Fr, 16:58 Uhr
03.02.2017
MENSCHEN – KONFLIKTE – PARAGRAFEN
Ein langes Sündenregister
Die zwei Ohrringe in Herzform trug sie doch nur in der Hand, wollte sie an der Kasse in der Drogerie Rossmann auch bezahlen. Doch da habe sie der Mann unfreundlich am Arm gepackt. Wert der Ringe: 13,60 Euro. Ein Peanuts, mit dem sich kein Gericht groß beschäftigt hätte, wären da nicht neun Eintragungen in sieben Jahren aktenkundig geworden...
Diebstahl, Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Beleidigungen, falsche Verdächtigungen, Leistungserschleichung, Drogen – das Sündenregister der jungen Frau, die da auf der Anklagebank sitzt, ist lang. Schon als Teenager war sie straffällig geworden. Heute ist sie 23 Jahre alt. Eine hübsche Frau, Augen so schwarz wie das Haar. Kinderlos, unverheiratet.
Mit leiser, kaum verständlicher Stimme, aber in gutem Deutsch, schilderte die Türkin Betül C. ihre Variante mit den Ohrringen. Völlig anders legten es Detektiv Matthias Z. und die blonde 26-jährige Polizeiobermeisterin R., die als Zeugen geladen waren, dem Gericht dar.
Die junge Türkin war bei ihren Drogerie-Besuchen in Nordhausen bereits auffällig geworden. Deshalb engagierte die Drogerie einen Detektiv, um ihr auf die Schliche zu kommen. Das gelang. Nach den Schilderungen Matthias Z. habe sie die Herzohrringe aus der Verpackung genommen, in ein Kosmetiktuch gewickelt, am Körper versteckt, die Verpackung aber hinter einem Regal mit Tiernahrung versteckt.
Wie die 23-Jährige sich das Beutegut aneignete, wäre auch auf einem Video zu sehen gewesen. Leider lag es dem Gericht nicht mehr vor, doch die Polizeiobermeisterin bestätigte es. Sie war mit einem Kollegen vor Ort gerufen worden, nachdem der Diebstahl entdeckt worden war, Betül C. aber keine Einsicht gezeigt habe.
Nach den glaubhaften Schilderungen des Detektivs und der Polizeiobermeisterin versuchte Amtsrichter Henning Horstmeier der jungen Frau eine Brücke zu bauen. Doch Betül blieb bei ihrer unglaubwürdigen Aussage.
Betül, die noch bei ihren Eltern wohnt, war mit einer Betreuerin, die man ihr in Absprache mit der Ausländerbehörde vermittelt hatte, erschienen. Die Familie, meint die Betreuerin, gebe der Tochter nicht den nötigen Halt. Die junge Frau brauche weiterhin einfühlsame Hilfe und Betreuung.
Sie, die Angeklagte, müsse sich ernsthaft überlegen, welchen Weg sie künftig gehen möchte, ermahnte eindringlich der Richter. Weiterhin mit der kleinen Schwester und einer Mädchengang auf Beutezug zu gehen würde sie unweigerlich hinter Schloss und Riegel bringen.
Die angedrohte viermonatige Freiheitsstrafe wurde auf ein Jahr Bewährung ausgesetzt. Außerdem sind 50 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Eine letztmalige Chance, zur Besinnung zu kommen. Wenn nicht drohe ihr der Strafvollzug. Hoffentlich hat das die junge Türkin auch begriffen.
Friedbert Specht
Autor: redDiebstahl, Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Beleidigungen, falsche Verdächtigungen, Leistungserschleichung, Drogen – das Sündenregister der jungen Frau, die da auf der Anklagebank sitzt, ist lang. Schon als Teenager war sie straffällig geworden. Heute ist sie 23 Jahre alt. Eine hübsche Frau, Augen so schwarz wie das Haar. Kinderlos, unverheiratet.
Mit leiser, kaum verständlicher Stimme, aber in gutem Deutsch, schilderte die Türkin Betül C. ihre Variante mit den Ohrringen. Völlig anders legten es Detektiv Matthias Z. und die blonde 26-jährige Polizeiobermeisterin R., die als Zeugen geladen waren, dem Gericht dar.
Die junge Türkin war bei ihren Drogerie-Besuchen in Nordhausen bereits auffällig geworden. Deshalb engagierte die Drogerie einen Detektiv, um ihr auf die Schliche zu kommen. Das gelang. Nach den Schilderungen Matthias Z. habe sie die Herzohrringe aus der Verpackung genommen, in ein Kosmetiktuch gewickelt, am Körper versteckt, die Verpackung aber hinter einem Regal mit Tiernahrung versteckt.
Wie die 23-Jährige sich das Beutegut aneignete, wäre auch auf einem Video zu sehen gewesen. Leider lag es dem Gericht nicht mehr vor, doch die Polizeiobermeisterin bestätigte es. Sie war mit einem Kollegen vor Ort gerufen worden, nachdem der Diebstahl entdeckt worden war, Betül C. aber keine Einsicht gezeigt habe.
Nach den glaubhaften Schilderungen des Detektivs und der Polizeiobermeisterin versuchte Amtsrichter Henning Horstmeier der jungen Frau eine Brücke zu bauen. Doch Betül blieb bei ihrer unglaubwürdigen Aussage.
Betül, die noch bei ihren Eltern wohnt, war mit einer Betreuerin, die man ihr in Absprache mit der Ausländerbehörde vermittelt hatte, erschienen. Die Familie, meint die Betreuerin, gebe der Tochter nicht den nötigen Halt. Die junge Frau brauche weiterhin einfühlsame Hilfe und Betreuung.
Sie, die Angeklagte, müsse sich ernsthaft überlegen, welchen Weg sie künftig gehen möchte, ermahnte eindringlich der Richter. Weiterhin mit der kleinen Schwester und einer Mädchengang auf Beutezug zu gehen würde sie unweigerlich hinter Schloss und Riegel bringen.
Die angedrohte viermonatige Freiheitsstrafe wurde auf ein Jahr Bewährung ausgesetzt. Außerdem sind 50 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Eine letztmalige Chance, zur Besinnung zu kommen. Wenn nicht drohe ihr der Strafvollzug. Hoffentlich hat das die junge Türkin auch begriffen.
Friedbert Specht

