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Mo, 19:55 Uhr
03.04.2017
Neubau der Feuerwache nimmt nächste Hürde

Es ist Zeit

Heute Abend kam man dem Neubau der zentralen Nordhäuser Feuerwache wieder ein Stück näher: im Nordhaus wurden vier Architektenentwürfe ausgezeichnet. Mit einstimmiger Entscheidung der Jury trug ein Stuttgarter Büro den Sieg davon, das schon Erfahrung im Bau von Feuerwachen hat...

Der Architekten-Wettbewerb zum Neubau des Feuerwehrtechnischen Zentrums in Nordhausen ist abgeschlossen. (Foto: Angelo Glashagel)
"Es ist Zeit", sagte Nordhausens Bürgermeisterin Jutta Krauth am Abend, "nicht nur weil das jetzige Gebäude aus dem Jahr 1936 stammt. Die Entscheidung ist uns in Zeiten der Haushaltssicherung nicht leicht gefallen, wir haben uns viele Gedanken gemacht. Wir brennen alle darauf, dieses Projekt endlich umzusetzen".

Eine Zielmarke auf dem Weg zum Neubau einer Feuerwache für die Berufsfeuerwehr und drei freiwillige Wehren hat man nun genommen: der Architekten-Wettbewerb zum Neubau des Feuerwehrtechnischen Zentrums in Nordhausen ist abgeschlossen. Im SWG-Stadtteilzentrum „Nordhaus“ wurden die vier Preisträger ausgezeichnet und der Siegerentwurf des Stuttgarter Büros Dasch-Zürn-Architekten vorgestellt.

Das Konzept aus Stuttgart sieht ein U-förmig geschnittenes, zweigeschossiges Hauptgebäude aus beige-grauem Klinker und ein eingeschossiges Nebengebäude in Richtung Zorge vor. „Mit ihrer sehr disziplinierten Kubatur gehört die Arbeit zu den „kleinen“ Lösungen innerhalb des Teilnehmerfeldes und lässt eine sehr wirtschaftliche Realisierung und einen ebensolchen Betrieb erwarten“, würdigt das Preisgericht den Siegerentwurf. Inge Klaan, Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWG), lobte die hohe Qualität der eingereichten Entwürfe. „Mit dem Wettbewerb haben wir für diese anspruchsvolle Aufgabe und für Nordhausen das bestmögliche Ergebnis erzielt“, so die SWG-Chefin.

Auch Feuerwehrchef Gerd Jung zeigte sich zufrieden, man sehe deutlich das dass Büro nicht zum ersten mal eine Feuerwache geplant habe, so Jung, "die Bedürfnisse unserer Arbeit wurden konsequent mitgedacht". Wie wichtig stringente Abläufe und professionelles Handeln von Rettungskräften und Katastrophenschutz sein können, hatte man erst am Wochenende wieder beobachten können, als wegen der Entschärfung eines Blindgängers rund 1000 Menschen in Nordhausen evakuiert werden mussten. Das die Feuerwehr "im Hintergrund verlässlich für uns alle" arbeite, schaffe Sicherheit und Vertrauen, sagte Klaan, und auch sie "brenne" darauf loszulegen.

Der Siegerentwurf stammt vom Büro Dasch-Zürn-Architekten aus Stuttgart und ist mit 27.000 Euro dotiert (Foto: Angelo Glashagel)
Das es für die weitere Planung eines Wettbewerbs bedurfte, habe mehrere Gründe, erklärte die Leiterin der Wohnungsbaugesellschaft. Zum einen sehe der Gesetzgeber einem Projekt dieser Größenordnung, man rechnet mit Baukosten in Höhe von rund 10 Millionen Euro, eine europaweite Ausschreibung vor. Insgesamt 72 Planungsbüros hatten nach der europaweiten Ausschreibung Interesse an der Planung des neuen Nordhäuser Feuerwehrzentrums bekundet. 20 Büros sind nach einem Losverfahren in die engere Wahl gezogen worden, 18 haben sich schließlich mit einem Entwurf beteiligt. Zum anderen habe der Wettbewerb gezeigt das es viele unterschiedliche Lösungen gibt ein solches Gebäude zu bauen, so Klaan weiter, das bringe bei allen Beteiligten Breite und Akzeptanz in den Prozess, "es müssen nicht immer die roten Tore sein".

Am Auswahlprozess waren auch die Feuerwehrkameraden beteiligt (Foto: Angelo Glashagel) Auch über die Beteiligung der Kameraden an der Jury freute man sich bei der Feuerwehr. Die Rettungskräfte hätten sich "hochkreativ" in den Auswahlprozess eingebracht, lobte Professor Hestermann, der den Auswahlprozess für die Thüringer Architektenkammer begleitete.

Das neunköpfige Preisgericht hatte Donnerstag vergangene Woche in fast zehnstündiger Zusammenkunft die 18 eingereichten und anonymisierten Entwürfe beraten und in zwei Wertungsgängen über die drei Preisträger und den Anerkennungspreis abgestimmt. In einem nächsten Schritt soll der Förderantrag beim Landesverwaltungsamt in Weimar komplettiert werden. SWG Chefin Klaan geht von einem Baustart Anfang 2018 aus.

Ab 4. April können sich alle Nordhäuser selbst ein Bild von den finalen Entwürfen machen. Sie werden bis Ende April im großen Saal des „Nordhaus“, Stolberger Straße 131, ausgestellt.

Die vier mit einem Preisgeld prämierten Entwürfe im Überblick:

Der Siegerentwurf stammt vom Büro Dasch-Zürn-Architekten aus Stuttgart (Arbeit 1008). Der Entwurf sieht ein U-förmig geschnittenes, zweigeschossiges Hauptgebäude aus beige-grauem Klinker und ein eingeschossiges Nebengebäude in Richtung Zorge vor. Der Schlauchturm befindet sich an der Feuerwehr-Zufahrt in der Zorgestraße. „Mit ihrer sehr disziplinierten Kubatur gehört die Arbeit zu den „kleinen“ Lösungen innerhalb des Teilnehmerfeldes und lässt eine sehr wirtschaftliche Realisierung und einen ebensolchen Betrieb erwarten…Insgesamt gelingt der Arbeit mit einem wohltuend zurückhaltenden Aufwand eine einprägsame, kompakte und allen funktionalen Anforderungen entsprechende Interpretation der Aufgabe“, heißt es in der Beurteilung des Preisgerichtes.

Der Entwurf lässt in Richtung Halleschen Straße ein großzügig bemessenes grünes Vorfeld, nach Westen rücken die Baukörper jedoch bis auf Gehwegbreite an die Hallesche Straße heran und ermöglichen so eine räumliche Fassung der südlichen Stadteinfahrt. Der Entwurf sieht den Haupteingang des Gebäudes im Kreuzungsbereich der Halleschen Straße. Die Ein- und Ausfahrt der Einsatzfahrzeuge ist allerdings von der Pkw-Zufahrt konsequent entkoppelt und verläuft südlich von Schlauchturm und Übungsfläche mit direkter Anbindung an den Innenhof. Alle geforderten Pkw-Stellplätze können nördlich des Hauptgebäudes realisiert werden.
Verblüffend einfach gelinge den Architekten um Helmut Dasch und Joachim Zürn auch die innere Organisation des Gebäudeensembles: Innerhalb der sehr leistungsfähigen Grundstruktur würden alle funktionalen Anforderungen erfüllt, so das Urteil der Jury. Positiv bewerteten die Preisrichter beispielsweise die klare Trennung der Funktionsbereiche für die Nordhäuser Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Wehren, die separate Erschließung für die Räume der Jugendfeuerwehr sowie die gute Erreichbarkeit der Lagerräume.

Darüber hinaus findet das Landeslager im separat erschlossenen, eingeschossigen Nebengebäude Platz. Die Preisrichter lobten hier außerdem die Einbindung des Gebäudes in den Naturraum der Zorge. Einziger Kritikpunkt: Die Dimensionierung des Innenhofes am Hauptgebäude müsse im Falle der Realisierung noch einmal überprüft werden, da die Preisrichter den Hof „subjektiv“ als sehr klein empfanden.
Das Architekturbüro erhält 27 000 Euro Preisgeld.

Den 2. Preis und damit 16 000 Euro Preisgeld erhält das Architekturbüro N2-Architekten PartGmbB (Arbeit 1003) aus Fellbach. Der Entwurf sieht ein winkelförmiges Gebäude vor, das aus einem zweigeschossigen Baukörper im Norden und einem eingeschossigen Baukörper an der Halleschen Straße besteht. „Funktional überzeugt die Arbeit durch die Anordnung des geforderten Raumprogramms, das die Einsatzabläufe optimal unterstützt“, so ein Urteil der Preisrichter. Der Übungshof lasse durch seine Großzügigkeit vielfältigste Nutzungen zu, die Anordnung des Landeslagers sei schlüssig. Die durchgehend klare Haltung, die sich aus dem städtebaulichen Grundgedanken, dem Erschließungskonzept und der architektonischen Gesamtaussage ergibt, überzeugte die Jury. Als problematisch stuften die Experten jedoch die fehlende Anbindung an den Landschaftsraum Zorge ein.

Mit dem 3. Preis wurde der Entwurf des Büros H III S Architekten aus Stuttgart (Arbeit 1002) ausgezeichnet. Dieser Entwurf sieht eine abgewinkelte Bauform mit unterschiedlichen Gebäudehöhen vor. „Insgesamt stellt der Wettbewerbsbeitrag hinsichtlich Funktionalität und der gewählten städtebaulichen, baukörperlichen und architektonisch-gestalterischen Mittel einen überzeugenden Lösungsvorschlag dar“, so das abschließende Urteil des Preisgerichtes. Als problematisch beurteilten die Experten bei diesem Entwurf die Zufahrt zur Halleschen Straße: „Die Erschließung erfolgt konzentriert und nahe am Einfahrts-/Kreuzungspunkt zur Halleschen Straße und führt hierdurch zu Konflikten im Einfahrtsbereich insbesondere im Alarmfall.“

Durchweg positiv gelöst hätten die Architekten hingegen die innere Gestaltung des Gebäudes in verschiedene Funktionsbereiche. Auch dieser Entwurf sieht ein separates Gebäude in Richtung Zorge für das Landeslager vor.
Das Büro erhält für seine Arbeit ein Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro.

Einen Anerkennungspreis und Preisgeld in Höhe von 7000 Euro erhält die kplan AG (Arbeit 1014) um Simone Mattedi aus Siegen. Der Entwurf sticht durch seine außergewöhnliche Gebäudeform deutlich aus den 18 Wettbewerbsarbeiten heraus. Der Feuerwehrkomplex besteht aus zwei polygonalen Baukörpern, wobei das Hauptgebäude über einen mittigen, großen Lichthof verfügt. Durchweg positiv gelungen sei laut Jury die innere Organisation und Aufteilung in Bereiche der Freiwilligen Feuerwehr und der Berufsfeuerwehr. Auch die Zufahrten und die Alarmausfahrten seien bei diesem Entwurf sehr gut positioniert und ermöglichten eine komplett konfliktfreie An- und Abfahrt aller Fahrzeuge.

Negativ beurteilen die Preisrichter drei Dinge: Zum einen kann das geforderte Landeslager an der im Entwurf vorgeschlagenen Stelle baurechtlich nicht umsetzt werden, zum anderen würden die gewünschten Erweiterungsflächen der Fahrzeughalle fehlen. Und zu guter Letzt äußerten die Preisrichter Bedenken ob der ausreichenden Belichtung der meisten Räume.
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Kommentare

03.04.2017, 22.42 Uhr
Realist 1.0 | gibt es in Thüringen oder den neuen Bundesländern keine Architekten mehr ?
Mir ist in letzter Zeit in den Medien aufgefallen, das bei solchen großen Ausschreibungen komischerweise immer westdeutsche Architekturbüros gewinnen.
04.04.2017, 01.34 Uhr
U. Alukard | Seit Jahren wird geredet,
wann ist die Feuerwache nun fertig und geht ans "Netz"?
04.04.2017, 08.31 Uhr
Boris Weißtal | @unrealist
Noch bevor ich den Artikel aufgemacht hatte, war mir klar, dass mindestestens ein Kommentar vom Schlage "mimimi-warum-nicht-von-hier-mimimi" ist...

Dennoch hier nochmal gaaanz einfach erklärt:

Weil wir für Nordhausen die beste Lösung haben wollen! Deshalb nennt man das WETTBEWERB. Jedem Thüringer Architekturbüro stand es frei, einen besseren Vorschlag einzureichen.

Im Übrigen sind 20% der Thüringer Bevölkerung nach der Wende in den Westen gegangen. Glauben Sie eigentlich, dass die dort alle Mülltonnen leeren?
Die sind u.a. Abteilungsleiter, Ärzte, Geschäftsführer oder eben auch Architekten, die sich alle zu ihrem Glück nicht mehr rechtfertigen müssen, weil den Job ein Ossi gekriegt hat.
04.04.2017, 08.54 Uhr
NDHler | Boris Weißtal
Genauso ist es!!!
Und jetzt kommt hier gleich wolfi und erklärt uns hier die Welt der „Scheindemokratie“!
Ich bin froh, dass jetzt endlich Bewegung in die Sache kommt. Nachdem Zeh den Standort Zorgestrasse für nicht geeignet hielt um dann einige Monate später festzustellen, dass es keinen geeigneteren gibt, kann es jetzt endlich losgehen! Zeit wurde genug verschwendet! Im aktuellen Haushaltsentwurf war auch zu lesen, dass Planungskosten für den Umbau der Taschenbergkreuzung eingeplant sind. Auch daran wurde also gedacht!
04.04.2017, 18.51 Uhr
Kilian Baltres | Frau Klaan und Frau Krauth machen es vor
Frau Krauth und Frau Klaan machen es vor, daü man, wenn man zusammenarbeitet, viel gutes für unser Nordhausen erreichen kann. Obwohl sie aus zwei verschiedenen Parteien kommen, ziehen sie an einem Strang. Darüber kann man sich sehr freuen. K. Baltres
04.04.2017, 20.19 Uhr
Realist 1.0 | Mit verlaub, Herr Weißtal sie sind ein Du...schwätzer
Es gibt genug Beispiele wo es große Entwürfe und noch größere Ideen gegeben hat, und am Ende sind die Kosten explodiert. Das beste Beispiel ist Berliner Flughafen, wo am Ende das Branschutzkonzept eine Luftnummer war, ich weiss wo von ich da rede da ich im Bereich Sicherheit tätig war.Das Ende vom Lied war oder ist das die Kosten steigen und steigen und Ende noch nich abzusehen ist, was im Enteffekt wieder Die Allgemeinheit bezahlt und nicht die Personen die den Irrsin verzapft haben. Wenn sie weitere Beispiele wollen, empfehle ich ihnen das Schwarzbuch vom Bund der Steuerzahler.Ich bin wirklich gespannt wie ein Flitzebogen wie hoch die Mehrkosten bei der neuen Feuerwehrwache sein werden und wie lange es dauern wird.
05.04.2017, 08.04 Uhr
NDHler | Realist 1.0
Und was hat das jetzt mit Ost- und Westarchitekten zu tun. Das war doch die ursprüngliche Kritik ihrerseits!
05.04.2017, 08.34 Uhr
Stadtbürger | @Realist 1.0
Warum ist Herr Weißtal ein Du..schwätzer? Nur, weil er die Wahrheit geschrieben hat? Es ist doch letztlich egal, wer die neue Feuerwache projektiert bzw. baut. Die Hauptsache ist doch, dass sie gebaut wird! Und dabei auch gleich die Problemlage der Taschenbergkreuzung gelöst wird.

Den Neubau der Feuerwache als Irrsinn zu bezeichnen ist doch wohl eher der Du..schwatz. Und der kam von Ihnen.

Aber da Sie hier ja andere belehren wollen sei mir auch das gleiche Ihnen gegenüber gestattet. Bitte überprüfen Sie Ihre Kommentare vor dem Absenden nochmals auf Rechtschreibung und Grammatik. Wenn man Ihr Posting liest, steigen einem die Tränen in die Augen vor lauter Rechtschreibfehler.
05.04.2017, 09.18 Uhr
Boris Weißtal | @unrealist
offenbar habe ich das mit der Ost-West-Jammerei nicht einfach genug geschildert. Zu Kostenexplosionen habe ich mich gar nicht geäußert. Einfacher kann ich es aber leider nicht schildern. Und da ich mich nicht an Beleidigungen beteiligen will, empfehle einfach nochmal die laaaangsame Lektüre meines Kommentars.
05.04.2017, 14.04 Uhr
Realist 1.0 | Herr Weißtal sie glauben doch nicht
allen Ernstes das die 20 % der Thüringer Bevölkerung die Abgewandert sind wirklich alle Ärtzte , Geschäftführer oder sonst was großen geworden sind, wen sie das glauben, glauben sie auch das im Himmel Jahrmarkt ist und fragen noch nach einer Leiter. Zur Sache mit dem Wettbewerb das der Beste gewonnen hat ist absouluter Bull........., nicht der Beste gewinnt sondern der, der das preiswerteste Konzept oder Angebot macht wo am nach hinein dann die Baukosten steigen. Das sind nun meistens Westdeutsche Firmen. Da spreche ich aus beruflicher Erfahrung.
05.04.2017, 15.25 Uhr
Boris Weißtal | @unrealist
genauso, wie nicht alle Hiergebliebenen Wendeverlierer und H4-Empfänger sind. Deshalb schrieb ich ja auch "u.a.", was dem Deutschkenner als "unter anderem" bekannt ist. Offenbar ist das Schreiben nicht Ihre einzige Schwäche. Scheinbar lieben Sie es, den Zeitgeist der Verallgemeinerung und Vorverurteilung zu frönen. Daran beteilige ich mich nicht, schließlich war ich kein Mitglied der Jury. Woher Sie diese "Informationen" haben, kann ich nur vermuten: ich tippe mal auf Russia Today, Studio Nordhausen.
Over and out!
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