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Mo, 07:24 Uhr
20.02.2017
Der 48. Einsatz des BUND

Mähen im Hotspot der Artenvielfalt

Mähen im Hotspot der Artenvielfalt. Als solcher wurde der Naturraum Zechsteingürtel Südharz vom Bund bezeichnet und wenigstens in Worten aufgewertet. Bodo Schwarzberg berichtet...


Innerhalb dieses großen „Hotspots“ der Biodiversität jedoch gibt es die kleinen Hotspots, die jedoch dem Gesamtgebiet einen großen Teil seiner weit überregionalen Bedeutung geben. Vier Mitglieder des BUND-Kreisverbandes Nordhausen beseitigten per Freischneider und Harke am vergangenen Sonnabend abgestorbene Vegetation des letzten Jahres.

Denn die betreffende Fläche im Naturschutzgebiet Alter Stolberg dürfte zu den bedeutendsten, da artenreichsten im ganzen Südharzer Zechsteingebiet gehören. 29 bemerkenswerte Gefäßpflanzenarten wurden auf den geschätzten nur 2-3.000 Quadratmetern nachgewiesen, darunter gleich mehrere deutschlandweit zum Teil stark gefährdete, wie Hügel-Veilchen (Viola collina), Abbiss-Pippau (Crepis praemorsa), Spätblühendes Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata ssp. aestivalis) und Nadelröschen (Fumana procumbens). Die vielen besonderen Arten besiedeln submediterrane Trockenrasen, angrenzend lichte Trockenwälder bis hin zu kleine Steppenrasen, wärmeliebende Säume und lückige, schuttreiche Biotoptypen, also ein buntes Lebensraummosaik.

Im Jahre 2010 beseitigten Mitstreiter des BUND-Kreisverbandes dort zahlreiche große Haselbüsche, die bereits größere Teile der noch überwiegend offenen Fläche einnahmen. 2005 hielt der Arbeitskreis Heimische Orchideen Teile der einst wohl schabeweideten Fläche offen, danach, bis 2010, und zwischen 2013 und 2015, der Autor dieses Beitrages allein. Künftig könnte dies wieder der BUND-KV Nordhausen tun. So, wie am vergangenen Sonnabend.

Andere Naturfreunde hatten dort im Auftrag des Landschaftspflegeverbandes 2016 gemäht: Rund 850 m². Auf Grund der Bedeutung der artenreichen Gesamtfläche jedoch, und, da sonst auch deutlich mehr, als 850m² gemäht wurden, wurden wir vom BUND nun ehrenamtlich, das heißt, auf eigene Kosten tätig. Untere Naturschutzbehörde und Landschaftspflegeverband waren informiert, die Eigentümer hatten ihr Einverständnis erklärt. Damit kann die gerade auf artenreichen Flächen so wichtige Kontinuität der Pflege auch hier erhalten werden.

Wie der Landschaftspflegeverband zunächst jedoch auf angeblich durch die anderen Naturschützern gemähten mehr als 3.000 Quadratmeter kommen konnte, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Sollten noch Mittel übrig sein, von dem ursprünglich vergebenen Auftrag, so wäre eine Mitteilung nett.

Grundsätzlich muss jedoch weiterhin hinterfragt werden, warum die Arterhaltung einerseits politisch durch Biodiversitätsstrategien, „Jahrzehnte der Biodiversität“, Naturschutzgesetze, FFH-Richtlinien und Zuversicht verkündende Absichtserklärungen unserer Politiker für hochbedeutsam erklärt wird, die Realität aber oft gegenteilig aussieht. Nach wie vor hat der direkte, konkrete, praktische Schutz von Arten einen zu geringen Stellenwert. An der negativen Grundtendenz der genetischen Erosion unserer Landschaften hat sich auch deswegen nichts geändert. Die Diskontinuität der Fördermittelvergabe, die Art, wie offizielle Pflegeprogramme mitunter umgesetzt werden und vieles mehr bedrohen die Biodiversität außerdem. Und von dieser sind ja nur noch Reste erhalten, wenn man sich Floren von vor 100 Jahren zum Vergleich anschaut. Das wird ebenso allzu oft vergessen.

Am vergangenen Sonnabend beteiligten sich Tobias Strietzel und Wolfgang Schrader aus Nordhausen, Rainer Peix aus Ilfeld und der Autor des Beitrages am sechsstündigen Einsatz im Alten Stolberg. Ihnen sei herzlich gedankt. Ein besonderer Dank geht auch an die Grundstückseigentümer, die sich nach eigener Aussage der Bedeutung der betreffenden Fläche bewusst sind und diese weiterhin dem aktiven Artenschutz zur Verfügung stellen. Dies bestätigten sie kürzlich und ihnen sei ebenso gedankt.
Bodo Schwarzberg
Im Hotspot der Artenvielfalt (Foto: B. Schwarzberg)
Im Hotspot der Artenvielfalt (Foto: B. Schwarzberg)
Im Hotspot der Artenvielfalt (Foto: B. Schwarzberg)
Im Hotspot der Artenvielfalt (Foto: B. Schwarzberg)
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