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Di, 20:34 Uhr
16.11.2004

Sterben mit Leben füllen

Nordhausen (nnz).Der Tod ist ein Teil des Lebens. Zum Leben eines Kindes sollte er eigentlich nicht gehören. Abgeschoben in ein steriles Krankenhaus müßten die jungen Patienten in Zukunft nicht mehr, wenn ein Projekt in Krimderode Wirklichkeit wird.


Sterben mit Leben füllen (Foto: nnz) Sterben mit Leben füllen (Foto: nnz) 2006 soll "Mogli" kommen. Das ist nicht nur der Name des Jungen aus dem Dschungelbuch, sondern auch der des Kinderhospiz in Krimderode. Unter Leitung des Vereins "Frohe Zukunft", bekannt als Betreiber des Kinderheims, soll in die ehemalige Schule wieder Leben einziehen. Kinder, die bald sterben müssen, finden hier auf Zeit oder bis zu ihrem Tod ein Zuhause. Ihre Eltern und Geschwister sollen sie gemeinsam mit medizinischem Personal auf ihrem letzten Weg begleiten. Das ist der Wunsch des im letzten Jahr gegründeten Fördervereins.

3,5 Millionen Euro wird die Umgestaltung des Schulhauses kosten. Die Summe soll vor allem durch Spenden aufgebracht werden, da nicht auf größere Förderbeträge gehofft werden könne, so Klaus-Dieter Heber, der Geschäftsführer des "Frohe Zukunft e.V. ".

Viele Firmen aus der Region unterstützen das Kinderhospiz. Auch heute brachten die Firma Würth, die Kreissparkasse, Pneuhage und IKL Spenden, die sie bei Messen, Jubiläen oder durch die Blutspende erwirtschaftet haben. Man wolle die Arbeit des Vereines auch in der Zukunft unterstützen, ließen sie alle wissen.

Die Fachhochschule beteiligt sich ebenfalls. Durch die Zusammenarbeit mit den Studenten ist es möglich ein Kontaktbüro ständig zu besetzen. Auch im Bereich der Spendensammlung helfen die jungen Leute mit ihren Ideen.

Nicht viele Menschen mußten die Erfahrung machen ihr eigenes Kind zu verlieren, sei es durch Krankheit oder Unfall. Damit jeder verstehen kann wie Eltern und Geschwister sich fühlen, kam Gisela Hartmann zur heutigen Informationsveranstaltung. Vielen ist sie als Grüne Politikerin bekannt. Vor kurzem bekam sie für Engagement, unter anderem im Naturschutz, das Bundesverdienstkreuz. Statt Geschenken und Blumen wollte sie Geld. Nicht etwa habgierig für sich, sondern für das Kinderhospiz in Krimderode. Sie äußerte sich nach 20 Jahren zum ersten Mal öffentlich zum Tod ihres Sohnes Johannes. Ihren Text hatte sie vorher aufgeschrieben. "Falls ich nicht durchhalte, dann kann es mein Mann weiter vorlesen." sagte sie, aber sie hielt durch.

Als betroffene Mutter schilderte sie die Behandlung des Jungen, zuerst in Berlin, dann sogar in München. Dort einen Behandlungsplatz für eine Knochenmarkspende zu bekommen war zu DDR-Zeiten verständlicherweise nicht leicht. Die Familie schöpfte Hoffnung, da sofort ein Spender bereit war, die große Schwester. Eine Hoffnung, die nur kurz währte, denn Johannes erkrankte erneut. Nun saß er im Rollstuhl, was ihm seinen Lebensmut jedoch nicht nahm. Als er wußte, daß er sterben würde, regelte der Jugendliche alles für seine Beerdigung und schrieb ein Testament. Die Eltern begleiteten ihn in der Kinderklinik bis zum letzten Atemzug. Der Familie blieb Zeit von Sohn und Bruder Abschied zu nehmen.

Viele Familien zerbrechen an der Last durch die Krankheit des Kindes. Oft steht die Mutter dann ganz allein da. Hier soll das Hospiz ansetzen. Die jungen Patienten bekommen eigene Zimmer im Erdgeschoß, während Eltern und Geschwister ein Stockwerk höher einziehen. Die Kinder können von ihnen gepflegt werden, müssen es aber nicht mehr rund um die Uhr. So haben die Eltern auch mal Zeit für sich und können Kraft tanken.

Gisela Hartmann hat Kraft. "Sie müssen jetzt nicht traurig sein." sagt sie, als die Besucher nach ihrem Bericht betreten schweigen. "Wir müssen uns gemeinsam dafür einsetzen, daß das Haus "Mogli" hier entsteht. Mein Sohn hätte das auch gewollt." Anscheinend wollen es auch viele Bürger aus Krimderode, viele Vereine und Firmen der Region. Kein Sitzplatz war mehr frei, einige Gäste standen auf den Gängen. "Überall erfahren wir großen Zuspruch" so Klaus-Dieter Heber.

Da deutschlandweit rund 22.000 Kinder an unheilbaren Krankheiten leiden und vor ihrem 18. Geburtstag sterben werden, ist es wichtig, daß in Nordhausen ein solches Haus wie "Mogli" entsteht. Wenn noch mehr Menschen bereit sind, das Projekt mitzutragen, können 2006 die ersten Kinder einziehen, verspricht der Verein.
Autor: wf

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