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Fr, 10:07 Uhr
11.01.2019
Wie weiter mit den Handwerkern?

Einst ausgelagert - und nun?

Die große Welle des Auslagerns, auch mal gern neudeutsch als outsourcing bezeichnet, scheint vorbei. Ist das auch bei den großen Vermietern in der Stadt Nordhausen so? Wir haben nachgefragt...


Hintergrund der Anfrage ist ein Trend in Thüringen, wonach kommunale und genossenschaftliche Vermieter die Rolle rückwärts beschreiten. Um die Jahrtausendwende herum wurden von Nord bis Süd, von Ost bis West, die eigenen Handwerkerabteilungen in den Wohnungsunternehmen aufgelöst, wurden selbst Kleinstaufträge vergeben. Damit folgte die Wohnungswirtschaft einem allgemeinen Trend des Kostensparens.

Jetzt, da Handwerker immer seltener werden, auf Ausschreibungen kaum noch Angebote abgegeben werden, bauen Wohnungsunternehmen in Thüringen Handwerkerabteilungen wieder auf. Wir haben bei den beiden großen Vermietern in Nordhausen nachgefragt.

Die großen Vermieter, das sind die Städtische Wohnungsbausgesellschaft (SWG) und die Wohnungsbaugenossenschaft Südharz (WBG). Die WBG hatte ihren Regiebetrieb im Jahr 2004 aufgelöst und vergibt aktuell pro Jahr 10.000 bis 12.000 Aufträge an hiesige Handwerksfirmen. Wie der Vorstand der Genossenschaft auf Anfrage mitteilt, sind 90 Prozent davon sogenannte Kleinstaufträge. Über ein elektronisches Vergabemanagement sind aktuell etwa 70 Firmen an der Auftragsvergabe beteiligt.

"Bislang wurden und werden die von uns ausgelösten Aufträge pünktlich und solide abgearbeitet. Wir sind mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden", heißt es aus der Bochumer Straße. Allerdings, das räumen die Vorständler Steffen Loup und Sven Dörmann ein, werde die Gesamtsituation nicht nur in der Region, sondern in der Thüringer Wohnungswirtschaft ständig beobachtet. Und natürlich kennen Loup und Dörmann auch das Thema, was allgemein hin als Fachkräftemangel bezeichnet wird und um das Handwerk keinen Bogen macht und machen wird.

"Wir beschäftigen uns schon mit dem Thema, jedoch nicht akut, werden den Markt weiter beobachten und halten uns alle Optionen offen", so der Vorstand des größten Vermieters in Nordthüringen.

Ähnlich auch die Intention in der Antwort auch der SWG-Chefetage: "Wir haben sehr gute langjährige und vertrauensvolle Vertragsbeziehungen mit Unternehmen der Region zur Absicherung unseres Kerngeschäftes für Reparaturen im Bestand und bei Wohnungswechsel. Unsere Leistungsfähigkeit und die Mieterzufriedenheit hängt ganz wesentlich davon ab, wie leistungsfähig unsere Partner sind insbesondere mit Blick auf Schnelligkeit und Zuverlässigkeit. Wir haben keinerlei eigene Handwerkerkapazitäten in Form ein Regietruppe bei uns im Unternehmen", schreibt Geschäftsführerin Inge Klaan der nnz.

Das Unternehmen habe sich lange vor ihrer Zeit als Geschäftsführerin zur Ausgliederung und Privatisierung entschieden. Im abgelaufenen Jahr habe es erstmals größere Probleme bei der Marktplatzierung von Aufträgen in den wichtigen Gewerken gegeben. Klaan weiter: "Insofern sind wir zwangsweise jetzt gezwungen uns Gedanken zu machen, wenn wir unseren Standard erhalten wollen. Leider kann ich noch keine Lösung anbieten. Wir stecken in den ersten Überlegungen dazu."

Gegen den damaligen Outsourcing-Trend hatte die Wohnungsbaugesellschaft Sollstedt die Handwerkerabteilung nicht ausgelagert. Etwas schmunzelnd ergänzt Geschäftsführerin Heike Umbach: "Ich würde die vier Kollegen auch auf keinen Fall hergeben!"
Peter-Stefan Greiner
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