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Mo, 17:38 Uhr
10.09.2001

nnz-Betrachtung: Kapitalismus

Nordhausen (nnz). Wieder eine Horror-Meldung aus der Nordhäuser Wirtschaft. Diesmal trifft es einen der größten Arbeitgeber der Region. Dazu folgende Betrachtung.


Glaubt man der Gewerkschaft, dann schreibt der Nordhäuser Reemtsma-Standort „schwarze Zahlen“. In einem Gefüge, das sich „soziale Marktwirtschaft“ nennt, eigentlich ein Glücksumstand. Doch den Konzernstrategen in Hamburg reicht das nicht. Was sind da schon 230 oder 270 Arbeitsplätze im fernen Nordhausen? Was gilt schon eine mehr als 100jährige Tradition? Welchen Stellenwert haben da gut ausgebildete und hoch motivierte Fachkräfte? Die können ja sofort einen neuen Arbeitsplatz bei Hannover oder Berlin erhalten, teilt man mit und ist damit seiner sozialen Verantwortung gerecht geworden.

Was machen Politik und Gewerkschaft? Deren Vertreter sind geschockt, sprechen von Katastrophe oder einer Schmerzgrenze, die nun überschritten wurde. Sie müssen jedoch - direkt oder indirekt - eingestehen, dass sie ohnmächtig sind. Ohnmächtig gegenüber Konzernen, die längst die regionalen und nationalen Denkmechanismen hinter sich gelassen haben. Global denken ist in Hamburg angesagt. Reorganisation und Neustrukturierung sind die Schlagwörter. Und da werden am Tisch der Vorständler eines Konzern mal so nebenbei Traditionen oder Mitarbeiter gestrichen. Zahlen beherrschen die Vorgehens- und Denkweisen. Da unterscheidet sich Hamburg nicht von München oder Stuttgart.

Müssen wir das verstehen? Ich glaube nicht. Wir müssen es hinnehmen. Akzeptieren oder verteufeln! Nur ändern wird sich nicht viel, die Politik ist längst außen vor bei einer Wirtschaft, die von Megafusionen, von Stellenabbau, von Rationalisierungen geprägt ist. Die Politik wird von der Wirtschaft nur dann „nachgefragt“, wenn es darum geht, die besten Rahmenbedingungen für die wirtschaftlichen Akteure zu schaffen. Und sind diese geschaffen, ist man auf das Wohl oder Wehe der Konzernzentralen angewiesen. Sobald aber die Quellen des einstigen „Steuer- oder Förderparadieses“ auch nur zum Teil versiegen, zieht die Karawane weiter.

Das, was derzeit um Reemtsma in Nordhausen passiert, ist letztlich nichts weiter als ein Spiel nach Regeln, welche die Politik kaum mehr beeinflussen kann. Es ist halt so im Kapitalismus.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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