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Di, 12:33 Uhr
02.11.2004

Wer kommt danach?

Nordhausen (nnz). Keine Frage, so ein Bürgermeister-Job im Nordhäuser Rathaus ist durchaus begehrt. In Nordhausen, in Thüringen und auch in den anderen deutschen Landen. Doch viel interessanter ist zur Zeit doch die Frage: Wer wird der Nachfolger vom Nachfolger?


Aber erst einmal zurück nach Nordhausen. Da sind in den zurückliegenden Tagen schon etliche Bewerbungen auf die Ausschreibung von Klaus Wahluhls Nachfolge eingegangen. Aufgeregt war man selbst in Erfurt. Da herrscht in den diversen Ministerien sowie nachgeschalteten Landesämtern und Behörden doch einigermaßen hektische Umzugsstimmung. Und wer keinen lukrativen Posten sein „eigen Machtreich“ nennen darf, den lockt in diesem Jahr sogar die Provinz.

Doch bei nur wenig Eigenrecherche hätten die potentiellen Kandidaten herausgefunden, daß letztlich das Mehrheitsverhältnis im Nordhäuser Stadtrat den Nachfolger wählt. Das ist übrigens – zur Erklärung noch einmal gesagt – nicht nur in Nordhausen so, sondern überall, wo politische Interessen bei einem Job ebenso gefragt sind wie fachliche Qualifikationen. Und so deutet – vier Wochen vor der Wahl – immer noch alles auf einen Favoriten hin, der momentan noch seinen Job in der Spitze der Kreisverwaltung macht: Matthias Jendricke. Seit die nnz diesen Namen genannt hatte, gibt es nicht nur im Nordhäuser Rathaus aufgeregte Tuscheleien, sondern auch im Landratsamt an der Behringstraße.

Dort wird schließlich ein Plätzchen an der „kreisliche Sonne“ frei. Noch ist die Zeit nicht reif genug, um über Nachfolgeschaften offen oder hinter verschlossener Tür zu spekulieren. Die nnz will dieses Wagnis trotzdem eingehen. Klar ist wohl zuerst, daß Landrat Joachim Claus (CDU) versuchen wird, den Kreistag davon zu überzeugen, daß man auch ohne einen ersten Beigeordneten den Landkreis gut regieren kann. Man hat ja die zweite Beigeordnete, die wird dann erste und schon ist die Sache geritzt. Das wurde zwar schon vor der Wahl von Loni Grünwald (PDS) und Matthias Jendricke (SPD) versucht, ebenso wird es aber auch diesmal scheitern.

Joachim Claus wird aber eine neue Hürde einbauen können. Die novellierte Kommunalordnung gibt ihm die Möglichkeit, sowohl die Geschäftsbereiche des Jendricke-Nachfolgers zu bestimmen als auch die Kriterien der Ausschreibung. Der Kreistag bleibt weitestgehend außen vor. Mit den hohen Anforderungen könnte zum Beispiel die Auslese der SPD im eigenen Revier deutlich erschwert werden. Das dies ebenso die CDU treffen würde, ist hier aber nur Nebensache. Die Beobachter warten ab.

Sie machen sich statt dessen Gedanken und hören aufmerksam auf parteipolitische Nebensätze. Und so soll in den vergangenen Tagen zum Beispiel der Name Bernd Meyer gefallen sein. Der Chef der Verwaltungsgemeinschaft „Südharz/Hohnstein“ weiß davon zwar nichts, er hatte ja auch Urlaub in der vergangenen Woche. Das aber hält die politischen Weichensteller nicht davon ab, mit dem Namen zu spekulieren. Sollte Meyer, der Ex-Sozialdemokrat, wirklich das Ansinnen eines Arbeitsortswechsels haben, dann hat er diesen Fakt gegenüber der nnz heute vehement abgestritten. „Ich weiß nichts davon!“

Vielleicht meint er es ehrlich, vielleicht sieht er die Zukunft seiner VG auch nicht allzu rosig? Vielleicht hat auch Meyer von den Überlegungen gehört, aus der VG eine Einheitsgemeinde „Südharz“ zu machen, der dann nur noch Niedersachswerfen, Neustadt, Ilfeld und Harzungen angehören. Den bescheidenen kommunalen Rest, denn könnte – wenn sie es wollte – die Stadt Nordhausen „aufsagen“.

Sie sehen, liebe nnz-Leser, die Fronten sind längst aufgemacht, die Linien abgesteckt. Ob Bernd Meyer nun zwischen den Festungen mit einem weißen Fähnchen steht oder ob er wohl weiß, was gespielt wird, das sei dahingestellt. Es ändert nichts an der Tatsache, daß mit jeglicher personeller Veränderung an der Verwaltungsspitze von Stadt und Landkreis auch der Versuch einer territorialen Veränderung einhergeht. Und das, das ist das neue Niveau in diesen Zeiten.
Autor: nnz

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