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Mo, 09:10 Uhr
25.02.2019
nnz-Forum

Gedanken zum Gipsrecycling

Der Gipsabbau im Südharz bleibt ein Reizthema. Die Grünen im Stadtrat wollen am kommenden Mittwoch im Stadtrat Recyclingmaßnahmen diskutieren. Dazu macht sich nnz-Leser Ulrich Schlegel ein paar praktische Gedanken gemacht...


Mit Interesse habe ich den Artikel vom 24.02. der "Grünen" zum Thema Gipsrecycling gelesen. Vorausgeschickt auch ich bin mit Leib und Seele "Nordhisser" und selbstverständlich für eine lebenswerte Heimatregion.

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Es ist aber nur hilfreich, sinnvolle und bezahlbare politische Maßnahmen an zu schieben. Aber der Reihe nach. Das Thema Gipsabbau erhitzt berechtigt die Gemüter. Nun muss man wissen, dass das Ende der Reagipsgewinnung eine Nebenerscheinung vom Kohleausstieg ist.

Ich finde das bemerkenswert, dass das inzwischen selbst bei einigen der "Grünen" aufgefallen ist. Als Frau Ministerin in NSW medienwirksam am Protest teilnahm, referierte sie noch über Reagips. Die Energiewende wird also Dynamik in die Naturgipsgewinnung bringen. Da zu jeglicher Baustofferzeugung natürliche Rohstoffe notwendig sind (Ton, Lehm, Kies, Sand, Kalk und eben Gips), wird das eine Tatsache sein, es sei denn wir schaffen die Bauwirtschaft ab.

Das reale Problem am Recyclinggips ist der enorme logistische und technische Aufwand, sowie die Verwendbarkeit des gewonnenen Rohstoffs. Hier mal der reale Ablauf: Die SWG saniert eine Wohnung. Ein Container steht davor, sämtliche Gipsabfälle (Gipskartonplatten) werden dort gesammelt. Die Gipskartonplatten sind mit Fließen, Tapete, Farbe, Dübeln und Schrauben behaftet. So wird etwa die Hälfte vom Abfall Gips sein. Da wird dann zirka 1 Tonne Abfall zusammen kommen. Den holt ein LKW mit bösem Dieselmotor (er hat ihn vorher schon gebracht) und fährt ihn zum sammeln zum Wertstoffhof. Kosten 50,- €. Wenn dort dann ein Posten von 24 Tonnen erfasst ist, erfolgt der Transport nach Großpösna. Kosten 350,- €. Was das Sammeln und zwischen Lagern kostet weiß ich nicht. Der Abfall ist jetzt in Großpösna, jede Menge Diesel (190 Liter) ist verbraucht. Schon jetzt sind wir bei den 9,5 fachen Kosten von Reagips, etwa 67 €/Tonne.

Dann kommt die Aufarbeitung mit nicht unerheblichen Energieaufwand, die Entsorgung der Abfälle (Fließen, Tapete, Kartonage etc). Dann kommt wieder der böse Diesel LKW ins Spiel. Er müsste den gewonnenen Recyclinggips z.B. nach Rottleberode zu Knauf fahren. Die nächsten 80 Liter Diesel, 350,- € Frachtkosten. Dann beginnen die nächsten Probleme. Es gibt viele verschiedene Gipskartonprodukte, mit unterschiedlichen bauphysikalischen Anforderungen.

Dann gibt es auch noch vier Hersteller in Deutschland. Wer will Material verarbeiten, in den ein Wettbewerber vorher unbekannte Zusatzstoffe eingebracht hat? Was also genau mit diesem Recyclinggips produziert werden kann, weiß ich auch nicht. Nicht ins Detail gedacht kostet der so gewonnene Rohstoff das 40 - 50 fache der jetzt zur Verfügung stehenden Rohstoffe. Wer soll diese Kosten tragen? Der Hersteller? Der Verbraucher? Oder eine Ökosteuer auf alle Gipsprodukte?

Da erscheint mir dieser Antrag der "Grünen" in Stadtrat und Kreistag doch sehr polemisch. Es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, eine energetische Katastrophe in der Prozesskette und die Abnahme des Endproduktes ist weder betriebswirtschaftlich noch vertraglich geregelt. In Rottleberode werden 900.000 Tonnen Gips im Jahr verarbeitet. Macht 37.500 LKW Ladungen und drei Millionen Liter Diesel - nur von Großpösna nach Rottleberode.

Wir stellen also wieder Windräder in die Nordsee und überlegen, planen und streiten dann Jahre darüber, wie der Strom dahin kommt wo er gebraucht wird.
Ulrich Schlegel

Ulrich Schlegel ist Inhaber und Geschäftsführer des Dämmstoffhandels Nordhausen sowie Vizepräsident der IHK Erfurt
Autor: red

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Kommentare
altmeister
25.02.2019, 09:45 Uhr
Nicht ganz fertig gedacht
Sehr geehrter Herr Schlegel,
selbst jetzt, wo noch kein Gips recycelt wird, oder vielleicht nur im geringen Umfang, fallen Transport- und Entsorgungskosten an, welche durch den Entsorger dem Kunden berechnet werden.
Somit stimmt Ihre Rechnung insofern nicht, da schon jetzt Kosten für Energie, Arbeitsleistung und Deponie anfallen.
Da ich nicht wirklich informiert bin, welche Differenz sich somit aus der reinen Entsorgung zum Recycling ergibt, wäre es an Ihnen, dieses aufzuschlüsseln um auch einen wirklichen Vergleich und eine Transparenz der Kosten darzustellen.
Leider werden in Ihren Betrachtungen die von mir dargestellten Kosten nicht berücksichtigt und daher auch meine Überschrift.
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