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Fr, 15:00 Uhr
04.11.2016
Lehrermangel und auslaufende Verträge

Wie weiter mit den Sprachklassen?

Der Spracherwerb wird immer wieder als das wichtigste Mittel erfolgreicher Integration gepriesen. Die Sprachklassen an den Stützpunktschulen in Nordhausen und Ellrich könnten demnächst aber vor dem Aus stehen. Die Verträge der Lehrer können nicht verlängert werden und neues Fachpersonal fehlt bislang...

Unterricht an der Petersbergschule (Foto: Angelo Glashagel) Unterricht an der Petersbergschule (Foto: Angelo Glashagel)

Wer als Migrant des Deutschen mächtig ist, der hat bessere Aussichten in Schule und Beruf. Wer Arbeit hat, nimmt am gesellschaftlichen Leben teil und trägt zu ihrem Wohl bei. Sprache, Ausbildung, Arbeit, Integration - das war und ist das gängige Mantra der Integrationsdebatte.

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Kinder lernen neue Sprachen schneller als es Erwachsene das können und sie haben noch die Möglichkeit ähnliche Wege in das Berufsleben zu finden, wie ihre Einheimischen Altersgenossen. Voraussetzung sind bei den einen wie den anderen die schulischen Leistungen und die setzen wiederum Verständnis des Unterrichtsstoffs voraus. In Nordhausen hatte man im letzten Jahr deswegen die Regelschule in Ellrich und die Petersbergschule in Nordhausen als "Stützpunktschulen" ausgewählt, die Kinder von Migranten besonders intensiv in der deutschen Sprache schulen sollten.

Zwei Klassen mit je 15 Kindern hat man auf dem Petersberg damals eingerichtet. Das waren nie genug Plätze für alle neuen Mitschüler, aber immerhin. Zwei neue Lehrerinnen konnte man einstellen. Fachkräfte nach dem deutschen Verständnis, also ausgebildete Lehrer mit Referendariatserfahrung und zwei Staatsexamen, waren sie nicht.

Ähnlich in Ellrich, 36 Kinder sind es hier, die Alterstruktur ist ein wenig anders, da man sich vor allem unbegleiteten Minderjährigen gegenübersieht, die meist schon etwas älter sind. Man hat man nur eine Lehrkraft für den Sprachunterricht, dafür ist die Anbindung an den "normalen" Unterricht enger, statt Sonderklassen gibt es Sonderstunden für die neuen Mitschüler. "Wir haben da ein paar sehr schlaue dabei, gerade die älteren sind sehr wissbegierig und lernen gut", lobt Schulleiterin Carola Böck ihre Eleven. An der Petersbergschule kann man ebenfalls Erfolge vermelden, auch wenn die Arbeit mit einigen Kindern mit wenig bis keiner Schulerfahrung sich sehr herausfordernd gestaltet und das Engagement der Eltern zuweilen besser sein könnte.

Eigentlich hätte man schon vor einem Jahr "DaZ" Lehrer gebraucht, Pädagogen mit dem Schwerpunkt "Deutsch als Zweitsprache". Die aber sind nach wie vor bundesweit ein seltenes Gut und nicht nur in Thüringen schwer gefragt. Der Personalmangel ist und bleibt die Crux der Integrations- und Bildungsdebatte, schnelle Abhilfe ist nicht in Sicht, ein Studium braucht nun einmal seine Zeit. Man war gezwungen andere Lösungen zu finden. Es ging trotzdem, mit Menschen die vielleicht nicht die passenden Scheine vorweisen konnten, aber sich anderweitig für die Arbeit mit den Kindern qualifizierten. Nun aber könnte es erst einmal vorbei sein mit der Arbeit in den Sprachklassen.

Die Initiative an sich würde auch in Zukunft weiter gefördert, hieß es dazu aus dem Schulamt, aber die Verträge der fachfremden Lehrkräfte, die man in der Not angestellt hat, laufen nach zwei Jahren aus und könnten nur "bei besonderem Grund" verlängert werden. Diesen einen Grund zu finden läge aber nicht in der Hand des Schulamtes, sondern beim Bildungsministerium. Man sei "nicht glücklich" mit der Situation, war aus dem Schulamt zu erfahren, man müsse Leute gehen lassen deren Verträge nicht verlängert werden können und Nachfolger suchen die es nicht gibt. Das Problem besteht nicht allein in Nordhausen sondern im gesamten Freistaat.

Die Sprachklassen waren gestern auch Thema im Integrationsbeirat (Foto: Angelo Glashagel) Die Sprachklassen waren gestern auch Thema im Integrationsbeirat (Foto: Angelo Glashagel)

"Wir haben viel Zeit, viel Kraft und Arbeit investiert, es wäre Schade wenn es nicht weitergehen würde", sagte Lenka Nagyova, die an der Petersbergschule arbeitet gestern in der Sitzung des Integrationsbeirates, die das Thema ausführlich behandelte. Der Spracherwerb sei die beste Voraussetzung für den erfolgreichen Einstieg in den regulären Untericht. Und nicht nur hier seien die Sprachkenntnisse wichtig, auch wenn manche Schülerinnen und Schüler nicht für immer in Deutschland blieben, müssten sie sich inzwischen doch im Alltag hierzulande zurecht finden. Auch das habe man den Kindern beigebracht, sagte die junge Lehrerin, es gehe nicht um die Sprache allein. Wenn man die Kinder für das Leben in Deutschland fit machen wolle, brauche man mehr als zwei Jahre.

"Ideal wäre es wenn ich die Kollegen, die ich habe, auch halten könnte", sagte Schulleiterin Sabine Schröder der nnz, "sie haben tolle Arbeit geleistet, die Klassen aufgebaut und wissen was funktioniert und was nicht geht". Neue Kollegen müssten sich erst einarbeiten, wenn man denn passende Kandidaten findet. Carola Böck ist zuversichtlich das man in Zusammenarbeit mit dem Schulamt bis zum nächsten Jahr eine Lösung finden werde, wie der Sprachunterricht in Zukunft gestaltet werden kann.

Für Lenka Nagyova könnte es noch weitergehen, sie ist in ihrem Heimatland ausgebildete Lehrerin, ihr fehlt lediglich die Anerkennung in Deutschland und die kann sie mit Kurzreferendariat und entsprechenden Prüfungen noch nachholen. Aber auch das braucht seine Zeit und ein Jahr geht schnell ins Land. "Es wird spannend wie es weitergeht", hieß es, aus dem Schulamt. Wie eine praktikable Lösung nach Ablauf der Fristen aussehen könnte, weiß im Moment wohl niemand so genau.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Peter59
04.11.2016, 18:07 Uhr
Einige "Regeln", die man beachten sollte....
1. Pünktliches Erscheinen
2.Der absolute Wille, die deutsche Sprache zu lernen
3.Frauen als Lehrerinnen anerkennen
4.Kopftücher und anderen "Mummenschanz" absetzen
5.In der "Freizeit" die deutsche Sprache weiter pflegen, auch auf dem Schulhof......
Dann klappt's auch mit dem Deutschkurs......
6.Und diejenigen, die das auf sich nehmen, ordentlich bezahlen......
U. Alukard
04.11.2016, 18:51 Uhr
Das Wort Inklusion,
bekommt einen neuen, anderen Inhalt. Diese Kinder gehen dann ohne Deutschkenntnisse in den Unterricht zu den nicht "Sprachbehinderten" Schülern zurück und stören weiter den Unterricht in ihrer Sprache, weil sie sich langweilen und ja nichts verstehen!!!
So ist es bei einem Kind aus unserer Familie in der Regelschule, nun haben alle keinen richtigen Unterricht und die Lehrer sind nahe dem Burnout!!
Die Befristung hätte so lange dauern müssen, bis neue Lehrer ausgebildet wurden, die Entscheidungsträger wissen das doch, oder sind das doch eher Bedenkenträger die sich nicht trauen?
Schaffen die das?
Leser1
05.11.2016, 08:57 Uhr
Ist unsere Existenz in Gefahr???? Wo sind die neuen Lehrer für unsere Kinder???
Schön das dafür Lehrer da sind und eigestellt werden. Ich würde mich freuen wenn bei meinen deutschen Kindern der Unterricht nicht immer ausfallen würde und man für deutsche sollen und können vielleicht mal die Regierung übernehmen und unsere Kinder bleiben ungebildet. Von wegen die Flüchtlingskriese kostet nichts. Woher kommt denn das Geld plötzlich das aber für Renten unserer Alten und Bildung unserer Kinder nicht da ist? Jetzt soll ja die Maut kommen und die Grundsteuer soll nach theoretischen Verkaufswerten berechnet werden. Theoretisch heißt bekommt man eh nicht muss aber Steuer drauf zahlen. Die Steuer zahlt der Mieter in seinen Nebenkosten. Ob das noch bezahlbar ist? Die Heuchelei der Politik das bezahlbarer Wohnraum her muss und da wird der Wohnraum durch die Steuererhöhung unbezahlbar gemacht. Jaja die Flüchtlingskriese kostet nix. Jetzt müssen wir zahlen und um unsere Existenz bangen.
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