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Mi, 19:30 Uhr
07.07.2004

Wertschöpfung aus Wertstoffen

Nordhausen (nnz). Was wir wegschmeißen ist schon lange kein Müll mehr. Vieles kann wiederverwendet werden und wird so zum Wertstoff. Zahlreiche Unternehmen leben von dem, was wir in die Tonne stecken. Auch im Landkreis tut sich was in Sachen Abfall.

Wertschöpfung aus Wertstoffen (Foto: nnz) Wertschöpfung aus Wertstoffen (Foto: nnz)



Auf 200 Fußballfeldern trainiert nicht etwa die recht erfolglose deutsche Nationalmannschaft, vielmehr lagert hier der Müll aus vier Landkreisen. Neben dem Landkreis Nordhausen bringen die Entsorger aus dem Eichsfeld, dem Kyffhäuserkreis und dem Unstrut-Hainich Kreis ihre Fracht ins Abfallwirtschaftszentrum Nentzelsrode. Das umfaßt eine Größe von rund 100 Hektar und beherbergt neben der Kreisabfalldeponie weitere Einrichtungen zur Verwertung von Müll und zur Stromgewinnung.

Für eine neue, thüringenweit erst einmal vorhandene, mechanische Restabfallbehandlungsanlage griffen Landräte und Firmenvertreter heute zum Spaten. Die Firma Rethmann, ein seit 1934 bestehendes Familienunternehmen, will hier im Jahr 140.000 Tonnen Hausmüll, Gewerbeabfall und Sperrmüll verarbeiten. Achtzehn Arbeitsplätze werden geschaffen.

Rund 13 Millionen Euro sollen investiert werden. Der Zweckverband Abfallwirtschaft Nordthüringen hat Förderanträge beim Land gestellt, wie Stefab Grüner von Retmann mitteilte.

Die Anlage muß gebaut werden, da ab dem 01.06.2005 kein unbehandelter Abfall mehr deponiert werden darf. Seit 1997, ein Jahr nach dem Zusammenschluß der Landkreise zum ZAN, wurde nach einer günstigen Lösung zur Restabfallentsorgung gesucht. Ende 2001 standen nach einer Vorauswahl 10 Teilnehmer aus einem europaweiten Ausschreibungsverfahren fest. Im Dezember 2002 ging der Zuschlag dann an Rethmann. Mit ihrer für die Entsorgung von Schlachtabfällen zuständigen Firma Saria ist Rethmann bereits seit 1990 in Thüringen aktiv.

Die Anlage wird aus drei Teilbereichen bestehen: einer Anlieferhalle, der mechanischen Aufbereitung mit der Herstellung von Brennstoffen und der Abluftbehandlung. Die Hallen werden bereits Ende des Jahres fertig sein. Ab Januar 2005 kann mit dem Einbau der Maschinen begonnen werden. Der Betrieb startet planmäßig zum 01.06.2005. Damit ist die Müllentsorgung in den Kreisen des ZAN gesichert. Niemand wird eine übervolle Tonne vor dem Haus ertragen müssen.

Zahlreiche interessierte Bürger konnten sich schon heute über die Fortschritte auf der Deponie im Rahmen eines Tages der offenen Tür informieren.

Für alle, die mehr wissen wollen:
Interessant ist die Funktionsweise der mechanischen Aufbereitungsanlage. Ziel soll es sein, möglichst viele Wertstoffe zu gewinnen und die Menge an nicht verwertbaren Rohstoffen zu minimieren.

Zuerst wird der Abfall zerkleinert und gesiebt, dann werden die Metalle, per Magnet und Wirbelstromabscheider, sowie die heizwertreichen Bestandteile aussortiert. Was einmal als Brennstoff in Kraftwerken Energie erzeugen soll, wird weiter zerkleinert und zu Pellets gepreßt. Was nur geringen Heizwert hat, aber biologisch abbaubar ist, darf auf der Deponie in Nentzelsrode abgelagert werden.

Die Zerkleinerung findet in einer Kaskadenkugelmühle statt. Diese Maschine kann man sich wie eine riesige Wäschetrommel vorstellen, die mit 120 mm großen Stahlkugeln gefüllt ist. Die Kugeln, die etwa 50 °C warm sind, wirken aus den Müll ein wie die Steine auf die stone washed Jeans, mit dem Unterschied, daß wirklich nur stark zerkleinerte Reste übrig bleiben. Lohnt also nicht, eine Hose zum Verschönern hinzubringen. Holz und Textilfasern sollen nämlich überwiegend auf eine Größe von 40-80 mm zerkleinert werden.

Mit einem Trommelsieb werden die Bestandteile nach der Größe sortiert. Was als Brennstoff taugt, kann entweder als Fluff, kleine gehäckselte Abfälle, denen man ihre Herkunft noch ansieht, und als Hartpellets, die eher Hundetrockenfutter gleichen, an Kraftwerke geliefert werden.

Die Entsorgung der Abluft ist ebenfalls nicht ganz unkompliziert. Einmal entsteht nur mit Staub belastete Abluft. In der Hauptzerkleinerung und in der Anlieferhalle kann diese aber auch mit Geruchs- und organischen Stoffen belastet sein. Für die erwarteten belasteten Abgasströme ist es vorgesehen Biofilter zu verwenden, die den Kohlenstoffgehalt reduzieren können. Es handelt sich hierbei um geschlossene Container, die von der Luft durchströmt werden. Eine Geruchsbelästigung von Anwohnern kann damit verhindert werden.

Der ZAN ist in Thüringen die erste Gebietskörperschaft, die eine Abfallbehandlungsanlage haben wird. Das Abfallwirtschaftszentrum in Nentzelsrode ist schon jetzt keine "Müllkippe" mehr, sondern ein innovativer Standort in Sachen Wertstoff und regenerative Energie. Neben dem Windpark und der Biogasanlage, die seit 1998 in Betrieb sind, ist es geplant eine Photovoltaikanlage auf der rekultivierten Altdeponie zu installieren.
Autor: wf

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