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Do, 08:46 Uhr
13.01.2005

nnz-Forum: Rücksichtslos

Neustadt (nnz). Wohnen mitten im Südharz kann schön und entspannend sein. Es gibt aber auch das Gegenteil, wie ein nnz-Leser aus leidvoller Erfahrung zu berichten weiß.


Wenn in dem kleinen Südharzörtchen Osterode, Ortsteil des Kurortes Neustadt, die Gläser in den Schränken wackeln, dann liegt das weniger an einem geologischen Phänomen, sondern vielmehr an den unzähligen Lastwagen, die mit Schotter beladen vom Harzsteinwerk Unterberg zu den Autobahnbaustellen fahren. Die Anzahl der täglichen LKW – Durchfahrten übersteigt teilweise die Grenze von 100 Fahrzeugen, die mit 40 Tonnen Gesamtgewicht durch die enge Ortsdurchfahrt brettern, denn das Tempolimit von 30 km/h wird von den wenigsten eingehalten. Es kommt regelmäßig zu Stauungen, wenn beispielsweise der planmäßige Linienbus durch den Ort fährt. Dann stehen mitunter bis zu vier Lastzüge hintereinander, weil kaum ein Durchkommen ist.

Der neueste Sport ist das „Kurvenschneiden“ unter Einbeziehung des Bürgersteiges, welcher von den Fahrern rücksichtslos zur Fahrbahn gemacht wird. Nun gibt es in Osterode eine Besonderheit: Unter dem Fußweg befindet sich ein Kanalsystem, das an mehreren Stellen über schwere Stahlplatten, die in Beton eingelassen sind, zugänglich ist. Und so beobachte ich eine solche „Abkürzung“ von einem Lastzug einer bekannten Spedition, der an einer absolut nicht einsehbaren Rechtskurve seinen Sattelauflieger über den Fußweg steuerte, so dass der schwere Deckel aus dem Rahmen gerissen und auf den Bürgersteig geschleudert wurde.

Abgesehen von dem Lärm, hätte der Kontakt eines Fußgängers mit dem 30 kg schweren Eisenteil sicherlich mehr als schwerwiegende Folgen. Ganz zu schweigen von der Überlebenschance, die beispielsweise kleine Kinder, eine Mutter mit ihrem Kinderwagen oder gar ein Rollstuhlfahrer gehabt hätten, welche sich zufällig hinter der Kurve auf dem Bürgersteig befunden hätten.…. Sie wären sicher überrollt worden! Wie würde man sich im Dunkeln fühlen, wenn man als Fußgänger in den offenen Schacht fällt?

Die Rücksichtslosigkeit ist einfach unbeschreiblich. Wo bleibt denn die Vorausschau seitens der Verkehrsteilnehmer? Muss erst etwas passieren, bis den Verantwortlichen die Augen geöffnet werden? Den fahrlässig zu Schaden kommenden Fußgängern wird das sicherlich recht wenig helfen.
Christoph Burkert, Neustadt
Autor: nnz

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