Mi, 06:20 Uhr
12.07.2017
Nordhäuser Geschichts- und Alterumsverein
Es lutherte im Tabakspeicher
Wir schreiben das Jahr 2017. Es ist das Jahr des 500. Jahrestages der Reformation. So verwundert es nicht, dass es seit Monaten vor allem in unseren Breiten mächtig luthert. Auch die Nordhäuser Geschichtsfreunde konnten und wollten sich dieser Thematik nicht entziehen. Die nnz mit weiteren Einzelheiten…
Die Hobbyhistoriker hatten am Dienstagabend Fritz Reinboth aus Braunschweig zu Gast. Und das passende Thema hatte er mit im Gepäck: Martin Luther. Dabei ging es dem Referenten nicht um Leben und Wirken des Reformators, gab und gibt es doch inzwischen unzählige Beiträge in den Medien darüber.
Reinboth schlug vielmehr einen bildlichen wie verbalen Bogen von Walkenried nach Nordhausen. Dabei stellte er in seinem Vortrag vor allem bekannte und weniger bekannte Anekdoten vorn an, in denen Luther mit Walkenried und Nordhausen in Verbindung gebracht wird.
Was hatte es zum Beispiel mit der Walkenrieder sogenannten Lutherfalle auf sich? Angeblich wollten Mönche den verhassten Luther umbringen. Unter der Schlafsaaltreppe des Klosters befand sich nämlich ein Schacht, in der sie den Reformator stürzen wollten. Luthers Hund war schneller, lief über die Falltür, die Luther-Wippe, und fiel in die Tiefe. Luther war gewarnt, das Attentat scheiterte. Es ist allerdings nicht belegt, ob Luther jemals in Walkenried geweilt hat.
In einer anderen Geschichte, die der Fantasie des Nordhäuser Heimatdichter Jocosus entstammte, heißt es, dass Luther nach dem gescheiterten Attentat von Walkenried in Nordhausen Obdach gefunden hat. Und bei einer späteren Reise des Reformators nach Nordhausen traf er unterwegs einen Schuhmacher, der ihn zu sich nach Hause einlud. Diese Begebenheit soll Anlass für die spätere Lutherverehrung durch die Nordhäuser Schumacher und die Feierlichkeiten zu Martini (10. November) gewesen sein.
In den Nordhüschen Rieme unn Biller (Nordhäuser Reime und Bilder) wird berichtet, dass Justus Jonas bei Familie Luther am Martinsabend zu Gast war. Es gab Gänsebraten und Blaukohl. Luther soll dabei seinem Gast ein Trinkglas mit einem Gedicht überreicht haben. Carl Duval hat darüber zuerst in einem Beitrag der Reihe Thüringen und der Harz geschrieben. Duval erwähnt erstmals das sogenannte Nürnberger Glas, das mit einer aufgemalten Inschrift in lateinischer Sprache versehen war. Historisch belegt ist das nicht. Die Überlieferungen aus Nordhausen sind reine Fantasie.
Justus Jonas` Geburtsstadt war zwar Nordhausen, er verbrachte aber viele Jahre zunächst in Wittenberg und später in Halle, wo er als Prediger an der Marienkirche wirkte. Belegt ist, dass ihn Luther mehrere Male in seinem Haus in der Schmeerstraße in Halle besuchte.
Fritz Reinboth gelang es vortrefflich, die Hintergründe für die frei erfundenen und mitunter fantasievoll ausgeschmückten Anekdoten aufzuzeigen. Und so wurde sein kurzweiliger Vortrag mit viel Beifall bedacht.
Den nächsten Geschichtsabend gibt es am 8. August um 19.30 Uhr wieder im Nordhäuser Tabakspeicher. Robert von Lucius aus Berlin spricht über Die vier Lucius-Brüder – Unternehmer, Politiker, Weltreisende. Interessierte Gäste sind sehr willkommen.
Hans-Georg Backhaus
Autor: redDie Hobbyhistoriker hatten am Dienstagabend Fritz Reinboth aus Braunschweig zu Gast. Und das passende Thema hatte er mit im Gepäck: Martin Luther. Dabei ging es dem Referenten nicht um Leben und Wirken des Reformators, gab und gibt es doch inzwischen unzählige Beiträge in den Medien darüber.
Reinboth schlug vielmehr einen bildlichen wie verbalen Bogen von Walkenried nach Nordhausen. Dabei stellte er in seinem Vortrag vor allem bekannte und weniger bekannte Anekdoten vorn an, in denen Luther mit Walkenried und Nordhausen in Verbindung gebracht wird.
Was hatte es zum Beispiel mit der Walkenrieder sogenannten Lutherfalle auf sich? Angeblich wollten Mönche den verhassten Luther umbringen. Unter der Schlafsaaltreppe des Klosters befand sich nämlich ein Schacht, in der sie den Reformator stürzen wollten. Luthers Hund war schneller, lief über die Falltür, die Luther-Wippe, und fiel in die Tiefe. Luther war gewarnt, das Attentat scheiterte. Es ist allerdings nicht belegt, ob Luther jemals in Walkenried geweilt hat.
In einer anderen Geschichte, die der Fantasie des Nordhäuser Heimatdichter Jocosus entstammte, heißt es, dass Luther nach dem gescheiterten Attentat von Walkenried in Nordhausen Obdach gefunden hat. Und bei einer späteren Reise des Reformators nach Nordhausen traf er unterwegs einen Schuhmacher, der ihn zu sich nach Hause einlud. Diese Begebenheit soll Anlass für die spätere Lutherverehrung durch die Nordhäuser Schumacher und die Feierlichkeiten zu Martini (10. November) gewesen sein.
In den Nordhüschen Rieme unn Biller (Nordhäuser Reime und Bilder) wird berichtet, dass Justus Jonas bei Familie Luther am Martinsabend zu Gast war. Es gab Gänsebraten und Blaukohl. Luther soll dabei seinem Gast ein Trinkglas mit einem Gedicht überreicht haben. Carl Duval hat darüber zuerst in einem Beitrag der Reihe Thüringen und der Harz geschrieben. Duval erwähnt erstmals das sogenannte Nürnberger Glas, das mit einer aufgemalten Inschrift in lateinischer Sprache versehen war. Historisch belegt ist das nicht. Die Überlieferungen aus Nordhausen sind reine Fantasie.
Justus Jonas` Geburtsstadt war zwar Nordhausen, er verbrachte aber viele Jahre zunächst in Wittenberg und später in Halle, wo er als Prediger an der Marienkirche wirkte. Belegt ist, dass ihn Luther mehrere Male in seinem Haus in der Schmeerstraße in Halle besuchte.
Fritz Reinboth gelang es vortrefflich, die Hintergründe für die frei erfundenen und mitunter fantasievoll ausgeschmückten Anekdoten aufzuzeigen. Und so wurde sein kurzweiliger Vortrag mit viel Beifall bedacht.
Den nächsten Geschichtsabend gibt es am 8. August um 19.30 Uhr wieder im Nordhäuser Tabakspeicher. Robert von Lucius aus Berlin spricht über Die vier Lucius-Brüder – Unternehmer, Politiker, Weltreisende. Interessierte Gäste sind sehr willkommen.
Hans-Georg Backhaus













