jemals wieder zu sehen, müssen wir die Entscheidung respektieren.
Was spricht gegen ein Dokumentationszentrum zB. in der Bibliothek, wo die geamte Geschichte der Stadt Nordhausen Platz findet.

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29.04.2019, 23.51 Uhr
Harzfreund | Ich gebe Fönix Recht
Bitte kein Raketen Disney am Kohnstein und keine Glorifizierung ( Mondlandung usw. ).
Ein Museum sollte auch den ideologisch geprägten Gigantismus und dessen Folgen darstellen. Dieser war in seinen Zielen von Wunschdenken geprägt. An der Entwicklung der Raketentechnik waren viele Firmen und Einrichtungen in ganz Deutschland beteiligt. Das ist in Peenemünde gut dokumentiert. Der Kohnstein steht für den Versuch der Serienfertigung unter Kriegsbedingungen.

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30.04.2019, 12.12 Uhr
Paulinchen | Wer sich mal...
...persönlich mit ehemaligen Häftlingen unterhalten hat, kommt ganz schnell zu der Erkenntnis, dass "Dora" keine Stätte für techn. Errungenschaften in der damaligen Zeit werden kann! Die Greultaten der Nazis haben sich, sehr sehr tief in die Seelen der ehemaligen Häftlinge gebrannt. Nicht jeder Häftling war nach seiner Befreiung in Lage, über sein Leben im Lager zu erzählen. Ich hatte noch die Glegenheit, mit einigen deutschen und französischen Häftlingen über ihr Lagerleben zu sprechen. Meine Erfahrung von damals war die, man konnte kaum konkrete Fragen stellen. Was nicht von den gepeinigten und gebrochenen Menschen von selbst geschildert wurde, blieb ganz einfach ihr Geheimnis.

Ich habe mit ihm noch lebend sprechen können, dem in den 70-ziger Jahren, letzten, auf dem Ehrenfriedhof beigesetzten fanz. Häftling. Leider wurde ihm sein letzter Wunsch damals nicht erfüllt, auf dem Gelände des Lager "Dora" beigesetzt zu werden. Deshalb war er persönlich, vorher nach Nordhausen gekommen! An seiner Urnenbeisetzung durfte ich ca. 1,5 Jahre später teilnehmen.

Aus meiner Sicht reicht es doch wohl schon, dass das ehem. Krematorium nicht mehr in seinem original Zustand ist. Ob das allen ehem. Häftlingen so recht war, sei dahin gestellt. Vielleicht fehlte ihnen schon dazu die Kraft, darüber zu diskutieren?

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30.04.2019, 18.11 Uhr
Andreas Dittmar | Die Geschichte aufarbeiten
Mit farblich unterschiedlichen Winkeln und Kennbuchstaben an der Häftlingskleidung wurde der Grund der Inhaftierung und die Nationalität erkennbar gemacht. Gedenksteine und Infotafeln, welche zu DDR-Zeiten errichtet wurden, tragen zum großen Teil den roten Winkel, welcher für politische Häftlinge vorgesehen war. Auch für die Tafeln, welche an den Todesmarsch der Häftlinge aus dem Mittelbau-Dora errinnern, trifft das zu. Auch so etwas ist aus meiner Sicht nicht in Ordnung, weil man Opfer ausgrenzt. Gerade wenn man mit diesen Elementen arbeitet, sollte man sehr sensiebel damit umgehen. Diese Kennzeichnung war nicht die Erfindung der Häftlinge sondern ihrer Peiniger. In diesen Lagern starben Menschen aus ganz Europa unter den unmenschlichen Bedingungen und so sollte es auch den kommenden Generationen übermittelt werden.

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30.04.2019, 20.30 Uhr
Dogmen | Manchmal denke ich
dieser Andreas Dittmar ist ein Spambot aus der Parteizentrale. Soviel Unverschämtheiten und Geschichtsrevisionismus am Stück kann ein normaler Mensch eigentlich gar nicht bringen.

Der Bundesrepublik vorzuwerfen sie würde das DDR Erbe pflegen, sie würde nur rote politische Häftlinge "ehren", ist an Unverschämtheit und Weltfremdheit kaum zu überbieten. Für diesen Herren oder besser seine Programmierer sollte eine Pflichtveranstaltung im Konzentrationslager Dora stattfinden. Damit der oder die mal wissen, wen diese Unmenschen da alles hindurch getrieben und gemordet haben und wer dort geehrt wird!

So, reicht jetzt mit den Ärgern über solche Ignoranten, Hunde sind versorgt, jetzt geht es gute Traditionen pflegen, es geht zur Walpurgis. Bis dann.

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30.04.2019, 21.34 Uhr
Andreas Dittmar | Wann
wollen wir uns in der Gedenkstätte treffen ? @Dogmen Weiterhin zeige ich ihnen an den in meinem Beitrag erwähnten Infotafeln, worum es mir konkret geht .

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01.05.2019, 10.34 Uhr
Joerg B. | Exemplarisch für „Dual-Use“
„Dual-Use (auch Dual Use; englisch dual-use; sinngemäß übersetzt: mit doppeltem Verwendungszweck) beschreibt die prinzipielle Verwendbarkeit von Gütern zu zivilen als auch militärischen Zwecken. Hierunter fallen insbesondere auch Güter aus dem Bereich der sensitiven Elektronik, Telekommunikation, IT-Technik, aber auch Datenverarbeitungsprogramme (Software) oder andere Technologien (Konstruktionspläne etc.). Der aus dem Englischen entlehnte Begriff wird überwiegend in der Exportkontrolle und im Zusammenhang mit der Proliferation von Massenvernichtungswaffen verwendet.“ (Wikipedia)

Genau dieses Thema hatte ich schon zu „Kinder für MINT-Fächer begeistern“ (https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=253533) kommentiert.

Dabei ist „Dual-Use“ so alt wie die Menschheit und nicht auf die Sphäre des Handels beschränkt. Alles, was die Menschheit hervorgebracht hat, hat mindestens zwei Seiten. Alle Jagdwaffen, die der existenziell notwendigen Ernährung dienten, wurden auch gegen konkurrierende Artgenossen eingesetzt. So diente der fast schon legendäre Faustkeil nicht nur zum Zerlegen der lebensnotwendigen Beute, sondern oft auch zur Tötung/Ermordung z.B. von Nebenbuhlern. Oft waren sogar Menschen selbst Beute. Als Menschen galten oft nur Zugehörige des eigenen Stammes. So ist das Wort „Kanake“ eigentlich nur eine hawaiische Bezeichnung für „Mensch“. Wer kein „Kanake“ war, war folglich auch kein „Mensch“. Frauen anderer Stämme waren in den frühen – oft noch unbewusst patriarchalischen Gesellschaften – zunächst nur Beute und wurden nach ihrem Raub erst nach und nach in den eigenen Stamm integriert. (Man googele dazu mal nach „Sieg über die Midianiter und Verteilung der Beute“ und vergleiche dies mit dem Überfall des "Islamischen Staats" auf die Jesiden!)

Die „V1“ und „V2“ sind nur ein relativ junges Beispiel für einen Dual-Use menschlicher Erfindungen. Wernher von Braun und andere Raketentechniker wollten ja „eigentlich“ nur zum Mond? Auch für Leonardo da Vinci war der Krieg „eigentlich“ eine grausame Barbarei. Aber er entwarf für Geld Kriegsmaschinen für damalige Warlords. Wir Menschen sind eben Wesen mit inneren Widersprüchen. Prinzipiell unterscheidet uns nur ein etwas größeres Gehirn und eine – daraus resultierende – ausgeprägtere Kultur von kriegerischen Schimpansenhorden. Der „Planet der Affen“ lässt grüßen. („Trump and Putin on horse“ karikieren das aktuell sehr trefflich,–)

Solches zu thematisieren könnte – vielleicht in Zusammenarbeit mit der Hochschule Nordhausen – eine lohnende Aufgabe einer NACHDENK- und FORSCHUNGSstätte Mittelbau-Dora sein. Würde sie ein Disneyland des Grauens, wäre das Ziel nicht nur verfehlt, sondern das Gegenteil erreicht. Sie wäre dann nur ein Anziehungspunkt für ein gaffendes „Pöblikum“.

„Welche Chimäre ist doch der Mensch! Welch Unerhörtes, welch Ungeheuer, welch Chaos, welch widersprüchliches Wesen, welch Wunder!“

Blaise Pascal (1623 - 1662), französischer Religionsphilosoph und Naturwissenschaftler, Begründer der Wahrscheinlichkeitsrechnung

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01.05.2019, 17.21 Uhr
Andreas Dittmar | @Joerg B.
Der Begriff "Dual Use" ist schon in Bezug auf die Bezeichnung V1 bzw. V2 fragwürdig. V stand für Vergeltungswaffe. Niemand plant mit einer Vergeltungswaffe zum Mond zu fliegen. Der Zweck war klar definiert. Aus meiner Sicht würde auch ein Forschungsprojekt einer Hochschule in Bezug auf Mittelbau-Dora nur zu der einzigen Schlußfolgerung kommen : Serienfertigung von Rüstungsgütern unter Kriegsbedingungen ohne Rücksicht auf menschliche Verluste, so wie es Harzfreund schon beschrieben hat.

PS : Bitte als Einwand betrachten, nicht als Kritik an ihrem Kommentar

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