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Mo, 07:50 Uhr
27.09.2004

Geheimplan Südharz oder: Wer mit wem? (1)

Nordhausen (nnz). Die nnz hatte in den zurückliegenden Jahren mehrfach über Gedanken zu einer kreislichen Gebietsreform berichtet. Bislang waren es Gedanken, jetzt gibt es einen „Geheimplan Südharz“.


Offiziell kennt diesen Plan natürlich niemand, doch in den vergangenen Wochen wurden alle kommunikativen Möglichkeiten zwischen den einzelnen Gebietsfürsten im Landkreis Nordhausen genutzt, um die künftigen Strukturen zu beraten, zu diskutieren und vielleicht auch schon mal die Claims abzustecken. Ob nun am Rand von Kreistagssitzungen, bei Beratungen des Gemeinde- und Städtebundes oder einfach per Mail: Jeder von den Bürgermeistern weiß zur Zeit genau, mit wem er über diesen Geheimplan reden kann und mit wem nicht.

Mit wem nicht, daß hängt in erster Linie vom Datum der nächsten Wahlen ab. Mit wem? Vor allem mit jenen, denen das Wasser in den kommenden Jahren an der berühmten Oberkante der Unterlippe stehen wird. Da sind nicht nur die sinkenden Einwohnerzahlen von Mackenrode bis Heringen die Ursache, sondern auch die wohl ausbleibenden Zuweisungen vom Land Thüringen. Wenn die große Stadt Nordhausen jetzt schon beklagt, daß sie im kommenden Jahr kaum noch Möglichkeiten einer politischen Gestaltung haben wird, dann wird der Aufschrei in den kleinen Kommunen umso größer sein. Die werden in den nächsten Jahren – relativ gesehen – noch weniger vom immer kleiner werdenden Kuchen abbeißen dürfen.

In Nordhausen werden es im Jahr 2005 4,6 Millionen Euro weniger sein, in Ellrich 100.000 Euro. Diese Minus wird Gerald Schröder genauso schlecht verkraften können wie seine Kollegin Barbara Rinke. „Bei uns ist dann im nächsten Jahr die Luft raus“, meinte Schröder in dieser Woche. Die Luft wird in den kommenden Jahren vor allem im Vermögenshaushalt raus sein, denn aus diesem müssen Kredite bedient werden. Die Thüringer Landesregierung scheut selbst jetzt – kurz nach der Landtagswahl – eine Gebietsreform wie der Teufel das Weihwasser. Obwohl man jetzt doch nicht nur alle Macht, sondern auch die Zeit hätte, diese Notwendigkeit durchzusetzen.

Erkannt wird sie, die Notwendigkeit. Also kommt man in Erfurt auf dem indirekten Weg vielleicht auch zum Ziel. Man wird kleinen selbständigen Gemeinden den Hahn zudrehen. Mehr als den großen. Doch die gibt es – außer Nordhausen – im Landkreis Nordhausen nicht. Nur zwei Regionen sind 1994 den mutigen Weg der Einheitsgemeinde gegangen und haben vernünftige Größen geschaffen – Mackenrode & Co. sowie Ellrich. Alle anderen wollten nicht, lieber gründete man Verwaltungsgemeinschaften, die sich heute als völlig uneffektiv erweisen oder man schaffte das künstliche Gebilde einer erfüllenden Gemeinde wie Bleicherode. Noch verrückter war es in Sollstedt, das nur mit einer Sondergenehmigung in die Selbständigkeit entlassen wurde.

Es gibt also in den kommenden Jahren viel zu tun im Landkreis Nordhausen. Es wird sich einiges bewegen. Da wird an Rathaustüren geklopft, das wird es offizielle Gespräche und weiterhin konspirative E-Mails geben. Die nnz wird im nächsten Teil dieser Beitragsreihe die ersten Pläne analysieren und Varianten aufzeigen. Denn eigentlich: „Wer mit wem?“, das ist schon längst kein Geheimnis mehr.
Autor: nnz

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