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Do, 08:05 Uhr
07.07.2016
Gesponsert von Knauf?

Frau Hartmann: Beziehen Sie Stellung!

„Die nötigen Gipskartonplatten, so ist das in Hohenrode, bekam man geschenkt, diesmal hieß der Unterstützer Firma Knauf“, schrieb gestern die nnz. Dazu Anmerkungen von Bodo Schwarzberg...


Was waren das doch noch für Zeiten, im Herbst 1989, als die Sache mit „Freund und Feind“ für die Nordhäuser und auch überregional aktiven Bürgerrechtler glasklar erschien: SED, Stasi, Grenztruppen, Planwirtschaft und NVA, das waren die Bösen, Kirche, Neues Forum, Demokratischer Aufbruch, Gorbatschow, natürlich Demokratie und allen voran die D-Mark das waren die Guten. Diese Trennung war eindeutig. Sogar weltweit sorgte sie für Sicherheit und trotz der damals 70.000 Atomsprengköpfe für mehr davon, als wir sie heute mit nur noch 15.000 verspüren.

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Dass nach der Wende angesichts einer Währung, für die man sich endlich alles kaufen konnte, die alten verkrusteten Freund-/Feind-Strukturen verschwammen und verwässerten, das sehen wir nicht nur am Dienstwagen der früheren SED-Mitarbeiterin und heutigen Ministerin Birgit Keller. Auch frühere Bürgerrechtler genießen die Vorzüge eines sicheren Salärs in recht oft gehobener, über Kritik meist, wie früher, überwiegend erhabener Position, auch übrigens in dieser Stadt.

Gisela Hartmann verhinderte einst die Verbrennung von Spitzelakten im Nordhäuser Hauptquartier des MfS mit und sie setzte sich zu DDR-Zeiten kompromisslos für die Rechte Andersdenkender ein. Dass sie sich jedoch heute Gipskartonplatten eines Landschaftszerstörers „allererster Güte“ kommen lässt, macht mich sprachlos.
Bin ich vielleicht weltfremd? Nein, ganz und gar nicht: Hat doch die grüne Partei in Hamburg Moorburg schon das größte deutsche Kohlekraftwerk mitgetragen und in NRW den wohl größten deutschen Braunkohletagebau Garzweiler II, in Stuttgart das neue Milliardengrab Stuttgart 21 und koaliert sie doch meines Wissens in Hessen und Baden-Württemberg mit der CDU.

Gipskartonplatten von Knauf für Frau Hartmanns Villa im Park Hohenrode sind demzuolge keinesfalls anstößig, sondern dies entspricht den Gepflogenheiten einer nunmehr bürgerlich spießig-liberalen und machtverliebten, endlich im Einheitsgesülze angekommenen Partei, die ihr einst so wohltuendes Protestimage dem persönlichen Vorankommen Einzelner geopfert hat. Sich öffentlich im Stadtrat gegen weiteren Gipsabbau auszusprechen, passt natürlich dazu.

Gisela Hartmanns Verhalten als Bürgerrechtlerin entsprach zu DDR-Zeiten nicht den üblichen und gesellschaftlich akzeptierten Gepflogenheiten. Die Gepflogenheit des gegenwärtigen Systems, sich ganz offiziell etwas von einer wohlsituierten Firma schenken zu lassen, hingegen ist gesellschaftlich akzeptiert. Über die Folgen spricht man eher weniger.

Schade eigentlich: Aber der Fall Hartmann zeigt, warum dieses zerstörerische System, in dem wir leben, immer noch besteht: Weil es nämlich für Geld, Ansehen und Erfolg nichts gibt, was die meisten Menschen nicht zu tun bereit wären. Selbst bei Strafe der öffentlichen Bloßstellung oder gar des eigenen oder kollektiven Untergangs. Bürgerrechte und Ökologie müssen da auch bei grünen Politikern schon mal hinten anstehen.

Ich persönlich fordere Gisela Hartmann auf, sich ab sofort nicht mehr von irgendeiner Gipsfirma sponsern zu lassen, da ich sonst meine eigene Zusammenarbeit mit dem Park Hohenrode medienwirksam, sehr schnell und konsequent beenden werde.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
U. Alukard
07.07.2016, 08:26 Uhr
Und immer wieder der Kapitalismus,
er spielt bei uns doch eine größere Rolle als man zugeben will!
Das hat Marx im Kapital schon geschrieben, leider hat Herr Schwarzberg Recht, auch die standhaftesten Politiker lassen sich irgendwann rumdrehen.
Sollte dieses Sponsoring etwa ohne das Wissen der Frau Hartmann gelaufen sein?
Auf jeden Fall mal wieder ein treffender Artikel von Herrn Schwarzberg!
Gibt es denn Alternativen zu diesem Baustoff Gips und Platten daraus?
Flitzpiepe
07.07.2016, 08:48 Uhr
Fassen Sie sich an die eigene Nase
Herr Schwarzberg, immer schön auf dem Teppich bleiben! Wenn Sie selber sich ihr Buch von der hiesigen Autoindustrie sponsern lassen, ist das in meinen Augen genauso verwerflich.
Also zeigen Sie nicht mit erhobenen Zeigefinger auf andere. Sie sind nicht besser.
Über Medien sind Sie immer sofort dabei, andere zu beschuldigen. Wenn es aber hart auf hart kommt, so wie bei der Agrargasanlage, dann kuschen Sie nur.
Damit will aber ich nicht sagen, dass Frau Hartmann nicht auch widersprüchlich handelt.
Es sind eher die ganzen Grünen, die unwählbar für mich geworden sind.
Boris Weißtal
07.07.2016, 09:23 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Verstoß gegen AGB
Bodo Schwarzberg
07.07.2016, 09:35 Uhr
Ich wurde von Helmut Peter gesponsert
Das stimmt. Aber ich bin in keiner Partei, sondern Privatmann. Ich schreibe meist Leserzuschriften. Steht etwas über Frau Hartmann in der Zeitung, dann immer auch über eine Partei, die politische Verantwortung trägt, und damit für das Ansehen und die Moral der Demokratie. Nicht zuletzt habe ich mich weder von der Gipsindustrie noch von Helmut Peter in irgendeiner Form einfangen lassen, während Frau Hartmann im nnz-Interview Werbung für Knauf macht!

Das bitte ich zu beachten. Und schließlich bin ich, was die Wirtschaftskritik angeht beileibe nicht so eigentümlich zahm geworden, wie Frau Hartmann. Auch das ist ein großer Unterschied. Zu Veranstaltungen gehe ich grundsätzlich kaum, lieber Fitzpiepe. Viel zu aufwändig. Beim Schreiben wird man seine Meinung schneller los.
Liane Enzinger
07.07.2016, 09:54 Uhr
Wer kontrolliert Gisela Hartmann und das Geld?
Herr Schwarzberg legt den Finger in die Wunde. Gut so!

Wer kontrolliert die Verwendung der vielen hunderttausend Euro öffentlicher Gelder, die an die Hohenrode Stiftung bis heute fließen?

Gibts es Kassenberichte und Rechenschaftsberichte?

Wo kann ich diese einsehen?

Rechnet Frau Hartmann mit der Stadtverwaltung ab fùr die Zuschùsse, die sie aus dem Rathaus bekommt?

Wo kann ich die Verwendung dieser Steuergelder einsehen?

Wie werden Frau Hartmanns "Giganten" finanziert? Also die Helfer, die in Hohenrode arbeiten?

Usw.

Wäre mal ein schönes Thema für die nnz.
Zukunft
07.07.2016, 09:57 Uhr
Meinungsfreiheit
Man kann zu Herrn Schwarzberg stehen wie man will. Doch er wenigstens den Mut, seinen Namen sowohl unter Kommentare als auch unter Leserbriefe zu schreiben. Den hier vertretenen Dauer-Kommentatoren scheint dieser Mut abzugehen. Mir übrigens auch, das gebe ich zu.

Wie ich das so aus den vielen Beiträgen von B. S. entnehme, ist er ein profunder Kenner der hiesigen Botanik und kümmert ich auch praktisch um den Erhalt der Natur. Wie er Geld verdient, das ist seine Sache. Und das mit den Büchern: es ist immer das Verhältnis von Nachfrage und Angebot.

Ich persönlich sehe das Sponsoring von Knauf so wie es ist. Allerdings sollte Frau Hartmann und ihre Mitkämpferinnen, die auch an entscheidenden Stellen im Landratsamt agieren, dann in punkto Gipsabbau ein wenig ruhiger werden.
Treuhänder
07.07.2016, 10:01 Uhr
"Doppelzüngigkeit"
Diese "Doppelzüngigkeit" ist doch "gang und gebe". Täglich in der Politik zu beobachten. Egal bei welchen Themen. Genau aus diesem Grund wenden sich die Menschen von der Politik ab. Das ist nicht nur in Deutschland so. Bei "eigenen" Vorteilen wird schon mal ein "Auge zugedrückt". Nur bei anderen wird mit die moralischen "Keule" geschwungen. Das Beispiel ist da keine Ausnahme. Leider.
Nordhäuser Freiheit
07.07.2016, 10:32 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema des Beitrages
teamplayer
07.07.2016, 10:38 Uhr
Da kann man ...
ja nur hoffen, dass sich Frau Hartmann kein Bein bricht...dann würde sie einen von der Krankenkasse gesponserten Gipsverband, womöglich aus dem Knaufschen Imperium, bekommen...spätestens dann wäre der Rücktritt von B.Schwarzberg sofort "medienwirksam, sehr schnell und konsequent" nicht mehr zu stoppen. Das wäre der Supergau für ....ja für wen eigentlich?
Wahrscheinlich für Niemanden.
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