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Fr, 13:56 Uhr
14.01.2005

Alles im "grünen Bereich"

Nordhausen (nnz). Die Nordhäuser Stadträte müssen sich so ziemlich um alles Sorgen machen. Auch um die Jugend. Vor allem um die in den Ortsteilen...


Zwei Themen dominierten gestern Abend die Tagesordnung des Nordhäuser Stadtrats-Ausschusses für Stadtordnung und Ortsteile: Zum einen die Ordnung und Sicherheit in der Stadt und den Ortsteilen, zum anderen die Jugendfreizeit. Eingeladen hatte Ausschuss-Vorsitzende Jutta-Karin Busch (CDU) dazu Michael Kreft, den stellvertretenden Leiter der Nordhäuser Polizeiinspektion, und Christine Wagner, die Leiterin des Nordhäuser Jugendamtes beim Landratsamt.

Entgegen des oft subjektiven Gefühls sei die Kriminalitätssituation in Nordhausen nicht besorgniserregend, sagte Kreft – weder sei die absolute Delikt-Zahl außergewöhnlich hoch, noch gebe es signifikante Steigerungsraten. „Nordhausen ist insgesamt eine ruhige Stadt“, sagte der Polizist. Insgesamt gebe es in Nordhausen eine hohe Polizeidichte, die Beamten seien auch auf den Straßen präsent, wenn es auch angesichts des Personalbestandes nicht rund um die Uhr möglich sei,
Fußstreifen auf den Weg zuschicken. Ausschuss-Mitglied Dr. Manfred Schröter (CDU) bestätigte dies: „Ich habe mich abends auf dem Heimweg mal in die Rolle eines potentiellen Täters versetzt und die Umgebung beobachtet – ich muss sagen, dass die Polizeipräsenz doch hoch ist.“ Frau Busch – zugleich Ortsteilbürgermeisterin von Steigerthal – wünschte sich von der Polizei regelmäßige Kontakte zu den Verantwortlichen in den Ortsteilen , “es könnte hilfreich sein, wenn der Beamte zum Beispiel bei dieser oder jener Sprechstunde des Ortsteilbürgermeisters mal im Amtszimmer vorbeischaut – das ist ein wichtiges Signal auch an die Bevölkerung.“

Mit Blick auf die Jugendlichen thematisierte Frau Busch den oft erheblichen und augenfälligen Alkoholkonsum und appellierte dabei auch an die Eltern, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Dass der Alkoholmissbrauch ein Problem sei, bestätigte auch Stadtjugendpfleger Thomas Joachimi. In Nordhausen gebe es eine beispielhaftes Netzt an Jugendfreizeiteinrichtungen, allerdings könne man allein damit nicht alle Probleme lösen. So bliebe beim Thema Alkohol im Wesentlichen nur die Aufklärung. „Und gesamtgesellschaftliche Probleme kann weder die Polizei noch die Verwaltung lösen.“ Eine ständige Überwachung – beispielsweise der Jugendclubs in den Ortsteilen – sei für die Verwaltung allein nicht durchführbar, hier müsse man auf die Mithilfe der Bürger setzen.

Weder die Verbannung der Jugendlichen vom Nordhäuser Theaterplatz noch die Schließung von Jugendclubs in den Ortsteilen bringe irgendeine Lösung, so Joachimi, was auch von Angela Breuer, Ortsteilbürgermeisterin von Hesserode bestätigt wurde. „Dann müssen sie irgendwo anders hin gehen – das kann keine Lösung sein.“ Für den Theaterplatz, so Joachimi, sei ein ganzheitliches Konzept nötig.

Zu einer objektiven Diskussion über die Jugendlichen riet Jugendamtsleiterin Christine Wagner. „Es gibt keinen Grund zu Panik. Die Aussagen der Polizei bestätigen das. Und: Es sind nicht die Jugendlichen, sondern unsere Kinder und Enkel.“ Dass sich junge Leute sowohl in Clubs als auch unter freiem Himmel treffen, sei völlig normal, „das war in unserer Jugend so, und das machen wir als Erwachsene auch.“ Es sei von allen gewollt, dass zum Beispiel der Theaterplatz auch ein Treffpunkt für die Jugend ist. „Dazu sind solche Plätze ja auch da.“ Klar sei aber auch, dass die Jugendlichen zur Einhaltung von Normen und Regeln angehalten werden müssten, „aber manchmal hilft es schon, wenn man sie z.B. auf die weggeworfenen Flaschen anspricht oder um gedämpftere Lautstärke bittet – man trifft oft auf überraschend viel Einsicht“, sagte Frau Wagner.

Es sei wichtig, dass die Erwachsenen das Bewusstsein für die Anliegen und Rechte der Kinder und Jugendlichen schärften „dass es normal ist, dass sie auf unseren öffentlichen Plätzen präsent sind, ihre Räume brauchen.“ Dieser Prozess werde künftig nicht einfacher, da der Anteil älterer Leute an der Gesamtbevölkerung zu- und der der Jüngeren abnehmen werde. Stadträtin Barbara Schencke stimmte dem zu: „Die Jugend als Problem zu sehen, ist falsch. Wir Erwachsenen sind ihre Vorbilder.“
Autor: nnz

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