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Mo, 12:32 Uhr
04.10.2004

nnz-doku: „Ehrenamt stärken!“

Nordhausen (nnz). Im Nordhäuser Theater sind gestern ehrenamtlich tötige Nordhäuser ausgezeichnet worden. Innerhalb der doku-reihe veröffentlicht die nnz die Festrede von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD).


Sehr geehrte Damen und Herren,

"Sohn meldet seine Mutter für den Ehrenamtspreis" - diese Schlagzeile habe ich gestern mit Vergnügen in einer süddeutschen Tageszeitung gelesen. Der 16 jährige Nic hatte seine Mutter zur Auszeichnung für ihr Engagement beim Kinderschutzbund und im Kinderladen vorgeschlagen. "Was meine Mutter macht, ist beachtlich", hatte er geschrieben. Auch was Sie, sehr geehrte Damen und Herren, geleistet haben, ist beachtlich - dafür möchten wir Ihnen auch in diesem Jahr - im Namen der Nordhäuser Bürgerschaft mit diesem Festakt herzlich danken.

Gestern ist die Woche des Ehrenamtes zu Ende gegangen - das freiwillige Engagement hat damit wieder verstärkt Beachtung gefunden. Und das zu Recht. Das gilt in diesem Jahr besonders für Nordhausen und das gilt vor allem für die vergangenen Monate. Am nächsten Wochenende schließt die Landesgartenschau ihre Pforten und damit geht auch das Kulturjahr 2004 seinem Ende entgegen. Trotz Regen und Kälte besuchten 400.000 Gäste unsere Stadt. Viele waren begeistert über das neue Gesicht unserer Stadt. Die Rautenstraße, die rekonstruierten Plattenbauten, die neuen Plätze, die im neuen Glanz erstrahlte alte Promenade, der viel bewunderte Kindergarten "Tierhäuschen" in der R.-Breitscheid-Straße und natürlich unsere Landesgartenschau wurden oft mit Freude und Anerkennung bedacht.

Die Verleihung des Thüringer Architekturpreises durch die Landesregierung unterstreicht dies noch einmal nachdrücklich. Das Jahr 2004 war ein Erfolg für unsere Stadt. Natürlich wäre das alles nicht möglich gewesen ohne das Zusammenwirken der vielen Beteiligten. Der Platz auf dieser Bühne reicht in diesem Jahr nicht, um die vielen fleißige Frauen und Männer, Jugendlichen und Kinder zu ehren, die unentgeltlich bzw. für ein geringes Salär ihren ganz persönlichen kleinen - großen - Beitrag zum Erfolg dieses Jahres 2004 mit seinen vielen Höhepunkte geleistet haben.

Tag für Tag und Woche für Woche waren Sie im Einsatz. Sie haben oft im Verborgenen die tausend kleine Handgriffe erledigt, die für das Gelingen des Großen Ganzen unverzichtbar sind. Sie haben geduldig die Fragen der Besucher beantwortet und auf Ordnung und Sicherheit geachtet. Sie haben Kinder auf dem Spielplatz betreut und hunderte von Plakaten geklebt, haben Ausstellungen auf- und abgebaut, waren auswärtigen Künstlern zu Diensten, haben Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen den Kletterfelsen hinauf- und auch wieder hinuntergeholfen. Katholische und evangelische Christen haben gemeinsam Besucherdienst in der Frauenberg-Kirche geleistet, Gottesdienste organisiert und gestaltet.Die Kleingärtner vom Roßmannsbach haben aus ihrer Anlage ein Schmuckkästchen gemacht.

Sie alle waren das Öl im Getriebe und die guten Seelen der vielen Veranstaltungen. Ihre Arbeit war eine große Unterstützung - eine unverzichtbare Unterstützung. Wir waren angetan und auch überrascht von Ihrer Professionalität. Sie haben unser aller Anerkennung verdient.

Diese Beispiele zeigen einmal mehr: Das ehrenamtliche Engagement kennt nur Gewinner! Da ist auf der einen Seite natürlich der Gewinn für die Gemeinschaft, der Gewinn für die Stadt, in der wir leben und die dadurch liebenswerter wird. Für die Gäste, die Nordhausen besuchten, wird nun unsere Stadt nicht nur mit einem schönen Stadtbild verbinden, sondern mit vielen freundlichen Gesichtern. Auf der anderen Seite - und sicher genauso wichtig - die innere Zufriedenheit jedes einzelnen Ehrenamtlichen, eine sinnvolle Tätigkeit geleistet zu haben, die eben viel mehr ist als nur eine Beschäftigung. Der Einsatz war vielleicht auch die Rückkehr zu einer Tätigkeit, die man freiwillig oder unfreiwillig nicht mehr ausüben konnte, war die Möglichkeit, einem Hobby in größerem Stil nach zu gehen, vielleicht die Chance, ihr Wissen und Können und ihre Fähigkeiten auf einem neuen Betätigungsfeld auszuprobieren und weiterzugeben.

Sie und alle, die wir heute ehren, haben mit ihrer Tat und ihrem Einsatz zugleich den Schritt getan hinaus aus den angeblich so anonymen Strukturen der Massengesellschaft, die aktuell unter dem Vorzeichen der so genannten Globalisierung immer wieder beklagt werden.

Sie haben Verantwortung übernommen und aktiv mitgestaltet, haben die "Erlebnisgesellschaft" im anderen - positiven Sinne gelebt - eben nicht passiv erlebt, sondern für sich zum Erlebnis gemacht. Gleichzeitig haben sie damit den republikanischen Gedanken aufgegriffen: "Res publika", die öffentliche Sache, lebt nicht allein von sich allein, sondern durch das Mittun aller und aller gemeinsam.

Alle, die wir heute ehren, haben sich bewusst oder unbewusst an dem Ausspruch von J. F. Kennedy orientiert "Frage nicht zuerst danach, was Dein Land für Dich tut, sondern frage danach, was Du für Dein Land tun kannst." Im übertragenen Sinne haben sie gefragt, was kann ich für meine Stadt tun und darauf ihre ganz persönliche Antwort gefunden. Sie haben Verantwortung nicht irgendwohin delegiert, um dann bequem zu kritisieren, sie haben mitgetan und haben sich selbst verantwortlich gefühlt, für das, was sie tun und für die Gemeinschaft. Sie haben ein Stück Zuständigkeit für das Leben hier und für ihre Stadt im ganzen übernommen, haben sich ein Stück Nordhausen ganz persönlich für sich erobert und zu eigen gemacht. Sie haben der Gemeinschaft gedient und Gemeinschaft gestiftet, haben die Freiheitsrechte der Demokratie nicht nur als Abwehrrechte gegen den Staat, sondern als Recht zur Mitgestaltung des öffentlichen Lebens verstanden und genutzt.

Ohne die Menschen, die sich in den Dienst des städtischen Gemeinwesens stellen, könnte auch Nordhausen nicht existieren, würde sogar die kommunale Selbstverwaltung in sich zusammenbrechen. Ohne die Freiwilligen könnten wir unsere Museen nicht offen-, den Breitensport nicht am Leben- und die Feuerwehren nicht einsatzbereit halten. Die Jugendarbeit käme über weite Strecken quasi zum Erliegen. In diesem Zusammenhang muss aber auch klar gesagt werden: Der Freiwillige Dienst ist kein Alibi für sinkende öffentliche Aufgaben, das Ehrenamt ist somit kein Bärendienst. Die Freiwilligen werden und können die Professionellen nicht ersetzen, doch nur durch sie können wir auch in Zukunft Qualität und Angebotsbreite erhalten, und nur mit ihnen können wir sie sogar ausbauen."
Auszug
Autor: nnz

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