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Mi, 12:36 Uhr
09.11.2016
nnz-Betrachung:

Ein Gespenst geht um: das Volk

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben sich einen neuen Präsidenten gewählt. Und der Aufschrei ist überall riesig. Bis in die Niederungen der lokalen Politik. dazu einige Anmerkungen...


"Amerika hat gewählt und ich bin am überlegen, im Landkreis nun statt Schulen Bunker bauen zu lassen", teilt der Nordhäuser Landrat Matthias Jendricke per Facebook mit. Nun, Herr Jendricke, die Wirtschaft wird sich freuen. Letztlich ist es ja egal, ob Bunker oder Schulen gebaut werden. Verdient wird immer.

Doch Spaß beiseite - hinter dem Wahlergebnis in den USA steckt mehr als dass man darüber schmunzeln, sich wundern oder es nicht verstehen könnte. Wobei das "nicht Verstehen" ja das eigentliche Übel der Reaktionen ist. Es zeugt vielmehr von einer immer stärker werdenden Entfremdung derer, die vorgeben, das Volk zu vertreten. Nicht nur in den USA.

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Um es sich zu vergegenwärtigen: In diesem Land, der eigenen Angaben zufolge einzig verbliebenen Supermacht auf diesem bewohnten Planeten, hat die wahlberechtigte Mehrheit nicht Frau Clinton gewählt, sondern den Außenseiter Trump. "Gut, dass Demokratie noch funktioniert", sagte heute im Gespräch ein Kollege, denn das Volk dort drüben, überm Teich, hat sich gegen die bisherige Macht-, Politik- und Wirtschaftselite gestellt. Und das, obwohl Donald Trump selbst Teil dieser ist.

Trumps Erfolg bestand zum Teil auch darin, dass er Veränderungen aussprach. Veränderungen, die für uns Europäer ziemlich unverständlich sind. Aber eben nicht für die Amis. Er hat dem Volk aufs Maul geschaut, könnte man in Anlehnung an Luther meinen. Trump hat sich eben nicht so diplomatisch, nicht so eloquent, so fein, so geschliffen ausgedrückt, er redete so wie der Arbeiter bei Ford oder General Motors, so wie die Bauern in den Mittleren Staaten. Er redete mit einfachen Worten - auch verletzend, diskriminierend oder beleidigend - aber das kam an.

Daraus lässt sich die Frage ableiten: ist Politik - auch die im 21. Jahrhundert - denn wirklich so kompliziert, dass die Politiker den Regierten diplomatisch-platte Antworten geben müssen? Freilich immer mit dem Verweis: ihr da unten habt nicht den Durchblick, begreift die komplexen Antworten sowieso nicht. Mit der Folge: Wer keine Antworten auf seine Fragen bekommt, der sucht sie sich, der wendet sich ab. Der gibt einstiges Vertrauen auf und ab. Eine logische Folge.

Ob es jetzt in Deutschland und Europa ein "Weiter so" geben wird, ist derzeit unklar, denn Politiker aller Ebenen müssen sich erst einmal auf die neue Situation einstellen. Das wird schwer fallen, denn sie ist neu und passt so überhaupt nicht in die bisherigen Schemata. Vielleicht sollte es jetzt nützlich sein, ins Volk hinein zu hören, Stimmungen aufzunehmen, sich um wirkliche Antworten zu bemühen, statt "Phrasen zu dreschen".

Ich habe Befürchtungen, dass die Politik - so wie wir sie kennen und tagtäglich erleben - nicht mehr dazu in der Lage ist und das auch nicht will. Schließlich sind die seit Jahrzehnten gepflegten Strukturen und gewebten Netze im Konglomerat aus Macht, Einfluss, Kapital, Sektchen und Häppchen so gefestigt, dass alles andere übersehen wird. Auch und vor allem die Menschen, die nicht daran teilhaben wollen oder können.

Nach dem Brexit nun Trump - und was morgen, was im nächsten Monat (Österreich), im kommenden Jahr in Deutschland? Da geht vermutlich die blanke Angst vor einem Gespenst umher, das ein Herr Marx im 19. Jahrhundert mit Kommunismus beschrieb. Jetzt hat das Gespenst für viele Politiker vermutlich einen anderen Namen: Volk.
Peter-Stefan Greiner

Eine persönliche Anmerkung noch: Was hätte Herr Jendricke denn gepostet, wenn Frau Clinton gewonnen hätte?
Autor: red

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Kommentare
Zukunft
09.11.2016, 14:19 Uhr
Stark
Das ist eine "Klasse" Betrachtung. Kompliment.
free Gigi
09.11.2016, 14:55 Uhr
Maybe Trump can...
Guter Beitrag aber die Reaktion von unseren LR ist mal wieder voll daneben:
1.) Hätte er so oder so keine neuen Schulen gebaut, wohl auch nicht saniert.
2.) H.C. wäre der größere Kriegstrieber gewesen
3.) Welche Auswirkungen hat die Wahl in US auf den LK - wohl kaum eine, denn wer will schon Schulden bis Oberkante Unterkiefer bzw. mit NOCH unfähigeren Lokalpolitikern Geschäfte machen?
Nordhäuser Freiheit
09.11.2016, 15:15 Uhr
Armer Herr "Bob der Baumeister Jendricke " und seine Bunker
Erlauben Sie ein paar Korrekturen zu ihrem intellektuell sehr anspruchsvollen post zu den Bunkern:

1. Sie entscheiden gar nichts, sondern der Kreistag, sprich der Bürger.

2. Wie wollen Sie die Schulen / Bunker überhaupt finanzieren? Mit einer Kreiskasse, die Sie allein aktuell in einen Dispokredit von SIEBENUNDZWANZIG MILLIONEN Euro getrieben haben? Hinzu noch Kreditschulden der Service Gmbh und der Kreiskasse allgemein?

3. Bauen Sie lieber weiter an ihren Luftschlössern, die nur in Ihrem Kopf existieren.

4. Falls Sie sich doch für die Errichtung von Bunkern entscheiden sollten ein kleiner Tip: Bei Ihrer nächsten Berlin Visitation nehmen Sie und Ihre Begleitung unbedingt die Angebote des Vereins "Berliner Unterwelten e. V. ", wahr der bietet Bunkertouren an. Empfehlung: Bitte erst danach die Hoteldusche testen. Bei der Bunkertour geht es oft eng und schmutzig zu.

5. Sie sind ein ganz toller Politiker und ein ebensoguter Unterhalter.
Paulinchen
09.11.2016, 15:59 Uhr
Erstens kommt es anders und...
...zweitens als man denkt. Unsere Politiker sollten sich jetzt, mal fragen: "Ist das die Strafe für unsere Nachlässigkeit?"

Vielleicht hilft auch dieser Satz: "Es ist höchste Zeit für Veränderungen." Doch Vorsicht ist geboten, täglich verliert der Kalender ein Blatt. Wer zu spät kommt/handelt, den ..... (M.G.)
Liane Enzinger
09.11.2016, 18:17 Uhr
Angemessenes Verhalten eines Landrates
"Bunker statt Schulen", werter Herr Landrat als Bürgerin, die von Ihnen vertreten wird, erwarte ich künftig angemessene verbale Äußerungen.

Sie scheinen zunehmend zu vergessen, daß Sie ein Amt innehaben. In den letzten Monaten beobachte ich mit Sorge, daß Ihre verbalen Entgleisungen zunehmen.

Das Amt des Landrats ist keine private Verfügungsmasse.
eduf
09.11.2016, 18:46 Uhr
Vorbild Trump?
Das Wahlergebnis könnte ja ein Vorbild für die Bundestagswahl 2017 werden. Indem sich die etablierten Politiker immer weiter vom Volk entfernen, könnte es im September des nächsten Jahres auch hier eine „böse“ Überraschung geben.

Südharzer 333
H.Buntfuß
09.11.2016, 18:52 Uhr
Besser kann man es nicht ausdrücken
Ich bin geneigt zu sagen, dass dieser Artikel der Mehrheit der Bürger aus den Herzen spricht. Dazu muss man weiter nichts sagen, man sollte nur einmal gründlich darüber nachdenken.

Von den politisch verwirrten, kann man das natürlich nicht verlangen. Ich persönlich glaube ja, dass es auf der politischen Ebene jeweils nur das ausgesprochen wird, was von GANZ OBEN her abgesegnet wird.

Eine eigene Meinung darf ein untergebener Politiker nicht haben und schon gar nicht in der untersten Liga. Außerdem sind Politiker viel zu feige, ihre eigne Meinung in der Öffentlichkeit zu vertreten. Ihre Karriere- und Machtgeilheit steht dem entgegen.

Da bilden die Nordhäuser Möchtegernpolitiker keine Ausnahme.
Nervling
09.11.2016, 20:20 Uhr
Trump Wahl
Kleine Korrektur zum Artikel:

Die Mehrheit hat Clinton gewählt, das Trump zum Zug kommt liegt an ihrem antiquierten Wahlsystem mit den Wahlmännern.

Trotzdem haben sie sich das selbst zuzuschreiben, ein nicht unerheblicher Anteil wird Trump gewählt haben weil sie eben keine Kriegstreiberin an der Macht haben wollten.
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