Do, 11:02 Uhr
07.10.2004
Nur kein worst case
Nordhausen (nnz). Seit dieser Woche wissen die Thüringer Theater und Orchester, daß sie zwar bis zum Jahr 2008 mit gleichbleibenden Landesmitteln planen können. Danach aber sieht die Welt auf den Bühnen und in den Orchestergräben völlig anders aus. Auch das Nordhäuser Theater muß sich darauf einstellen.
Der Nordhäuser Intendant Lars Tietje, der am Dienstagabend an einer Gesprächsrunde mit Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) teilnahm, beschrieb die Atmosphäre als sehr freundlich. Drei Stunden lang habe man Althaus zugehört und mit ihm gesprochen. Fakt ist aber, die Finanzierung seitens des Landes Thüringen wird überdacht. Das muß nicht unbedingt bedeuten, daß das Land Thüringen ab 2008 weniger für die sieben Theater und zehn Orchester ausgibt, trotzdem werden die Musentempel weniger Geld in den eigenen Kassen haben. Der so genannte worst case, also der schlimmste Fall, der war in den zurückliegenden Wochen an der Nordhäuser Promenade durchaus schon mal durchgespielt worden. Zu diesem Szenario gehört die Nichtverlängerung des auslaufenden Haustarifvertrags, dazu gehören tarifliche Gehaltssteigerungen, dazu gehören aber auch die unsichere Finanzlage der kommunalen Gesellschafter und viele andere Faktoren. Untern Strich kam heraus, daß das Nordhäuser Theater und das Loh-Orchester ab 2008 mittelfristig nur noch 60 Prozent des jetzigen Budgets zur Verfügung haben werden. Wie gesagt, das wäre der schlimmste Fall, wohl aber nicht der GAU.
Und so ist jetzt die Zeit der Gedankenspiele gekommen. Was wird sein, wenn das Land Thüringen seine Förderung der Theaterlandschaft anders verteilt als bisher? Gesetzt sind so zusagen die Standorte Erfurt, Weimar und Meiningen. Was darum herum gespielt wird, das steht in Erfurt in den Sternen, wohl aber wird es dort maßgeblich bestimmt.
In punkto Einsparpotential ist Nordhausen im vergangenen Jahr wieder nach vorn geprescht. Was die Kooperation mit dem Theater in Rudolstadt aber wirklich kaufmännisch bringt, das kann wohl erst nach dieser Spielzeit gesagt werden, die gerade begonnen hat. Kritisch verfolgt man die Entwicklung nicht nur im Norden des Freistaates, sondern auch in Ostthüringen. Wenn das nicht so klappen sollte, dann werden die Nordhäuser – wie mehrfach angekündigt – ihre Fühler in benachbarte Bundesländer ausstrecken. Über den Harz hinaus könnte das geschehen, in Richtung Halberstadt, aber auch entlang der Autobahn 38 gibt es Kooperationsmöglichkeiten. In Eisleben zum Beispiel. Die dortige Landesbühne betreibt in eigener Regie nur das Schauspiel. Nach Eisleben kommt man in zwei Jahren in knapp mehr als 30 Minuten, nach Rudolstadt braucht man einen halben Tag.
Die Gedanken einer Kooperation mit einer Bühne in Sachsen-Anhalt sind auch der Landesregierung, vor allem dem Kultusministerium so fremd nun auch wieder nicht. Und die Formalitäten eines Staatsvertrages wären das geringste Übel, wenn nur in Thüringen gespart werden könnte. Was Nordhausen auf keinen Fall werden darf, das wäre ein reines Bespieltheater, macht Klaus Wahlbuhl (SPD) deutlich. Um das Minimalziel eines Spartenerhalts zu erreichen, ist viel Arbeit notwendig, selbst wenn die Zeit bis 2008 noch in weiter Ferne liegt.
Die Nordhäuser und Sondershäuser werden genügend Zeit haben, um auf sich aufmerksam zu machen. Vielleicht ähnlich, wie es einst Meiningen machte. Und da könnte die Japan-Tournee des Loh-Orchesters (nnz berichtete) ein erster Schritt sein. Denn schließlich gilt auch für den Musentempel in Nordhausen: Klappern gehört zum Handwerk.
Autor: nnzDer Nordhäuser Intendant Lars Tietje, der am Dienstagabend an einer Gesprächsrunde mit Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) teilnahm, beschrieb die Atmosphäre als sehr freundlich. Drei Stunden lang habe man Althaus zugehört und mit ihm gesprochen. Fakt ist aber, die Finanzierung seitens des Landes Thüringen wird überdacht. Das muß nicht unbedingt bedeuten, daß das Land Thüringen ab 2008 weniger für die sieben Theater und zehn Orchester ausgibt, trotzdem werden die Musentempel weniger Geld in den eigenen Kassen haben. Der so genannte worst case, also der schlimmste Fall, der war in den zurückliegenden Wochen an der Nordhäuser Promenade durchaus schon mal durchgespielt worden. Zu diesem Szenario gehört die Nichtverlängerung des auslaufenden Haustarifvertrags, dazu gehören tarifliche Gehaltssteigerungen, dazu gehören aber auch die unsichere Finanzlage der kommunalen Gesellschafter und viele andere Faktoren. Untern Strich kam heraus, daß das Nordhäuser Theater und das Loh-Orchester ab 2008 mittelfristig nur noch 60 Prozent des jetzigen Budgets zur Verfügung haben werden. Wie gesagt, das wäre der schlimmste Fall, wohl aber nicht der GAU.
Und so ist jetzt die Zeit der Gedankenspiele gekommen. Was wird sein, wenn das Land Thüringen seine Förderung der Theaterlandschaft anders verteilt als bisher? Gesetzt sind so zusagen die Standorte Erfurt, Weimar und Meiningen. Was darum herum gespielt wird, das steht in Erfurt in den Sternen, wohl aber wird es dort maßgeblich bestimmt.
In punkto Einsparpotential ist Nordhausen im vergangenen Jahr wieder nach vorn geprescht. Was die Kooperation mit dem Theater in Rudolstadt aber wirklich kaufmännisch bringt, das kann wohl erst nach dieser Spielzeit gesagt werden, die gerade begonnen hat. Kritisch verfolgt man die Entwicklung nicht nur im Norden des Freistaates, sondern auch in Ostthüringen. Wenn das nicht so klappen sollte, dann werden die Nordhäuser – wie mehrfach angekündigt – ihre Fühler in benachbarte Bundesländer ausstrecken. Über den Harz hinaus könnte das geschehen, in Richtung Halberstadt, aber auch entlang der Autobahn 38 gibt es Kooperationsmöglichkeiten. In Eisleben zum Beispiel. Die dortige Landesbühne betreibt in eigener Regie nur das Schauspiel. Nach Eisleben kommt man in zwei Jahren in knapp mehr als 30 Minuten, nach Rudolstadt braucht man einen halben Tag.
Die Gedanken einer Kooperation mit einer Bühne in Sachsen-Anhalt sind auch der Landesregierung, vor allem dem Kultusministerium so fremd nun auch wieder nicht. Und die Formalitäten eines Staatsvertrages wären das geringste Übel, wenn nur in Thüringen gespart werden könnte. Was Nordhausen auf keinen Fall werden darf, das wäre ein reines Bespieltheater, macht Klaus Wahlbuhl (SPD) deutlich. Um das Minimalziel eines Spartenerhalts zu erreichen, ist viel Arbeit notwendig, selbst wenn die Zeit bis 2008 noch in weiter Ferne liegt.
Die Nordhäuser und Sondershäuser werden genügend Zeit haben, um auf sich aufmerksam zu machen. Vielleicht ähnlich, wie es einst Meiningen machte. Und da könnte die Japan-Tournee des Loh-Orchesters (nnz berichtete) ein erster Schritt sein. Denn schließlich gilt auch für den Musentempel in Nordhausen: Klappern gehört zum Handwerk.



