eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Mi, 08:10 Uhr
30.11.2016
Umfrage

Angst vor Globalisierung in der Wahlkabine

Protestwähler und populistisch argumentierende Politiker wirbeln in den USA und Europa bisher zementierte politische Mehrheiten durcheinander. Doch was treibt Menschen zu Parteien, die für sich allein beanspruchen, die Interessen des Volkes zu vertreten und sich gegen das sogenannte Establishment stellen? Eine repräsentative EU-Umfrage sucht nach Gründen für diese Entwicklung und zeigt: Globalisierungsängste spielen eine wesentliche Rolle...


Die Angst vor der Globalisierung spaltet die Europäer. Während eine Mehrheit der EU-Bürger (55 Prozent) die internationale Verflechtung als Chance begreift, empfindet sie fast jeder zweite (45 Prozent) als Bedrohung.

Anzeige symplr (1)
Dabei gilt: Je niedriger das Bildungsniveau und je höher das Alter der Befragten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen Globalisierung als Gefahr empfinden. Die Ängste vor einer stärker zusammenwachsenden Welt beeinflussen auch die politischen Einstellungen: Die große Mehrheit derjenigen Befragten, die mit rechtsnationalen und populistischen Parteien sympathisieren, empfinden die Globalisierung als Bedrohung. Das sind die Ergebnisse der EU-weiten Umfrage „eupinions“, mit der die Bertelsmann Stiftung regelmäßig Bürger zu EU-Themen befragt. Die Umfrage ist repräsentativ für die EU und die 9 größten Mitgliedsstaaten.

Die Umfrage hat untersucht, was die politischen Einstellungen der Europäer stärker beeinflusst: der persönliche Wertekompass (liberal-autoritär) oder die Angst vor Globalisierung und ökonomischem Abstieg. Ob die Befragten ein liberales oder konservativ-autoritäres Weltbild haben, spielt bei Aussagen zur Politik zwar eine Rolle; jedoch sind die Unterschiede über Länder und Parteipräferenzen hinweg meist gering oder nicht einheitlich verteilt. Die Bewertung der Globalisierung hingegen ist ein deutlich aussagekräftigeres Kriterium. Durch die entsprechende Einordnung der Europäer in Globalisierungspessimisten (Angst vor Globalisierung) und -optimisten (Globalisierung als Chance) lassen sich ihre Einstellungen gegenüber Politik und Gesellschaft in der EU vergleichsweise gut erklären.

Globalisierungsängste und politische Einstellungen

Befragt zu ihrer Parteipräferenz, zeigt sich EU-weit ein klares Bild: Anhänger rechtsnationaler und populistischer Parteien fürchten besonders häufig die Folgen der internationalen Verflechtung. Über alle Ländergrenzen hinweg ist die Angst vor der Globalisierung ein stark ausgeprägtes und gemeinsames Merkmal ihrer Anhänger. Von der italienischen Forza Italia bis zur britischen UKIP gehört stets mindestens die Hälfte rechtsnationaler Partei-Anhänger zu den Globalisierungspessimisten.

Grafik (Foto: Bertelsmann Stiftung) Grafik (Foto: Bertelsmann Stiftung)
Am höchsten sind die Werte bei der AfD: Über zwei Drittel ihrer Anhänger (78 Prozent) sehen die Globalisierung laut Umfrage als Bedrohung. Globalisierungsangst scheint also ein Treiber für den Erfolg rechtsnationaler Parteien in Europa zu sein. „Wir dürfen das Werben um besorgte Bürger nicht den Populisten überlassen. Die etablierten Parteien müssen die Angst vor der Globalisierung in ihre Arbeit einbeziehen“, so Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Bei Parteien links des politischen Mainstreams spielen Globalisierungsängste auch eine Rolle, jedoch ist dieser Faktor nicht so bestimmend wie bei rechtsnationalen Parteien. Am höchsten sind die Globalisierungsängste in dieser Parteiengruppe bei der französischen Front de gauche (58 Prozent) und der deutschen Linkspartei (54 Prozent). Bei CDU/CSU, SPD und den Grünen spielen Globalisierungsängste eine untergeordnete Rolle: Jeweils gut ein Drittel dieser Parteianhänger sieht die internationale Verflechtung als Bedrohung.

Alter, Bildung, Einkommen: so verteilen sich Globalisierungspessimisten und -optimisten
Ein Blick auf die europäische Landkarte zeigt, wo Ängste und Aufgeschlossenheit gegenüber der Globalisierung zu Hause sind. Während in Österreich und Frankreich die Angst vor der Globalisierung am höchsten ist (55 bzw. 54 Prozent), leben in Großbritannien (64 Prozent), Italien und Spanien (jeweils 61 Prozent) die meisten Globalisierungsoptimisten. Deutschland liegt mit einer Mehrheit für die Optimisten (55 zu 45 Prozent) im EU-Trend. In allen Ländern sind Einkommen, Bildungsgrad und Alter der Menschen ausschlaggebend: Unter jungen Europäern zwischen 18 und 25 Jahren finden sich die meisten Globalisierungsoptimisten (61 Prozent).

Bei Befragten, die sich selbst der Mittelschicht zuordnen, sind die Globalisierungsoptimisten europaweit deutlich in der Mehrheit (63 zu 37 Prozent), während in der Arbeiterschicht Pessimisten und Optimisten nahezu gleichauf liegen (47 zu 53 Prozent). Personen mit höherem Bildungsgrad sehen die Globalisierung häufiger positiv (62 Prozent) als Menschen mit niedrigem Bildungsniveau (53 Prozent). „Deutschland und Europa haben enorm von der Globalisierung profitiert. Trotzdem fühlen sich viele Menschen zurückgelassen. Wir müssen die internationale Verflechtung so gestalten, dass sie möglichst vielen Menschen nützt und nicht schadet“, so Aart De Geus.

Auffallend an den Umfragewerten ist, dass die Globalisierungsängste einhergehen mit einer ablehnenden Haltung gegenüber Politik und Gesellschaft. Globalisierungspessimisten würden fast zur Hälfte (47 Prozent) für einen EU-Austritt stimmen. Nicht mal jeder Zehnte von ihnen (Prozent) vertraut Politikern allgemein und weniger als die Hälfte (38 Prozent) ist zufrieden mit der Demokratie in ihrem Land. Globalisierungsoptimisten hingegen stimmen mit großer Mehrheit für die EU (83 Prozent) und sind mehrheitlich (53 Prozent) zufrieden mit der Demokratie.

Das Vertrauen in Politiker ist allerdings auch bei den Optimisten nicht sehr stark ausgeprägt: Nur jeder Fünfte vertraut seinen Volks- und Regierungsvertretern. Befragt nach den konkreten Bedrohungen der Globalisierung zeigt sich ein Bild von Ausgrenzung und Unkenntnis. Die Pessimisten fühlen sich in ihren Gesellschaften mehrheitlich ausgegrenzt (54 Prozent) und sehen Migration als eine entscheidende Herausforderung der kommenden Jahre (53 Prozent). Interessanterweise hat aber mehr als die Hälfte von ihnen laut Eigenauskunft gar keinen Kontakt mit Ausländern (55 Prozent).

„eupinions“ ist das europäische Meinungsforschungs-Instrument der Bertelsmann Stiftung, das zusammen mit Dalia Research entwickelt wurde. Damit werden regelmäßig die Bürger aller 28 EU-Mitgliedstaaten zu europäischen Themen befragt. Die aktuelle Befragung fand im August 2016 statt und ist mit 14.936 Befragten repräsentativ für die EU und die neun größten Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Spanien und Ungarn.
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Real Human
30.11.2016, 15:03 Uhr
Haltet Euch an den Rat der Kanzlerin:
http://gutezitate.com/zitat/187584

Mehr bleibt nicht übrig für Euch kleine CDU-Wähler!
geloescht.20250302
30.11.2016, 17:33 Uhr
Bertelsmann...
...geht stets voran bei der Volksverdummung.

Eigentümerin Liz Mohn, übrigens eine der reichsten Frauen Deutschlands, ist wie Friede Springer eine sehr gute Freundin der Bundeskanzlerin. Also hätte Merkel die Umfrage selbst in Auftrag geben können...hat sie vielleicht tatsächlich...

Jeder kann aus solchen oder anderen angeblich repräsentativen Umfragen schlussfolgern, was er für sich selbst und seine Zukunft sowie der seiner Familie verantworten kann.

Aber wie Leser X zu einem anderen Thema schrieb: Die Wut mit in die Wahlkabine nehmen.

Ältere und minder gebildete Menschen fallen also auf die Rattenfänger herein. Zu blöd das Pack, die Vorzüge der Globalisierung zu kapieren...na sowas...da war doch neulich irgendwas in den USA...dasselbe Geseier und plötzlich war Trump Präsident!

Uns ALLEN geht's ja ZU gut, um vielleicht Angst vor sozialem Abstieg, (Alters) Armut und ausufernder Kriminalität zu haben.
eduf
30.11.2016, 19:45 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Urheberrechte nicht beachtet
free Gigi
30.11.2016, 21:42 Uhr
establishment
ist dir die aktuelle Politik zu elitär oder nicht plausibel, bist du einfach nur zu blöd!!!
Real Human
01.12.2016, 11:28 Uhr
Die deutsche Gemütlichkeit – längst aus und vorbei!
„Vor lauter Globalisierung und Computerisierung dürfen die schönen Dinge des Lebens wie Kartoffeln oder Eintopf kochen nicht zu kurz kommen.“ Quelle: Angela Merkel
Rede auf dem Hessentag in Heppenheim vor 4000 Landfrauen in: Handelsblatt, 24. Juni 2004

Jetzt muss ich doch erklären, was ich mir bei der Auswahl dieses Links gedacht habe:

Dieses Zitat kann nämlich tiefer blicken lassen, als seine Schlichtheit vermuten lässt. Nein, gerade seine Unbedarftheit lässt einigen Interpretationsspielraum. Für mich spricht daraus nicht die Halbgöttin Merkel zu uns dummen Menschlein, sondern situationsangemessen lässt sie als Mädchen aus der Uckermark mal kurzzeitig ihrer nostalgischen Sehnsucht nach der guten alten Zeit freien Lauf.

Ja, zu DDR-Zeiten, da war die Welt noch in Ordnung: Man hatte und konnte als FDJ-Sekretärin in der Öffentlichkeit noch seine klaren offiziellen(!) Feindbilder vertreten. Das Publikum war schlicht, und es war einfach um den Finger zu wickeln. Man wusste ja, welche wahre Meinung man später beim Kartoffelschälen am Küchentisch äußern würde. Mehr konnte man ja nicht tun, denn nebenan in der Kaserne stand „der Russe“ jederzeit bereit. Was sich das einfache Volk so am Küchentisch zusammengrunzte wusste die Stasi längst. Aber es war (noch) nicht gefährlich für die Statthalter Moskaus.

Ein Vogelbauer ist nicht nur ein Gefängnis, sondern er schafft auch Sicherheit – wenigstens die Illusion davon. Das änderte sich 1989 schlagartig. Der Zorn und die Wut (gefährliche Emotionen!) des Volkes brachen sich Bahn. Die wütenden Papageien – die es satt hatten, weiter öffentlich das poststalinistische Hosianna zu kreischen – brachen aus dem mehr schlecht als recht gemanagten Vogelkäfig aus.

Doch da draußen herrschte die Wildnis – die Wildnis des nun siegreichen (siegreich wogegen?) und völlig enthemmten Kapitalismus. Und, es war nun nicht mehr der „rheinische Kuschelkapitalismus“ mit seiner kleinbürgerlichen Ein-Herz-und-eine-Seele-Idylle! (z.B. https://www.youtube.com/watch?v=X_vrdzfg4DY)

Der – nach eigenem Bekenntnis – aus einer Familie von Asozialen (https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Schröder) stammende Gerhard Schröder hatte sich inzwischen zum Bundeskanzler hochgebissen und nahm nun Rache an seiner faulen Rest-Mischpoke indem er „Leben und Lebenlassen“ durch „Fördern und Fordern“ ersetzte. (Das war doch irgendwie genial!?–) Oder? Das System Merkel konnte sich nun eine ganze Weile auf den Verdiensten des Sozi-Kampfhunds und seines Straßen-Spontis (jetzt in Nadelstreifen) ausruhen.

Doch nun wird den Ewig-Gekniffenen langsam klar, dass sie den gammeligen Zonen-Vogelkäfig zwar hinter sich haben, doch in einem sich immer schneller drehenden Laufrad gelandet sind. Eine neue Volkskrankheit grassiert – das „Ausgebranntsein“. Wer ohne ausreichendes Kapital aussteigen will, wird brutal ins soziale Abseits geschleudert.

Aber 1989 fand nicht nur eine gesellschaftliche und globalistische Zeitenwende statt, sondern auch eine technologische Endzeitrevolution setzte zur rasanten Beschleunigung an. Und die technologische Revolution beginnt nun, ihre ersten massenhaften Opfer zu fordern. Die USA sind – wie so oft – auch dabei wieder die Vorreiter. Wie es dann auch im Silicon Valley enden kann, zeigt der folgende Link: http://www.deutschlandfunk.de/wohnungslose-im-silicon-valley-zuflucht-in-der-buslinie-22.807.de.html?dram:article_id=372622 (mit downloadbarem Audiofile!)

Die amerikanischen Rednecks wählten daraufhin ihr Möchtegern-Vorbild: http://americannewsx.com/politics/redneck-billy-bob-says-trump-man/

„Unser“ Herzchen-Merkelchen ist mega-out. Solche Kerle wie den Multimilliardär Trump wünscht sich jetzt der deutsche „Redneck“ an die Regierung! Und die Deutsche Hausfrau wählt, das Gleiche wie ihr Macker. Ich glaube, 2017 werden wir noch viele Überraschungen erleben.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)