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Do, 11:24 Uhr
19.07.2001

"Pro Innovatio" und Co. (Teil 3)

Nordhausen (nnz). Das Kapitel „Pro Innovatio“ ging Mitte des Jahres 1995 langsam aber sicher seinem Ende entgegen. Begehrenswert waren vor allem die Ausrüstungen und die Immobilie an der Salza in Nordhausen. Und da waren auch noch die Strukturen, die Eva-Maria und Volker Erb aufgebaut und hinterlassen hatten.


Zu „Pro Innovatio“ und Co. gehörten mehrere Firmen. Darunter die „Gesellschaft für Innovation und Management mbH“ (GIM). Deren einziger Gesellschafter und zugleich Geschäftsführer war Volker Erb. Geschäftliche Beziehungen zwischen „Pro Innovatio“ und der GIM bestanden schon seit dem 30. September 1992. Ein wesentlicher Punkt dieser Beziehungen soll nach nnz-Recherchen ein Beratervertrag gewesen sein. Dieser Vertrag sollte Volker Erb ein monatliches Bruttohonorar von 11.040 Mark garantiert haben, er wurde vermutlich ohne Wissen des Gesellschafters der „Pro Innovatio“ zwischen Eva-Maria und Volker Erb abgeschlossen. Aus den Unterlagen der Staatsanwaltschaft geht weiter hervor, dass die „Pro Innovatio“ Ende 1992/Anfang 1993 über 120.000 Mark Büroeinrichtungen und Computertechnik an die GIM verkauft hatte. Tatsächlich aber sollen die Geräte im Vermögen der „Pro Innovatio“ verblieben sein. Auf diese Weise, so die Staatsanwaltschaft Mühlhausen, wollten die jetzt angeklagten Erbs erreichen, dass ein der GIM gewährtes und zweckgebundenes Darlehen in Höhe von 300.000 Mark ausgezahlt werden sollte.

Um die verwirrende Verflechtung komplett zu machen, gründete „Pro Innovatio“ ein Tochterunternehmen - die „INSYS electronic GmbH“ mit einem Stammkapital von 100.000 Mark. Als Gesellschafter tauchten damals „Pro Innovatio“, Dr. Olaf Sausemuth und Volker Erb auf. Die Gesellschafteranteile von Volker Erb in Höhe 12.500 Mark wurden in zwei Tranchen eingezahlt. Die Überweisungsbelege, auf denen Volker Erb als Auftraggeber vermerkt gewesen sein soll, seien jedoch von Eva-Maria Erb abgezeichnet gewesen. „Pro Innovatio“ konnte auf Grund seiner Gemeinnützigkeit keine Gewinne erzielen, wohl aber INSYS, die sich der Vermarktung der Produkte von „Pro Innovatio“ annehmen sollte. Insider vermuteten damals, dass INSYS nach einer eventuellen Gesamtvollstreckung von „Pro Innovatio“ wie Phönix aus der Asche steigen sollte.

Mit dem Steigflug wurde nichts, wohl aber wurde die Gesamtvollstreckung für „Pro Innovatio“ am 1. August 1995 eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt war der einstige „Stern“ am Nordhäuser Wirtschafts- und Technologiehimmel längst verloschen, kometenhaft stieg dafür die IGENO von Otto Brandt auf. Am 26. Juni 1995 wurde eine Verkaufsurkunde in Erfurt unterschrieben. Zugegen waren Peter Söldner (im Auftrag und mit Vollmacht von Landrat Joachim Claus (CDU), Jürgen Wernecke, Tim Schäfer, Dr. Schimschal und Otto Brandt. Der Kaufpreis für eine Immobilie, die insgesamt mehrere Millionen Mark wert gewesen sein soll, wurde mit einer Mark festgelegt. Ein Schäppchen für die IGENO, die am 18. April beim Amtsgericht (HBR Nr. 1631) eingetragen wurde.

Zu diesem Zeitpunkt stand der Familie zwar schon das Wasser bis zum Halse, aber auch die Haare zu Berge. Eva-Marie Erb erstattete bei der Staatsanwaltschaft Mühlhausen am 25.10.1995 gleich mehrere Strafanzeigen. Einmal gegen Joachim Claus und Peter Söldner „wegen Veruntreuung des Vereinsvermögens der Gesellschaft zur Förderung von Hochtechnologie in Nordthüringen e.V.“ und zum anderen gegen Otto Brandt „wegen Betrug und betrügerische Spekulationen“. In der Begründung ihrer Anzeige vom 25. 10. 1995 wies Eva-Maria Erb darauf hin, dass „die Firma Pro Innovatio an die IGENO ohne Beschränkungen“ verkauft wurde. Weiter schreibt Eva-Maria Erb an Staatanwalt Walter: „Der Kaufvertrag ist so abgefasst, dass er nur zum Tragen kommen sollte, wenn die Fördermittelgeber auf Rückforderungen verzichten, das Land Thüringen weitere Zuschüsse gewährt und die laufenden Forschungsprojekte trotz des der Gemeinnützigkeit widrigen Gesellschafterwechsels weiter gefördert würden.“

Abschluß: Was machen Eva-Maria und Volker Erb heute? Sie haben den Ilfelder Burgberg vor Jahren bereits verlassen und sich ins Badische zurückgezogen. Von Eva-Maria Erb ist nicht viel zu erfahren, Volker Erb hat vermutlich von wirtschaftlichen Eskapaden die Nase voll, er hat sich jetzt der Lyrik verschrieben. Im Netz der Netze hat ihn die nnz aufgespürt. Wenn sie Lust und Laune haben, dann klicken Sie sich doch einmal in prosaische Welt des einstigen Gurus im Landkreis Nordhausen.
Autor: nnz

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