Di, 12:19 Uhr
28.09.2004
Fair futtern
Nordhausen (nnz). Kaffee wird immer billiger, nicht mal 5 Euro kostet ein Päckchen. Andererseits geben wir locker 50 Euro für ein Mittagessen mit der Familie in einer Gaststätte aus. Wie das zusammenhängt und ob das alles so ganz fair zugeht, die nnz klärt Sie auf.
Fair futtern (Foto: nnz)
Einen Euro für die Tasse Kaffee am Backwarenstand im Supermarkt, ein ganzes Päckchen für unter fünf Euro, da verdient der Bäcker mit dem Einschenken auf jeden Fall mehr als der Bauer, der den Kaffee anbaut. Kein Problem, der ist ja weit weg, dieser anonyme Landwirt. Irgendwo in Südamerika oder in Afrika wirtschaftet er vor sich hin. Geld braucht der ja keins, gibt ja eh nix zu kaufen dort. Hauptsache wir haben billige Nahrung, Geiz ist geil.
Natürlich ist es zu verstehen, daß die Leute bei uns günstig einkaufen wollen. Aber dürfen uns deshalb über 25 Millionen Menschen in 60 Ländern rund um den Äquator so vollkommen egal sein? Haben die es nicht genau wie wir verdient, für gute Arbeit auch genug Geld zum Leben zu bekommen?
Schon vor 30 Jahren kam die Diskussion auf, daß es wenig Sinn macht, die Menschen der sogenannten Dritten Welt mit Almosen zu beschenken. Man nimmt ihnen ihre Würde und macht sie abhängig von den Gaben der westlichen Länder. Warum nicht einfach mit ihnen Handel betreiben und so viel dafür bezahlen, wie die Sachen wirklich wert sind? Preistreibende Groß- und Zwischenhändler, die am Verpacken der Waren den größten Gewinn machen, könnte man einfach ausschalten, indem man selbst ein Vertriebsnetz aufbaut. Das war die Idee der Gesellschaft für partnerschaftlichen Handel.
Diese Idee wurde zum Erfolg. Nicht nur die rund 600 Weltläden, sondern auch über 22.000 Supermärkte in ganz Deutschland verkaufen Kaffee, Kakao, Trockenobst, Schokolade, Tee und viele andere Produkte, die nicht nur gut schmecken, sondern auch gut sind.
Nach den ökologischen Krisen in der Welt heißt fairer Handel nicht nur, daß er den Menschen Geld zum Leben verschafft, sondern auch, daß die Umwelt fair behandelt wird. Ökologische Landwirtschaft schont den Boden und gibt auch den Kindern und Enkeln der Bauern noch die Möglichkeit auf diesem Landstück anzubauen. Raubbau, wie aus den tropischen Regenwäldern bekannt, wird so effektiv vermieden, erklärt Peter Kube, der den Weltladen in Nordhausen unterstützt.
Selbst für Menschen, die für Ausländer wenig übrig haben, ist der faire Handel eine hervorragende Idee, denn er hilft wirtschaftlich motivierte Migration zu verhindern. Wer von seiner eigenen Arbeit leben kann, dessen Kinder zur Schule gehen und wo im Notfall ein Krankenhaus in der Nähe ist, der bleibt in seinem Land. Schließlich fühlt sich ja auch jeder in der eigenen Kultur und Heimat am wohlsten.
Der Eine-Welt-Laden in der Barfüßerstraße besteht seit Advent 2002. Vorher befand er sich in der Domstraße. Jetzt liegt er aber viel günstiger, da er in einer Fußgängerzone viele Aktionen auch einfach auf dem Bürgersteig durchführen kann. Wichtig ist uns die Idee zu transportieren. sagt Peter Kube. Es wäre zwar schön, wenn wir auch eine Familie bei uns durch Arbeit im Weltladen finanzieren könnten, aber so weit ist es noch nicht.
Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Ehrenamtliche oder Praktikanten. Sie finden die Idee eines Infoladens und die des fairen, ökologischen Landbaues gut. Auch ausländische Menschen machen mit, so bekommt der Kunde neben wertvollen Produkten noch Informationen aus erster Hand.
Im Rahmen der Fairen Woche vom 20. bis 26. September fand im Weltladen ein regelmäßiger Cafe´- Betrieb statt. Das kam so gut an, vor allem bei den Schülern, daß diese faire Frühstücksmöglichkeit auch in der Zukunft bestehen bleiben soll.
Neben Lebensmitteln aus aller Welt, findet der Kunde auch Geschenkartikel und nützliche Gebrauchsgegenstände im Weltladen. Grade jetzt, wo Lebkuchen und Schokoweihnachtsmänner schon auf das bevorstehende Fest hinweisen, lohnt ein Besuch in diesem etwas anderen Geschäft. Ein Präsentkorb mit fair gehandelten Produkten wäre bestimmt das passende Geschenk für die lieben Verwandten, die eh schon alles haben.
Autor: wf
Fair futtern (Foto: nnz)
Einen Euro für die Tasse Kaffee am Backwarenstand im Supermarkt, ein ganzes Päckchen für unter fünf Euro, da verdient der Bäcker mit dem Einschenken auf jeden Fall mehr als der Bauer, der den Kaffee anbaut. Kein Problem, der ist ja weit weg, dieser anonyme Landwirt. Irgendwo in Südamerika oder in Afrika wirtschaftet er vor sich hin. Geld braucht der ja keins, gibt ja eh nix zu kaufen dort. Hauptsache wir haben billige Nahrung, Geiz ist geil.Natürlich ist es zu verstehen, daß die Leute bei uns günstig einkaufen wollen. Aber dürfen uns deshalb über 25 Millionen Menschen in 60 Ländern rund um den Äquator so vollkommen egal sein? Haben die es nicht genau wie wir verdient, für gute Arbeit auch genug Geld zum Leben zu bekommen?
Schon vor 30 Jahren kam die Diskussion auf, daß es wenig Sinn macht, die Menschen der sogenannten Dritten Welt mit Almosen zu beschenken. Man nimmt ihnen ihre Würde und macht sie abhängig von den Gaben der westlichen Länder. Warum nicht einfach mit ihnen Handel betreiben und so viel dafür bezahlen, wie die Sachen wirklich wert sind? Preistreibende Groß- und Zwischenhändler, die am Verpacken der Waren den größten Gewinn machen, könnte man einfach ausschalten, indem man selbst ein Vertriebsnetz aufbaut. Das war die Idee der Gesellschaft für partnerschaftlichen Handel.
Diese Idee wurde zum Erfolg. Nicht nur die rund 600 Weltläden, sondern auch über 22.000 Supermärkte in ganz Deutschland verkaufen Kaffee, Kakao, Trockenobst, Schokolade, Tee und viele andere Produkte, die nicht nur gut schmecken, sondern auch gut sind.
Nach den ökologischen Krisen in der Welt heißt fairer Handel nicht nur, daß er den Menschen Geld zum Leben verschafft, sondern auch, daß die Umwelt fair behandelt wird. Ökologische Landwirtschaft schont den Boden und gibt auch den Kindern und Enkeln der Bauern noch die Möglichkeit auf diesem Landstück anzubauen. Raubbau, wie aus den tropischen Regenwäldern bekannt, wird so effektiv vermieden, erklärt Peter Kube, der den Weltladen in Nordhausen unterstützt.
Selbst für Menschen, die für Ausländer wenig übrig haben, ist der faire Handel eine hervorragende Idee, denn er hilft wirtschaftlich motivierte Migration zu verhindern. Wer von seiner eigenen Arbeit leben kann, dessen Kinder zur Schule gehen und wo im Notfall ein Krankenhaus in der Nähe ist, der bleibt in seinem Land. Schließlich fühlt sich ja auch jeder in der eigenen Kultur und Heimat am wohlsten.
Der Eine-Welt-Laden in der Barfüßerstraße besteht seit Advent 2002. Vorher befand er sich in der Domstraße. Jetzt liegt er aber viel günstiger, da er in einer Fußgängerzone viele Aktionen auch einfach auf dem Bürgersteig durchführen kann. Wichtig ist uns die Idee zu transportieren. sagt Peter Kube. Es wäre zwar schön, wenn wir auch eine Familie bei uns durch Arbeit im Weltladen finanzieren könnten, aber so weit ist es noch nicht.
Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Ehrenamtliche oder Praktikanten. Sie finden die Idee eines Infoladens und die des fairen, ökologischen Landbaues gut. Auch ausländische Menschen machen mit, so bekommt der Kunde neben wertvollen Produkten noch Informationen aus erster Hand.
Im Rahmen der Fairen Woche vom 20. bis 26. September fand im Weltladen ein regelmäßiger Cafe´- Betrieb statt. Das kam so gut an, vor allem bei den Schülern, daß diese faire Frühstücksmöglichkeit auch in der Zukunft bestehen bleiben soll.
Neben Lebensmitteln aus aller Welt, findet der Kunde auch Geschenkartikel und nützliche Gebrauchsgegenstände im Weltladen. Grade jetzt, wo Lebkuchen und Schokoweihnachtsmänner schon auf das bevorstehende Fest hinweisen, lohnt ein Besuch in diesem etwas anderen Geschäft. Ein Präsentkorb mit fair gehandelten Produkten wäre bestimmt das passende Geschenk für die lieben Verwandten, die eh schon alles haben.

